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Die neue Super-Rente 2022


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 02.02.2022

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23.000 Euro mehr Einkommen in drei Jahren erzielt ein Leser (s. S. 9) dank der neuen Gesetze.

Artikelbild für den Artikel "Die neue Super-Rente 2022" aus der Ausgabe 3/2022 von Frau im Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 3/2022

FALL 1 Nur Vorteile

Wer eigentlich 2022 in Rente wollte, aber noch Spaß an der Arbeit hat, sollte die neue Regel nutzen. Unterm Strich können leicht Zehntausende Euro mehr Einkommen rausspringen.

Der Fall

Cornelia Schmidbauer, Jahrgang 1959, geschieden, drei Kinder, hat lange mit einer Berufstätigkeit ausgesetzt, kommt aber wegen der Kinder trotzdem bereits auf 35 Beitragsjahre. Bisher hat sie inkl. des Versorgungsausgleichs 32 EP. Sie arbeitet im Marketing eines Textilunternehmens mit einem leicht überdurchschnittlichen Gehalt (44.600 Euro brutto pro Jahr = 1,1 Entgeltpunkte). Da sie über ein eigenes Haus verfügt und durch die Scheidung auch genug Geld- Vermögen bekam, wollte sie eigentlich 2022 in Rente gehen. Da die Arbeit ihr aber Spaß macht, überlegt sie neu.

Fazit

Der neue Plan hat für ...

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... Cornelia Schmidbauer praktisch nur Vorteile:

Da ihr die Arbeit Spaß macht, arbeitet sie ein Jahr länger als geplant; sie erwirbt auch weitere 1,1 Entgeltpunkte.

Dadurch wird ab Erreichen der Regelaltersrente ein Drittel des Abschlags kompensiert.

Zusätzlich erhält sie für 2022 ein volles Jahresgehalt mehr Einkommen.

Trotz des verbleibenden Abschlags ist der finanzielle Vorteil riesig. Das heißt: Auch wenn sie 30 Jahre Rente bezöge, überwöge der Vorteil trotzdem noch die Abschläge.

Einziger Nachteil gegenüber dem bisherigen Plan: ein weiteres Jahr Arbeit.

So wird angerechnet

Auch wenn der Jahresverdienst über der neuen Hinzuverdienstgrenze liegt, lohnt der parallele Bezug von Rente und Gehalt:

Die Hinzuverdienstgrenze beträgt 2022 auch 46.060 Euro. Bis zu diesem Jahresverdienst wird die Rente nicht gekürzt.

Liegt der Jahresverdienst höher, werden vom darüber liegenden Teil 40 % auf die Rente angerechnet.

Als Thomas Sirkowski die Summen sah, konnte er das Ergebnis zuerst nicht glauben (s. S. 9) – 23.000 Euro mehr Einkommen bringt ihm bis 2024 ein neues Renten-Gesetz. „Als ich kurz vor Weihnachten erfuhr, dass die Hinzuverdienstgrenze bei der Rente auc für 2022 so hoch bleiben würde, war sofort klar, dass ich das nutzen werde“, sagt der Elektriker aus Hamm, der im Januar 63 wurde, „ab Februar erhalte ich jeden Monat mein Gehalt und meine Rente. Wann bekommt man sonst einmal so viel Geld geschenkt?“

Ursprünglich hatte Sirkowski gar nicht vor, schon in Rente zu gehen. Zu viel Freude bereitet ihm seine Arbeit. Und da seine Frau Andrea einige Jahre jünger ist, wollten die beiden erst 2025 gemeinsam ihre Rente beantragen. „Aber so ein gutes Angebot kann man ja gar nicht liegen lassen“, lacht er.

Das gute Angebot ist eigentlich nur ein Detail im Rentenrecht, genauer die Hinzuverdienstgrenze bei vorgezogenen Renten. Bereits für 2020 und 2021 wurde die Hinzuverdienstgrenze kräftig von 6.300 auf gut 46.000 Euro angehoben Doch die Änderung brachte

Geldregen für Abertausende

auch Abertausenden – die alte Bundesregierung wollte damit wegen der Corona-Krise vor allem Krankenpfleger und -schwestern, die bereits im Ruhestand waren, zur Rückkehr ins Berufsleben motivieren. Und damit die Rente wegen des Verdienstes nicht gekürzt wird, wurde die Hinzuverdienstgrenze deutlich angehoben.Arbeitnehmern einen riesigen finanziellen Vorteil. Denn plötzlich konnten alle Arbeitnehmer über 63 eine vorgezogene Rente erhalten, weiter berufstätig sein und erhielten Rente und Gehalt gleichzeitig!

Eigentlich wollte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Hinzuverdienstgrenze ab 2022 wieder auf das ursprüngliche Niveau senken – und damit diese lukrative Einnahme-Quel-

FALL 2 Äußerst lukrativer Weg

Wer durchschnittlich verdient und ohnehin bis zur Regelrente arbeiten wollte, sollte dies tun – und gleichzeitig ab sofort eine vorzeitige Rente mit Abschlag beantragen.

Der Fall

Dorothee Saalfeld ist 63 (Jahrgang 1958, keine Kinder), hat nach der Lehre viele Berufsjahre als Verkäuferin (inzwischen 42 EP) gearbeitet und aktuell einen Verdienst von 40.550 Euro (entspricht 1 Entgeltpunkt pro Jahr). Da es ihr gesundheitlich gut geht und die Arbeit Spaß macht, war für sie klar, dass sie bis zur Regelaltersgrenze mit 66 Jahren arbeiten will. Nun überlegt sie neu.

Fazit

Für Dorothee Saalfeld ist dieser Weg äußerst attraktiv: Für die Jahre 2022, 2023 und 2024 erhält sie mehr als 46.000 Euro Rente zusätzlich zu ihrem Gehalt. Während dieser 3 Jahre erwirbt sie 3 weitere Entgeltpunkte, sodass sich ihre Rente 2025 um gut 100 Euro erhöht, was den Abschlag relativiert. Erst wenn Dorothee Saalfeld 93 Jahre alt wäre, würde dann die Summe aller monatlichen Abschläge die zusätzlichen Rentenzahlungen übersteigen.

le für Arbeitnehmer am Ende ihres Berufslebens schließen. Doch dann machte die neue Bundesregierung eine Kehrtwende – und beließ die Hinzuverdienstgrenze bei 46.060 Euro pro Jahr.

Und das kann für alle, die 1957, 1958 oder 1959 geboren sind und bereits 35 Rentenjahre haben, einen wahren Geldregen auslösen. Denn: Wer Anspruch auf eine Rente für langjährig Versicherte oder eine Rente für besonders langjährig Versicherte hat, kann diese Renten erhalten und trotzdem weiter arbeiten und das bisherige Gehalt kassieren. Und da die Hinzuverdienstgrenze etwa auf Höhe des Durchschnittsbruttoverdienstes liegt, können viele Tausend Arbeitnehmer diese Sonderregel auch in diesem Jahr weiter oder neu nutzen.

Formal bedeutet die Hinzuverdienstgrenze, dass bis zu dieser Größe zusätzlich zur Rente Einkommen erzielt werden darf, ohne dass die Rente gekürzt wird. Aber auch wer wie Thomas Sirkowski oder Wolfgang Meier (siehe unten) überdurchschnittlich verdient, profitiert noch von der neuen Regel. Zwar wird die Rente dann etwas gekürzt (siehe oben) – dennoch lohnt der

„Wir sollten diese Hinzuverdienstgrenze generell abschaffen. Wer nach Renteneintritt noch arbeiten will, sollte das unkompliziert tun können"

Johannes Vogel, Geschäftsführer FDP-Bundestagsfraktion

FALL 3 Schnell verbrauchter Vorteil

Wer hohe Renten-Ansprüche hat und nur noch kurze Zeit bis zu einer abschlagsfreien Rente,

sollte die sofortige Rente nicht nutzen und stattdessen auf eine Rente ohne Abschlag setzen.

Der Fall

Wolfgang Meier ist 1958 geboren und arbeitet als Ingenieur in einem Bau-Unternehmen. Er verdient gut (66.800 Euro brutto, ergibt 2 Entgeltpunkte pro Jahr). Da er immer gut verdiente, hat er inzwischen 44 Beitragsjahre und 68 Entgeltpunkte. Sein ursprünglicher Plan: 2022 weiterarbeiten, um am Jahresende die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte zu beantragen. Nun überlegt er, sofort die Rente für langjährig Versicherte zu beantragen, aber weiter wie geplant zu arbeiten.

Fazit

Wolfgang Meier sollte beim ursprünglichen Plan bleiben. Denn:

Zwar erhält er im Jahr 2022 fast 25.000 Euro Rente zusätzlich zum guten Gehalt.

Aber: Da das Gehalt über der Hinzuverdienstgrenze von 46.060 Euro liegt, wird die Rente nachträglich 2023 um fast 8.300 Euro gekürzt (40 % des Betrags, der über der Hinzuverdienstgrenze liegt).

Sein finanzieller Vorteil schrumpft also auf etwa 17.000 Euro.

Diesen Vorteil erkauft er sich mit gut 251 Euro Renten-Abschlag pro Monat. Das heißt, der Vorteil der Super-Rente wäre nach gut 7 Jahren Rentenbezug aufgebraucht, selbst wenn berücksichtigt wird, dass die Rente mit Erreichen der Regelaltersgrenze um weitere 2 Entgeltpunkte (aus 2022) steigt.

Renten-Antrag, da trotz Kürzung immer noch ein (großer) Teil der Rente ausgezahlt wird.

Gleichwohl sollte jeder vorab genau rechnen. Denn das Nutzen der Hinzuverdienst-Sonderregel hat viele kleine Besonderheiten:

• Viele beantragen dann eine Rente mit höheren Abschlägen. Diese bleiben lebenslang. Man „erkauft“ sich die zusätzliche Rente durch höhere Abschläge.

• Aber: Durch die Weiterarbeit entstehen parallel zum Renten-Bezug zusätzliche Entgeltpunkte. Diese erhöhen aber erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze die Rente, sodass der prozentuale Abschlag zwar weiter erhalten bleibt, durch die kräftig höhere Rente aber weniger stark ins Gewicht fällt. Bei Thomas Sirkowski springt die Rente zum Beispiel 2025 um mehr als 100 Euro, was dann seinen Abschlag von gut 200 Euro mehr als halbiert.

Weiterarbeit bringt neue Entgeltpunkte

• Beim Berechnen immer bedenken, dass die Rentenwerte (durch die turnusmäßigen Rentenerhöhungen steigen werden (in den Beispielen auf diesen Seiten ist dies nicht berücksichtigt; das heißt, die Renten werden allein durch die voraussichtliche Erhöhung zum 1. Juli um 4,4 % bzw. 5,1 % im Osten deutlich höher sein).

• Besonders lukrativ ist die Hinzuverdienstgrenze einerseits für alle, die bereits Anspruch auf eine abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Beitragsjahre, Jahrgang 1957 oder 1958) haben, und für alle, die ein unterdurchschnittliches Einkommen bzw. bisher wenige Entgeltpunkte haben – hier kann durch den parallelen Bezug von Rente und Gehalt unmittelbar vor dem Ruhestand ein lukratives finanzielles Polster aufgebaut werden.

FALL 4 Vor-, aber auch Nachteile

Wer wenig Renten-Ansprüche hat und ein eher unterdurchschnittliches Gehalt, profitiert kurzfristig stark, langfristig machen sich die Abschläge bemerkbar.

Der Fall

Michael Wöllner ist 1958 geboren und arbeitet als angestellter Taxifahrer (Brutto-Gehalt 2021: 33.232 Euro entspricht 0,8 Entgeltpunkte pro Jahr). Da er nach dem Abitur einige Zeit gereist ist und ein Studium abgebrochen hat, verfügt er bisher erst über 32 Entgeltpunkte, hat aber 37 Jahre Wartezeit, erfüllt also die Voraussetzung für eine Rente für langjährig Versicherte. Sein ursprünglicher Plan: Bis 2024 arbeiten, um eine möglichst hohe Rente zu erhalten. Nun überlegt er, sofort die Rente für langjährig Versicherte zu beantragen, aber weiter wie geplant zu arbeiten.

Fazit

Michael Wöllner sollte abwägen:

Im Jahr 2022 hätte er etwa 12.000 Euro mehr Einkommen gegenüber dem ursprünglichen Plan.

Selbst wenn die Hinzuverdienstgrenze für 2023 wieder auf den alten Wert von 6.300 Euro gesenkt werden würde, läge zwar das Gehalt darüber und die Rente würde gekürzt.

Aber auch dann würde er noch gut 1.000 Euro Rente erhalten.

Insgesamt fast 13.000 Euro mehr.

Dagegen steht der Abschlag, der ein Leben lang bleiben würde. Dieser Abschlag würde die Mehr-Einnahmen in gut 9 Jahren aufgezehrt haben. Das heißt, ab dann hätte er insgesamt weniger Einkommen, als wenn er die vorgezogene Rente nicht in Anspruch genommen hätte.

„In den letzten beiden Jahren hatten wir vierzigmal so viele Beratungen wegen der Hinzuverdienstgrenze, weil es um ein beachtliches Einkommens-Plus geht

Thomas Neumann, Präsident des Bundesverbands der Rentenberater

Trotz aller Vorteile – genau rechnen sollten vor allem Arbeitnehmer, die relativ kurz vor der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte stehen. Denn wer z. B. bereits 63 ist, die Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente mit 64 noch nicht ganz erreicht, erhält nur die Rente für langjährig Versicherte mit Abschlägen; die dann allerdings von der Regelaltersgrenze (aktuell 66 Jahre) berechnet wird. Das heißt: Man erhält zwar parallel Rente und Gehalt. Doch die dauerhaften Abschläge können die Vorteile bereits nach wenigen Jahren überwiegen.

Wichtig beim Planen: Nicht nur das Super- Rentenjahr 2022 betrachten, sondern auch die Folgejahre, wenn eventuell die alte Hinzuverdienstgrenze wieder gilt.

Ob die Grenze aber je wieder zurückgedreht werden wird, ist zweifelhaft. Johannes Vogel, FDP-Renten-Experte und Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, sagt bereits: „Die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze zu befristen ergibt keinen Sinn. Man sollte diese entfristen oder am besten gleich ganz abschaffen.“ Heißt: Es dürften weitere Super-Rentenjahre kommen.

FALL 5 23.000 Euro mehr Einkommen

Der Fall

Thomas Sirkowski wird im Januar 2022 63 Jahre alt; er arbeitet als Elektriker und verdient 49.000 Euro pro Jahr (1,2 EP pro Jahr). Da seine Frau einige Jahre jünger ist, will er weiter bis zur Regelaltersgrenze 2025 arbeiten, um dann gemeinsam mit ihr in den Ruhestand zu gehen.

Er hat bisher 55 Entgeltpunkte.

Fazit

In drei Jahren hat Thomas Sirkowski im schlechtesten Fall (hohe Hinzuverdienstgrenze nur 2022) mehr als 23.000 Euro mehr Einkommen.

Würde die Hinzuverdienstgrenze bis 2024 so hoch bleiben, hätte er gut 55.000 Euro mehr. Seine Rente macht nach den drei Jahren einen Sprung von 22.565 auf 24.042 Euro.