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Die neue: Jung-Formel


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 20/2018 vom 11.05.2018

Kann man das Altern hinauszögern? Aber ja! Dr. Marianne Koch, 86, über diefünf Säulen für mehr Vitalität, Energie und Lebensfreude


Artikelbild für den Artikel "Die neue: Jung-Formel" aus der Ausgabe 20/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 20/2018

Exklusive TIPPSvon Marianne Koch

Jung bleiben, wenn man älter wird – nur ein Wunschtraum? Nein, sagt die Wissenschaft, es ist sogar eine ziemlich realistische Möglichkeit. Bedingung ist allerdings, dass man bereit ist, einige wichtige Erkenntnisse der Altersforscher ins tägliche Leben zu übernehmen.

Beweglich bleiben

Versuchen Sie einmal, das Alter von Menschen zu schätzen, denen Sie auf der Straße begegnen. Schauen Sie dafür auf das Gesicht oder die Haare? Wahrscheinlich ...

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... nicht. Wirklich verräterisch sind Haltung und Gang einer Person: Bewegt sie sich aufrecht und mit weichem, elastischem Gang – oder gebeugt, ohne Kraft und Spannung in ihren Schritten. Beweglichkeit können wir uns bis ins Alter nur erhalten, wenn wir die Knochen fest, die Gelenke geschmeidig und die Muskeln kräftig halten.

»ALTER IST KEINE KRANKHEIT, ABER GESUNDHEIT DIE BESTE ANTI-AGINGMEDIZIN. «
DR. MARIANNE KOCH, MEDIZINERIN UND AUTORIN

Die Basis: feste Knochen

■ Knochen sind eine lebenslange Baustelle. Ständig werden ihre Zellen abgebaut, durch neue ersetzt und diese wieder mit Kalzium gehärtet. Das funktioniert nur, wenn genügend Kalzium in der Nahrung enthalten ist: etwa ein Gramm am Tag. Und wenn man sich regelmäßig bewegt. Das regt Knochen zum Aufbau an. Milchprodukte, vor allem Hartkäse und grüne Gemüse enthalten viel Kalzium. Sport, oder wenigstens Spazierengehen, schützt vor der gefürchteten Osteoporose.

So erhält man geschmeidige Gelenke

■ Schwachstelle aller Gelenke sind die empfindlichen Knorpel, die als Puffer die Knochenenden überziehen. Verletzungen, Fehlbelastungen, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht gefährden sie. Sie verformen sich, und dann „knirscht“ es im Gelenk, Schmerzen und Arthrose drohen. Da Knorpel nicht durchblutet sind, sondern nur durch die Gelenkflüssigkeit ernährt werden, sollten Sie nie länger sitzen, ohne mal aufzustehen, um Hüften, Knie und die Wirbelsäule zu belasten und so Nährstoffe in die Knorpel zu pumpen.

Das kräftigt die Muskeln

■ Muskelzellen haben die fatale Eigenschaft, in Zahl und Stärke abzunehmen, sobald man sie nicht benützt. Wobei die Abnahme der Muskelmasse einer der wesentlichsten Gründe für das Altern eines Menschen und für Gebrechlichkeit ist. Daraus folgt, dass Sie rechtzeitig beginnen sollten, Ihre Muskeln zu trainieren. Auch in höherem Alter sind leichte Kraftübungen und regelmäßiger vorsichtiger Ausdauersport ein ideales Mittel, um sich jugendlichen Schwung zu erhalten. Ideal sind Schwimmen, Aquagymnastik, Tanzen (!) oder einfach nur Spazierengehen.

ZUR PERSON
Erst internationaler Filmstar und Fernsehliebling („Was bin ich?“), dann passionierte Ärztin: Dr. Marianne Koch, 86, studierte mit 40 Medizin, hatte lange eine eigene Praxis und ist u.a. Gesundheitsexpertin beim Bayerischen Rundfunk: „Natürlich immer live!“


Das Herz stärken

100.000-mal schlägt das Herz in 24 Stunden und pumpt dabei etwa 8000 Liter Blut durch den Körper. Die Kraft dieses Hochleistungsorgans hängt von den Blutgefäßen, genauer von den Arterien ab, die es mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Arterien haben einige Todfeinde: Rauchen, hohen Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes und – wieder mal – Bewegungsmangel. Sie alle verursachen Ablagerungen in den Gefäßen, Verlust der Elastizität, dadurch Arteriosklerose und damit Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall.

So bleibt das Herz gesund

■ Es hilft nichts: Machen Sie Schluss mit Rauchen! Ihr Blutdruck sollte in Ruhe etwa 130/80 sein, höchstens aber 140/90. Wenn Sie auf natürliche Art nicht auf diese Werte kommen, nämlich durch Abnehmen oder mehr Sport und Bewegung, sollten Sie mit Ihrem Arzt Medikamente finden, die den Blutdruck zuverlässig senken, ohne unangenehme Nebenwirkungen zu verursachen. Das Gleiche gilt für einen zu hohen Wert an LDL-Cholesterin. Falls Sie Diabetiker/in sind: Lassen Sie sich unbedingt schulen, um optimale Blutzuckerwerte zu erreichen.
■ Belegt ist, dass ständiger Stress das Herz schädigt. Es geht nicht um Stress, den wir erleben, wenn uns vorübergehend der Beruf oder die Familie über den Kopf wächst. Es geht um Situationen, in denen man keinen Ausweg sieht, etwa Dauerarbeitslosigkeit oder Einsamkeit. In diesen und ähnlichen Fällen sollten Betroffene Hilfe suchen und annehmen, damit sie nicht zusätzlich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

»KREUZWORTRÄTSEL ZU LÖSEN MACHT SPASS, GENÜGT ABER NICHT ALS GEHIRNTRAINING.«
DR. MARIANNE KOCH

5 Irrtümer über das ÄLTERWERDEN

Rund ums Altern gibt es viele Aussagen, die Experten längst als Mythen entlarvt haben. Fünf Vorurteile im Realitätscheck

1Mit jedem Jahr baut der Körper ab.
Stimmt so nicht. Zellen und Organe erneuern sich laufend, der Großteil unseres Körpers ist deshalb sieben Jahre alt.

2Depressionen sind im Alter normal.
Depressionen sind nie normal und bei Älteren sogar seltener: Laut Robert-Koch-Institut treten sie bei 6 Prozent der 70- bis 79-Jährigen auf. Zwischen 18 und 29 erkranken fast 10 Prozent.

3Je älter, desto steifer die Gelenke.
Stimmt nicht! Die Gelenke können trotz altersbedingtem Verschleiß bis ins hohe Alter geschmeidig bleiben. Was sie gesund erhält: ausreichend Bewegung, aufrechte Haltung, auf das Gewicht achten, bei Beschwerden nicht zu lange mit einem Besuch beim Arzt warten.

4Alter und Gicht gehören zusammen. Unsinn. Bei Gicht sammelt sich Harnsäure im Blut an. Zu den Risikofaktoren gehören übermäßiger Fleisch- und Alkoholkonsum – in jeder Altersgruppe.

5Ab 40 lässt der Verstand nach.
Viele ältere Menschen denken aufgrund ihrer Lebenserfahrung produktiver und schneller als jüngere. Auch Urteilsund Problemlösungsvermögen altern nicht.

JUNG BLEIBEN
Wer die Zeit überlisten will, sollte nicht nur am Äußeren, sondern auch am Inneren arbeiten: Pläne schmieden, Neues wagen, aktiv sein


Schlau älter werden: Dr. Marianne Koch Körperintelligenz dtv Verlag, 280 Seiten, 12,90 Euro


Vorsorge ernst nehmen

Vorsorge beginnt mit der Frage: Gab oder gibt es in der Familie gesundheitliche Risiken, für die ich eine Veranlagung geerbt haben könnte? Etwa Herzinfarkt in jungen Jahren, Krebs oder andere Krankheiten. Wir sind keine Sklaven unserer Gene: Wer in der Familie Diabetiker hat, kann alles tun, um schlank zu bleiben. Und hatte eine Tante Brustkrebs, sollte man zuverlässig zu allen Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Krankheiten vorbeugen

■ Ernähren Sie sich hochwertig. Als ideal schätzen Experten die „mediterrane Küche“ ein mit viel Gemüse, Salat, Obst, Vollkornprodukten, mageren Milchprodukten, Fisch und wenig Fleisch. Verzichten Sie weitestgehend auf industriell hergestellte Nahrung, meiden Sie zu viel Zucker, zu viele tierische Fette und zu viel Alkohol.
■ Bewegen Sie sich! Körperliche Aktivität ist in jedem Lebensalter unendlich wichtig. Verabreden Sie sich mit anderen, das erhöht den Spaß an Sport und Spazierengehen. Versuchen Sie, kein Übergewicht anzufuttern beziehungsweise Übergewicht abzubauen. Nicht mit Diäten, die alle letztlich durch den Jo-Jo-Effekt doch wieder dick machen, sondern mit einer behutsamen Ernährungsumstellung und Bewegung. Sicher, es gibt gesunde Dicke. Aber auf Dauer begünstigt zu hohes Gewicht Knieund Hüftprobleme, Diabetes und Krebs.
■ Gehen Sie zu allen empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen. Für über 55-Jährige wird eine Darmspiegelung von den Kassen bezahlt. Die ist wichtig, um Darmkrebs in frühestem Zustand erkennen, heilen oder verhindern zu können. Sorgen Sie für guten Impfschutz. Ab 60 die jährliche Grippeschutzimpfung nicht vergessen!
■ Guter Schlaf schützt das Immunsystem. Es hilft, wenn man kein zu schweres, zu spätes Abendessen einnimmt, keine Horrorfilme vor dem Einschlafen guckt, Ruhe und gute Luft im Schlafzimmer hat.

Hirnzellen trainieren

Wir machen uns immer noch keine richtige Vorstellung von der ungeheuren Leistung, die das Gehirn vollbringt. Abläufe des täglichen Lebens, vom Wahrnehmen des Weckers am Morgen, Denken, Sprechen, Planen bis zum Lichtausmachen am Abend: Alles wird vom Gehirn gesteuert. Auch unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und all die anderen Aufgaben des vegetativen Nervensystems. Von den Gefühlen und dem Gedächtnis ganz zu schweigen. Was können wir tun, um dieses Wunderwerk jung und leistungsfähig zu erhalten?

Weckruf für müde Gehirne

■ Die empfindlichen Gehirnzellen mit ihrem hohen Energiebedarf leiden unter einer mangelhaften Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sie sind auf eine optimale Durchblutung angewiesen. Deshalb ist es wichtig, dass die Blutgefäße nicht durch Arteriosklerose geschädigt sind. Also: Blutdruck und Blutfettwerte normalisieren, bewegen, nicht rauchen!
■ Die millionenfachen Verbindungen der Zellen untereinander, die ein Denken erst möglich machen, die sogenannten Synapsen, werden das ganze Leben lang bei jedem Lernvorgang aufgebaut, aber leider wieder abgebaut, wenn man sie nicht ständig benützt. Wir müssen also beim Älterwerden dafür sorgen, dass immer wieder neue Kontaktstellen entstehen – als Schutz vor Hirnleistungsstörungen und vor Demenz. Kopfrechnen und sich Gedichte zu merken schulen das Gedächtnis ganz wunderbar. Schlaftabletten dagegen schädigen es.
■ „Ein Leben lang lernen“ heißt der Zauberspruch. Neue Erfahrungen machen. Sich vielleicht eine neue Sprache aneignen. Einen fremden Ort erkunden. Sich für neue Menschen interessieren. Schon die Volkshochschulen bieten viele Möglichkeiten. Wir können bis ins hohe Alter dazulernen – es dauert nur etwas länger, bis es fest in unserem Gedächtnis verankert ist. Dabei hilft es auch, Tagebuch zu schreiben, um das täglich Erlebte nicht zu vergessen und beim Nachlesen noch einmal ins Gedächtnis zu holen. Auch neue Namen merkt man sich so gleich viel besser.

Kontakte erhalten

Einsamkeit ist die schlimmste Alterskrankheit. Wenn ich mit keinem Menschen mehr regelmäßig kommunizieren, das Fernsehprogramm von gestern nicht diskutieren, mich über Kochrezepte, Fußballergebnisse und neue Bücher nicht mehr austauschen kann, wird meine Seele krank, und eine echte Depression droht. Meine Gedanken drehen sich dann nur noch im Kreis. Was kann man tun?
■ Glücklicherweise gibt es überall Möglichkeiten, sich mit anderen zu treffen. Kirchen bieten regelmäßige Treffen für ihre Gemeindemitglieder – auch für solche, die mit Religion nicht viel anfangen können. Sportvereine freuen sich über Mitglieder. Es gibt Gemeinschaftsreisen, Klubs, Vereine, Volkshochschulen: Man muss sich nur überwinden und einmal hingehen.
■ Noch befriedigender sind ehrenamtliche Tätigkeiten: Schülerbetreuung, Besuche bei Einsamen im Krankenhaus, Hilfe für Asylsuchende. Gebraucht zu werden, das ist eine wunderbare Therapie gegen Einsamkeit.

LOS GEHT’S!
Raus, raus, raus mit Wanderstock, Partner und Hund: Bewegung hält die typischen Leiden des Alters fern. Am besten geht man an die frische Luft

FIT IM ALTER
Noch mehr Tipps zur Jung-Formel und welche Rolle dabei Bewegung und Ernährung spielen, lesen Sie in der neuen Ausgabe von HÖRZU GESUNDHEIT (2/18), die am 1. Juni erscheint.


FOTOS: S. 8-9: GETTY IMAGES (GR.), OHLBAUM/LAIF; S. 10-11: DALY/GETTY IMAGES, JUMPFOTO