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DIE NÄCHSTEN BRAZZO-PRÜFUNGEN


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 43/2021 vom 27.10.2021

BUNDESLIGA

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 43/2021

Die Delegation des FC Bayern nutzte die Reise nach Portugal zur Kontaktpflege. Am Vorabend des 4:0-Sieges in der Champions League bei Benfica Lissabon trafen sich die Münchner Bosse mit einem der mächtigsten Spielerberater der Welt. Vorstandsboss Oliver Kahn (52), Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44), Präsident Herbert Hainer (67) sowie Kaderplaner Marco Neppe (35) saßen am vergangenen Dienstag mit Jorge Mendes (55) zusammen, der u.a. Cristiano Ronaldo (36) vertritt. Nicht, um zwingend einen Transfer vorzubereiten, sondern um das Verhältnis weiter zu verbessern. Und beispielsweise über Sturm- Juwel Gonçalo Ramos (20) von Benfica zu sprechen, den viele Vereine auf dem Zettel haben.

Kontakte und ein gutes Gespür sind auf dem Transfermarkt entscheidend. Der Kader der Bayern steht aktuell hervorragend da, die Mannschaft rollt durch Bundesliga und Champions League, ist neben dem FC Chelsea, ...

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... Liverpool und Ajax Amsterdam wohl das formstärkste Team in Europa. Mit den Leistungsträgern Joshua Kimmich (26/bis 2025) und Leon Goretzka (26/bis 2026) wurde zuletzt verlängert, Salihamidzic konnte in seinem Bereich weitere Erfolgsmeldungen verzeichnen, Zugang Dayot Upamecano (23) überzeugt in der Verteidigung.

So weit, so gut. Doch in der Führungsspitze gibt es auch ein Sprichwort, das lautet: Die große Kunst ist nicht das Kaufen, sondern das Verkaufen! Und hier haben Salihamidzic und Bayern jetzt Druck. Denn der Sport-Boss ist bisher nicht dafür bekannt, große Ablösesummen zu erzielen.

Salihamidzic, der im August 2017 zunächst als Sportdirektor kam, erwirtschaftete für Spieler, die den FC Bayern verließen, insgesamt 160 Mio. Euro an Ablösen. Am meisten brachte Douglas Costa (31) ein, den er 2018 für 40 Mio. Euro an Juventus Turin abgab. Im Gegenzug zahlten die Münchner seit Brazzos Amtsübernahme 2017 selbst 268,5 Mio. Euro für neue Profis. Der Teuerste: Lucas Hernández (25), für den 80 Mio. an Atlético Madrid fällig wurden. Speziell in Corona-Zeiten ist ein Minus auf Dauer nur schwer auszugleichen. Und für Salihamidzic stehen nun echte Prüfungen an. b Kingsley Coman (25) hat einen Vertrag bis 2023. Die geforderte Verdopplung des Gehalts von zehn Mio. Euro pro Jahr auf rund 20 Mio. Euro lehnen die Bayern bislang ab. Comans Berater sollen daher die Option in Erwägung ziehen, den Vertrag auslaufen zu lassen, damit Coman ablösefrei wechseln kann. Vorteil: So könnte sich der französische Nationalspieler vom neuen Klub viel Handgeld sichern.

Für die Bayern wäre dieses Szenario bei einem aktuellen Marktwert Comans von 55 Mio. Euro (Quelle: transfermarkt.de) der GAU. Und damit würde sich wiederholen, was im vergangenen Sommer bei David Alaba (29) passierte: Die Bayern ließen die Gespräche mit Alabas Beratern, Vater George (61) und Pini Zahavi (78) platzen, da diese überzogene Forderungen gestellt hatten. Ein starkes, aber auch extrem teures Zeichen: Alaba hatte ebenfalls einen Marktwert von 55 Mio., ging dann aber ablösefrei. Genau wie zwei ältere Stars, die gleich zweimal das Triple mit Bayern holten: Javi Martínez (33/nach Katar) und Jérôme Boateng (33/ nach Lyon).

13 TITEL holte Bayern seit 2017: vier Meisterschaften, zwei Pokalsiege, je einmal Champions-League, Fifa-Klub-WM, Uefa-Supercup und viermal den DFL- Supercup

Neben Coman gibt es weitere Fälle, bei denen wieder Verluste drohen. Corentin Tolisso (27) wurde im Juni 2017, also noch vor Salihamidzic’ Zeit, für die damalige Rekordablöse von 41,5 Mio. Euro verpflichtet. Der Mittelfeldspieler setzte sich nie richtig durch. Vergangenen Sommer war er schon Verkaufskandidat Nummer eins, verletzte sich dann jedoch. Ein Verkauf wurde so gut wie unmöglich. Tolissos Vertrag endet 2022, es ist so gut wie sicher, dass er ablösefrei geht. b Bei Niklas Süle (26) droht dasselbe Szenario. Der Verteidiger kam 2017 für 20 Mio. von Hoffenheim. Weil seine Leistungen zu schwankend waren, wurde sein Vertrag bisher nicht verlängert. Diese Saison spielt der Abwehr-Riese überragend. Stand heute würde aber auch er im Sommer ablösefrei gehen. Süle (Marktwert: 35 Mio.) wartet auf Anfragen anderer Klubs, träumt Wechsel England.

Folge: Saliha- midzic und die Bayern sehen sich nun auf dem Markt um. Kein Zufall, dass mit Antonio Rüdiger (28/FC Chelsea) und Matthias Ginter (27/Glad- bach) zwei Spie- ler beobachtet werden, deren Verträge auslaufen.

Und die damit ablösefrei wären.

Bei anderen Spielern sind die Probleme haus- gemacht. Zu- gänge wie Michaël Cuisance (22/Ablöse: acht Mio.) oder Bouna Sarr (29/Ablöse: acht Mio.) floppten. Da speziell in Corona-Zeiten die Vereine vorsichtig agieren, sind die Spieler extrem schwer zu verkaufen. Cuisance, Sarr und auch Marc Roca (24/kam 2020 für neun Mio.) versuchte Salihamidzic im Sommer von der Gehaltsliste zu bekommen. Bei Cuisance sollen Gespräche mit interessierten Klubs an den Ablöseforderungen der Bayern gescheitert sein. So auch bei Roca. Sarr konnte nicht überzeugt werden, zu einem anderen Klub zu gehen. Auch, weil er bei Bayern angeblich mindestens vier Millionen Euro pro Jahr verdienen soll. Weit mehr, als er zuvor bei Ex-Klub Marseille kassiert hatte.

Bei den Verlängerungen könnte Salihamidzic dagegen bald eine weitere gute Nachricht verbreiten. Die Gespräche mit Stürmer Serge Gnabry (26) über eine Verlängerung seines 2023 endenden Vertrags verlaufen positiv. Der zuverlässige Scorer – in dieser Saison traf er bereits sechsmal – will aber dementsprechend bezahlt werden. Gnabry steht vor dem wichtigsten Vertrag seiner Karriere. Er will von aktuell geschätzt zehn Mio. Euro Jahresverdienst deutlich aufsteigen, die künftigen Gehaltszahlungen sollen bei über 15 Mio./Jahr liegen. Hier müssen die Bayern erneut tief in die Tasche greifen. Eine schnelle Einigung ist nicht zu erwarten. Gnabry fühlt sich in München wohl, hat dort mit Kimmich einen seiner besten Kumpels. Sieht er seine Leistungen jedoch nicht wertgeschätzt, könnte Gnabry seinen Marktwert ausloten.

Cuisance, Sarr, Roca: Die Transfer-Flops sind bislang Ladenhüter

Klar ist: Um die teuren Vertragsverlängerungen mit den eigenen Leistungsträgern finanzieren zu können, müssen Trans- fer-Einnahmen her.

Kahn als neuer starker Mann im Verein nimmt alle Entwicklungen genau unter die Lupe. Er bewer- tet Dinge nach der Macht- übernahme von Karl- Heinz Rummenigge (66) im vergangenen Sommer neu. So wurde der langjährige Vorstand für Internationalisierung und Strategie, Jörg Wacker (54), zuletzt trotz eines Vertrags bis 2024 freige- stellt.

Die sportliche Bilanz mit 13 Titeln seit Beginn seiner Tätigkeit spricht klar für Salihamid- zic, dessen Vertrag bis 2023 läuft. Aber gelingt es ihm, wirtschaftlichen Erfolg hinzuzufügen? Darüber entscheidet jetzt auch sein Netzwerk! Über Mittelsmänner bringen die Klubs hinter den Kulissen in Erfahrung, welche Vereine welche Spieler suchen und abgeben wollen. Eigene Profis können so von Vermittlern wie dem Italiener Giovanni Branchini, mit dem die Münchner bei Transfers jahrelang eng zusammenarbeiteten, auf einem eleganten Weg anderen Vereinen angeboten werden: Nicht die Bayern bieten dann den eigenen Spieler an, sondern ein neutraler Mittelsmann.

Das Problem: Die Beziehung von Salihamidzic und Branchini, dem jahrelangen Haus- und Hoflieferanten der Bayern, soll abgekühlt sein. Branchini soll sich von Salihamidzic u.a. beim Transfer von Leroy Sané (25) von Man City im Sommer 2020 nach München – bei dem der Agent zunächst mit am Tisch saß – rausgedrängt gefühlt haben.

Salihamidzic wird in den nächsten Monaten daran gemessen, alle Baustellen bestmöglich zu schließen. Ganz nach dem Motto: Die große Kunst ist nicht das Kaufen, sondern das Verkaufen! Darum steht Salihamidzic gewaltig unter Transfer- Druck.