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Die nicht ganz so wilde 13


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Mac Life - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 04.11.2021

Test: iPhone 13

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Bildquelle: Mac Life, Ausgabe 12/2021

Einmal alle, bitte! Wir haben die neuen iPhones für dich getestet.

Wenn du diesen Artikel liest, hast du wahrscheinlich bereits Apples Präsentations-Video zu den neuen iPhones gesehen oder eventuell sogar schon den einen oder anderen Testbericht in der englischsprachigen Presse gelesen. Vielleicht bist du danach, wie so viele, der Meinung, dass Apple mit der neuen 13er-Serie des iPhone kein allzu großer Wurf gelungen sei.

Wir hingegen glauben, dass die neuen iPhones eines der wichtigsten Upgrades überhaupt darstellen, weil sie einen Wendepunkt markieren.

Sie sind die Manifestation der Erkenntnis, dass wir „peak smartphone“ überschritten haben, also den Höhepunkt der Smartphone- Entwicklung, was die Frequenz anbelangt, mit der uns Neuerungen erreichen. Smartphones sind endgültig zu einem Werkzeug geworden.

Damit einher geht, dass der Reiz des ständig Neuen nachlässt. Wenn du einen ziemlich guten Akkubohrschrauber zu Hause hast, kaufst du vermutlich ...

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... keinen neuen, nur, weil es einen neuen gibt. Ersetzt werden Werkzeuge in der Regel erst dann, wenn sie entweder kaputt sind oder wenn sie den (gegebenenfalls gesteigerten) Anforderungen nicht mehr entsprechen.

Im vergangenen Jahr präsentierte Apple mit der 12er-Generation einen ganzen Schwung an Neuerungen: das Design, das iPhone mini, den Wechsel zu OLED-Bildschirmen, ein 5G-Mobilfunkmodem und mit MagSafe ein neues (optionales) Ladesystem.

Mit dem iPhone 13 in all seinen Versionen optimiert Apple das iPhone 12 in den zwei Punkten, die sicherlich den meisten Nutzer:innen am wichtigsten sind: Akkulaufzeit und Kamera. Apple schaut also auf seine Kund:innen, was dieses vergleichsweise kleine Upgrade nicht weniger wichtiger als seine Vorgänger macht.

Minimale Design-Änderungen

Dementsprechend sind auch die Design-Änderungen eher marginal. Alle vier neuen Modelle sind in Länge und Breite identisch zu den jeweiligen Vorjahresgeräten. Allerdings sind alle vier ein wenig dicker und schwerer geworden.

Beides merkst du allerdings nur im direkten Vergleich, schließlich sprechen wir von 0,25 Millimetern und einer Gewichtszunahme von im Mittel 6 Prozent, beim iPhone 12 Pro zum iPhone 13 Pro also von 16 Gramm. Allerdings ist Apple damit beim (kleinen) Pro-Gerät bereits bei 203 Gramm, also zwei Tafeln Schokolade angekommen – das ist fast das doppelte vom ersten iPhone, das 2007 113 Gramm auf die Waage brachte. Angesichts des Zuwachses an Funktionalität über diese 14 Jahre, ist die Gewichtszunahme in jedem Fall gerechtfertigt.

Upgrade oder warten?

Für eingefleischte Apple-Fans kann das eigene iPhone natürlich gar nicht neu genug sein. Aber was ist mit „the rest of us“? Mit jedem Jahr lohnt es sich mehr, das Upgrade etwas zu verschieben und viel Geld zu sparen. Auch nicht schlecht!

Deutlich mehr von den durchaus vorhandenen Design-Änderungen ist zu sehen, wenn wir uns die Rückseite des iPhone anschauen. Das Aussehen des nackten (also nicht in einer Hülle steckenden) iPhone wird dominiert von dem Kamera-Buckel.

Apple tut alles Nötige, um die Kamera von Jahr zu Jahr zu verbessern und alle anderen Designambitionen müssen hinten an stehen.

In seinem Testbericht weist Blogger und Podcaster John Gruber auf einen interessanten Wandel hin: „Es ist schon komisch, wenn man auf die kleine Kontroverse um das iPhone 6 im Jahr 2014 zurückblickt. […] Die Kontroverse bestand darin, dass Apple bei den Werbefotos für das iPhone 6 scheinbar alles unternahm, um diesen Kamera buckel zu verstecken – bei einer Reihe von Apple-Profilbildern sah die Rückseite des iPhone 6 vollkommen flach aus. Apple wählte absichtlich Winkel und Perspektiven, die den Kamerabuckel nicht zeigten, […]. Heute verwendet Apple Fotos für das iPhone 13 Pro und Pro Max, auf denen die Größe und Prominenz des Kamerasystems sogar noch hervorgehoben wird.“

Was hat sich also verändert? Ist Apple der Kamera-Buckel heute egal, weil die Kamera wichtiger ist als der Rest des iPhone? Ist gar das Design egal – „form follows function“ also? Wir vermuten eher, dass Apple den Kamera-Buckel als notwendiges Übel akzeptiert, weil ohnehin klar ist, dass die meisten Menschen ihr iPhone mit einer Hülle benutzen. Und warum dann nicht gleich den Kamera-Buckel als Indikator für ein überlegenes Kamera-System feiern? Eben.

Eine letzte Design-technische Änderung betrifft die „Notch“, also die Aussparung am oberen Rand des Bildschirmes, in der Apple das Front-Kamerasystem und einen Lautsprecher untergebracht hat.

Sie schrumpft etwas in der Breite, nimmt dafür aber in der Höhe einen Tick zu. Technisch gesehen stehen Apps auf dem iPhone so mehr Platz zur Verfügung. Ehrlicherweise wirst du diese Änderung im Alltag überhaupt nicht merken.

Spannend bleibt dagegen die Frage, wann Apple auch beim iPhone den Wechsel von Lightning auf USB-C vollziehen wird.

Insbesondere, nachdem nun fast alle iPads per USB-C geladen und mit anderen Geräten verbunden werden können, hätte es uns nicht gewundert, wenn Apple dieses Feature in diesem Jahr auch für das iPhone realisiert hätte.

Stattdessen hält Apple noch mindestens ein weiteres Jahr an der 2012 mit dem iPhone 5 eingeführten Schnittstelle fest. Eine ernsthafte technische Notwendigkeit dafür können wir nicht erkennen. Muss wirklich erst die EU mit ihren Bemühungen um eine Ver-einheitlichung der Smartphone- Ladeinfrastruktur Apple zu etwas zwingen, was offenkundig besser für alle iPhone-Nutzer:innen wäre?

ProMotion Display

Immer wieder gelingt es Apple, Funktionen in seine Geräte einzubauen, die du eigentlich nur durch ihre Abwesenheit bemerkst. Face ID gehört dazu und ganz bestimmt auch True Tone, bei dem das Display sich bei der automatischen Selbsteinstellung nicht nur an der einstrahlenden Lichtintensität, sondern auch an seiner Temperatur orientiert. Rufe gerne einmal kurz die Einstellungen deines iPhone auf und deaktiviere die Funktion, um zu sehen, was wir meinen.

In die Reihe dieser (und weiterer) Funktionen ganz sicher einreihen wird sich Pro- Motion. Regelmäßige Leser:innen von Mac Life haben schon davon gehört und Besitzer:innen eines aktuellen iPad Pro haben es bereits selbst erlebt. ProMotion ist Apples Name für eine Technologie, die die Bildwiederholfrequenz nicht nur auf bis zu 120 Hertz erhöht, sondern diese auch dynamisch steuert. Ändert sich auf dem Bildschirm gerade nichts, kann die Bildrate auf bis zu zehn Erneuerungen pro Sekunde gesenkt werden. Von der schnelleren Bildwiederholrate von 120 Hertz merkst du unter anderem etwas, wenn du beispielsweise durch Texte scrollst. Das klingt nach nicht viel – was jedoch vor allem daran liegt, dass sich der Effekt nur schwer in Worte fassen lässt. Auch wenn es abgedroschen klingt: Du musst Pro-Motion erlebt haben, um es wirklich zu verstehen. Um ProMotion allerdings erleben zu können, musst du tief in die Tasche greifen, da die Technologie vorerst den Pro-Modellen vorbehalten bleibt.

Mehr Power und Effizienz mit dem A15-Chip

Anders als bei den iPhone-Präsentationen der vergangenen Jahre hat Apple sich diesmal zurückgehalten mit Vergleichen des neuen A15-Chips zu seinem Vorgänger A14. Stattdessen retteten sie sich in schwammige Äußerungen über die Leistung gegenüber nicht näher genannten Chips in nicht näher genannten Android-Smartphones.

Rückblickend glauben wir nicht, dass das daran lag, dass Apple sich für einen möglicherweise gering ausfallenden Performance-Sprung „schämt“. Denn ein Blick auf Benchmark-Vergleichszahlen zeigt, dass die Verbesserungen mit etwa 10 Prozent im Single-Thread- und 20 Prozent im Multi-Thread-Modus etwa im Rahmen der vergangenen Jahre liegen.

Apple hätte genug markante Zahlen finden können, um die Dominanz des A15 gegenüber dem A14 zu untermauern – in diesem Jahr passt das schlicht nicht zur Story zum neuen iPhone. In diesem Jahr scheint es Apple vor allem um die Steigerung der Effi-zienz zu gehen. Und wie könnte diese sich besser ausdrücken lassen als in etwas, wovon wirkliche alle profitieren: einer längeren Akku-Laufzeit.

Ein iPhone, das doppelt so lange durchhält

Klar, ein Mobilgerät muss an allererster Stelle in der Lage sein, die Wünsche und Anforderungen seiner Nutzer:innen zu erfüllen. Dann aber ist wichtig, wie lange es dies tun kann, bevor du es aufladen musst.

Apple wählt regelmäßig realitätsnahe Szenarien aus, um die Akkulaufzeit zu messen und zu dokumentieren. In der Vergleichsübersicht zeigt Apple unter anderem Werte für „Videowiedergabe“ und „Videowiedergabe (gestreamt)“. Für ersteres Kriterium weist das iPhone 13 Pro fünf Stunden und das iPhone 13 zwei Stunden mehr gegenüber dem jeweiligen Vorgängermodell auf. Beim zweiten Testkriterium sind es sogar zusätzliche neun, respektive vier Stunden. Das iPhone Mini schafft nun zwei respektive drei Stunden mehr, das iPhone 13 Pro Max acht und dreizehn Stunden und kommt somit auf eine Akkulaufzeit von 28 respektive 25 Stunden in diesen Szenarien.

Neue Farbvielfalt

Auch in diesem Jahr bietet Apple das neue iPhone in zahlreichen Farben an. Die uns zur Verfügung gestellten Testgeräte haben wir in den Farben „Sierrablau“, sowie „(PRODUCT)RED“ und „Blau“ erhalten. Verfügbar sind für die Pro-Modelle neben Sierrablau auch noch Gold, Silber und Graphit. Für die Nicht-Pro-iPhones stehen neben den genannten Farben noch „Rosé“, „Mitternacht“ (das Spacegrau ersetzt) und „Polarstern“ (das im englischen Original „Starlight“ heißt und Silber ersetzt).

Sierrablau ist dabei eindeutig die herausstechende Farbe. Die Farbe, die einen überlegen lässt, ob es sich nicht vielleicht doch lohnt, ein paar Euros mehr auszugeben, um ein Pro-Modell zu erwerben.

Um die Geräte in dieser Hinsicht ausführlich testen zu können, fehlte uns bislang die Zeit. In der Vergangenheit haben sich die von Apple gemachten Angaben allerdings stets als erstaunlich präzise herausgestellt. Deshalb übernehmen wir an dieser Stelle die von Apple übermittelten Werte.

Zunächst konnten wir uns keinen Reim darauf machen, weshalb die Pro-Modelle so viel mehr von dem A15-Chip in Sachen Akkulaufzeit profitieren als die Nicht-Pro-Modelle. Der entscheidende Faktor scheint das ProMotion-Display zu sein. Bisherige iPhone-Modelle liefen mit einer konstanten Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz. Und ja, die neuen iPhone- Pro-Geräte können auch mit bis zu 120 Hertz angesteuert werden, was sicherlich einen erhöhten Energiebedarf zur Folge hat. Die Anzahl der Situationen, in denen das iPhone 13 Pro das Display aber eben weniger oft als 60 Mal pro Sekunde erneuern muss, scheint deutlich größer zu sein, sodass sich eine zusätzliche gesteigerte Energiesparsamkeit über den Effizienzschub des A15 hinaus ergibt.

Insbesondere im hier von Apple gewählten Szenario, der Wiedergabe von Video, wird die Wiederholrate auf 30 gedrosselt, ohne dass Betrachter:innen etwas davon merken würden.

Eine Kamera mit integriertem Smartphone

Zugegeben: Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu. Schon in vorherigen Testberichten und auch hier haben wir festgestellt, dass Apple enormen Wert auf die Verbesserung der iPhone-Kamera legt. Du könntest daher eher meinen, Apple verkaufe eher smarte Kameras als Smartphones.

Plastikfreie Verpackung

Im vergangenen Jahr hat Apple Zubehör gestrichen, um Müll zu vermeiden. In diesem Jahr geht’s der Folie, in die neue iPhones bislang eingeschweißt waren, an den Kragen.

Apple setzt fortan auf leicht abreißbare Aufkleber auf der Rückseite, die die beiden Bestandteile der Schachtel zusammenhalten.

Ein ausführlicher Kamera- Test wird leider erst in der kommenden Woche folgen.

Zwar hätten wir dank des herbstlichen Kieler Schmuddelwetters das iPhone genau in dem Bereich zeigen können, in dem es am meisten zu glänzen vermag. Das allein wäre dem Potenzial des neuen Kamera-Systems allerdings nicht gerecht geworden.

Unterschiede zwischen iPhone 13 und iPhone 13 Pro: Im weiteren Verlauf dieses Artikels werden wir uns vor allem mit der Kamera des iPhone 13 Pro beschäftigen. Denn das Kamerasystem macht praktisch 90 Prozent des „Pro“ im Namen des Geräts aus – die restlichen 10 Prozent steuert das Pro- Motion-Display bei. Das Kamerasystem in den Pro-Modellen hat nicht nur ein Objektiv mehr, seine Objektive sind auch besser. Zudem unterstützen nur die Pro- Modelle Fotografien im (weitestgehend) unkomprimierten Format ProRAW. (ProRes, die Entsprechung für Videoaufnahmen wird mit einem späteren iOS-Update nachgereicht.)

Auf bei guten Lichtverhältnissen geschossenen Fotos wirst du nur mit geschultem Auge Unterschiede zwischen den Aufnahmen des iPhone 13 und iPhone 13 Pro feststellen können. Wir gehen sogar so weit, dass unter idealen Bedingungen auch die Kameras von iPhone 12 Pro, iPhone 12 und vielleicht sogar die der 11er- Modelle noch mithalten können. Und, um vollständig fair zu sein, auch viele, vielleicht sogar die meisten, Top-Android-Geräte geben sich hier keine Blöße.

Wo die neuen Pro-Modelle punkten können, ist folgerichtig unter schlechten Bedingungen, sprich, wenn nur wenig Licht zur Verfügung steht.

Die Standardkamera im iPhone 13 Pro: Die Hauptkamera des iPhone 13 Pro hat in diesem Jahr ein mächtiges Upgrade erfahren. Wo andere Hersteller sich mit immer größeren Zahlen zu überbieten versuchen, bleibt sich Apple treu: Das neue TopiPhone verfügt über dieselbe Auflösung wie das iPhone 6S aus dem Jahr 2015. Stattdessen setzt Apple auf größer (und besser) werdende Sensoren, mit größeren Pixeln, die mehr Licht einfangen können und so immer bessere Bilder liefern. In diesem Jahr sorgen eine ƒ/1.5 Blende und 1.9 µm große Pixel dafür, dass diese Kamera fast doppelt so viel Licht einfangen kann, wie ihr Pendant im Vorgängermodell.

Selbst für Laien dürfte auf der Hand liegen, dass das ein enormer Vorteil im Dunkeln ist. Bemerkbar machen sich diese Verbesserungen unter anderem durch tiefere Schwarztöne, einen höheren Dynamikumfang (also einen größeren Detailreichtum in den hellen Bereichen eines Bildes) und das spätere Anspringen der Nachtmodus-Automatik.

Apropos Nachtmodus: So gut er auch oft funktioniert hat, manchmal war er schlicht nervig. Vor allem dann, wenn wir einfach nur schnell ein Foto schießen und nicht mehrere Sekunden warten wollten. Mit dem iPhone 13 Pro wirst du ihn kaum noch deaktivieren müssen. Erstens bekommst du ihn ohnehin seltener zu sehen, zweitens operiert er nun so schnell, dass er nicht mehr nervt.

Der neue Kinomodus

Eine weitere Kamera-Neuerung, über die wir uns erst noch ein finales Urteil bilden müssen (und dafür auf die Kompetenz des Falkemedia-Video-Teams zurückgreifen werden), ist der Kinomodus beziehungsweise der „Cinematic Mode“. Dieser Modus nutzt die Tiefeninformationen der Kamera, den Beschleunigungssensor und weitere Daten, um automatisch ein künstliches Bokeh (Unschärfe) in Videos zu kreieren und die Motive im Bild zu verfolgen, um den Fokus intelligent zwischen ihnen zu verschieben. Das ist ein ziemlich cooler Effekt, der sich aber naturgemäß eher für gestellte Szenen als spontane Videos eignet. Obwohl die Kameras aller iPhone-13-Modelle (wie auch schon im Vorjahr) 4K-Video bei 60 Bildern pro Sekunde liefern können, funktioniert der Kinomodus nur bei Full HD und mit 30 Bildern pro Sekunde. Das liegt vor allem daran, dass er so rechenintensiv ist, dass selbst der mächtige A15-Chip im iPhone sonst nicht hinterherkäme. Perfekt sind die Aufnahmen trotzdem nicht: Immer wieder fällt es der Automatik schwer, das Motiv sauber vom Hintergrund abzuheben.

Mehr Speicher

Eine weitere willkommene Neuerung ist, dass Apple 64 Gigabyte als auswählbare Speicherkapazität aus dem Programm geworfen hat. Wer ein neues iPhone 13 kauft, bekommt mindestens 128 Gigabyte Speicherplatz.

iCloud-Speichererweiterung

Wir haben uns schon oft genug über Apples iCloud-Speicherpolitik beschwert. Als der Dienst 2011 – vor 10 Jahren! – vorgestellt wurde, bekamen Nutzer:innen 5 Gigabyte Speicherplatz geschenkt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das ist nahezu verrückt.

Ein wenig kommt Apple nun aber seinen Kund:innen entgegen, zumindest temporär. Wenn du in den Einstellungen unter „Allgemein“ nach unten scrollst, findest du den mit iOS 15 umbenannten Punkt „iPhone übertragen/zurücksetzen“. Dort begrüßt dich zuoberst ein Kasten mit dem Titel „Für neues iPhone vorbereiten“ und mit einem Tippen auf „Los geht’s“ wird ein iCloud-Back-up deiner Daten angelegt.

Allerdings – und das ist der Clou – unabhängig davon, wie viel Speicherplatz du in deiner „iCloud“ zur Verfügung hast. Im Zweifelsfall erweitert Apple deinen Wolkenspeicher kostenfrei um die benötigte Menge und gibt dir dann 21 Tage lang Zeit, den Transfer der Daten auf dein neues iPhone abzuschließen. Nach Ablauf dieser Frist löscht Apple die Daten, gewährt dir aber eine Gnadenfrist von weiteren sieben Tagen, um sie wiederherzustellen.

Ein ziemlicher cleverer Schritt, finden wir. So wird der Wechsel auf neue Geräte weiter vereinfacht und gleichzeitig kräftig die Werbetrommel für bezahlte iCloud-Speicher gerührt. Schließlich werden manche Kund:innen über diese Erfahrung auf den Geschmack kommen und iCloud-Back-ups dauerhaft nutzen wollen. Interessanterweise stellt Apple die Möglichkeit des temporären iCloud-Back-ups zwar für iPhones und iPads, nicht jedoch für Macs zur Verfügung und das, obwohl letztere inzwischen oft mit weniger internem Speicherplatz ausgestattet sind.

Die nächste große Verbesserung ist die optische Bildstabilisierung mit „Sensor Shift“. Diese Mechanik umfasst vor allem einen „federgelagerten“ Bildsensor, der Schwankungen der Kamera ausgleichen kann. Im Klartext: Wenn du deine Hand nicht komplett ruhig halten kannst und auch kein Stativ zur Verfügung hast, kommen jetzt trotzdem schärfere Bilder heraus.

Das Teleobjektiv: Wir müssen gestehen, dass wir das Teleobjektiv in früheren iPhone-Generationen eher stiefmütterlich behandelt haben. Nicht zuletzt, weil der optische Zoom einfach nicht so gigantisch groß war, dass er das in weiter Ferne äsende Reh deutlich besser eingefangen hätte als die Standardkamera das konnte.

Es gibt aber einen triftigen Grund, es sich dennoch näher anzuschauen. Bei einem häufig wiederkehrenden Szenario kommt das Teleobjektiv ständig zum Einsatz: Porträtaufnahmen. Das neue Objektiv hat dafür eine Brennweite von 77 Millimetern und einen 3x optischen Zoom.

Porträtaufnahmen wirken noch natürlicher und die fotografierten Menschen werden besser vom Hintergrund gelöst – vor allem auch, wenn du ohne den Software-Porträtmodus fotografierst. Und das geht jetzt auch im Dunkeln – denn das Teleobjektiv kann seit diesem Jahr auch auf den Nachtmodus zurückgreifen.

Das Ultraweitwinkel-Objektiv: Bislang haben wir dieses Objektiv eher als Spielzeug für lustige Aufnahmen oder Pseudo-Panoramen angesehen. In diesem Jahr ergänzt Apple nicht nur die Autofokus-Funktion, sondern spendiert dem Objektiv auch eine ƒ/1.8- Blende, die es laut Apple erlaubt, 92 Prozent mehr Licht einzufangen. Zwei Verbesserungen, die zu sofort sichtbar schärferen Ergebnissen führen.

Foto-Stile und Smart HDR 4

„Computational Photography“ bezeichnet all das, was dein Smartphone „noch schnell“ mit einem frisch geschossenen Foto anstellt, bevor es dir das Ergebnis präsentiert. Apple ist hier schon seit Jahren technisch vorne mit dabei, auch wenn die Resultate das nicht immer vermuten lassen. Schließlich bemüht sich Apple am Ende genau den Eindruck zu vermeiden, den andere offenbar zu erwecken versuchen.

Samsung, Huawei und Co. sind bekannt dafür, den Regler ein gutes Stück weiter nach rechts zu drehen – weißere Zähne, krassere Farben –, wo Apple eher versucht, die Fotos natürlich wirken zu lassen. Google, um ein anderes Beispiel zu nennen, scheint mit seinen Pixel-Smartphones eine Art Mittelweg zu suchen.

Um diese Natürlichkeit zu erzeugen, gehört zu Apples Werkzeugkasten neben dem weiter oben bereits angesprochenen Nachtmodus auch Smart HDR, das die neuen iPhone-13-Modelle in Version 4 unterstützen. Smart HDR 4 ist in der Lage, die Aufnahmen noch weiter zu segmentieren und beispielsweise die Personen in einem Gruppenfoto separat zu behandeln, also Belichtung, Weißabgleich und vieles mehr zielgerichteter anzuwenden. Kein Feature, dem irgendwo eine eigene Schlagzeile gewidmet werden wird – dennoch wird es die iPhone-Fotografie unbemerkt merklich verbessern.

„Fotografische Stile“ hingegen erhalten deutlich mehr Aufmerksamkeit: Dabei handelt es sich um einen neuen Modus in der Kamera-App, mit dem du das Standardaussehen deiner Fotos anpassen kannst. So kannst du etwa Farbton, Kontrast und mehr bereits vor dem Auslösen manipulieren, anstatt das Bild im Nachgang bearbeiten zu müssen. Mit der Auswahl eines solchen Stils entscheidest du selbst, ob du von Apples eher neutralen Bildbearbeitung bewusst abweichst, um deine Fotos etwas mehr nach „Samsung“ oder „Huawei“ aussehen zu lassen.

Dabei bist du mit den vorgegebenen Stilen nicht festgelegt – du kannst sie alle anhand von Reglern nach deinem Geschmack anpassen. Fotografische Stile unterscheiden sich dabei grundlegend von Filtern. Denn das iPhone wendet sie nicht stumpf auf das gesamte Bild an, sondern analysiert und identifiziert zunächst, was auf dem Bild zu sehen ist, um dann beispielsweise den Himmel anders zu behandeln als die darunter liegende Wiese.

Aber Achtung: Zwar können mit Stilen aufgenommene Bilder im Nachgang noch bearbeitet werden, die durch den gewählten Stil zustande gekommene fotografische Ausrichtung kannst du nicht zurücknehmen. Auch schließen sich natürlich die Verwendung von Stilen und RAW-Fotografie gegenseitig aus.

Fazit

Wir finden, dass die iPhone-13-Modelle ohne jeden Zweifel großartige Telefone mit hervorragenden Kameras sind. Apple hat sie im Vergleich zum vergangenen Jahr und der 12er-Serie in genau den Punkten verbessert, die den meisten Menschen wohl am wichtigsten sind: Akku-Laufzeit und Bildqualität.

Wer sich für ein iPhone 13 entscheidet, trifft in jedem Fall eine gute Wahl. Wer sich dagegen ein iPhone 13 Pro gönnt, kann von noch deutlicheren Verbesserungen profitieren. Anders als bei der vorangegangenen Generation gibt es in diesem Jahr abgesehen von der Display-Größe keinen Unterschied zwischen den beiden Pro-Modellen.

Für viele werden die hier diskutierten Verbesserungen jedoch nicht reichen, um auf ein 13er-Modell zu wechseln. Zu gut sind die iPhones vergangener Jahre immer noch, als dass sich eine neuerliche Investition einfach so rechtfertigen ließe.

Wenn du entscheidest, dass in diesem Jahr ein neues iPhone hermuss, empfehlen wir dir, dich zunächst einmal ausführlich mit dem Standard-13er-iPhone zu beschäftigen. Denn das ist schon Luxus. Und erst, wenn du dir wirklich sicher bist, dass du mit deinem iPhone wirklich viel fotografieren oder filmen wirst (oder, dass du partout ein ProMotion-

Display haben möchtest), solltest du auf die Pro-Modelle schielen.

Denn nie war ein Pro-iPhone mehr „pro“ als in diesem Jahr.

Sebastian Schack »Für mich ist das Killer-Feature dieser Generation neben dem Plus an Akku-Laufzeit vor allem das neue Teleobjektiv der Pro-Modelle, mit dem du auch ohne den gleichnamigen Software-Modus hervorragende Porträtfotos schießen kannst.«

s.schack@maclife.de @Mac_Life