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Die Rud iment-INSTANZ


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 11.08.2021

DRUMMER

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Heßlers Interesse bleibt nicht bei der Exegese von Aufzeichnungen stehen; er interessiert sich vielmehr dafür, wie man den Kenntnisstand in Sachen »Rudiments« von auch sehr, sehr alten Quellen auf einen gemeinsamen, verlässlichen Nenner bringen, ordnen und auf ein modernes Niveau heben kann. Die Heßler’sche Grundlagenforschung fördert dabei auch manch Erstaunliches und von der gängigen Lehrmeinung Abweichendes zutage.

Das Thema »Rudimental-Drumming« beschäftigt dich wie kaum jemand anderen. Woher kommt die Faszination, sich derart ausführlich damit zu befassen?

Wesentliche Inspiration – wie für vieles andere – war natürlich Jim Chapin, der wiederum durch seinen Mentor Sanford Moeller an diesen Dingen sehr interessiert war. Von da kamen die ersten ›Appetithäppchen‹. Es gibt Standardliteratur wie Charley Wilcoxon [»The All-American Drummer«], und irgendwann habe ich gemerkt, dass der Umgang ...

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... damit von Lehrer zu Lehrer mitunter stark abweicht. Da stellt sich die Frage, wer denn nun ›Recht hat‹ respektive von wem welche Informationen stammen. Was ist also ›richtig‹, wenn sich diese Kategorisierung überhaupt anbietet? Solche auftretenden Widersprüche wollte und will ich für mich auflösen. Es ist also quasi die Bewältigung von einem eigenen Leidensdruck [lacht].

Wie kann man sich die historische Forschung in Sachen »Rudiments« vorstellen, wenn man nicht bei Wilcoxon oder der Liste von Rudiments der Percussive Arts Society (PAS) stehenbleiben will?

Das Ganze ist ein sehr, sehr großes Puzzle, und irgendwann merkt man, dass die wesentlichen Teile nicht in Amerika, sondern in Europa liegen. Das war für mich ein großer Erkenntnissprung – und gleichermaßen ein Konflikt, denn er bricht mit der oft vertretenen Meinung, dass das Rudimental-Drumming von den Amerikanern erfunden worden ist. Erfunden haben sie tatsächlich ziemlich wenig, denn die wesentlichen Dinge kommen aus Europa mit Schwerpunkten in der Schweiz und Frankreich, daneben auch Deutschland und England. Deswegen kommt man zum Beispiel am Basler Trommeln nicht vorbei. Problematisch ist aber, dass die Basler selbst aus diesen Dingen mitunter eine Art Geheimnis zu machen scheinen und mit ihren eigenen ›Helden‹, denen sie vieles zu verdanken haben, nicht immer ganz grün sind. Zu Persönlichkeiten wie Dr. Fritz Berger [Schweizer Schlagzeuglehrer, 1895 - 1964, Autor u. a. von »Das Basler Trommeln, Werden und Wesen«, 1928], der in dieser Hinsicht viel erreicht hat, gibt’s ein teils gespaltenes Verhältnis. So was finde ich spannend. Also muss man verschiedene Quellen vergleichen, und je mehr man zurückgeht, desto mehr Parallelen findet man, und das auch aus internationaler Forschungsperspektive.

DIE WESENT- LICHEN TEILE DES RUDI- MENT-PUZZ- LES LIEGEN NICHT IN AME- RIKA, SON- DERN EUROPA

BIOGRAFIE

Claus Heßler (geb. 1969) gilt international als eine der Instanzen für Rudimental-Drumming und Moeller-Technik. Heßler war Schüler von Jim Chapin (1919 -2009), der wiederum von Sanford Moeller (1879 -1961) selbst unterrichtet worden war. Heßlers Fundus von sachlichem und pädagogischem Wissen nutzten und nutzen beispielsweise Anika Nilles, Daniel Adair oder auch David Garibaldi. Heßler spielt(e) weltweit auf Drumclinics sowie mit den New York Voices, Barbara Dennerlein, Mamadou Diabaté, Mike Stern, Rhani Krija, Herb Ellis, Larry Coryell, Dominic Miller, Oliver Kraus und seinem eigenen Trio Flux. Heßlers Lehrwerke wie »Open-Handed Playing«, »Daily Drum Set Workout«, »Camp Duty Update«, »Drumming Kairos« oder das »Rudimental Codex«-Poster sind hochdekorierte pädagogische Meilensteine. Heßler unterrichtet u. a. an der Hochschule in Frankfurt, der Popakademie Mannheim, der Berufsfachschule Dinkelsbühl, der Bundesakademie Trossingen und ist »Distinguished Professor« im südkoreanischen Daegu sowie dem Shanghai Conservatory of Music.

Wie weit geht Quellenlage zurück?

Mit Philidor [Musikerfamilie am Hofe des französischen Königs] findet man im 17. Jahrhundert einige schriftliche Quellen – die Frage ist eher, wie detailliert die Quellen tatsächlich sind. Eine wesentliche Quelle ist auch die »Orchésographie« von Thoinot Arbeau [Aufzeichnung zur Aufführung von Tänzen, 1589]. Viele Figuren werden darin zwar schon ausgeschrieben, aber es gibt noch nicht wirklich Handsätze dazu – diesen Aspekt ersetzt eine lautmalerische Umschreibung, was vom methodischen Aspekt her ziemlich cool ist. Zwischen Frankreich und der Schweiz hat ein reger Austausch bestanden: In der königlichen Garde des Königs, der sogenannten Cent-Suisse, gab’s ja bereits Schweizer Trommler und Pfeifer, die möglicherweise dort auch Dinge beeinflusst haben. Deswegen kann man vieles heute nicht mehr scharf auseinanderhalten. Mittlerweile glaube ich aber, dass im Basler Trommeln sehr viel mehr Frankreich drin ist, als man denkt – was die Schweizer natürlich nicht so gerne hören [lacht]. Man muss zur Begründung dieser These nur an die Dominanz der französischen Lebensart in ganz Europa im 17. und 18. Jahrhundert denken. Warum sollte das Trommeln eine Ausnahme gemacht haben?

DIE KUNST BEIM UNTER- RICHTEN IST ES, KÖDER AUSZUWER- FEN, DIE DEM FISCH SCHME- CKEN – UND NICHT DEM ANGLER

Die choreografischen Aspekte des Basler Trommelns, die ja nicht ganz unwesentlich sind, interessieren dich nicht?

Ich habe noch meine Last mit dem Spielen [lacht]. Es gibt dafür fantastische Ensembles wie Top Secret, die aber ganz bewusst auch und gerade den amerikanischen Einfluss berücksichtigen.

Nun bleibst du nicht bei der historischen Aufarbeitung stehen, sondern überträgst das Ganze bewusst in die Gegenwart, etwa mit der Zusammenstellung des »Rudimental Codex«, der einiges neu ordnet und sich von der PAS-Liste mit ihren 26 bzw. 40 Rudiments unterscheidet.

Eine große Überlegung war, redundante Geschichten einfach mal rauszuschmeißen. Mir war es dafür wichtiger, ein paar Dinge mit einem stärker europäischen Profil aufzunehmen, die keine Beachtung gefunden haben. In französischen Quellen wurde beispielsweise schon früh der Versuch gemacht, Figuren auf einem Raster von Quintolen darzulegen, weil’s anders gar nicht so richtig geht und auch gar nicht so richtig toll klingt. Spätestens da docken historische Dinge an modernes Drumsetvokabular an. Es gibt Schnittmengen, die man so gar nicht erwartet, und gerade das ist für mich nach wie vor ein extremer Motivationsaspekt.

Gibt’s immer noch neue Entdeckungen?

Hier und da schon, zum Beispiel in handschriftlichen Quellen – manchmal ist es aber auch die Erkenntnis, dass ein Paradiddle oder Triple-Paradiddle zum Beispiel vor 200 Jahren möglicherweise völlig anders geklungen hat.

In welcher Hinsicht?

Die erste amerikanische Quelle, die den Paradiddle thematisiert, ist das Buch von Charles Ashworth [Drum-Major (1784 - 1832), »A New, Useful and Complete System of Drum Beating«, 1812]. Da ist die Rede von zwei Akzenten der beiden Einzelschläge in der Form von sogenannten »poing strokes«. Damit kann heute niemand mehr etwas anfangen, aber möglicherweise handelte es sich um eine Art Rimshot. Auch der Doppelschlag hatte mutmaßlich eine andere rhythmische Frequenz, und ein gleichmäßiges Raster gab’s scheinbar nicht. Naturgemäß ist das alles bis zu einem gewissen Grad auch spekulativ…

Derzeit arbeitest du an vielen Baustellen. Eine davon ist das gerade erschienene E-Book zum »Camp Duty Update«…

Das E-Book ist eine Aktualisierung des ganzen Unternehmens in Deutsch und Englisch für Mac und Android. Es sind gleich die Sound-Files mit dabei und, ebenfalls als Update, die Flötenstimmen als Noten und Audio-Files. Auch in der neuen Printausgabe sind diese Noten als Beilage, denn es kamen mehrere Nachfragen, dass die Leute so was mal im Unterricht machen wollten. Es ist schließlich spannend zu erleben, dass diese Kompositionen sich ja nicht nur um Rudiments drehen, sondern etwas mit Musik zu tun haben. Dazu ist es aufschlussreich, zu erforschen, wie die Trommelparts sich mit den Flötenstimmen verbinden – und es ist nicht so, dass alles immer absolut parallel läuft. Auch im Basler Trommeln gibt’s Stellen, an denen die Pfeifer bolzengerade spielen und die Trommler ›irgendwas‹ machen [lacht]. Beide Stimmen haben also ein Eigenleben, das sich trifft und auch wieder voneinander entfernt.

Mit Dom Famularo arbeitest du gerade an einem neuen Buch?

DISKOGRAFIE

(Auswahl) Oliver Kraus: The Return of Don Arpeggio (2021, Rezension S. 90), Island of Xo (2016)

Flux: On Earth (2020, auch ohne Drums), On Fire (2016), Flux (2015)

DVD: Drumming Kairos

BUCHTIPP

Camp Duty Update eBook (2021, www.alfredmusic.de)

Ja, aber ein Projekt mit Claudio Spieler hat dieses derzeit sozusagen rechts auf dem Schreibtisch überholt: Bei diesem Buch, das eventuell auch noch in diesem Jahr erscheint und den obskuren Titel »Taladiddle« tragen wird, geht’s um die eher unerwarteten Schnittmengen der klassischen indischen Rhythmikwelt und Rudiments. Rudiments kann man ja auch als Gruppen unterschiedlicher Länge verstehen. Ein Double-Drag zum Beispiel hat eine Struktur, die fünf Schläge lang ist, ein Siebener-Endstreich kann auch eine Siebenergruppe sein. Auch andere Rudiments kann ich, wenn ich sie zusammenschiebe oder auseinanderziehe, auf verschiedene rhythmische Phrasen anwenden. Das alles passt ziemlich gut zum Konnakol-Modell [südindische Rhythmus-Silbensprache]. In dem Buch werden klassische indische Kompositionen mit Rudiment-Elementen unterlegt sein – und umgekehrt. Claudio macht zum Beispiel auch Konnakol-Geschichten für eine »Basler Tagwacht«. So nähert man sich von beiden Seiten an. Bislang ist so was noch nie gemacht worden und bei uns beiden eher aus Zufall entstanden. Auch vom methodischen Aspekt ist da aber viel Bereicherndes dabei. – Beim Buch, das ich mit Dom mache, wird’s vor allem um »Collapsed«- und »Expanded«-Rudiments gehen. Das Problem ist nur, dass ich nach wie vor so viel entdecke, dass ich mich schwer entschließen kann, irgendwann mal den Deckel draufzumachen: Der Stapel wird immer größer, obwohl vieles schon fertig ist. So langsam wird mir klar, warum Jim Chapin mit diesen Dingen nicht mehr fertig geworden ist [lacht] – so lange ich Jim gekannt habe, ist er mit diesem Buch schwanger gegangen. Deswegen möchte ich das Buch auch unbedingt mit Dom machen, denn wir beide haben von Jim einen recht großen handschriftlichen Fundus zu diesen Dingen überlassen bekommen. Der rote Faden hinter allem ist das Konzept, Noten auseinander- und wieder zusammenzuziehen. Das funktioniert sowohl auf elementarer wie hochkomplexer Ebene, ein methodisches Allzweckfahrrad sozusagen. So lassen sich Zusammenhänge zwischen Dingen herstellen, wo man vorher keine gesehen hat – was auch meiner Art des Schlagzeugspielens entspricht. In den letzten Jahren ist viel mit meiner Art zu unterrichten passiert – aber auch mit meiner Art zu spielen.

Ist dieses Konzept also eine Art Essenz deiner Beschäftigung mit Rudimental-Drumming über all die Jahre?

Ich denke schon, denn darin treffen sich viele Dinge: in technischer Hinsicht zum Beispiel die Moeller-Technik, weil ohne sie das ein oder andere einfach nur schwer spielbar ist. Die andere Sache ist, dass durch dieses Konzept des Zusammenschiebens oder Auseinanderziehens auch der Bereich der Rudiments ganz anders erschlossen werden kann. Beispiel:

CLAUS HESSLER

EQUIPMENT

Drums: Mapex (»Design Lab Cherry Bomb« oder »Saturn Evolution«) 22˝ x 18˝ Bassdrum 10˝ x 8˝, 8˝ x 7˝, 14˝ x 12˝, 16˝ x 13˝ Toms 10˝ x 5,5˝ Snare 14˝ x 5,5˝ Snare (2)

Cymbals: Sabian 16˝/13˝ »Xs Fast Stack« 13˝ »HHX Fierce«-Hats/»Artisan«-Hihat 18˝ »HHX Extreme«-Crash 18˝ »HH Garage«-Ride 20˝ »HH Garage«-Ride 17˝ »HHX Extreme«-Crash 8˝ »AAX Aero«-Splash (2) 10˝ »Max Stax Medium«/»Vault Fierce«-Hihat 7˝ »Aluminum Bell« 9˝ »Aluminum Bell« 19˝ »HHX Extreme«-Crash

Hardware: Mapex (»Falcon«-Pedale, -Hihat und Hardware) Cymbal-Resonance-Systems CRS

Sticks: Promark (Signature-Modell, »Broomsticks«, »Lightning«-Rods, PST-3-Mallets, TB5-Wire-Brush)

Felle: Evans (Toms: »UV 1« oder »G2«-Clear-(Top), »J1« oder »Reso 7«-Coated (Reso), Snare: »UV 1« or »G1«-Coated (Top)/»Hazy 300« (Reso), Kick: »UV1« oder »EQ4« (Top)/»EQ3«)

Percussion: Gon Bops (Alex Acuña Cowbells)

Ahead »Armor«-Cases und Teppich

NETZ

www.claushessler.com, www.openmindeddrumming.com

Eigentlich wird eine Figur auf einem Fünferraster gespielt. Ich kann sie aber auf ein Siebener- oder Viererraster auseinanderziehen bzw. zusammenschieben. Wenn ich so was auf zwei Klangquellen verteile, habe ich ein ziemlich ungewöhnliches Drumsetvokabular, das eigentlich aus einer sehr traditionellen Rudiment-Ecke stammt – aber niemand hört das mehr. Bei diesem Buch trifft sich also quasi alles, was ich in den letzten 30 Jahren gemacht habe. Deswegen ist es ja auch so schwierig, den Sack zuzumachen [lacht].

Wie gehen deine Studenten und Schüler mit diesem Konzept um?

Es ist wie immer eine Frage der Argumente: Als Schlagzeuger sind wir gut beraten, wenn wir Kontrolle über die Abstände von Schlägen haben. Das würde wohl jeder unterschreiben. Dass ich aber für diesen Abstand nicht nur Zweier- oder Dreierraster, sondern theoretisch unendlich viele habe, erscheint mir ebenfalls als extrem relevant [lacht]. Für die Schüler muss man lediglich ein paar Zäune einziehen, um das Feld nicht überwältigend groß werden zu lassen. Die Kunst beim Unterrichten ist es ja, Köder auszuwerfen, die dem Fisch schmecken – und nicht dem Angler.

Seit einiger Zeit betreibst du auch die Plattform »Open-Minded Drumming«. Worum geht’s dabei?

Das Ganze entstand aus einem Camp, das ich mit einem ehemaligen Schüler Szymon Fortuna schon seit einigen Jahren in Polen mache. Auf diesem ganzen Education-Acker gibt’s unserer Meinung nach manchmal einen ziemlichen Wild- wuchs und sich widersprechende Ansätze. So was verunsichert natürlich den Endverbraucher. Also wollten wir eine Plattform schaffen, wo sich Dinge eben nicht widersprechen und es einen gemeinsamen roten Faden gibt. Gleichzeitig geht’s uns darum, Redundanzen aus dem Weg zu räumen, Dinge im Detail, ganz konkret zu erklären. Wahrscheinlich geht die Plattform mit Kursen von Anika [Nilles] und mir im August online. Das Camp wird auch weiterhin einmal im Jahr stattfinden, ebenso wie ein monatliches Live-Online-Meeting. Die persönliche Anbindung der User an die Plattform und auch untereinander ist uns dabei sehr wichtig.

RUDIMENT-WERKZEUG

Claus Heßler über seinen neuen Promark-Signature-Stock: »Mein Stock ist ein Modell aus Hickory, dessen wesentliche Eigenschaften die leichte Überlänge von 0,5˝, der sich deutlich früher verjüngende Schaft und der kleine ›Acorn‹-Tip sind. Daneben ist es der einzige Stock im Promark-Sortiment, der ›Fire Grain‹-und gleichzeitig ›Active Grip‹-Technologie in sich vereint. Der lange Taper bringt deutlich verbesserte Rebound-Eigenschaften mit sich, die ›Fire Grain‹-Behandlung sorgt dafür, dass der Stock wirklich deutlich länger hält, und stabilisiert den langen ›Taper‹. Obwohl im Prinzip im 5A-Bereich, bringt die Überlänge auch etwas mehr dynamisches Potenzial. Das ›Active Grip‹-Coating sorgt für ein angenehmes Spielgefühl und erlaubt auch wirklich lockere Haltung sowie wenig ›Grundspannung‹ in der Hand. Das Gewicht liegt in einer ziemlich engen Toleranz um ca. 110 Gramm. Das alles macht den Stock ziemlich individuell, was ja auch seinen Sinn hat – schließlich ist es ein Sig nature-Stock«.

Neben alldem bist du ja auch noch als Musiker unterwegs, denn darum geht’s ja schließlich…

Ja, vor allem mit meinem eigenen Trio Flux und der Electric-Band des Gitarristen Oliver Kraus. Aber der zeitliche Umfang dafür ist derzeit eher überschaubar, was sich hoffentlich auch wieder ändern wird.

Vermutlich lässt du deinem Spiel da eher komplett freien Lauf…

Richtig, am liebsten lass ich es dann einfach rappeln [lacht]. Ich genieße es total, anders als bei einer handelsüblichen Drumclinic mit einer Band unterwegs zu sein. Es ist ja auch schön, wenn die Aufmerksamkeit auf der Musik als Ganzes und nicht nur auf meinen Fingern liegt – erfrischend untechnisch sozusagen. Dennoch mag ich es, wenn das, was ich am Schlagzeug mache, nicht unbedingt nach Stangenware klingt. Das ist jedes Mal ein neuer Versuch – jedoch immer im Einklang mit der Musik.

Text: Ingo Baron