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Die Offenlandschaft


natur - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 18.10.2019

Im Norden der Wirler Spitze ist das Grüne Band zugewachsen. In einem Projekt zur Waldauflichtung soll die offene Heidelandschaft wiederhergestellt und die Geschichte der deutschen Teilung dauerhaft sichtbar gemacht werden


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Bildquelle: natur, Ausgabe 11/2019

Die heute so arten - reiche Heidelandschaft westlich der Wirler Spitze wurde nach der Wende gemeinschaftlich offengehalten


Es ist heiß an diesem Tag, gut 35 Grad Celsius im Schatten, über dem Kopf vereinzelte Quellwolken und gleißender Sonnenschein, zu den Füßen aufgeheizter, brennender Sandboden. Was die ...

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... meisten Menschen nur wenige Minuten ohne Schutz aushalten, ist für die hier lebenden Tiere und Pflanzen Wohlfühlklima. Silbergras, Ameisenlöwe, Ziegenmelker und Kreuz - otter: Sie alle finden auf den offenen Sand- und Heideflächen der Wirler Spitze ideale Bedingungen vor.

Nördlich der Stadt Arendsee in der Altmark gelegen, knickt die frühere innerdeutsche Grenzlinie zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wie ein spitzer Winkel ab. Markant ist jedoch an dieser Stelle nicht nur der Grenzverlauf, sondern auch die Vegetation. In einer rund 80 Meter breiten Schneise aus offener Heide erstreckt sich das Grüne Band hier zwischen hochgewachsenen Nadelwäldern. „Diese Kombination von Wald und Offenlandschaft gibt es so anderswo kaum”, sagt Corinna Klukas. „Das macht die Wirler Spitze zu einem seltenen Lebensraum für seltene Arten.” Zumindest im Westen. Denn in nördlicher Richtung ist die einstige Heidelandschaft einem Wald aus jungen, dürren Kiefern gewichen. Aus Sicht der Naturschützer stellt dieser Kiefernbewuchs eine Lücke im Grünen Band dar. „Die ehemalige Biotopverbundfunktion für Offenland- und Halboffenlandarten ist auf knapp 14 Kilometern verlorengegangen.”

Corinna Klukas ist Diplomgeografin und arbeitet für die Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt, kurz: SUNK. Zusammen mit einem Kollegen betreut sie alle Flächen entlang des Grünen Bandes, die im Eigentum der Stiftung stehen, insgesamt etwa 1600 Hektar auf 343 Kilometern. Finanziert vom Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie startet Ende Oktober ein Pilotprojekt, um die Offenlandschaft nördlich der Spitze auf 1100 Metern wiederherzustellen. Dafür werden unter anderem die Kiefern gefällt und sogenannte Lesestein- und Totholzhaufen errichtet. „Wenn man Struktur und Vielfalt schafft, kommen die Insekten und Vögel von ganz allein”, sagt Klukas.

Das langfristige Ergebnis der Maßnahmen hat sie quasi direkt vor Augen: Die heute so artenreiche Heidelandschaft westlich der Spitze wurde nach der Wende gemeinschaftlich offengehalten – erst von den Jägern, dann vom BUND im Rahmen des Projekts „Erlebnis Grünes Band” und seither von Ehrenamt - lichen, die nachwachsende Kiefern händisch aus dem Boden ziehen. Zusammen haben sie den seltenen Lebensraum erhalten. Auch wenn es bis zu diesem Idealzustand noch ein weiter Weg ist, ist sich die Geografin sicher: „Sobald die Kiefern und der Schatten weg sind, wird sich die Heide sehr schnell positiv entwickeln.” Das Projekt soll aber nicht nur der Artenvielfalt am Grünen Band zugutekommen. „Ziel ist es, den Verlauf der Grenze sichtbar zu machen”, sagt Klukas. „Es ist wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem nachfolgende Generationen die deutsche Geschichte sehen und begreifen können.”


»Wenn man Struktur und Vielfalt schafft, kommen die Insekten und Vögel von ganz allein«


Corinna Klukas, Diplomgeografin


Foto: DBU – Deutsche Bundesstiftung Umwelt, privat, Peter Geisler, Eric Fresia