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Die Nase voll


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2009 vom 16.02.2009

Sobald das erste Grün sprießt, ist es für viele aus mit den Frühlingsgefühlen. Die Nase kitzelt, die Augen beginnen zu tränen. Kein Grund zur Panik: Auch Heuschnupfenpatienten können die milde Jahreszeit genießen. Das Wichtigste: So früh wie möglich einen Arzt aufsuchen.


Artikelbild für den Artikel "Die Nase voll" aus der Ausgabe 2/2009 von ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: FGk e.V.

Noch ist der Schnee nicht ganz geschmolzen, die Narzissen spitzen erst aus dem Boden – und schon füllt sich das Wartezimmer. „Zwei schöne Wochen im Februar, die Erle blüht, und die Patienten kommen in Scharen“, beschreibt der Kinderarzt und Allergologe Dr. Falko Panzer den Alltag in der Gemeinschaftspraxis in Mannheim. Und ...

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Noch ist der Schnee nicht ganz geschmolzen, die Narzissen spitzen erst aus dem Boden – und schon füllt sich das Wartezimmer. „Zwei schöne Wochen im Februar, die Erle blüht, und die Patienten kommen in Scharen“, beschreibt der Kinderarzt und Allergologe Dr. Falko Panzer den Alltag in der Gemeinschaftspraxis in Mannheim. Und es werden immer mehr, hat er beobachtet. Statt draußen unbeschwert herumzutollen, reiben sich seine kleinen Patienten ständig die Augen und kämpfen gegen die Triefnase. Der Andrang in der Praxis lässt nicht nach, solange Blütenstaub in der Luft ist – und das kann bis in den Oktober dauern. Ist der Winter warm, schütten Frühblüher wie die Hasel schon im Dezember ihre Pollen aus – und die Praxis füllt sich wieder.

Eine Radtour durch blühende Wiesen und Felder – viele Heuschnupfenpatienten werden allein bei dem Gedanken daran ganz kribbelig. Sie reagieren mit tränenden Augen, juckendem Gaumen und Schniefnase auf die sommerliche Pracht.


Foto: MEV

Jeder Fünfte ist betroffen

Zwölf bis 15 Millionen Menschen leiden hierzulande an einer Pollenallergie. Von 1990 bis 2004 hat sich die Zahl der Erkrankten verdoppelt. Seitdem steigt sie langsam weiter an. Manchmal sind die Beschwerden nur leicht und die Betroffenen ahnen gar nichts von ihrer Allergie. Schätzungen gehen davon aus, dass 50 Prozent der Allergiker gar nicht wissen, wo die Ursache ihrer Erkrankung zu suchen ist. Erwachsene meinen oft, keinen Heuschnupfen mehr bekommen zu können, und wundern sich über die immer wiederkehrende sommerliche „Erkältung“. Zwar sind die meisten Heuschnupfenpatienten zwischen zehn und 30 Jahre alt, wenn der Arzt bei ihnen erstmals eine Pollenallergie feststellt. Doch Heuschnupfen ist keine Frage des Alters. „Zu uns in die Ambulanz kommen auch Patienten, die es mit 70 oder 75 erwischt hat“, berichtet Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum-Charité in Berlin.

Ute Redl etwa hatte als Kind nie Probleme mit Pollen. Erst als sie, schon über 30, mit ihrem Mann und den beiden Kindern aufs Land zog, merkte sie, was auf den Äckern rund um das Illertal blüht: Raps. „Ich spüre ihn schon auf der Terrasse, da fangen die Augen zu jucken an.“ Bei Fahrradtouren kann sie das nächste Rapsfeld ansagen, lange bevor es zu sehen ist. „Die Augen brennen, die Nase schwillt an und läuft, das Atmen fällt schwer.“ Dann muss sie erst einmal eine Pause einlegen.

Damit ihr die Pollen nicht jeden Aus flug vermiesen, greift Ute Redl wie viele andere Heuschnupfenpatienten zu Antihistaminika, die die Symptome für einige Stunden lindern. „Bevor ich aufs Rad steige, nehme ich eine Tablette ein. Das reicht, um für den Rest des Tages die Nase offen zu halten“, erzählt sie.

Heuschnupfen ist keine Bagatelle

Die meisten Antihistaminika und andere Mittel gegen Schnupfen gibt es ohne Rezept in der Apotheke. Womöglich ist das ein Grund dafür, dass Menschen, die nur unter leichtem Heuschnupfen leiden, häufig nicht zum Arzt gehen. Nach einer Umfrage des Instituts Forsa für die deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) war ein Drittel aller Allergiker noch nie wegen der Beschwerden beim Arzt. Viele steuern eine Praxis erst an, wenn der Heuschnupfen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu stark einschränkt.

Dabei ist Heuschnupfen keine Bagatelle. Im Einzelfall kann sich ein im Kindesalter aufgetauchter Heuschnupfen nach der Pubertät wieder legen. Häufiger aber wird eine einmal erworbene Allergie stärker, und die Empfindlichkeit der Patienten – auch gegenüber anderen Allergenen – steigt. Knapp die Hälfte der Betroffenen entwickelt auch Allergien gegen Nahrungsmittel. Kreuzallergien nennen Mediziner diese häufige Folgeerkrankung. Dabei reagiert der Körper auf bestimmte Eiweißstoffe in Obst, Gemüse und Kräutern genauso wie auf die jeweils botanisch verwandten Baum-, Getreide-, Gras- oder Kräuterpollen. Die Betroffenen spüren plötzlich beim Essen bestimmter Obst- und Gemüsesorten, von Nüssen oder Gewürzen die gleichen Symptome wie bei einer Pollenallergie: Mund- und Nasenschleimhäute brennen, jucken oder werden dick, manche Patienten haben Magenprobleme. „Betroffen sind vor allem Erwachsene zwischen 30 und 40 Jahren, Kinder kaum“, erklärt der Allergologe Professor Karl-Christian Bergmann. „Es dauert oft Jahre, bis sich auf den Heuschnupfen die Kreuzallergie aufpfropft.“

Allergisches Asthma kann eine Folge von Heuschnupfen sein.


Foto: Image Source

Etagenwechsel

Wenn der Heuschnupfen eines Tages nicht nur die Nase laufen und die Augen tränen lässt, sondern Husten und Atem not auftreten, ist die Allergie von den oberen in die unteren Atemwege hinabgestiegen. Sie hat die Etage gewechselt und verursacht jetzt zusätzlich noch allergisches Asthma. Fiepende Geräusche beim Luftholen sind erste Warnsignale.

Rund 30 Prozent der Heu schnupfenpatienten erkranken innerhalb von zehn Jahren zusätzlich noch an Asthma. Bei Kindern dauert es nur zwei Jahre, dann hat ein Drittel von ihnen neben chronischem Schnupfen auch noch die typischen Asthmasymptome: pfeifende Lunge und Anfälle von Atemnot. Derzeit leiden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vier Prozent der Erwachsenen und drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen an allergischem Asthma.

Auf Dauer hilft gegen Heuschnupfen nur eine spezifische Immuntherapie (SIT), bei der die Allergene in verdünnter Form verabreicht werden – per Spritze, in Form von Tropfen oder als Tablette unter die Zunge.


Foto: Banana Stock

Frühe Hyposensibilisierung erhöht Heilungschancen

Heuschnupfenmittel lindern nur die Symptome, die Allergie bleibt und der Schnupfen kommt im nächsten Jahr wieder. Auf Dauer helfen kann nur die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hypooder Desensibilisierung genannt. Der Patient erhält die Allergene in verdünnter Form per Spritze verabreicht, als Tropfen unter die Zunge geträufelt und neuerdings auch als Tablette. So soll sich der Körper langsam an die eigentlich harmlosen Substanzen gewöhnen und im Ernstfall nicht mehr mit einer verstärkten Abwehrreaktion kontern. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen gibt die Erfolgsquoten einer SIT mit standardisierten Allergenextrakten bei Pollenallergien mit über 80 Prozent an. Die Heilungschancen sind am größten, wenn die Therapie frühzeitig beginnt, die Allergie also noch frisch ist.

Aber selbst Patienten, bei denen diese Therapie nicht anschlägt, müssen die Hoffnung nicht aufgeben. Ihnen können unter Umständen sanfte Heilmethoden wie Akupunktur helfen. Außerdem entwickeln Wissenschaftler immer neue Medikamente, damit Heuschnupfen ganz geheilt oder zumindest dauerhaft gelindert werden kann.

Asthma: Wenn die Luft knapp wird

Unter Asthma versteht man eine dauerhafte Entzündung der Atemwege. Dadurch sind die Bronchien empfindlich und reagieren auf bestimmte Reize. Die Lungenschleimhaut schwillt an, es bildet sich ein zähflüssiger Schleim, der die Atemwege verstopft und das Ausatmen erschwert. In die aufgeblähte Lunge gelangt nur noch wenig Luft, die Muskulatur der Bronchien verkrampft sich, es kommt zu einem Asthmaanfall.

Bei einem allergischen Asthma sind bestimmte Allergene sowohl die Ursache der Entzündung als auch – bei massivem Auftreten – der auslösende Reiz für einen Anfall. Ein nicht allergisches Asthma entsteht meist durch eine Infektion der Atemwege. Auslösende Reize können Düfte, Chemikalien, Arzneimittel, aber auch Wettereinflüsse oder körperliche Belastung sein.

Die medizinische Behandlung richtet sich nach Häufigkeit und Schwere der Anfälle und unterteilt sich in Wirkstoffe, die akut die Atemnot lindern und solche, die die Entzündung langfristig hemmen. Wichtig ist, dass die Betroffenen aktiv mit ihrer Erkrankung umgehen und entsprechend geschult werden.

Haben Sie Heuschnupfen?

Je mehr Kreuze Sie gemacht haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass hinter Ihrem Schnupfen eine Pollenallergie steckt.


Foto: CCVision.de

□ Haben Sie häufig Schnupfen, der mit Juck- und Niesreiz, verstopfter Nase und wässrigem Ausfluss verbunden ist?
□ Leiden Sie in der wärmeren Jahreszeit manchmal unter juckenden und tränenden Augen, wie bei einer Bindehautentzündung?
□ Sind auch der Geruchs- und Geschmackssinn eingeschränkt?
□ Verspüren Sie oft ein Jucken an Gaumen, Ohren und Gesicht, gelegentlich auch ein Jucken an anderen Körperstellen?
□ Treten diese Beschwerden oft an sonnigen Tagen im Frühling und im Sommer auf?
□ Treten diese Beschwerden vor allem im Freien oder bei geöffnetem Fenster auf?
□ Lassen die Symptome abends nach?
□ Haben Sie bei Spaziergängen manchmal Niesanfälle?
□ Leiden Sie in den Sommermonaten öfter als sonst an Kopfschmerzen oder unter unerklärlicher Müdigkeit?
□ Bekommen Sie nach einem kräftigen Regenguss an warmen Sommertagen plötzlich besser Luft?
□ Sie fühlen sich im Gebirge oder an der See besser?