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Die perfekte WOCHE


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 04.11.2022

THEMA DES MONATS

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 120/2022

Galopp im Schnee ? mit der richtigen Ausrüstung bringt ein Winterausflug richtig Spaß und trainiert effektiv die Ausdauer

• Eine Woche, sieben Trainingstage

• Die drei Phasen des Wintertrainings

• Konditionstag Nr. 1

• Relax-Tag

• Trainingstag Nr. 1

• Konditionstag Nr. 2 und Relax-Tag

• Trainingstag Nr. 2

• Der Lust-und-Laune-Tag

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Eine Woche, sieben Trainingstage

Grundsätzlich lässt sich die Winterarbeit einteilen in drei Phasen: aktive Pause, Grundlagentraining und Turniervorbereitung. Phase eins, die aktive Pause, beginnt nach der Turniersaison, wenn das Pferd abtrainiert ist. Es soll sich mental und körperlich erholen, dabei aber weiterhin gymnastiziert werden, sodass die Muskulatur geschmeidig bleibt. Zu dieser Phase gehören Spazierenreiten, lockere Longenarbeit und Weidegang. Ende November, Anfang Dezember fällt der Startschuss für Phase zwei, mit der sich dieses Special beschäftigt, bevor ...

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... sich in der dritten, abschließenden Phase der Winterarbeit alles um die gezielte Vorbereitung auf die anstehende Turniersaison, also um Lektions-, Parcours- oder Geländetraining dreht. Phase zwei steht ganz im Zeichen des Grundlagentrainings, genauer gesagt Ausdauertrainings. Denn: „Ausdauer ist die Mutter der motorischen Grundeigenschaften“, weiß Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll. „Aus der Ausdauer entwickeln sich Schnelligkeit und Kraft, was wiederum die Beweglichkeit und Geschicklichkeit verbessert. Deswegen ist Ausdauer etwas Grundlegendes, was jedes Pferd braucht – egal in welcher Disziplin. Die zweite Winterphase bietet sich hervorragend für dieses Training an: Die aktuelle Turniersaison ist abgeschlossen, und bis die nächste beginnt, ist noch Zeit. Reiter und Pferd können sich in Ruhe darauf konzentrieren und eine gute Basis schaffen für kommende Aufgaben.“

Zu einer sinnvoll aufgebauten Trainingswoche gehören immer zwei Konditionstage, zwei Entspannungstage, zwei Trainingstage und ein Tag, der von Woche zu Woche frei gestaltet werden kann. „Einen Masterplan für das Wintertraining eines Pferdes gibt es allerdings nicht“, betont Annette Wyrwoll. „Ein in Stein gemeißeltes Programm wäre kontraproduktiv.“ Wichtiger sei es, einen roten Faden zu haben, an dem sich der Reiter orientiert und das Training nach Gefühl anpasst.

Die Devise ist:

1.Klar vor Augen haben, was am Ende des Winters erreicht werden soll und wo der Schwerpunkt in der nächsten Saison liegt.

2.Ziele setzen für die anstehende Trainingswoche, Ideen parat haben für einzelne Trainingseinheiten.

3.Jeder Tag ist anders! Je nach Wetterbedingungen, der eigenen Verfassung und Stimmung und erst recht dem Befinden des Pferdes sollte das Programm individuell angepasst sein. Frage: Was will ich heute erreichen?

WYRWOLLS TIPP

Pflege

Nach dem Ausritt die Beine auf Verletzungen abtasten, in einer Waschbox mit Wasser abspritzen und kühlen. Alternativ einen Eimer Wasser nehmen. Vorteil von Training im Schnee: Beine werden automatisch gekühlt. Kleine Hautabschürfungen desinfizieren.

1TAG WINTER 2022/2023

Konditionstag Nr. 1

'Ziel: Ausdauer verbessern

Trainingsinhalte:

Dressurpferd Donnasoll Kraft gewinnen für versammelte Lektionen. Mit ihr wird Kraftausdauer und Schnellkraft trainiert. Springpferd Luis braucht Kraft für Wendungen im Parcours und den Sprungablauf, bei ihm geht es um Kraftausdauer, Schnelligkeit und Reaktionsvermögen. Buschpferd Carinosoll Kraft und Kondition bekommen für alle Teildisziplinen. Kraftausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit sollen verbessert werden.

Umsetzung:

Ein Ausritt bietet für alle Pferde die beste Möglichkeit, die Ausdauer zu trainieren. Die Bewegung auf unterschiedlichen Böden und das Reiten bergauf und bergab setzen immer neue Trainingsreize. Verschiedene Muskelgruppen werden angesprochen und gestärkt, der Sehnenapparat wird gefestigt. Das Pferd wird trittsicher und geschickt. Außerdem fördert die Bewegung im Freien die Motivation an der Arbeit.

Also: Ab nach draußen! Denn auch im Winter gibt es keine Ausrede, einen Ausritt abzusagen. Einzige Ausnahme: Glatteis. Dann muss der Konditionstag verschoben werden. Für das Training im Gelände ist das Pferd nach Möglichkeit mit einem Springoder Vielseitigkeitssattel ausgestattet, die Beine und Vorderhufe sind mit Gamaschen und Hufglocken geschützt. Bei sehr kalter Witterung bzw. geschorenem Fell wärmt eine Nierendecke während des Trainings die hintere Rückenpartie des Pferdes. Der Reiter trägt eine splittersichere Kappe, seine Bügel sind drei bis vier Löcher kürzer als im Dressursattel. So kann er sich optimal ausbalancieren und den Rücken entlasten. Der Ausritt sollte etwa auf ein bis 1,5 Stunden angelegt sein. Es gilt: Je schlechter der Boden, umso langsamer das Tempo. Regnet es, sollte der Reiter Wiesen und Graswege meiden. Das Pferd kann darauf rutschen, und die Grasnarbe leidet. Am besten geeignet sind geschotterte Waldwege.

Zunächst ausgiebig Schritt reiten. Danach kommt eine Trabreprise, etwa zehn bis 20 Minuten lang, bergauf und bergab. Beim Bergaufreiten immer wieder Tempounterschiede fordern. Das Pferd soll sich beim Zulegen an eine weiche Zügelverbindung heranstrecken und fleißig untertreten. Beim Zurückführen ist es wichtig, den Fleiß zu erhalten. Das Pferd sollte sich bei leichter Anlehnung zusammenschieben lassen. Bergab geht’s im Jog, einem ruhigen, eher untertourigen Trab, der Reiter entlastet den Pferderücken etwas, eine Zügelbrücke hilft, sich auszubalancieren (Foto oben). Das Pferd sollte in die Hand des Reiters hineintraben.

Wichtig ist, dass es gerade bleibt. Der Reiter treibt mit beiden Schenkeln gleichmäßig und schließt das Pferd von hinten nach vorne, dann wölbt es den Rücken auf. Im Anschluss eine Schrittpause einlegen, Dauer: etwa zehn Minuten. Dann einen ruhigen Galopp absolvieren, etwa fünf bis zehn Minuten lang. Das Tempo variieren, bergauf etwas zulegen, bergab aufnehmen – auf Geraderichtung achten! Zum Abschluss eine lockere Trabreprise am verlängerten Zügel einlegen und im ruhigen, fleißigen Schritt den Heimweg antreten.

UNSERE EXPERTIN

DR. ANNETTE WYRWOLL

Die 65-jährige Fachtierärztin für Pferde betreibt seit einigen Jahren eine Pferdepraxis in Neuhof (Bayern). Zu ihrer aktiven Zeit war sie Mitglied im Bundeskader der Vielseitigkeit, erreichte Platzierungen bei Europameisterschaften und belegte Rang 19 bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000. Sie ist Pferdewirtschaftsmeisterin Schwerpunkt Reiten sowie Zucht und Haltung, Mitglied im DOKR-Ausschuss Vielseitigkeit, Züchterin und Referentin zu Themen der Tiermedizin, Reitlehre, Training und Zucht.

Relax-Tag

WINTER 2022/2023 2 TAG

Ziel: Erholung, Muskulatur entspannen

Trainingsinhalt:

Nach einem Konditionstag muss für jedes Pferd immer ein Tag zur Entspannung folgen. Denn das Pferd und der Reiter können Muskelkater haben, der sich durch ruhige Arbeit lösen lässt.

Umsetzung:

Unter dem Sattel steht Lösungsarbeit an, etwa 30 bis 40 Minuten auf dem Reitplatz oder in der Reithalle. Nach dem ausgiebigen Aufwärmen im Schritt (zehn bis 15 Minuten) und Trab im fleißigen Tempo folgen viele Trab-Galopp-Übergänge auf großen gebogenen Linien mit vielen Handwechseln. Dabei wird die Muskulatur gelockert, das Pferd kann den Rücken aufwölben und den Hals fallen lassen. Und der Reiter kann im Galopp zwischendurch in den leichten Sitz gehen, um dem Pferd die Rückentätigkeit zu erleichtern.

Im Trab und Galopp immer wieder Zügel aus der Hand kauen lassen, sodass sich das Pferd vorwärts-abwärts in die Tiefe dehnt. Zum Abschluss folgt erneut eine ausgiebige Schrittphase.

Auch möglich:

Leichte Longenarbeit. Erst zehn Minuten im Schritt führen. Dann mit Dreieckszügeln ausgebunden etwa 20 bis 30 Minuten in den Grundgangarten lösen. Viele Übergänge zwischen den Gangarten fordern: Trab-Galopp-Trab und Trab-Schritt-Trab. Darauf achten, dass das Pferd aktiv unter den Schwerpunkt tritt, Dehnungsbereitschaft zeigt und der Rücken zum Schwingen kommt. Zwischendurch die Hand wechseln. Die Einheit wieder mit zehn Minuten Schrittführen beenden.

Könner greifen zur Doppellonge. Mit zwei Leinen lässt sich das Pferd besser einrahmen. Weiterer Pluspunkt: Ein Handwechsel ist ohne Umschnallen der Longe schnell eingebaut. Die einfache Verschnallung der Leinen wählen (Leine verläuft seitlich durch den Longiergurt zum Trensenring). Hält sich das Pferd fest, kann die Dreiecksverschnallung helfen (Leine seitlich durch Longiergurt und Trensenring führen, zwischen den Vorderbeinen am Longiergurt befestigen). Die Trainingseinheit wie die an der einfachen Longe gestalten.

WYRWOLLS TIPP

Wo h lfühlen

Für angenehme Wärme im Rücken, die auch kleinere Verspannungen mildern kann, sorgen zehn bis 15 Minuten unter einem Solariu m.

WINTER 2022/2023 TAG 3

Trainingstag Nr. 1

Ziel: Vorbereitung für die kommende Saison

Trainingsinhalt:

Das nächste Saison-Ziel in „klein“. Für DressurpferdDonnabedeutet das Arbeit an der Versammlung. Für Springpferd LuisVerbesserung der Vorderbeintechnik und Rückentätigkeit. Für Buschcrack Carinoist sowohl Dressur- als auch Springtraining sinnvoll.

Umsetzung:

DonnaUm die Versammlung zu verbessern, ist es unabdingbar, an halben Paraden zu arbeiten. Das kann der Reiter schon in der Aufwärmphase mit einfachen Übergängen zwischen den Gangarten und später innerhalb der Gangart tun, wobei er darauf achtet, eine weiche Verbindung zum Pferdemaul zu behalten. Nächster Schritt: Im Trab Schulterherein an der langen Seite fordern, auf der besseren Hand beginnen, dann wechseln. Der Reiter muss mit der äußeren Hand so viel nachgeben wie die innere Hand zum Stellen benötigt, aber trotzdem eine konstante Anlehnung beibehalten. Die Schulterpartie des Reiters ist parallel zu der des Pferdes. Mit dem inneren Schenkel und inneren Gesäßknochen aktiviert er das innere Hinterbein des Pferdes. Der äußere Schenkel begrenzt das Pferd, sodass es sich auf drei Hufschlägen bewegt.

Um die Aktivität des Hinterbeins und die Längsbiegung weiter zu verbessern, erst im Trab, später im Galopp den Zirkel verkleinern und wieder vergrößern. Dabei wird der Schwung etwas herausgenommen, das Pferd senkt sich vermehrt in der Kruppe, der Versammlungsgrad wird gesteigert. Wichtig sind die verwahrenden Hilfen, die das Pferd einrahmen, außen begrenzen und zur Zirkelmitte führen. Das Pferd ist nach innen gestellt und biegt sich um den inneren Schenkel.

Im Galopp: an der langen Seite zulegen und vor der Ecke das Tempo wieder zurückführen. Beim Zulegen muss der Reiter das Pferd geradehalten, sodass es nicht mit der Hinterhand in die Bahn ausweicht. Durch Reiten im Schultervor kann er dem entgegenwirken. Beim Zurückführen sollte der Fleiß erhalten bleiben und der Reiter muss zum Nachgeben kommen, damit das Pferd weiter bergauf galoppiert.

Den Schwierigkeitsgrad erhöhen: Mitte der langen Seite eine Volte einbauen. Nach der Ecke zulegen, vor der Mitte der langen Seite das Tempo wieder zurückführen und die Volte einleiten. Aus der Volte heraus erneut zulegen und vor der nächsten Ecke wieder zum Arbeitstempo wechseln. Zu Beginn kann die Volte etwas größer sein, also über die Mittellinie hinausgehen. Das Ziel ist ein Durchmesser von etwa zehn Metern. In der Volte darf das Pferd nicht überstellt sein und muss mit dem äußeren Hinterbein in der Spur bleiben. Der Reiter treibt vermehrt am inneren Schenkel, sodass das Pferd energisch weitergaloppiert.

WYRWOLLS TIPP

Scheren

Ist das Winterfell zu dick geworden, und das Pferd schwitzt im Training? Dann runter mit dem Pelz. Beim Jagdschnitt bleibt das Fell an Kopf, Beinen, Sattellage und Nierenpartie stehen. Das Pferd schwitzt gar nicht bzw. trocknet schnell wieder ab und ist trotzdem an den empfindlichen Körperstellen geschützt.

Luis

Bei einem Springpferd lassen sich durch gezielte Gymnastizierung schnell Erfolge erzielen. Rhythmus und Rückentätigkeit werden durch Cavaletti-Arbeit gefestigt.

Möglichkeit 1:Zwei, später drei Cavaletti als In-Out (Abstand in der Mitte: 3 bis 3,50 Meter) springen, am besten auf gebogener Linie, dann begrenzt der Reiter das Pferd mit den äußeren Hilfen, und es ist einfacher, im Fluss zu bleiben (siehe Skizze oben).

Möglichkeit 2:drei Cavaletti an der langen Seite in verschiedenen Abständen. Abstand zwischen erstem und zweitem Cavaletto z.B. ca. 10,50 Meter (zwei Galoppsprünge), zwischen zweitem und drittem ca.

13,50 Meter (drei Galoppsprünge). Während des Trainings variieren, auf 10,50 Meter zum Beispiel drei Galoppsprünge einbauen und auf 13,50 Meter vier oder zwei Galoppsprünge reiten (siehe Skizze rechts). So schult der Reiter sein eigenes Gefühl für den Galopp und verbessert sein Auge für Distanzen; die Durchlässigkeit des Pferdes und der Galopprhythmus werden verbessert.

Möglichkeit 3:Ein Alleskönner unter den Übungen ist die Gymnastikreihe. Sie hat einen positiven Effekt auf Rhythmus, Kraft, Vorderbeintechnik, Konzentration und Bascule. Sie kann aus Cavaletti bestehen oder aus einer Mischung aus Vorlegestange, Cavaletti, Steilsprüngen und Oxer (siehe Foto unten).

Carino

Für das Vielseitigkeitspferd bietet sich ebenfalls die Gymnastizierung mit Cavaletti und Gymnastikreihen an (siehe oben). Alternativ kann der Reiter mithilfe einer einzelnen Stange oder einem Cavaletto bei X an der Durchlässigkeit und der Anlehnung sowie an der Feinheit seiner Hilfengebung arbeiten. Die Stange wird im Galopp zunächst jeweils auf einer Hand auf dem Zirkel überwunden. Klappt das rhythmisch und flüssig, kommt in jeder Runde ein Handwechsel hinzu, der Reiter galoppiert auf einer Acht.

Das Cavaletto kann dabei in der Höhe verstellt und gerade oder leicht schräg gesprungen werden.

In der Dressurarbeit kann das Verbessern der Losgelassenheit und der Schwungentfaltung den Trainingsschwerpunkt bilden. Nach der Lösungsphase mit vielen Trab-Galopp- und Trab-Schritt-Übergängen folgen Tempiwechsel im Trab und Galopp auf der geraden, aber auch auf der gebogenen Linie. Der Reiter verkürzt zunächst den Trabtritt bzw. Galoppsprung und verstärkt ihn dann wieder. Dadurch gewinnt die Gangart an Ausdruck und Qualität. Darüber hinaus kann der Reiter mithilfe vieler Galopp-Schritt-Galopp-Übergänge die Schubkraft verbessern. An der Balance im Galopp und dem energischen Vorfußen des inneren Hinterbeins kann der Reiter im Außengalopp arbeiten. Eine lange und eine kurze Seite im Außengalopp absolvieren, dann einen Übergang zum Schritt reiten und wieder im Handgalopp angaloppieren. Auf diese Weise kann der Reiter Kontergalopp und einfache Wechsel gut miteinander verbinden.

Positiver Trainings- effekt

WINTER 2022/2023 TAG 4

Konditionstag Nr. 2

Ziel: Ausdauer weiter trainieren

Trainingsinhalt:

Donna, Luisund Carinosollen ihre Kraftausdauer verbessern

Umsetzung:

Ausdauer bekommt das Pferd nicht von heute auf morgen. Regelmäßiges systematisch aufgebautes Training ist daher unersetzlich. Wenn das Wetter mitspielt, sollte der zweite Konditionstag für Donna, Luis und Carino wie der erste aufgebaut sein.

Raus ins Gelände, wieder zwischen 60 und 90 Minuten, wobei der Reiter die Dauer der gesamten Trainingseinheit wie auch der einzelnen Sequenzen nach und nach steigern kann. Er beginnt in Woche eins mit etwa 60 Minuten und verlängert dann jede Woche um ca. zehn Minuten bis auf 1,5 Stunden. Nach der Aufwärmphase im Schritt ist die Trabarbeit bergauf und bergab mit vielen Tempounterschieden an der Reihe. Auch hier die Dauer steigern, angefangen bei zehn Minuten, jede Woche um drei bis fünf Minuten erweitern, bis auf ca. 20 Minuten. Nach einer Schrittpause ruhig galoppieren. Fünf Minuten zu Beginn und allmählich steigern auf zehn Minuten. Das Tempo variieren.

Sollten gefrorene Wege das Ausreiten dauerhaft verleiden, kann der Reiter das Ausdauertraining eventuell auf einen großen Reitplatz, eine Rennbahn mit Sandboden oder in eine große Reithalle (mindestens 30 mal 60 Meter) verlegen. Das ist zwar längst nicht so effektiv wie ein Ausritt, weil die unterschiedlichen Böden und das Bergauf und Bergab fehlen, aber besser, als die Einheit ganz ausfallen zu lassen. Nach dem Aufwärmen im Schritt, Trabreprisen mit Tempounterschieden und lange Galoppeinheiten (10 bis 15 Minuten) im leichten Sitz ebenfalls mit Tempiwechseln auf der Geraden und auf dem Zirkel absolvieren. Beispiel: Tempo zurücknehmen, auf dem Zirkel reiten, Zirkel verkleinern, Zirkel vergrößern und daraus ganze Bahn reiten und zulegen. Eine lockere Trabreprise und ausgiebige Schrittphase beendet das Training.

Fütterung

Bei einem klassischen Sportpferd, das überwiegend im A-, L- und M-Bereich eingesetzt wird, muss die Fütterung an einem Konditionstag nicht verändert werden. Es ist mit einer durchschnittlichen Rationsgestaltung ausreichend versorgt. Das sind z.B. bei einem Pferd mit 600 Kilogramm Körpergewicht drei bis vier Kilogramm Kraftfutter (etwa 0,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht), beispielsweise ein Gemisch aus Hafer, Gerste und Mais oder eine Müslimischung, eventuell ergänzt durch Mineralfutter, und Heu zur freien Verfügung, mindestens sechs Kilogramm. Erst bei Hochleistungspferden im Spitzensport würde eine Anpassung des Futters relevant werden.

Beschlag

WYRWOLLS TIPPS

Bei guten Bodenverhältnissen bzw. wenn für längere Zeit Schnee liegt: Hufeisen abnehmen. Ohne Eisen hat das Pferd im Schnee den besten Halt und für die Hufe ist eine „eisenfreie“ Zeit optimal, um sich zu regenerieren. Wird das Pferd allerdings viel auf Schotterwegen u.ä. bewegt, braucht es Eisen, weil die Hufe ansonsten zu stark belastet werden. Fürs Reiten im Schnee helfen in diesem Fall Grips unter den Eisen (Foto).

Trainingsinhalt:

Gestern gearbeitet, heute relaxen. Auf den Konditionstag folgt wieder ein Entspannungstag mit lockerer Arbeit.

Umsetzung:

Lösungsarbeit unter dem Sattel oder leichte Longenarbeit wie an Tag zwei (siehe Seite 38–39). Etwa 30 Minuten im Schritt, Trab und Galopp lösen, viele Übergänge zwischen den Gangarten abfragen und über den Rücken vorwärts-abwärts reiten beziehungsweise longieren. Mit einem Dressurpferd kann der Reiter alternativ

WINTER 2022/2023 TAG 5

Relax-Tag

Ziel: Entspannung

Cavaletti und kleine Sprünge in das lockere Training integrieren. Das Springen über zwei Kreuze oder zwei Cavaletti, von denen eins z.B. Mitte der langen Seite und eines bei X steht, bringt Abwechslung in die Hallenarbeit, fördert die Konzentration und lockert die Rücken- und Halsmuskulatur. Auch möglich: gemütlich spazieren reiten. „Zügel und Seele baumeln lassen“, ist Annette Wyrwolls Devise für diesen Tag. Eine Ergänzung zum Training ist die Bewegung in der Führanlage – ersetzen kann es das Reiten nicht. Zusätzlich kann freie Bewegung auf der Weide oder alternativ auf einem Allwetter-Paddock den Relax-Tag abrunden.

„Ausgiebiges Wälzen ist die beste Physiotherapie, die es für ein Pferd gibt.“

Trainingstag Nr. 2

WINTER 2022/2023 TAG 6

WINTER 2022/2023

Ziel: Vorbereitung für die nächste Saison

Trainingsinhalt:

Am zweiten Trainingstag der Woche werden die Punkte der ersten Trainingseinheit (Tag drei) wiederholt bzw. weitergeführt.

Umsetzung:

DonnaSchulterherein, Zirkel verkleinern und Galoppverstärkungen noch einmal abfragen und ggf. weiter daran arbeiten. Klappen die Übungen, kann der Reiter neue Lektionen wählen: z.B. Schlangenlinien mit drei Bögen im Trab und später im Galopp mit einem Übergang zum Schritt beim Durchreiten der Mittellinie. Eine ganze Parade an einem beliebigen Punkt an der Bande, dann Rückwärtsrichten und anschließendes promptes Antreten überprüft die Durchlässigkeit und verbessert die Lastaufnahme sowie das geschlossene Herantreten von hinten nach vorne an die Reiterhand. Das Rückwärtsrichten auf freier Linie verlangt außerdem vom Reiter, sein Pferd gleichmäßig und bewusst beidseitig einzurahmen.

LuisDurch Stangenarbeit wird das Pferd animiert, sich geschickt und losgelassen über den Rücken zu bewegen. Übung im Schritt: Drei Stangen (Abstand: 0,80 bis 1,10 Meter) an der langen Seite auf den ersten Hufschlag (Vorteil: Bande als Anlehnung) oder dritten Hufschlag legen, später eine vierte Stange hinzulegen. Eine Variante: Der Reiter trabt bis kurz vor den Stangen, pariert zum Schritt durch, lässt das Pferd über die Stangen schreiten und trabt danach wieder an. Effekt: Das Pferd lernt, durchlässiger zu reagieren und in raumgreifenden Schritt zu gehen.

Im Trab: Erst drei, später vier Trabstangen mit 1,30 bis 1,40 Meter auf der Geraden platzieren. Effekt: gleichmäßiges Treten und Aktivierung der Hinterhand. Variante: Trabstangen auf gebogener Linie, z.B. je vier Stangen an den beiden Zirkelpunkten eines Zirkels platzieren (siehe Skizze links), über die Stangen traben, durch den Zirkel wechseln und über die zweite Stangenreihe traben. Effekt: Durchlässigkeit, Stellung und Biegung werden verbessert.

Optimales Krafttraining: Auf dem Zirkel liegen bei A vier Trabstangen (Abstand: ca. 1,20 Meter) bei C vier Galoppstangen (Abstand: ca. 3,30 Meter). An den Zirkelpunkten erfolgt ein Übergang in die Gangart, die über den nächsten Stangen gefordert ist. Effekt: Das Pferd wird rittiger und muss sich vermehrt konzentrieren.

CarinoAuf das Vielseitigkeitspferd warten in der kommenden Saison in Klasse L technische Aufgaben im Gelände. Das kann der Reiter vorab beim Hallentraining üben. Es geht darum, den Punkt, an dem man einen Sprung überwinden möchte, jederzeit und aus jeder „Lebenslage“ treffen zu können. Um das zu trainieren, absolviert der Reiter einen etwa einen Meter hohen Steilsprung in mehreren Varianten (siehe Skizze unten).

Zunächst springt er ihn gerade und mittig. Dann verlegt er seine Sprungphase auf die rechte, später auf die linke Seite des Sprungs, immer noch gerade. Im nächsten Schritt überwindet er das Hindernis schräg. Er beginnt mit einem 60-Grad-Winkel (rote Linie) und kann sich bis zu einem Winkel von 30 Grad (grün) steigern. Auch möglich: eine Kombination schräg springen. Schmale Elemente einer Cross-Strecke lassen sich mit kurzen Stangen (zwei bis ein Meter) auf Plastikklötzen imitieren. Für den Einstieg hilft jeweils eine Stange links und rechts am Sprung als Begrenzung. Schmale Stangen können auch mit Ständern verwendet werden, aber erst wenn das Pferd sicher an den Hilfen steht und der Reiter den Galoppsprung kontrollieren kann – ansonsten besteht Verletzungsgefahr, besonders für die Knie des Reiters.

Der Lust-und-Laune-Tag

Ziel: Den bisherigen Ablauf der Woche sinnvoll abrunden

WINTER 2022/2023 TAG 7

Trainingsinhalt:

Der letzte Tag eines siebentägigen Trainingsplans gestaltet sich abhängig davon, wie die Woche zuvor verlaufen ist.

Umsetzung:

Hat der Reiter alle gesteckten Ziele erreicht und das Pferd hat motiviert mitgearbeitet, war locker und durchlässig, dann ist ein Weide- bzw. Koppeltag genau das Richtige.

Das Pferd kann sich frei bewegen und entspannen. Auch möglich: gemütlich spazieren reiten, zwischen 45 und 60 Minuten. Ausgiebig Schritt reiten, eventuell mit einer ruhigen Trabreprise am längeren Zügel ergänzen. Für DressurpferdDonnawürde sich nach einer Woche, in der viel an Lektionen und Übungen gearbeitet wurde und keine Stangen zum Einsatz kamen, eine Trainingseinheit mit Freispringen anbieten. Dabei geht es nicht um die Höhe der Sprünge, sondern vielmehr darum, durch das Springen mehrerer Cavaletti und kleiner Sprünge Rückentätigkeit, Beweglichkeit und Geschicklichkeit zu fördern, das Pferd zu motivieren und die Trainingswoche interessant und abwechslungsreich zu gestalten.

Die Gymnastikreihe kann z.B. bestehen aus einer Vorlegestange (2,20 Meter), drei Cavaletti als In-Out (je 3,20 Meter), einem Steilsprung (6,50 Meter, ein Galoppsprung) und einem Oxer (10,50 Meter, zwei Galoppsprünge).

Was tun, wenn …

Spring- und Vielseitigkeitspferde wieLuisund Carinosind während der Saison im Parcours gefordert und werden in den Wintermonaten viel mit Stangen gearbeitet. Daher steht für sie im Normalfall das Freispringen nicht regelmäßig auf dem Plan. Ab und an allerdings kann das Springen ohne Reiter hilfreich sein, damit das Pferd besser ins Gleichgewicht findet, mehr Selbstbewusstsein am Sprung bekommt und lernt, über dem Sprung zu basculieren.

Hat es an einem der Trainingstage im Verlauf der Woche gehakt, war das Pferd nicht gut drauf und ist der Reiter weit von dem entfernt geblieben, was er erreichen wollte, ist Nachsitzen angesagt.

Donnasollte dann zum Beispiel die Lektionen wiederholen, die nicht geklappt haben. Gegebenenfalls muss der Reiter sie zunächst etwas vereinfachen, also das Schulterherein beispielsweise nur eine halbe lange Seite fordern, den Zirkel weniger verkleinern oder die Schlangenlinien mit drei Bogen ohne Übergang beim Durchreiten der Mittellinie absolvieren. Das Motto lautet: Schritt für Schritt zum Ziel – und bei Problemen auch mal wieder einen Schritt zurück gehen.

Mangelt es an der Losgelassenheit, hilft es, das Pferd vorab und auch zwischendurch ausgiebig bei frischem Tempo im Leichttraben in Dehnungshaltung zu reiten und dabei viele Handwechsel sowie Übergänge zu absolvieren. Danach die Übung noch einmal wiederholen. FürLuisund Carinokann das Nachsitzen aus dem Springen bestimmter Sprungfolgen bestehen. Ist zum Beispiel bei den drei Galopp-Cavaletti auf der Geraden mit unterschiedlichen Abständen der Rhythmus ständig verlorengegangen, kann diese Übung erst einmal nur mit zwei Cavaletti oder drei Cavaletti mit dem gleichen Abstand (z.B. 10,50 Meter, zwei Galoppsprünge) wiederholt werden, bis Pferd und Reiter ein Gleichmaß gefunden haben. Schwankte das Pferd in der Gymnastikreihe vom Steilsprung auf den Oxer, wird diese Übungen noch einmal wiederholt. Dafür kann der Reiter nur den Steilsprung (eventuell mit Galoppvorlegestange auf 3 Meter) und den Oxer oder auch die ganze Gymnastikreihe noch einmal aufbauen. Liegt eine zusätzliche Stange, Cavaletti oder Planke zwischen Steilsprung und Oxer, kann das dem Pferd helfen, konzentriert, fokussiert und im Fluss zu bleiben, ohne zu schwanken. Hatte das Pferd am zweiten Trainingstag Schwierigkeiten mit der Übung, bei der auf dem Zirkel sowohl Trab- als auch Galoppstangen zu absolvieren waren, kann der Reiter die Übung vereinfachen, indem er entweder nur Trab- oder Galoppstangen absolviert oder anstatt mit vier Stangen erst einmal mit zwei oder drei Stangen arbeitet.