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DIE SAALEKASKADE – TEIL 2: THÜRINGENS GRÖSSTER SCHATZ


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Der Bleilochstausee hat sich einen Namen als Zandergewässer gemacht. In Deutschlands größter Talsperre schwimmen aber noch ganz andere Überraschungen herum – passend zum Gewässer allesamt im XL-Format.Florian Pippardt war für Sie vor Ort und zeigt, was möglich ist.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 100/2018

Die 65 Meter hohe Mauer staut 215 Millionen Kubikmeter Wasser – Fischreiches Wasser!


Wir sitzen mit meinem guten Freund Michael vor seinem Bungalow und schauen auf die spiegelglatte Wasseroberfläche. Es ist schon dunkel, am anderen Ende des Ufers sehen wir einige flackernde Lichter und hören laute Musik. „Im August ist hier die Hölle los. ...

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... Direkt gegenüber findet jedes Jahr das Sonne, Mond & Sterne-Festival statt. Das ist das einzige Wochenende, an dem ich hier nicht fischen gehe“, erklärt Micha. Schwer vorzustellen, dass er zwei Tage ohne Angeln aushält – schließlich lebt er dafür. In seinem kleinen Bungalow hängen überall Jerkbaits und geschnitzte Hecht-Holzfiguren. Seine Lieblinge hat er vor uns ausgebreitet: „Den Fathead-Killer liebe ich. Darauf habe ich hier schon Fische bis 1,30 Meter gefangen. Und natürlich die La Gatzos!“

Der Bleilochstausee ist ein Paradies für Raubfischfanatiker wie Micha. Der größte Stausee Deutschlands ist ein Teil der Saalekaskade, von oben betrachtet sieht der seinem „jüngeren“ Bruder, dem Hohenwarte-Stausee (vorgestellt im BLINKER 09/18) sehr ähnlich. Der große Unterschied ist das Wasser an sich, beziehungsweise dessen Trübung: Die Bleilochtalsperre ist ein nährstoffreiches und daher teils stark eingetrübtes Gewässer. Viele Nährstoffe gelangten durch die Abwässer einer Zellstofffabrik in den See. Inzwischen ist die Fabrik nicht mehr in Betrieb. Heute ist das landwirtschaftlich geprägte Umland direkt am See und dem Saalelauf oberhalb für die Nährstofffrachten und damit die Wassertrübung verantwortlich. Lediglich im Winter klart der Stau etwas auf.

Die Talsperre mäandert durch das Saaletal zwischen Harra und Gräfenwarth. Weite Teile des Uferbereiches brechen abrupt ab in die Tiefe, einige eher kiesige Landzungen erstrecken sich hingegen weit und flach hinaus. Der Grund des bis zu 65 Meter tiefen Gewässers ist überwiegend fest, überall findet man Strukturen wie versunkene Brücken, Berge und natürlich Kanten.

Trübes Wasser und harter Grund – das klingt doch stark nach Zander! Und so ist es auch, die Bleilochtalsperre ist für ihren extrem guten Zanderbestand bekannt. Die Zettis ernähren sich von kleinen Barschen, Krebsen und natürlich Weißfisch. Von Juni bis August fängt man die Glasaugen vor allem in Tiefen von 4 bis 8 Meter beim Jiggen am Grund. Vor allem der verjüngte Einlaufbereich in Richtung Harra ist dann interessant. Hier ist das Wasser durch die Strömung der Saale immer in Bewegung und fast immer trüb. Außß erdem ist dieser Bereich in der warmen Jahreszeit nicht so sehr von den sonst weitläufig verbreiteten Blaualgen betroffen. Auch das Nachtangeln mit Köderfisch oder Wobbler ist im Sommer erfolgreich. Wird das Wasser kälter, ziehen die Räuber auf Tiefen von 11 bis 13 Meter – zum Beispiel an die Kanten vor der Klosterplatte, einem großen Plateau. Ebenfalls eine beliebte Ecke für Zander im Winter ist die versunkene Brücke in der Nähe der Slipstelle Saaldorf. Die Zander ziehen oft an Strukturen umher, deshalb lohnt es sich durchaus, einen Platz auch über einen längeren Zeitraum abzuwerfen. Beim Angeln auf Zander im Stausee sollte das Gerät etwas stärker ausfallen als nötig. Das hat auch einen Grund – Waller!

Am rechten Ufer der Wetterabucht befindet sich ein altes Bachbett – ein top Zanderspot!


„AUF JERKBAITS HABE ICH HIER SCHON HECHTE BIS ZU EINER LÄNGE VON 1,30 METER GEFANGEN.“


Dank der Krebse erreichen die Barsche des Stausees ansehnliche Durchschnittsgrößen.


Dieser Zander nahm den Lipless Crankbait direkt am Übergang zu einem Blaualgen-Teppich.


Welse sind in allen Größen vorhanden. Die Waller gehen entweder als Beifang beim Zanderangeln an den Haken oder werden gezielt gefangen.


MASSIVE BEIFÄNGE

Der Welsbestand im Bleilochstausee ist in den letzten Jahrzehnten förmlich explodiert. Die Räuber erreichen Größen von bis zu zwei Meter und sind ein häufiger, mehr oder weniger gern gesehener, Beifang beim Zanderangeln. Einige einheimische Spezis fangen die Welse aber auch gezielt. Erfolgreich ist das Klopfen direkt vor den Steilwänden über tiefem Wasser oder das Ansitzangeln an flach auslaufenden Landzungen. Im Sommer liegen die Waller auch im schlammigen Flachwasser der Außenkurven des Saaleeinlaufes bei Harra. Während unseres Besuches im Juni hakte ich beim Jerken hier einen Wels, den ich offensichtlich bei seiner Mittagsruhe unterbrochen hatte. Er schüttelte den Haken aber schnell wieder ab.

Einen Wels auf Jerkbait am Bleilochstausee zu erwischen, ist aber eher ungewöhnlich. Normalerweise fängt man beim Jerken Hechte – und zwar richtig gute. Zwar bietet der Bleilochstausee keine Flachwasserzonen mit Kraut, dafür stehen die Fische über hartem Grund zwischen Bootsstegen oder direkt vor den Steilkanten. Dort lauern sie auf große Brassen oder Barsche. Im Winter, wenn das Wasser des Stausees etwas klarer wird, ist das Angeln mit Jerkbaits auf Hecht vom Ufer eine wirklich effektive Methode. Die Räuber schießen sogar aus sechs Metern Tiefe nach oben, um den flach laufenden Köder zu attackieren. Aber natürlich bringt auch der Gummifisch am Bleikopf Erfolg. Oft steht Meister Esox am Fuße der Berge oder Scharkanten, zusammen mit Zander und Barsch.

KREBSFRESSER

Wie auch im Hohenwartestausee ist der Barschbestand der Bleiloch vorzeigbar. Die Fische erreichen Größen von bis zu 50 Zentimeter und werden auch regelmäßig gefangen. Vor allem im Sommer rauben sie oberflächennah zwischen den Bootsstegen im Flachwasser oder vor den Steilwänden. In der warmen Jahreszeit lassen sie sich dementsprechend oft mit Wobblern, Poppern oder leichten Fliegen fangen. Ein toller Platz zum Barschangeln ist zum Beispiel der Heinrichstein, ein riesiger, in die Höhe wie Tiefe ragender Felsen. Direkt davor drücken die Räuber oft Kleinfische an die Oberfläche. Wird das Wasser kälter, ziehen sie den Zandern auf Tiefen von etwa 10 bis 15 Meter hinterher. Dann ist das Gummifischangeln oder Dropshotten mit Naturködern sehr effektiv. Will man gezielt große Barsche fangen, empfehlen sich Krebsimitate aus Gummi, denn vor allem für die großen Einzelgänger stellen Krebse eine wichtige Beute dar.

Das Jerkbaitangeln ist im Stausee eine effektive Methode für Hecht – im Sommer wie auch im Winter.


Die Steilkante des Heinrichsteins verläuft unter Wasser genau wie an Land. Um den Felsen befischen zu können, kommt man um ein Boot nicht herum.


An den Felskanten vor dem Heinrichstein ereignen sich im Sommer Barschjagden im großen Stil.


Flache Außenkurven, die steil in das Flussbett abbrechen – die Struktur im Einlaufbereich ist zanderfreundlich.


KAPITALE KARPFEN

Aber nicht nur Barsche fressen die Krustentiere – sie sind auch Futter für die vielen Karpfen. Die Rüssler finden im eutrophen Stausee ein reichhaltiges Nahrungsangebot, neben Krebsen fressen sie auch viele Muscheln und Schnecken. Außerdem sorgt die Saale dafür, dass ständig neue Nahrung in den Stausee gespült wird. Im Gegensatz zu den Raubfischen wird vergleichsweise wenig auf Karpfen geangelt und dementsprechend auch wenig entnommen. Deshalb erreichen sie auch ordentliche Größen von etwa zehn bis 15 Kilogramm, natürlich schwimmen aber auch deutlich größere Exemplare im Bleilochstausee. Steigt die Wassertemperatur im Frühjahr auf mehr als zwölf Grad, kommen die Karpfen in Gang. Dann werden sie häufig in den flacheren Buchten in Richtung Harra auf Tauwurm gefangen – gern gesehener Beifang sind dabei dicke Schleien. Natürlich beißen sie aber auch auf Boilies am Grund auf den flachen Landzungen. Im Sommer ziehen die Fische übrigens oberflächennah an den Steilwänden entlang, wenn die Sonne hoch steht. Dann kann man sie sogar mit Schwimmbrot fangen.

Die steil abfallenden Ufer sind nicht nur tolle Plätze für Karpfen und Hecht, sondern auch für Aale. Die Schlängler finden Schutz in umgestürzten Bäumen und Wurzelresten, von denen die Steilkanten gesäumt sind. Bricht die Dämmerung ein, trauen sie sich aus ihren Verstecken und suchen das Ufer nach Futter ab. Wer hier seine Posenmontagen mit Wurm oder Fischfetzen platziert hat, fängt.

Im Sommer gibt es in einigen Seeteilen oft massive Blaualgenblüten. Suchen Sie die Übergangsbereiche und angeln Sie nicht zu tief – dort herrscht Sauermangel!


FOTO: F. PIPPARDT

FOTOS: M. GREILING, F. PIPPARDT

FOTOS: F. WECKESSER, J. RADTKE, F. PIPPARDT

FOTOS: F. PIPPARDT, J. RADTKE