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DIE NEUE DFB-ZENTRALE


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 26/2022 vom 29.06.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 26/2022

Der Taxifahrer hat auf dem Weg zum neuen Herzstück des deutschen Fußballs noch so seine Probleme. „Wohin wollen Sie genau?“, fragt er: „Campus? Zur Uni?“ Der DFB-Campus ist in Frankfurt noch fast unbekannt – dabei ist er das Prestige-Projekt des Verbandes und soll zum 1. Juli voll in den Betrieb gehen.

150 Mio. Euro teuer, knapp 50 000 Quadratmeter groß.

Zwei Kilometer Fußweg entfernt von der alten Zentrale an der Otto-Fleck-Schneise wird gerade noch gebohrt, verputzt und ausgebessert. Dennoch lebt der Campus, in dem die DFB-Akademie als Herzstück integriert ist: Fast alle Mitarbeiter sind bereits umgezogen, die Frauen-Nationalmannschaft bereitete sich an der Kennedyallee 274 im Stadtteil Niederrad auf die EM in England vor.

Künftig wird hier die A-Nationalmannschaft regelmäßig bei Heimspielen trainieren. Aber es entsteht noch viel mehr. Für SPORT BILD öffneten ...

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... Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff (54) und Akademie-Leiter Tobias Haupt (38) die Tür: der erste Rundgang durch die neue Machtzentrale im deutschen Fußball!

„Die Eröffnung wird für alle ein Großereignis. Wir wollen den Fußball für alle Mitarbeiter greifbar ma-chen“, gibt Bierhoff die Richtung vor. Dort, wo früher eine Trabrennbahn war, sollen sich nun die Spieler und Spielerinnen von der Jugend bis zum Herrenbereich fit machen. Und: Es soll eine neue Kultur gelebt werden.

An diesem Tisch wird über den Slogan „Die Mannschaft“ entschieden

Mit Austausch zwischen allen Abteilungen, von der Verwaltung bis zu den Sportlern. Überall gibt es freie Arbeitsplätze, sogenannte „Open-Plan- und Zellenbüros“.

Selbst Bundestrainer Hansi Flick (57) hat kein festes, eigenes Büro: Er arbeitet in einer weitläufigen Trainer-Lounge, die allen Übungsleitern zur Verfügung steht. Flick will künftig wenn möglich jede Woche vor Ort sein, Präsenz zeigen.

„Wir wollen Transparenz leben“, erklärt Bierhoff. Ihm ist es besonders wichtig zu betonten:

Alle Abteilungen sollen sich begegnen, niemand von oben herab mit anderen umgehen. Von vielen Büros gibt es einen Blick auf einen der Trainingsplätze.

Trainer wie Felix Magath (68) oder Christian Streich (57) besichtigten bereits den Campus.

Selbst Flick hat kein eigenes Büro, er arbeitet in der Trainer-Lounge

„Das Gebäude ist nur eine Hülle, wir wollen es mit Leben füllen. Es ist für den DFB ein Meilenstein“, meint Haupt. Noch ist einiges zu tun: Arbeiter laufen durch den Neubau, Kabel hängen von der Wand, Pressholzplatten ebnen den Weg. „Es ist wie bei einem Privathaus: Du musst die Handwerker rauswohnen“, scherzt Bierhoff. Wichtig: Die Funktionalität ist gegeben, die 543 Arbeitsplätze können genutzt werden. In ein bis zwei Monaten soll sich alles eingespielt haben, u.a. verzögerten die Corona-Pandemie sowie der Ukraine-Konflikt das Bauvorhaben. Oder auch andere, unvorhersehbare Probleme. „Einmal gab es einen Brand auf einem Schiff, das Fassadenteile für den Campus aufgeladen hatte“, erzählt Bierhoff.

Daher kann Bierhoff eine andere Baustelle, mit der er zuletzt zu kämpfen hatte, mit Humor nehmen. Stichwort: „Die Mannschaft.“ Der Begriff für die A-Nationalmannschaft wurde viel diskutiert. Ist er nun bald Ge-schichte? Darüber wird ebenfalls am neuen Campus entschieden.

Im dritten Stock des Verwaltungsbereichs …

Nicht nur im Weißen Haus in Washington, sondern auch im deutschen Fußball gibt es jetzt ein „Oval Office“. In Frankfurt nennen die Mitarbeiter zumindest so scherzhaft den großen Besprechungsraum, in den DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich (52) führt. Hier stimmt das Präsidium darüber ab, ob der Begriff „Die Mannschaft“ erhalten bleibt oder nicht.

„Wir peilen an, Ende Juli hierzu mehr zu wissen. Wir werten im Moment aus, wie sehr dieser Begriff in der Bevölkerung noch trägt“, erklärt Ullrich. Umfragen werden analysiert, der Verband will ein Stimmungsbild einholen. „Ich bin da ganz entspannt“, sagt Bierhoff: „Das Team kann jeder nennen, wie er will. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert.“

Aber: „Nach den Diskussionen der letzten Wochen erwarte ich keine besonders guten Umfragewerte.“

Die im März auf dem DFB-Bundestag gewählte Ullrich versprüht Aufbruchstimmung. „Es ist ein anderer Geist eingezogen“, meint sie: „Das Arbeiten hier ist komplett anders. Man kommt viel öfter ins Gespräch, da es quasi keine Türen mehr gibt.“ Die Zeit der Skandale und Hausdurchsuchungen soll vorbei sein.

Für den Stimmungswandel braucht es vor allem sportliche Erfolge: Um in den Maschinenraum des deutschen Fußballs zu kommen, muss man drei Etagen weiter nach unten, vorbei am Büro des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf (60) die Treppe hinab in die Umkleidekabine:

Es sind nur wenige Gehminuten, schon steht man dort, „wo Hansi künftig die Spieler heißmachen kann“, erläutert Bierhoff.

In den Umkleiden, in denen Manuel Neuer, Joshua Kimmich & Co. sitzen werden, riecht es noch nicht nach Fuß ballerschweiß, sondern nach Farbe.

Nur ein paar Schritte nach draußen, schon sind die dreieinhalb Freiluft-Plätze zu sehen. Dreieinhalb? Ja! Drei Spielfelder für normale Übungsformen, ein halber Platz für das Torwarttraining!

In den Umkleiden von Neuer, Kimmich & Co. riecht es noch nach Farbe

Hier rollt schon der Ball, der Rasen ist knapp drei Jahre nach dem Spatenstich im September 2019 im perfekten Zustand. Dass es nicht mehr Spielfelder wurden, hat mit den Finanzen zu tun: Bierhoff & Co. mussten sich an einen engen Plan halten, durften nicht über 150 Mio. Euro ausgeben. So wird bei jeder neuen Ausgabe überlegt: Brauchen wir das wirklich?

„Die Spieler sind große Fans von Paddle-Tennis“, erläutert Bierhoff. Das Tennis-Spiel in einem Käfig wurde zuletzt immer beliebter, da ein Court aber rund 100 000 Euro kostet, gibt es noch keinen. „Wir sind ein Verband, der haushalten muss“, sagt Bier-hoff. So wurden am Ende auch statt zunächst geplanter 120 nur 33 Doppelzimmer gebaut. Genug für Jugend-Mannschaften und U21, jedoch nicht für die Profis:

Da im Team von Flick jeder Star ein Einzelzimmer bekommt, ist nicht ausreichend Raum für die A-Nationalmannschaft und deren Helfer. Der viermalige Weltmeister wird künftig in Frankfurt im Hotel wohnen und mit dem Bus an den Campus fahren.

Warum das dennoch viele Vorteile bringt, erklärt Bierhoff: „Wir müssen nicht mehr jedes Mal unser Gym aufbauen, die medizinischen Einrichtungen sind hier: Wir sind nicht mehr Gast, sondern Herr im eigenen Haus.“

Dafür hat der DFB erstmals in seiner 122-jährigen Geschichte sogar einen „Head-Greenkeeper“ angestellt: So nennt sich der hauptamtliche Rasenwart. Er kümmert sich nicht nur um die dreieinhalb Felder im Freien:

Wie ein Koloss thront eine riesige Halle auf dem Gelände, welche ein komplettes Kunstrasenfeld beherbergt und in dieser Art einzigartig in Europa ist.

Am Campus sind nicht nur Trainingsplätze, Verwaltung oder Trainerausbildung untergebracht: Es ein eigenes Silicon Valley! Das sogenannte „TechLab“ ist ein Forschungszentrum, in dem Neuheiten unter Laborbedingungen getestet und entwickelt werden. Bew ährt sich eine und nicht-private Nutzung exklusiv übe Neuerung, kann sie direkt nebenan auf dem Platz von Spielern benutzt werden – so wie der „Trackman“, eine Maschine, welche Treffpunkt des Balls und Rotation bei Standardsituationen misst. Herr über diesen Abschnitt ist Nicklas Dietrich (39). Er kümmert sich um die Bereiche Athletik und Perfomance.

Heißt: von den richtigen Fitnessgeräten bis hin zur Bedeutung von Sauerkirschsaft für einen besseren Schlaf. „Die Regeneration ist beim Terminkalender der Profis ein Riesen-Thema“, erläutert Dietrich, der zuletzt das DFB-Hotel für die WM in Katar inspizierte. Fragen, die sich dabei stellen: Sind die Zimmer perfekt abzudunkeln, gibt es verschiedene Kissen zur Auswahl?

Dietrich hält sich zwischen Gym und TechLab auf, zwischen modernen Geräten und Do-ityourself-Charme. „Das ist bewusst im Industriehallen-Style gehalten“, sagt Haupt: „Unter Laborbedingungen können Geräte getestet werden, die dann direkt auf dem Platz in den Einsatz kommen.“ Ex-Profis wie Sami Khedira (35) oder Per Mertesacker (37) schauten hier schon vorbei, um den Fortschritt zu begutachten. Und vielleicht stößt einer ihrer Weltmeister-Kollegen von 2014 bald wieder zur A-Nationalmannschaft.

„Mario ist ein Top-Charakter.

Ich finde, dass es ein toller Schritt ist, für ihn sicher nicht der bequemste, im Ausland hätte er vielleicht noch mehr verdienen können“, meint Bierhoff zum Transfer von Mario Götze (30) zu Eintracht Frankfurt: „Man sieht, er möchte die Herausforderung annehmen. Die Wertschätzung für Mario ist auf jeden Fall da.“ Die Tür am Campus sei für ihn immer offen, betont Bierhoff. Denn bei aller Innovation wissen sie beim DFB:

Manchmal hilft Altbewährtes, um ans große Ziel zu kommen. „Wir tun alles, um ein Sommermärchen 2.0 möglich zu machen“, erklärt Haupt. Der Grundstein ist in Frankfurt gelegt – die Taten müssen jetzt auf dem Spielfeld folgen.