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Die Pastellgrundel


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 07.11.2019

Schmuckstück für kleine Aquarien


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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 6/2019

Fundort in einem Urwaldbach im Primärurwald an der Straße von Popondetta nach Oro Bay.


Ab 54-Liter-Aquarium

Im Meerwasseraquarium sind Grundeln beliebte Pfleglinge. In der Süßwasseraquaristik sind Fische dieses Verwandtschaftskreises leider wenig bekannt und verbreitet, obwohl viele wegen ihrer Farbigkeit, ihres hochinteressanten Brutpflegeverhaltens und ihrer geringen Größe geradezu ideale Bewohner eines Aquariums sind.

Die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel (Tateurndina ocellicauda ) gehört zur Familie der Schläfergrundeln (Eleotridae), die mit über 30 Gattungen ...

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Die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel (Tateurndina ocellicauda ) gehört zur Familie der Schläfergrundeln (Eleotridae), die mit über 30 Gattungen und knapp 180 Arten im Meer- und Brackwasser, aber auch in reinen Süßgewässern vorkommt. Besonders reich an diesen Fischen ist Neuguinea. In den Küsten- und Binnengewässern dieser großen Insel wurden bereits über 50 Arten nachgewiesen, von denen die meisten im Süßwasser leben.

VERBREITUNG UND ÖKOLOGIE

Das Verbreitungsgebiet der Pastellgrundel, die nur etwa 70 mm lang wird, meist aber kleiner bleibt, liegt im äußersten Nordosten von Papua-Neuguinea. Die mir bekannten Lebensräume sind bis zu drei Meter breite Urwaldgewässer mit klarem, weichem Wasser, einer erheblichen Strömung und einer schwach alkalischen Reaktion.

Einer der Fundorte ist ein Bach im Primärurwald an der Straße von Popondetta nach Oro Bay mit zahlreichen Stromschnellen und einem mit Felsen und größeren Gesteinsbrocken bedeckten Grund. Sein Wasserstand betrug zwischen einem halben und einem Meter. Messungen ergaben dort im Monat Juni folgende Resultate: pH-Wert 7,3, Gesamthärte 3 °dGH, Karbonathärte 4 °dKH, Leitf ähigkeit 130 μS/cm, Wassertemperatur 25 °C bei einer Luft temperatur von 27 °C.

Nach meinen Erfahrungen vollzieht sich die gesamte Entwicklung der Fischbrut bis zum Freischwimmen bei


Balzendes Weibchen vonTateurndina ocellicauda .


Vor dem Weibchen balzendes Männchen an der künft igen Bruthöhle.


Ein weiterer Fundort war ein Urwaldbach mit erheblicher Strömung, einer maximalen Tiefe von einem knappen Meter und sehr klarem Wasser, gelegen an der Straße vom Flughafen nach Buna. Das sandige Bachbett war angefüllt mit Felsen und Gestein (pHWert 7,3, GH 2 °dGH, KH 3 °dKH, Wassertemperatur 25 °C, Leitf ähigkeit 90 μS/cm). Die Fische hielten sich an ruhigeren Stellen zwischen der in das Wasser hinein hängenden Ufervegetati on auf.

In beiden Gewässern war die Grundel selten. Auf einer Strecke von etwa 30 Metern konnte ich immer nur einen Fisch fangen, ein einziges Mal zwei. Alle gefangenen Exemplare hatt en nur eine maximale Länge von rund 40 mm und sind dann auch später im Aquarium nicht mehr größer als 48 mm geworden. Der häufi gste Fisch an diesen beiden Fundorten war das kleine BlauaugePseudomugil connieae . Außerdem lebten in diesen Bächen noch zwei weitere Grundeln, nämlich eineGlossogobius -Art sowie eine weitere Schläfergrundel aus der Gatt ungOphieleotris .

FORTPFLANZUNGSBIOLOGIE

Es gibt Berichte, dass die Fische das Gelege offen auf dem Bodengrund, auf den Blättern von Wasserpflanzen oder an senkrechte Laichplätze ablegen. Hans Horsthemke stellte dagegen fest, dass sie die Eier nach Möglichkeit an der Decke oder an den Wänden von Höhlen deponieren, was sich mit meinen Erfahrungen deckt.

Unterschiedlich sind auch die veröff entlichten Informati onen über die Dauer und den Verlauf der Eiund Larvenentwicklung. Die Larven sollen nach dreieinhalb Tagen, nach achtzig Stunden oder erst nach neun bis elf Tagen schlüpfen. Bei Schreiber schlüpft en die Jungfi sche bei 27 °C nach fünf Tagen (pH-Wert 7, GH 12 °dGH), entwickelten sich aber nicht normal. Bei 22 °C schwammen sie dagegen erst nach zehn bis elf Tagen, bei 23 bis 24 °C nach acht Tagen frei. Eckhard Schreiber meint, dass die Larven bei hohen Temperaturen zu früh schlüpfen und dann häufi g nicht lebensfähig sind.

1


1 Laichendes Pärchen: Das Weibchen heft et die Eier an die Höhlendecke.

2


2 Brutpfl egendes Männchen: Das Gelege ist rund 24 Stunden alt.

3


3 Wie bei anderen Schläfergrundeln wird die Brutpfl ege ausschließlich vom Männchen übernommen.

4


4 Sieben Tage nach dem Laichen stehen die vollständig entwickelten Embryonen kurz vor dem Schlüpfen.

Temperaturen unter 26 °C auf dem Laichsubstrat. Der U-förmig gekrümmte Embryo bleibt bis unmitt elbar vor dem Freischwimmen in der Eihülle. Das dauert bei Wassertemperaturen zwischen 24 und 25 °C rund sieben Tage. Nach dem Zerreißen der Eihülle sinken die Jungti ere zwar vorübergehend auf den Grund, spätestens nach einer Stunde schwimmen sie jedoch akti v im freien Wasser.

Die Brutpfl ege übernimmt das Männchen allein. Die Paarbildung beginnt unter lebhaft er Balz bereits ein oder sogar zwei Tage vor dem Ablaichen. Beide Fische halten sich dann oft in der späteren Bruthöhle auf. Das Männchen verlässt die Eier und Larven während der Brutpfl ege nur selten und für kurze Zeit.

Basiswissen

Pastell- oder Schwanzfl eckschläfergrundel (Tateurndina ocellicauda )

Nordosten von Papua-Neuguinea

4-7 cm

24-26 °C

pH-Wert 7,6; 15 °dGH

ab 54 Liter

Blauaugen (Pseudomugil ), andere kleine Grundeln

leicht

kleines Lebend- und Frostf utt er, Trockenfutt er

Ältere Männchen bekommen einen größeren Kopf mit steil ansteigender Sti


Laichbereite Weibchen sind an ihrem verdickten, kräft ig gelb gefärbten Bauch zu erkennen.


Kopfstudie eines Männchens.


Foto: Hristo Hristov

PFLEGE UND ZUCHT

Ich pflege und vermehre meine Fische in dicht bepflanzten Aquarien bei pH-Werten um 7,6 und einer Karbonat- und Gesamthärte um 15 °dGH. Bei reichlicher Fütterung (Artemia -Nauplien) und vielen Versteckplätzen, in die sich die Jungtiere zurückziehen können, besteht keine Notwendigkeit, den Vater von den Nachkommen zu trennen. Die Nachzuchten können bei guter Fütterung bereits im Alter von drei Monaten eine Länge von 30 mm erreichen.

Ausgewachsene Fische zeigen einen deutlichen Sexualdimorphismus: Während Weibchen zeitlebens einen spitzen Kopf behalten, bekommen ältere Männchen einen größeren Schädel mit steil ansteigender Stirn. Laichbereite Weibchen sind an einem verdickten, kräftig gelb gefärbten Bauch zu erkennen.

In dicht bepflanzten Aquarien schwimmt die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel auch gern im mittleren und oberen Bereich des Aquariums. Sie ist tagaktiv, aber ein eher ruhiger Pflegling und ein idealer Fisch für gut bepflanzte Aquarien ab 54 Liter Inhalt. Besonders interessant ist die Pflege in einer kleinen Gruppe, was wegen der geringen innerartlichen Aggression gut möglich ist. Für eine Vergesellschaftung geeignet sind Blauaugen aus der GattungPseudomugil sowie andere kleine Grundeln. Wegen ihrer Robustheit und Anpassungsfähigkeit ist die hübsche Art auch Anfängern zu empfehlen.

TEXT & FOTOS: DR. WOLFGANG STAECK

Dr. Wolfgang Staeck hat sich insbesondere durch zahlreiche Publikati onen und Vorträge über Buntbarsche einen Namen gemacht. Der Dähne Verlag hat von ihm drei Bücher veröff entlicht 