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Die mit den Schafen kuscheln


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Vegan für mich - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 03.10.2022

Begegnungshof

Artikelbild für den Artikel "Die mit den Schafen kuscheln" aus der Ausgabe 6/2022 von Vegan für mich. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

BEGEGNUNGSHOF IN DER ESPE

In der Espe 21 45529 Hattingen-Oberelfringhausen www.pferden-natuerlichbegegnen.de

Wer Lexas Arbeit und den Begegnungshof „In der Espe“ unterstützen will, kann eine Tierpatenschaft übernehmen. Das Antragsformular findet sich auf der Website unter dem Punkt „Aktuelles“, Stichwort: „Tierpatenschaften“.

Auch spenden kann man online:

https://www.betterplace.me/ lebens-und-begegnungshof-inder-espe-spenden

Am Ende des langen, geschlängelten Weges taucht ein schwarz-weißes Fachwerkhaus auf, wie aus dem Bilderbuch. „Be kind to every kind“ ruft ein Schild neben der leuchtend blauen Tür, direkt über einem Spinnennetz – sei freundlich zu jeder Art. Nicht nur die Spinnen scheinen sich hier auf dem Begegnungshof „In der Espe“, im hügeligen Elfringhausen an der Grenze vom Ruhrgebiet zum Rheinland, wohlzufühlen: Um das Haus herum wuseln Hunde, Hühner, Katzen und Gänse. Ein paar ...

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... Meter weiter zupfen Pferde in ihrem Paddock Heu aus Futternetzen, hinter dem Haus erklettert ein Trupp Schafe einen Hügel. Vor der Tür hockt eine Frau in farbenfrohen Hippie-Klamotten, krault eine weiße Gans und begrüßt uns: „Herzlich willkommen!“

Vor neun Jahren hat Lexa Voss den Hof zwischen Hattingen und Wuppertal gekauft, zusammen mit ihrem Mann Markus. Ihre Vision: einen Ort schaffen, an dem Menschen und Tiere friedlich zusammenleben. Mit vier Pferden und drei Hunden fing es an. Schnell kamen weitere Bewohner hinzu, die meisten aus dem Tierschutz. Seit 2016 ist der Hof als Begegnungshof zertifiziert, aber er ist auch ein Lebenshof: Die Gänsedame Eddi zum Beispiel sollte eigentlich als Martinsgans enden, erzählt Lexa. Heute spielt sie gern die Diva, planscht im Pool und lässt sich kraulen wie ein Hund. Meine Töchter staunen. Und streicheln, was die Federn hergeben.

Kontaktfreudige Wolleproppen

Aber nicht nur Eddi ist in Kuschellaune: Auch die Hündinnen Nea und Lennja stürmen herbei, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen. „Das weichste Fell ever“, schwärmen meine Mädels und schmiegen sich eng an die warmen Tierkörper. Doch es gibt hier noch viel mehr zu sehen und zu bekuscheln: „Die Schafe hatten heute noch keine Besucher“, sagt Lexa. Schafe kannten wir bisher nur als scheue Wesen, die vor uns oder einem Schäferhund weglaufen. Hier erleben wir das Gegenteil: Neugierige Wolleproppen, die uns umringen, sich anschmiegen und hingebungsvoll kraulen lassen.

„Schafe sind sehr kontaktfreudig“, erklärt uns Lexa. Das hat sie zu Beginn des Lockdowns auch auf die Idee gebracht, „Schafbegegnungen“ anzubieten. Seitdem kommen Besucher auf den Hof, um Zeit mit den Schafen zu verbringen. „Schafe strahlen eine unglaubliche Ruhe aus“, weiß Lexa. „Ihr sanftes Wesen und ihr Sinn für Körperkontakt schenken uns Nähe und Geborgenheit.“ Also genau das, was viele Menschen in Zeiten der Pandemie vermissen. „Ich war selbst überrascht, wie gut dieses Angebot ankam“, erzählt Lexa. „Die Schafe sind fast jedes Wochenende ausgebucht“.

WEITERE HÖFE FÜR RESPEKTVOLLE BEGEGNUNGEN ZWISCHEN MENSCH UND TIER

Land der Tiere

Am Lehmberg 3 19260 Vellahn www.land-der-tiere.de

Der 133.000 Quadratmeter große Hof zwischen Hamburg und Berlin beherbergt Schweine, Schafe, Hühner, Puten und viele andere Tiere. Während der Öffnungszeiten gibt es wöchentlich 90-minütige Führungen sowie jährlich mehrere größere Feste und Events.

Natur-Reiten

Tangstedt bei Hamburg www.natur-reiten.de

Liebe und Vertrauen statt Härte und Dominanz – so lautet das Motto dieses kleinen Pferdehofs, den die Natur- und Wildnis-Pädagogin Monja Krohn betreibt. Hier reiten Kinder zwar auch mal auf den Pferden, aber nur ohne Sattel und Mundstück. Im Mittelpunkt steht das Zusammensein.

Stoppels offener Lebenshof

Am Kirchenpfad 1 36166 Haunetal www.stoppels-offenerlebenshof.com

Auf dem ehemaligen Reittherapie-Hof in Osthessen haben Kühe, Pferde, Hühner, Katzen, Kaninchen und Hunde ein Zuhause gefunden. Gäste können hier mithelfen oder auch einfach nur Urlaub machen, es gibt verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten.

Coach statt Pferdesalami

Auch wir vergraben unsere Finger im dicken Fell der Schafe. Riechen ihren würzigen Duft, horchen auf ihr Wiederkäuen. Einfach da sein, nichts tun müssen, loslassen – dieses Gefühl macht sich breit, als wir da so auf der Wiese hocken. Dass es auch den Tieren bei diesen Begegnungen gut geht, darauf legt Lexa größten Wert: „Hier wird niemand zwangsbekuschelt. Jedes Tier hat das Recht wegzubleiben. Genau wie jeder Mensch, der vielleicht ein ihm etwas zu aufdringliches Schaf sanft beiseite schiebt.“

Unsere nächste Station sind die Pferde – für meine Töchter die unbestrittene Hauptattraktion: Pedro aus Argentinien, aus dem eigentlich Salami werden sollte, Pferde-Opi Pierre, der Grauschimmel Shadow und Pony Melvin. Außerhalb von Pandemie-Zeiten gibt Lexa mit ihnen Coachings: Zu ihr kommen Kinder mit ADHS-Diagnose, depressive Jugendliche und gestresste Erwachsene. „Pferdebegleitete Therapie“ nennt sie das. Denn anders als früher, als die ausgebildete Reitpädagogin selbst noch gern im Sattel saß, werden die Pferde nicht geritten. Der Fokus liegt auf Begegnungen auf Augenhöhe. „Ich wollte weg vom Benutzen der Tiere, hin zu einer gemeinsamen, wertvollen Zeit für Mensch und Tier“, sagt Lexa, die seit acht Jahren vegan lebt.

„Pferde sind extrem benutzte Wesen“

„Bei den Pferden kann ich einfach sein und muss keine Erwartungen erfüllen“, sagt Lexa. Wie heilsam das sein kann, erklärt sie uns an einem Beispiel: „Eine Besucherin erzählte mir, sie könne sich einfach nicht aufraffen, etwas in ihrem Leben zu verändern. Pedro hat sie immer wieder mit der Nase angestupst, was sonst gar nicht seine Art ist.“ Sie habe die Botschaft verstanden und die Veränderungen endlich angepackt. Eine andere Besucherin komme oft, um einfach nur dazusitzen. „Manchmal wird sie von einem Pferd beschnuppert, das war’s“, sagt Lexa. „Die Frau fühlt sich dann wie aufgetankt.“

Ich denke an die Begeisterung meiner Töchter fürs Reiten, was mir große Gewissenskonflikte beschert. Und frage Lexa, ob Reiten aus ihrer Sicht kompatibel ist mit dem Vegansein? „Pferde sind extrem benutzte Wesen“, sagt sie. „Sie werden in so vielen Sparten geknechtet. Fürs Reiten sind sie anatomisch eigentlich gar nicht gemacht: Viele Pferde bekommen Rückenprobleme, Springreiten überlastet extrem die Gelenke der Vorderbeine.“ Ein kurzer Galopp mit einem leichten Reiter, der mit dem Tier verschmilzt, mag für beide eine schöne Erfahrung sein, meint Lexa. Aber oft lasse sich an der Mimik der Pferde ablesen, wie gestresst sie tatsächlich sind.

Fest steht: Meine Töchter sind ganz begeistert, einfach nur stundenlang bei den Pferden zu sein. Den Wunsch, sie auch zu reiten, höre ich kein einziges Mal. Bis spät in den Abend hinein laufen sie über die Koppel, klettern auf Bäume und helfen mit, alle Tiere zu versorgen.

Nachts kuscheln wir uns aneinander in der gemütlichen Ferienwohnung, die Lexas Familie unten im Haus eingerichtet hat – und können den Morgen kaum erwarten.

Ausmisten, füttern, spielen

Meine Jüngste ist morgens die Erste auf den Beinen: „Ich gehe helfen“, sagt sie und ist weg. Ausmisten, Heu auffüllen, die Pferde auf die Weide lassen – und natürlich: spielen und kuscheln mit den Tieren. Die große Schwester folgt ihr auf dem Fuße. Ich trinke noch einen Tee und schaue aus dem Fenster. Gerade lässt Lexa die Hühner aus dem Stall, der sie nachts vor dem Fuchs schützen soll. Auch Habichte seien eine Gefahr für die gefiederten Hofbewohner, erklärt Lexa. Aber sie deshalb ein Leben lang einsperren? „Natürlich wäre für uns der Verlust jedes einzelnen Tieres tragisch“, meint sie. „Aber ich kann auch die Wildtiere verstehen. Wir haben ihnen ihren Lebensraum genommen. Wo sollen sie denn hin?“

Ich trete vor das Haus. In den Bäumen hängen bunte Wimpel und Windspiele. Nea bellt mich aufgeregt an. Ich gehe in die Knie und streichle los. Die Hündin beruhigt sich und streckt sich auf dem Pflaster aus. Neben uns liegt eine Gießkanne herum, da ein Blumentopf und dort ein Kinderfahrrad. Hühner und Gänse laufen zufrieden umher. Plötzlich kommen mir die Tränen und ich frage mich: Gibt es einen schöneren Ort?