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Die Schöne und das liebe Vieh


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 01.06.2022

Life Stories

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Bella Isabella! Lange stand Isabella Rossellini im Schatten ihrer Mutter, Ingrid Bergman, erst als Model entkam sie mit ihrer tiefgründigen Schönheit dem ständigen Vergleich

Wenn man Isabella Rossellinis Leben inszenieren wollte, müsste es mindestens eine zehnteilige Netflix-Serie werden. Voller Höhenflüge und Tiefpunkte, lustig und tieftraurig. Inklusive einer großen Liebe, die scheitert und die Protagonistin mit Ende 30 zwingt, ganz von vorn anzufangen.

Schon ihre Geburt ist filmreif – nämlich mitten in einen Skandal hinein. Als Tochter des schwedisch-deutschen Weltstars Ingrid Bergman und des italienischen Regisseurs Roberto Rossellini, für den Ingrid ihren Mann sitzen lassen hatte. Dieser Ehebruch machte aus dem Hollywood-Darling mit blitzsauberem Image über Nacht eine in Schande lebende Gefallene – da sind sich Amerika, der Vatikan und die konservative Klatschpresse einig. Diese Situation prägt Isabellas Kindheit in Rom: Es gibt Spaß, Chaos und viel Liebe. Aber auch viel Streit.

„Ich kann mir nicht Gift ins Gesicht spritzen und biologisch ...

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... essen”

Die Ehe der Eltern, so leidenschaftlich gegen alle Widerstände begonnen, zeigt bald erste Risse – auch weil die gemeinsamen Filme floppen. Das Publikum ist nicht bereit für Rossellinis neorealistische Experimente in strengem Schwarz-Weiß, daran ändert auch die berühmte Hauptdarstellerin nichts. Roberto Rossellini wiederum hasst das schwülstige amerikanische Wohlfühlkino.

Weshalb er schwer beleidigt ist, als Hollywood den „Fehltritt“ seiner Frau gnädig verzeiht und sie dort anschließend einen Blockbuster-Erfolg nach dem anderen einfährt. Ohne ihn. Klassische Reaktion: Rossellini beginnt eine Beziehung mit einer viel jüngeren Frau. Drama, Cut. Scheidung.

Die fünfjährige Isabella und ihre Geschwister leben nun, zeitweise lediglich vom Kindermädchen betreut, in einer Hotelsuite. Mama verdient Geld in Amerika, Papa wohnt zwar direkt gegenüber, kümmert sich aber nur sporadisch. Mit elf Jahren erkrankt Isabella an Skoliose, einer Rückgratverkrümmung. Nach einer schmerzhaften Operation muss sie zwei Jahre lang ein Stützkorsett tragen.

Doch dann ist plötzlich alles gut. Aus dem pummeligen, gehandicapten Teenager wird eine außergewöhnlich schöne und kerngesunde Frau. Ende der Swinging Sixties beginnt sie, sich auszuprobieren. Ihr erster Freund, ein Römer, misshandelt und vergewaltigt sie aus Eifersucht. Wieder alles schlecht. Sie trennt sich geschockt und verunsichert. Wo will sie hin? Sie weiß es nicht.

Eigentlich wäre sie gerne Schauspielerin. Aber ihre Übermutter ist eine Hypothek, schon weil Isabella Ingrid so ähnlich sieht, dass sie von Wildfremden darauf angesprochen wird. Regie kommt auch nicht infrage, da erstickt der Übervater, dessen Filme mittlerweile Kultstatus erreicht haben, jede Ambition. Also versucht sie sich auf anderem Terrain. Als Journalistin interviewt sie Woody Allen, Clint Eastwood, John Travolta, Barbra Streisand. Die Hölle, wird sie sich später erinnern.

Oft versteht sie die Antworten ihrer Gesprächspartner nicht, weil sie immer Mama oder Papa im Ohr hat mit ihren imaginären Anweisungen: „Stell nicht so dumme Fragen wie die anderen Reporter!“

Also heiratet sie. Ausgerechnet den zehn Jahre älteren amerikanischen Regisseur Martin Scorsese, der sie so sehr an ihren mittlerweile verstorbenen Vater erinnert: seine Besessenheit, seinen Humor, seinen Egoismus. Isabella liebt seine Filme, kocht für die jeweilige Crew, spielt die perfekte Ehefrau.

Da ist sie 27 Jahre alt. Das kann doch noch nicht alles gewesen sein? Sie startet einen ersten Versuch, in die riesigen Fußstapfen ihrer Mutter zu treten. Der Film heißt „Die Wiese“ und fällt durch. Das Schlimmste ist nicht der kommerzielle Misserfolg, sondern die vernichtenden Kritiken ihrer Leistung. Sie sei „zu grün“.

Noch längst nicht weit genug. Und immer schimmert durch: Deine Mutter, Baby, wirst du nie erreichen.

Nach diesem Desaster flüchtet sie zu ihrem Martin nach New York und schwört, nie wieder vor eine Filmkamera zu treten. Das Einzige, was sie tröstet, ist ihr Job bei einer italienischen Fernsehshow. Sie pendelt zwischen New York und Rom und tritt dort mit Komikern wie Roberto Benigni auf. Das italienische Publikum liebt sie, kein Mensch vergleicht sie mit irgendwem, sie fühlt sich frei. Drei Jahre vergehen wie im Flug. Dann endet die Sendung, fällt alles auseinander. Sie verliebt sich in das Model Jonathan Wiedemann, trennt sich von Scorsese, bekommt eine Tochter, Elettra.

Ihre Filmrollen

Es geht ihr gut, aber der Ehrgeiz bleibt. Nur wo soll der hinführen? Beziehungen helfen. Eine Freundin, Inhaberin einer Modelagentur, vermittelt ihr das erste Shooting. Es führt zum Titelbild auf der amerikanischen Vogue, dem noch 27 weitere folgen werden. Zum ersten Mal in ihrem Leben verdient sie viel Geld. Aber noch wichtiger: Es macht ihr Spaß, das Posieren liegt ihr. Etwa zur selben Zeit entwickelt sie ihren ganz eigenen Look. Stylish, aber nicht anstrengend. Weiße Hemden, Männeranzüge, Herrenschuhe, dazu knallrote Lippen. Das kommt an. Langsam macht sie sich einen Namen, arbeitet mit den Größten der Branche, Richard Avedon, Peter Lindbergh, Annie Leibovitz. Als Krönung kürt die Kosmetikfirma Lancôme sie zum Testimonial.

1985 trifft sie den Regisseur David Lynch, ihre große Liebe. Sein abgründiger Thriller „Blue Velvet“, in dem Isabella die Nachtclubsängerin Dorothy spielt, wird ein riesiger Independent-Erfolg und macht beide zu Stars. Eine leidenschaftliche Beziehung beginnt. Sie können sich nicht häufig sehen – Isabella verfolgt ihre Modelkarriere, David dreht die Mystery-Kultserie „Twin Peaks“ –, doch sie fühlen sich nah. Denkt Isabella und täuscht sich.

„Ich wünschte, ich hätte mit allem früher angefangen, dann würde es länger dauern”

1990 verlässt David Lynch sie nach einem weiteren gemeinsamen Film („Wild at Heart“) wegen einer anderen Frau. Für sie bricht eine Welt zusammen, monatelang versinkt sie in Depressionen. Besonders bitter an der Trennung sei, dass ihre Intuition sie so im Stich gelassen habe, wird sie später dem Zeit Magazin beichten: Während sie fest an ihre Liebe glaubte, war sie längst vorbei. 1996 kündigt Lancôme die Zusammenarbeit auf. Sie sei mit 43 Jahren zu alt für diesen Job. Frauen träumten von ewiger Jugend, nicht vom Älterwerden mit Stil.

Cut. Tiefpunkt. 26 Jahre später, 2022. Isabella Rossellini wird 70 und wirkt wie jemand, der endlich angekommen ist. Tatsächlich hat sich wie durch ein Wunder alles aufs Schönste gefügt. Seit 2016 ist sie wieder das Gesicht Lancômes, weil die Firmenchefin weiblich ist und Frauen heute neue Role Models suchen, unabhängig vom Alter. Sie hat Bücher geschrieben und viel gedreht. Unter anderem spielt sie in den aktuellen TV-Serien „Domina“ und „Julia“ mit; ein neuer Film ist in Arbeit. Sie hat Verhaltensbiologie studiert und lebt heute auf ihrer eigenen Farm auf Long Island zwischen Hühnern, Ziegen und Schafen, wo sie sich auf die Züchtung gefährdeter Arten spezialisiert hat.

Ihr adoptierter Sohn Roberto besucht sie häufig, ihre Tochter Elettra wohnt in der Nähe. Einen Ehemann braucht sie nicht. „Die klauen einem viel zu viel Zeit“, sagt sie trocken. Und dann lacht sie laut und ansteckend. Wie eine sehr glückliche Frau.