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Die Pflegeausbildung der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege: Pflegeberufereformgesetz – Ein Gesetz mit Kompromissen


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.06.2019

Nach zähem Ringen zwischen Befürwortern und Gegnern liegt seit dem 17.7.2017 das Pflegeberufereformgesetz zur künftigen Gestaltung der Ausbildung in den Pflegeberufen vor. So sehr es von den Befürwortern auch erhofft wurde: Das ursprüngliche Ziel der vorherigen Regierung, durch eine grundlegende Aus-bildungsreform ein einheitliches Berufsbild mit einer gemeinsamen Grundausbildung und einer darauf aufbauenden Spezialisierung in der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege in Deutschland zu etablieren, ist darin nicht mehr verankert. Welche Konsequenzen und Forderungen ergeben sich daraus für ...

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... die Kinderkrankenpflege?

Das Pflegeberufereformgesetz (PflBREfG) beinhaltet im Kern eine allgemeine (generalistische) berufliche Pflegeausbildung mit fünf gleichwertigen Vertiefungseinsätzen während der praktischen Ausbildung sowie durch ein Wahlrecht im letzten Ausbildungsdrittel, die speziellen Berufsabschlüsse in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bzw. Altenpflege zu erwerben. Parallel dazu wird die hochschulische Ausbildung mit primär qualifizierenden Studiengängen in der Pflege etabliert (Abb. 1). Nicht nur durch diesen Kompromiss folgte der Gesetzgeber maßgeblichen Forderungen aus Berufsverbänden, Organisationen und dem Engagement Einzelner, um ein Scheitern dieses Gesetzesvorhabens noch in letzter Minute zu verhindern.

Mit zahlreichen Positionspapieren und Gesprächen auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen hat sich der Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD e.V.) über viele Jahre konstruktiv in den Dialog zur weiteren Sicherung der beruflichen Expertise zur Pflege von gesunden, kranken und behinderten Kindern/ Jugendlichen während der pflegerischen Erstausbildung an diesem Prozess beteiligt. Seit der Veröffentlichung der Ausbildungsund Prüfungsverordnung für Pflegeberufe (PflAPrV) vom 02. Oktober 2018 besteht eine kontroverse Diskussion. Es ist offen, welche Konsequenzen dies für die Berufsausbildung und das primär qualifizierende Studium mitbringt.

Tab.1: Konsenspapier zur Situation der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in


Deutschland 2018 (BeKD e.V. u. a., 2018)

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung

Aus der Perspektive der Gesundheitsund Kinderkrankenpflege (GKiKP) wird erwartet, dass bei der Ausgestaltung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung und der Konkretisierung in den Rahmenlehrplänen verbindliche Maßnahmen ergehen. Diese müssen den hohen und komplexen Ansprüchen an die Pflegenden im klinischen und außerklinischen Setting Rechnung tragen und dem Interpretationsspielraum zum Nachteil dieses Fachgebietes entgegenwirken. Im Konsens mit namhaften Organisationen und Fachverbänden fordert der BeKD e.V., die verbindliche Ausweisung von Mindeststundenzahlen für die Theorie und Praxis in den kinderspezifischen Ausbildungsvarianten der Berufsausbildung (Tab. 1). In der Theoriephase muss sichergestellt sein, dass während der ersten beiden Ausbildungsabschnitte grundsätzlich alle Altersgruppen – auch Kinder/Jugendliche und ihre Bezugspersonen – gleichberechtigt im Fokus stehen. Für die praktische Ausbildung hatte der Gesetzgeber bereits bei der ersten Veröffentlichung von Eckpunkten für eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Entwurf des Pflegeberufsgesetzes vor zwei Jahren den Vertiefungseinsatz pädiatrische Versorgung konkretisiert (Anlage 4). Dieses Konzept haben wir nach Veröffentlichung des PflBREfG und des PflAPrV mit der Stundenverteilung im Rahmen der praktischen Ausbildung in der Anlage 7 angepasst (Tab. 2).

Ausbildungsvarianten sichern

Unser didaktischer Leitgedanke für die Berufsausbildung entsprechend der Gesetzesvorlage ist, dass die Kompetenzen für die pflegerische Versorgung von Kindern/ Jugendlichen nur in einer engen Verknüpfung von fundierten theoretischen Grundlagen und gezielten praktischen Handlungen erfolgen kann. Dies beginnt mit dem Orientierungseinsatz, durchzieht den gesamten Ausbildungsprozess für Auszubildende mit Vertiefungseinsatz Pädiatrische Versorgung und wird im letzten Ausbildungsdrittel nach der Wahl der Spezialisierung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege vertieft. Dazu sind bis zur geplanten Einführung des PflBREfG am 1.1.2020 an den Pflegeschulen in Kooperation mit den Trägern und Ausbildungsstätten völlig neue didaktische und logistische Konzepte zu entwickeln. Das ist für alle, insbesondere für die Lehrkräfte, eine große Herausforderung. Sie sind, ob als Lehrerin oder Praxisanleiterin, mehr denn je in ihrer spezifischen beruflichen Basisqualifikation gefragt. Um diesen Prozess der curricularen Neugestaltung fachlich zu begleiten und zu unterstützen, hat eine bundesweite Expertengruppe beim BeKD e.V. ein Grundlagenpapier für die Theorie (2015) und ein Eckpunktepapier für eine Schwerpunktsetzung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der Theorie und Praxis (2016) erarbeitet und veröffentlicht. An zwölf Fällen, die exemplarisch die Praxis der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in den vier Bereichen der Gesundheitsversorgung Deutschlands und unterschiedlichen Settings abbilden, sind Pflegesituationen dargestellt. Sie wurden orientiert an drei zentralen Merkmalen des „Kind sein“ mit den erforderlichen Kompetenzen und Inhalten aufbereitet

Die Matrix „Aufgabenbereiche einer/es Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/ in“ diente hierbei als Leitfaden und ist als didaktischer Rahmen auf jede Pflegesituation bei Kindern/ Jugendlichen übertragbar (Abb. 2)

Gegenwärtig ergeht eine Überarbeitung dieser exemplarischen Pflegesituationen durch eine Differenzierung der pädiatrischen Anteile während der Grundausbildung nach drei Kategorien:

• Auszubildende mit Vertiefungseinsatz
Pädiatrische Versorgung
• Auszubildende mit Berufsabschluss
Gesundheits- und Kinderkrankenpflege
• Auszubildende mit anderen Vertiefungseinsätzen

Aufgrund der unterschiedlichen Levels im Kompetenzerwerb und den entsprechend gewichteten Inhalten, benötigen Absolventen ohne Berufsabschluss in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege weiterführende Qualifizierungsmaßnahmen für den Einsatz bei Kindern/Jugendlichen und deren Bezugspersonen, um dem in unserem Land bestehenden Standard und der von der Gesellschaft erwarteten Versorgungsqualität dieser Patientengruppe Rechnung zu tragen. Unsere Erkenntnis leitet sich aus den Erfahrungen mit der gegenwärtigen integrativen Ausbildung an nicht wenigen Ausbildungsstätten in den Bundesländern ab. Nur dort, wo das 4. Krankenpflegegesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege seit seiner Verabschiedung 2003 mit dem Prinzip umgesetzt wurden, von Ausbildungsbeginn an den Fokus auf die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege auszurichten und beides eng miteinander curricular und strukturell zu vernetzen, verfügen die Absolventen am Ende der dreijährigen Ausbildung über die erforderlichen Kompetenzen des vorgegebenen Ausbildungszieles und die notwendige Berufsreife. Das erfordert auch, dass diese Auszubildenden durch Pflegefachpersonen begleitet und angeleitet werden, die als Vorbild für professionelles Handeln mit einer hohen Fachexpertise in dem für sie relevanten Arbeitsfeld fungieren und über eine berufspädagogische Qualifikation verfügen. Dafür ist es zwingend notwendig, dass die bisherigen Ausbildungsstandorte der Gesundheitsund Kinderkrankenpflege erhalten bleiben und Träger von Kinderkrankenhäusern bzw. Kinderabteilungen sowie Pflegeschulen den Vertiefungseinsatz Pädiatrische Versorgung und das Wahlrecht Gesundheits- und Kinderkrankenpflege vorhalten. Das schließt das verantwortungsvolle und bedarfsgerechte Angebot von Ausbildungsplätzen für die an der Pflege von Kindern/Jugendlichen interessierten Bewerber ein. Dies erfordert Innovationen und neue Marketingstrategien. Nur wenn mit der allgemeinen Pflegeausbildung die pädiatrischen Varianten effizient und fachgerecht umgesetzt werden, kann die nach fünf Jahren vorgesehene Evaluation gemäß § 62 des Pflegeberufereformgesetzes überhaupt auf objektiver Basis erfolgen und damit über die Weiterführung der Spezialisierung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sachgerecht entschieden werden.

Tab. 2: Forderung BeKD e. V.: Stundenverteilung zur praktischen Ausbildung für Auszubildende mit Vertiefungseinsatz pädiatrische Versorgung und nach Wahlrecht § 59 Pflegeberufereformgesetz


Abb. 1: Ausbildungsvarianten nach dem Pflegeberufereformgesetz ab dem 1.1.2020 aus der Sicht des BeKD e. V.


Abb. 2: Matrix: Aufgabenbereiche einer/es Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in


Hürden auf dem zukünftigen Ausbildungsweg

Ausgehend vom aktuellen Sachstand der Gesetzeslage stehen alle am Ausbildungsprozess der Pflegeberufe Beteiligten vor großen Herausforderungen, die es effizient zu bewältigen gilt. Zu den Schwierigkeiten und potentiellen Gefahren, die sich für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ergeben können, zählen:

• Die Zunahme an Verantwortung erfordert ein hohes Qualifikationsniveau – die Neukonzeption von Curricula für die theoretische und praktische Ausbildung erfordert im hohen Maße die spezifische berufliche Basisqualifikation als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende.
• Die heterogene Eingangsqualifikation der Auszubildenden kann bei dem geforderten Kompetenzniveau zu Überforderungen führen, wenn keine Curricular basierende Differenzierung in der Theorie und Praxis vom Ausbildungsbeginn an erfolgt.
• Es wird ein hoher Nachqualifizierungsund Weiterbildungsbedarf für die beruflich Pflegenden bestehen, auch in der Praxisanleitung und -begleitung zu theoriegeleiteten Pflegekonzepten, um die vorbehaltlichen Tätigkeiten ausüben zu können und um das Kompetenzniveau bei den Auszubildenden zu erreichen.
• Die geringe Spezifizierung in der PflAPrV und fehlende Rahmenlehrpläne erschweren die Planung, Gestaltung und damit Sicherstellung einer Ausübung nach dem Wahlrecht § 59 PflBRefG mit dem Berufsabschluss Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.
• Ein gelenktes Angebot von Ausbildungsvarianten durch eingeschränktes bzw. fehlendes Wahlrecht nach § 59 PflBRefG durch die Träger der praktischen Ausbildung und Bildungsstätten führt zu einer vorzeitigen Einführung einer „Generalistik“ und negiert die objektive Auswertung im Sinne des Gesetzes.
• Potentieller Rückgang von Bewerberzahlen für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, durch allgemeine Verunsicherung und fehlende/gelenkte Marketingstrategien der praktischen Ausbildungsträger und Bildungsstätten.
• Die geringe und verbindliche Spezifizierung in der PflAPrV führt zur unterschiedlichen Berufsreife der Auszubildenden mit Vertiefungseinsatz „Pädiatrische Versorgung“ und Berufsabschluss Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.
• Zukünftig müssen die Fachweiterbildungen die unterschiedliche Berufsreife der Absolventen in ihrer Konzeption und Ausführung berücksichtigen, um weiterhin für die spezifischen Tätigkeiten zu qualifizieren.

Zusammenfassung

Um sicher zu stellen, dass Kinder, Jugendliche und ihre Bezugspersonen auch weiterhin das Recht im Sinne des Artikel 8 der EACH – Charta für kranke Kinder durch speziell für ihre Belange und Erfordernisse qualifizierte Pflegefachpersonen betreut und gepflegt werden, muss auch künftig eine ausreichend große Anzahl an Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/ innen zur Verfügung stehen. Nur auf Basis und Sicherstellung dieser Qualifikation mit Einführung des Pflegeberufereformgesetzes, ist das Personal in der Lage, auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und ihren Eltern einzugehen.

Quellen:

Stellungnahmen und Positionspapieren unter www.bekd.de oder über die Geschäftsstelle in Hannover Bv- Kinderkrankenpflege@t-online.de BeKD e.V. u. a. (2018). Konsenspapier zur Situation der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in Deutschland 2018.www.bekd.de

BeKD e.V. (2011). Pflegequalität durch Schwerpunktbildung in der beruflichen Erstqualifikation sicherstellen. Hannover. Hannover

BeKD e.V. (2015). Schwerpunkt Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der pflegeberuflichen Erstausbildung. Hannover

BeKD e.V. (2015). Schwerpunkt Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der pflegeberuflichen Erstausbildung - Grundlagenpapier. Hannover.

Schuurman, Mieke (2016). DIE EACH-Charta mit Erläuterungen, Artikel 8. Deutsche Übersetzung der revidierten englischen Originalfassung. ©EACH.

https://www.each-for-sick-children.org/images/stories/2018/EACH_Charta_Deutsch.pdf

Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege (Krankenpflegegesetz – KrPflG) vom 16.07.2003 zuletzt geändert am 17.07.2017 (https://www.gesetze-iminternet.de/krpflg_2004/)

Pflegeberufegesetz vom 17.07.2017 https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/text.xav?SID=&tf=xaver.component. Text_0&tocf=&qmf=&hlf=xaver.component. Hitlist_0&bk=bgbl&start=%2F%2F*%5B%40 node_id%3D%27264903%27%5D&skin=pdf&tlev el=-2&nohist=1 (Bundesgesetzblatt Jahrgang 2017 Teil I Nr. 49, ausgegeben zu Bonn am 24. Juli 2017) Referentenentwurf der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV) vom 22.03.2018

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/P/180322_RefE_PflAPrV.pdf BMG und BMFSFJ: Anlage 4 „Beispiel: Pädiatrische Versorgung“ zu „Eckpunkte für eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Entwurf des Pflegeberufsgesetzes“ am 2.03.2016 https://www. bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/ 3_Downloads/P/Pflegeberuf/Anlage_4__Paediatrische_ Versorgung.pdf

AUTORINNEN

Ulrika Gehrke
Diplom-Medizinpädagogin,
Kinderkrankenschwester,
Vorstandsmitglied im BeKD e. V.
E-Mail: UlrikaGehrke@web.de
Beate Katthöfer
Dipl.-Berufspädagogin (FH),
Fachkinderkrankenschwester für
Anästhesie und Intensivpflege,
Vorstandsmitglied im BeKD e. V.
E-Mail: bkatthoefer@arcor.de

Erschienen mit freundlicher Genehmigung der Springer Medizin Verlag GmbH.

Vorbemerkung: Seit der Veröffentlichung dieses Beitrages zur Pflegepädagogik in der „Pflegezeitschrift“ ist der Prozess zur Neugestaltung der beruflichen Pflegeausbildung rasant vorangeschritten. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ist verabschiedet und noch Ende des Jahres 2018 wurde die Fachkommission gemäß § 53 des Pflegeberufereformgesetz zur Erarbeitung der Rahmenlehrpläne berufen. Mit unterschiedlicher Intensität wird gegenwärtig in den Ländern, an den Pflegeschulen, bei den Ausbildungsträgern und Ausbildungseinrichtungen an der fristgerechten Umsetzung der Gesetzesvorlagen und Einführung der neuen Pflegeausbildungen im Jahr 2020 gearbeitet. Die im nachfolgenden Nachdruck dargelegten berufspolitischen Forderungen des BeKD e. V. und didaktischen Empfehlungen haben seit der Erstveröffentlichung an Relevanz keineswegs eingebüßt, sondern durch den anhaltenden und derzeit weiterhin bestehenden kontroversen Diskurs um diese Pflegeausbildungen an Gewicht zur Qualitätssicherung der professionellen Pflege von Kindern/ Jugendlichen und Begleitung ihrer Bezugspersonen für auch zukünftig speziell ausgebildete Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/ innen gewonnen. In diesem Kontext möchten wir zugleich auf den Beitrag der Vorsitzenden des BeKD e.V., Birgit Pätzmann-Sietas, mit dem Titel „Gesetzlich geregelte Ausbildungswege sichern“ in der Aprilausgabe 2019 (38.Jg. (2019) Nr. 4) verweisen.

INFO

Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende orientieren sich in ihrem professionellen Handeln an drei zentralen Merkmalen des Kindseins:

1. Der für diese Lebensphase typischen und beeindruckenden Häufung an Veränderung, Wandel, Wachstum und Zugewinn an Fähigkeiten und Kompetenzen, die im Allgemeinen als Entwicklung bezeichnet werden,

2. der besonderen organisch-körperlichen und psychischen Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen und

3. der unabdingbaren, existenziellen und emotionalen Abhängigkeit des Kindes von einem stabilen und verlässlichen sozialen Bezugssystem, in aller Regel seinen Eltern.