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DIE NEUE FORM DER SELBSTVERSORGUNG


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 18.01.2022

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Essbare Funkien unter Esskastanie.

Urbanes Gärtnern ist beliebt und birgt ein großes Potenzial für Menschen, Städte und Natur. Inzwischen entsteht mit dem Waldgarten eine neue Form des städtischen Gärtnerns: Im Unterschied zu anderen Formen des urban gardenings dominieren beim Waldgarten mehrjährige essbare Pflanzen, die in verschiedenen Vegetationsebenen wachsen. Was ist die Idee hinter dieser neuen Form des Urban Gardenings?

„Urbane Waldgärten: Mehrjährig, mehrschichtig, multifunktional“ heißt ein Modellprojekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, über das zwei Waldgärten in Kassel und einer in Berlin entstehen sollen. Das Verbundvorhaben unter Federführung der Universität Potsdam begann 2018 mit Voruntersuchungen, unter anderem zu rechtlichen Rahmenbedingungen. Im April 2021 startete die Realisierungsphase. Die Laufzeit beträgt 6 Jahre. Gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des ...

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... Bundesumweltministeriums.

Während für die zwei Standorte in Kassel erst die Beteiligungsverfahren beginnen werden, sind die Planungen für eine Kleingartenanlage am Leonberger Ring im Süden Berlins schon weiter gediehen. Das 2,8 Hektar große Areal dient als Ersatzfläche für die mit dem Ausbau der A 100 verloren gegangenen Kleingartenanlagen und wurde bisher als Zwischennutzung durch den Britzer Garten als Weidefläche für Rinder genutzt. Seit 2010 ist die Fläche per Bebauungsplan als Dauerkleingartenanlage gewidmet. Aktuell wird sie vom Projekt „Urbane Waldgärten“ als Waldgarten-Kleingartenpark entwickelt.

Im Rahmen der vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Voruntersuchung der Universität Potsdam mit flankierender Bürgerbeteiligung wurde in einem gemeinsamen Verhandlungsprozess mit dem Bezirksverband Berlin-Süden der Kleingärtner e.V., dem Bezirksamt Neukölln als Flächeneigentümer und der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK) die Idee eines Waldgarten-Kleingartenparks entwickelt. So wurde in diesem Rahmen das Berliner Planungsbüro Schmidt-Seifert von der SenUVK beauftragt. Das Planungsbüro erarbeitete unter Einbindung der genannten Akteure das räumliche Entwicklungskonzept für den Waldgarten-Kleingartenpark.

Entstehen werden 60 Parzellen, die nicht dem herkömmlichen Kleingartentyp entsprechen. Sie orientieren sich vielmehr alle an dem Leitbild Waldgarten mit einem hohen Gehölzanteil und vorwiegend essbaren Pflanzen.

Jeweils zwei bis acht Kleingärten bilden ein rundförmiges Cluster. Jedes Cluster enthält eine gemeinschaftliche Grünfläche in der Mitte. Abgrenzungen durch Zäune gibt es zwischen den Kleingärten nicht, dafür zwischen den Flächen mit Clustern und gemeinschaftlichen Grünflächen – und einem sie umgebenden, öffentlich zugänglichen essbaren Park.

Im Zentrum der Anlage stehen der 5.000 m 2 große Gemeinschafts-Waldgarten. Flankiert wird es von einer 1.000 m großen Fläche für Umweltbildung, die vom Freilandlabor Britz konzipiert und durchgeführt wird.

Im Juli 2021 wurde auf dem Gelände des künftigen Waldgartens vom Team der Universität Potsdam eine Messstation installiert. Diese sammelt Daten über das örtliche Kleinklima, die in den kommenden Jahren mit den Daten einer zweiten Messstation auf einer benachbarten Wiese verglichen werden. Derzeit läuft für das Britzer Gelände die Pflanzplanung, das Abschälen der Wiese war für den Herbst 2021 geplant. Im Frühjahr 2022 werden Wege gebaut und die ersten Gehölze gesetzt. Bis Ende 2022 sollen alle Pflanzen in der Erde sein.

Geplant sind fünf Waldgarten-Typen, sagt der Landschaftsgärtner und Diplom-Permakultur-Designer Volker Kranz, der mit seinem Bremer Unternehmen „baumrausch“ mit der Gesamtplanung für den Gemeinschaftswaldgarten mit Um weltbildungsfläche beauftragt wurde. Da Waldgärten bisher wenig wissenschaftlich untersucht wurden, soll im Modellprojekt der Einfluss von Waldgärten auf Bodenentwicklung, Biodiversität, Mikroklima und Ertrag im Siedlungsraum anhand der in enger Zusammenarbeit mit Dr. Jennifer Schulz definierten fünf Waldgartentypen erforscht werden.

„Um ein System wie einen Waldgarten zum Gedeihen zu bringen, ist es wesentlich, die natürlichen Veränderungsprozesse zu verstehen und den Entwicklungsprozess dementsprechend zu gestalten.“

Volker Kranz

FÜNF GARTEN-TYPEN

In der Natur ist jeder Wald eine Mischung aus hell und dunkel, aus großen und kleinen Bäumen, Sträuchern und Unterholz. Es gibt Lichtungen und Waldränder, wobei der Einfluss des Lichts wesentlich bestimmt, welche Pflanzen wo wachsen und wie sich das Mikroklima entwickelt. „Die wissenschaftliche Frage dabei lautet: Welche Effekte haben welche Typen von Wald?“, so Kranz.

Für jenen Teil des Areals, in dem der „Lichtungswald“ entstehen soll, sind wenig Bäume und Sträucher vorgesehen, dafür eine intensiv genutzte Krautschicht mit Gemüse. An Wegen und Plätzen soll einmal Schüttelobst wie Maulbeeren und Pflaumen wachsen. Die darunter wachsenden Kulturen müssen entweder flach wachsen oder wie Himbeeren im Spätsommer abgemäht sein, damit die Früchte der Schüttelobstgehölze geerntet werden können, erklärt Kranz.

Für den „Retentionsgarten“ sind große und kleine Bäume mit Pflückobst und hohe Sträucher vorgesehen, darunter in verschiedenen Feuchtestufen essbare Stauden. In diesem Teil des Waldgartens sollen auch sogenannte Schwammbeete angelegt werden, also größere Mulden, die mit Blättern und Mulchmaterial gefüllt sind, sich bei Regen wie ein Schwamm vollsaugen und das Wasser langsam an die umliegenden Bäume abgeben. So soll geprüft werden, inwieweit ein Retentions-Waldgarten zur Wasserrückhaltung in Städten beitragen kann.

Im „Trockengarten“ stehen von den Größen her vergleichbare Pflanzen wie im Retentionsgarten. Allerdings vertragen sie kein stehendes Wasser, sondern sind hitze- und trockenheitsresistent, und manche Gehölze wie Ölweiden sind stickstoffbindend. Während im öffentlichen Grün und in den Gemeinschaftsflächen der Cluster viele bekannte Arten gepflanzt werden sollen, werden bei den fünf Waldgartentypen im Zentrum auch essbare Arten wachsen, die weniger bekannt sind.

An die 100 Gehölzarten und diverse Sorten sieht der Pflanzplan für den zentralen Waldgarten vor. Auch die Krautschicht wird laut Kranz sehr artenreich und neben etlichen heimischen Pflanzen auch mit vielen weniger bekannten Nutzarten besetzt: In der Liste der essbaren Stauden stehen beispielsweise der Hirschhornwegerich (Plantago coronopus) und Ewiger Kohl (Brassica oleracea var. Ramosa). Andere Pflanzen wie Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) haben die meisten zwar schon einmal gesehen – jedoch ist kaum bekannt, dass auch sie essbar sind.

Freiflächen, die nicht beweidet oder vom Menschen bearbeitet werden, verbuschen und werden am Ende zu Wald. So ist die Situation auch in einem Waldgarten: Wird die Krautschicht nicht bearbeitet, siedeln sich bald die ersten Wildgehölze an, die wachsen, das Erdreich verschatten und nur bestimmte Arten durchlassen. Eine entscheidende Frage lautet daher: „Soll der Waldgartentyp intensiv oder extensiv genutzt werden?“, sagt Kranz. Der „Sukzessionsgarten“ auf dem Gelände der Britzer Kleingartenanlage ist ein Beispiel für eine extensive Nutzung: Der Schwerpunkt dort liegt auf heimischem Wildobst; die Krautschicht wird nur in Form von Wildsammlung genutzt. Dieser Teil des Gartens soll eine starke Eigendynamik entwickeln können, die Arbeit beschränkt sich aufs Ernten.

„RIESIGES INTERESSE“

Das Interesse an dem Berliner Waldgartenprojekt ist riesig, sagt Dr. Jennifer Schulz vom Projekt-Leitungsteam der Universität Potsdam. Jenseits der zukünftigen Pächterinnen und Pächter der Kleingartenparzellen engagieren sich rund 40 Leute in den verschiedenen Arbeitsgruppen, zirka 100 weitere stehen auf der Warteliste. Auch das Interesse seitens schulischer Institutionen ist groß, das zeigen Anfragen beim Freilandlabor Britz, wo unter anderem Schulungsangebote für Kinder, aber auch für Mitarbeitende im GaLaBau geplant sind.

Für die ersten sechs Jahre steht neben einem Projektleiter beim Bezirksverband Süden der Kleingärtner e.V. auch eine Gärtnerin als begleitende Fachperson zur Verfügung: Diese wird die Beteiligten nicht nur gärtnerisch unterstützen, sondern die Gruppe auch moderieren, passende Formate entwickeln und sich um Verantwortlichkeiten kümmern. Eine Art Prozessmanagement sei wichtig, erklärt Dr. Schulz, nur so könne eine Verstetigung gewährleistet werden. Dabei geht es auch um ganz praktische Fragen, zum Beispiel wie verhindert werden kann, dass in einem Essgarten Hundekot oder Zigarettenkippen auf der Erde landen. Mehr als bei klassischen Kleingartenanlagen sei bei einem Waldgartenprojekt die soziale Komponente ein zentraler Punkt, sagt Dr. Schulz. Es gelte, Verbindlichkeiten auszuhandeln, Betreiberformate zu definieren und Ansprechpersonen auch für den Konfliktfall bereitzustellen: „Strukturen sind wichtig und sollten im Kern der gemeinschaftlichen Entwicklung mit den Beteiligten stehen.“

„DAS THEMA NIMMT FAHRT AUF“

Neu ist das Thema nicht: Der landwirtschaftliche Anbau in waldähnlichen Landschaften hat insbesondere in den Tropen und Subtropen eine lange Tradition. Dort ist das Konzept als „tropical homegarden“ bekannt, in Europa und den englischsprachigen Ländern spricht man von „Food Forest“. Europa hat stattdessen seine Streuobstwiesen, im Süden Olivenhaine, in denen Vieh weidet. Erfahrungen mit einer planmäßigen Anlage von Waldgärten als nachhaltige Nutzungsform gibt es in den gemäßigten Breiten jedoch erst seit rund 30 Jahren. Auch wenn konzeptionell für tropische Waldgärten sieben Schichten definiert werden, beschränken sich Waldgärten in gemäßigten Breiten wegen des Mangels an Licht auf mindestens drei Vegetationszonen: die Baumschicht, die Strauchschicht und die bodennahe Krautschicht, in der Gemüse und Stauden wachsen.

Seit etwa zwei bis drei Jahren nimmt das Thema Waldgarten in Deutschland „total Fahrt auf“, beobachtet Kranz. Bei der Firma „baumrausch“ häuften sich die Anfragen: Fertiggestellt ist unter anderem ein Waldgarten für die Lebenshilfe Hannover, in Planung ist ein weiterer für eine Lebenshilfe in Kaiserslautern, wo später einmal eine Marmeladenmanufaktur an das Gartenprojekt angeschlossen werden soll. In Hamburg wird für das Dach eines Hochhauses ein Waldgarten geplant, und aus der Toskana kam eine Anfrage für ein 30 Hektar großes, verwildertes Stück Land.

CHANCEN AUCH FÜR LANDWIRTSCHAFT

Wie groß muss ein Waldgarten sein, wenn er wirtschaftlich genutzt werden soll? Die Antwort auf diese Frage ist schwierig, da es keine offizielle Definition für Waldgarten gibt. So wurde für das Projekt Urbane Waldgärten, angelehnt an die internationale Größendefinition für Wald, eine Mindestfläche von 5.000 Quadratmeter festgelegt. Als Privatgarten genutzt, könne wohl eine Fläche von bis zu einem halben Hektar von einer Person gepflegt werden, sagt Kranz.

Diese Schätzung gilt, solange der Waldgarten extensiv genutzt wird. In dieser Wahlmöglichkeit liegt die Flexibilität und für Kranz zugleich das Spannende in dem Konzept Waldgarten: Wird die Arbeit zu viel, könne man der Natur freien Lauf lassen – die Pflanzen wachsen und beschatten mehr und mehr die untere Krautschicht. Nun dominieren schattenverträgliche Pflanzen, und die Arbeit mit dem Gemüse wird weniger.

Durch Zurückschneiden oder Gewährenlassen biete ein Waldgarten viele Möglichkeiten, zum Ein- und Ausschalten der Vegetation. In Berlin Britz zum Beispiel sollen Indianerbananen (Pawpaws) zwischen Sommerlinden gesetzt werden. Die brauchen in ihrer Jugendphase lichten Schatten, in der Erntephase aber Licht. Die Linden dürfen darum fünf bis sechs Jahre lang wachsen, dann werden sie als Kopfbaum zurückgeschnitten, damit sie das Licht für die Pawpaws durchlassen.

In der Landwirtschaft boomt derzeit das Thema Agroforst, die Kombination aus Bäumen mit landwirtschaftlichen Kulturen oder Vieh-Weiden. Waldgärten spielen bei diesem Konzept bisher kaum eine Rolle. Das soll sich ändern: Als Modellprojekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt fördert das Bundesamt für Naturschutz aktuell das Vorhaben „Waldgartensysteme als insektenfördernde, landwirtschaftliche Produktionsmethode – Insektenlebensräume und Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft schaffen“ (WASYS). Der Verein STATTwerke entwickelt dafür in Brandenburg auf einem etwa 11 Hektar großen Stück Land Modellflächen für unterschiedliche Waldgartensysteme. Die Universität Hannover untersucht bis 2025 die Wirtschaftlichkeit großflächiger Waldgartensysteme für die Landwirtschaft.

Erste Initiativen für gemeinschaftlich betriebene Waldgärten in Städten gibt es in Deutschland erst seit ein paar Jahren. Dabei liegen gerade für Kommunen die Vorteile auf der Hand: In Berlin Britz werde die Umsetzung vieler Ziele der Stadtentwicklung erprobt, sagt Dr. Jennifer Schulz.

Zu den Vorteilen gehörten ein großes Kühlungspotenzial und ein artenreicher Lebensraum, auch seien Waldgärten eine Antwort auf den Wunsch vieler Menschen nach Gärtnern und einem Ort der sozialen Begegnung. Bei den ersten Beteiligungsworkshops habe man nach der Motivation der Anwesenden gefragt: Neben der allgemeinen Nennung von Klima, Umwelt und Biodiversität sei oft auch die Rede gewesen von Beteiligung und dem Wunsch, die eigenen Kinder vertraut mit der Natur zu machen. Die Beteiligung muss sich in Britz nicht aufs Gärtnern und Ernten beschränken: Im Rahmen von Citizen Science-Formaten können sich Bürgerinnen und Bürger auch am Monitoring beteiligen und so für einen langfristigen Wissensgewinn über Waldgärten auch jenseits der eigenen Gemeinde sorgen.

Mehr unter: https://urbane-waldgaerten.de

Praxisbuch Waldgarten

Volker Kranz, Landschaftsgärtner und Inhaber der Firma Baumrausch, und Frederik Deemter vom Deemter Essgarten in Barjenbruch bei Bremen haben im September 2021 ein Buch um Thema Waldgarten veröffentlicht.

Darin beschreiben sie das Wesentliche zu Planung und Aufbau eines Waldgartens im mitteleuropäischen Klima. Neben verschiedenen Waldgartensystemen erklären die Autoren wichtige Pflegemaßnahmen, Schädlinge, Krankheiten und Konkurrenten sowie Wissenswertes zu Gesundheit, Ernte und Konservierung der Ess-Pflanzen. Die Portraits von über 100 Arten werden ergänzt durch Überlegungen zu Bodendecker und Untersaaten mit einheimischem Wildgemüse sowie zu Pilzen, die in einem Waldsystem wichtige Funktionen erfüllen.

Manche der in Frage kommenden Pflanzen sind essbar und attraktiv zu gleich: Zu ihnen gehört die Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata), ein einheimisches, aber inzwischen selten gewordenes Gehölz. Der bis zu fünf Meter hohe Strauch ist winterhart ab Winterhärtezone 6 und entwickelt dekorative Blasenfrüchte. Unreif schmecken die Früchte laut Frederik Deemter wie Zuckererbsen, reif erinnern sie an Pistazien.

Von den Beerenfrüchten beschreibt Frederik Deemter im Buch unter anderem die Honigbeere (Lonicera caerulea var. kamtschatica). Die Pflanze aus der Gattung der Heckenkirschen kommt in Europa, aber auch in Amerika vor, stammt aber wahrscheinlich aus Sibirien, weshalb sie ab Winterhärtezone 3 frosthart ist. Der 1,5 bis 2 Meter hohe und sehr früh im Mai ansetzende Strauch braucht laut Frederik Deemter einen feuchten, sonnigen Standort, verträgt zwar auch etwas Schatten, setzt dann aber deutlich weniger Früchte an.

Ein natürlicher Wald ist auch ein Refugium für Kletterpflanzen, und so empfiehlt Frederik Deemter Kaukasischen Rankspinat (Hablitzia tamnoides) als „schnell wachsend und ertragreich“. Die aus dem Kaukasus stammende, bis zu drei Meter hohe Kletterpflanze ist frosthart ab Winterhärtezone 6 und liefert essbare Triebe und Blätter. Da sie in ihrer Heimat auf lockerem Waldboden unter Laubbäumen stehe, meide sie Staunässe und bevorzuge Halbschatten. Im Winter stirbt sie laut Frederik Deemter oberirdisch völlig ab, im Frühling wächst sie so rasant, dass ihre vielen Schösslinge innerhalb des Monats April bis zu dreimal geerntet werden können.

Ein wesentlicher Faktor für das Gedeihen von Pflanzen sind die Lichtverhältnisse. Orte wie der Waldrand, an denen verschiedene Ökosysteme aufeinandertreffen und an denen Licht und Schatten sich abwechseln, bereichern die Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Volker Kranz: „Sieht man sich die Gehölzstrukturen in unseren Naturräumen an, wird man feststellen, dass sich der große Teil der Artenvielfalt und die Produktion von Früchten auf den Waldrand und auf sehr lichte Wälder beschränkt.“ Ein ertragreicher Waldgarten sei also mehr ein Waldlichtungs- oder Waldrandgarten. Wie ein gesunder Mischwald entwickle er seine eigene Dynamik; darum lasse er sich nicht wie eine Monokultur „schön linear vorwegplanen“. Wesentlich sei vielmehr, die natürlichen Veränderungsprozesse zu verstehen und den Entwicklungsprozess dementsprechend zu gestalten.

Volker Kranz, Frederik Deemter, Praxisbuch Waldgarten. Natürlicher Anbau mit Permakultur, Haupt Verlag 2021, ISBN 9783258082400