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DIE SCHÖNEN REBELLEN


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auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 23.02.2022

VERGLEICHSTEST | Power-Limousinen

Artikelbild für den Artikel "DIE SCHÖNEN REBELLEN" aus der Ausgabe 3/2022 von auto Test. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
BMW auf Tour: M440i mit 374 PS starkem 3.0-Reihensechser will Kia mit V6 und Peugeot mit Plug-in-Hybrid davonfahren

!Sechs in Reihe, V6 oder Vierzylinder mit Elektro- Beihilfe – in diesem Trio geht es motorisch zu

BMW

BMW M440i GRAN COUPÉ

Im Cockpit von allem etwas: gelerntes, nicht altmodisches Bediensystem über iDrive­ Zentralknopf, digitales Cockpit mit gegenläufigem Drehzahlmesser.

Unten: Der trägt ganz klar Coupé im Dachschwung

!Außer der Lenkung lässt sich am 4er nichts bemängeln

WIR LIEBEN ES SCHRÄG. So wie es der neue BMW M440i xDrive Gran Coupé macht. Sechszylinder-Benziner unter der Haube, Allradantrieb, Coupé in Grundform, vier Türen, große Heckklappe herrlich anders irgendwie. Und der M440i ist in seiner Extravaganz nicht einmal ein Einzelkämpfer.

KIA

Von seiner Gattung gibt es mehr.

Den Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD zum Beispiel. Auch er trägt den selten gewordenen Fließheckanzug, lässt einen Sechszylinder zu Wort kommen und drückt ähnlich viel Kraft in seine Automatik ...

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... – nämlich 366 PS; der BMW kommt auf 374 Pferdestärken. Nur 360 PS wirft der Peugeot 508 Hybrid4 360 PSE e-EAT8 in die Waagschale. Zwar auf etwas andere Weise als BMW und Kia, doch in sehr appetitlicher Verpackung. Wir finden sogar: Der 508 mit seinem scharfen Blick und dem prägnanten Leuchtenband am Heck gehört zu den rassigsten Limousinen-Schnitten der Mittelklasse. Der 508 PSE generiert seine Leistung aus einem typischen Plug-in-Hybrid-Paket. Leichte Elektrokost trifft dabei auf schwere Turbobeilage in Form eines 1.6-Vierzylinder-Benziners. Macht immerhin 520 Newton meter Systemdrehmoment.

KIA STINGER GT

Elegante Erscheinung, minimal verziert – Berührbildschirm in der Mitte nicht ganz leicht erreichbar. Oberhalb der Klima bediengruppe feste Tasten für die Funktionsmenüs

PEUGEOT

PEUGEOT 508 PSE

Hier müssen wir einen Fehler aus der AUTO TEST 2/21 korrigieren: Der Allradantrieb des PSE ist nicht vom Akkustand abhängig. Kraft gelangt auch bei leerem Akku an die Hinterachse, der Verbrenner erzeugt dann den nötigen Strom

Tatsächlich steht ihm dieser Motor aber nicht so gut, wie es die Papierwerte erwarten lassen. Denn trotz Hilfe durch die E-Maschine muss sich der 1.6er unter Last und bei hohem Tempo abmühen. Er bestätigt das über ein krakeelendes Geräuschverhalten und eine typische Vierzylinder-Vibration um 5000 Touren herum.

Zudem reagiert das Automatikgetriebe hektisch bei Kickdown-Befehlen und mag auch die Übersetzungsübergänge nicht so verschliffen gestalten, wie man es heutzutage erwarten darf. Auf Lenkbefehle reagiert der Peugeot irgendwie nervös und eckig – ein lässiger Gleiter ist er trotz schnittiger Gestalt und moderner Plugin-Attitüde letztlich also nicht. Zumal auch die Federung eher spröde arbeitet. Kanten im Asphalt filtert er nämlich nur unwillig weg.

!Trotz weniger PS: Der Peugeot 508 ist nicht durchweg langsamer

Langsam ist der Peugeot trotz kleinem PS-Nachteil aber nicht. Unsere Messwerte zeigen, dass der Franzose im Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h den minimal schwereren und stärkeren Kia abhängen kann. Und: Sein Antriebskonzept funktioniert bestens, wenn es ums Spritsparen geht. Auf 100 Kilometer kommt der 508 mit 5,5 Liter Super (plus Stromverbrauch) aus. In Euro und Cent umgerechnet, wäre das ein Quäntchen effizienter als der BMW.

Am anderen Ende dieser Fahnenstange weht der Kia-Wimpel. 11,6 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer sind unzeitgemäß. 3,3 Liter Hubraum wollen halt mit Sprit gefüllt werden, das hemmt die dickste Aufladung nicht. Ohnehin spürt man hier den Turbocharakter deutlich. Der Wagen kommt mit dem starken Leistungseinsatz aber bestens klar. Der Allradantrieb – vorrangig hinten mit Kräften befüttert – lässt kein Newtonmeterchen durchgehen. Allerdings zupft die Hinterachs- Differenzialsperre gelegentlich unhöflich im Antriebsstrang, spürbar etwa als ruckendes Abbiegen unter stärkerem Lenkeinschlag. Ansonsten: klasse! Der V6 geht, dreht, klingt und bereitet sowohl beim lässigen Kreuzen als auch beim wütenden Auswringen mächtig Laune. Dazu passt die verbindliche Lenkung mit gut angepasster Servounterstützung.

Genau so etwas würden wir uns vom BMW wünschen. Gibt es aber nicht. Stattdessen: typische Synthetik um die Mittellage und wenig Spannkraft auf den ersten paar Grad Lenkeinschlag. Grobmotoriker spüren’s kaum, Feinfahrer nervt’s gewaltig. Viel wichtiger: Das ist im Grunde unser einziger Kritikpunkt. Der Rest: ein Fest. Der M440i spielt Gleiter und Sportler in einem, betört über den seidigen Sechszylinder. Der per Twinscroll aufgeladene 3.0er kann kultiviert summen, unter saftigem Ladedruck mächtig zuhauen, fein ausdrehen und emsig flott aus dem Schiebebetrieb heraus wieder ans Eingemachte gehen. Außerdem trägt ein 48-Volt-Netz mit immerhin 11 PS zur Entlastung des Benziners bei. Dazu ist das Getriebe beeindruckend wandlungsfähig. Der BMW mag beim Anfahren würdevoll ablegen und unmerklich weitere Übersetzungen beimischen oder kantig in die Puschen kommen (im Fahrprogramm Sport plus), dabei die Fahrstufen fühlbar durchsemmeln. So muss das sein. Auch das Fahrwerk zählen wir zu den besten der Klasse. Trittfest, in der Federung kommod (in Comfort) bis fit-trainiert auf Spannung (in den S-Stufen), dazu mit klarer Traktion gesegnet – im 4er Gran Coupé steckt wahrlich reichlich BMW-Fahrkompetenz. Schade: Trotz grandiosem Motor ist der Verbrauch hoch. Hier hilft dem BMW auch sein 48-Volt-Mildhybridsystem nicht viel. Trost: Im M440i steckt wohl das prallste Technikpaket dieser Liga. Umfangreiche Online-Vernetzung (z. B. Smartphone-Spiegelung per Funk), das Maximum an Fahrassistenz (inklusive absolut tauglichem Notfallassistenten) oder auch eine sehr verständige Sprachbedienung unterstützen auf Wunsch die Insassen. Außerdem findet der Fahrer sehr schnell einen simplen Weg durch die Bedienstruktur des 4er.

Im Kia sieht das finsterer aus. Außer „Vorwahltasten“ hat der Fahrer nur eine Chance, sich erfolgreich durch die Bedienebenen zu hangeln, wenn er mit ausgestrecktem Arm auf den Piktogrammen des Berührbildschirms umhertippt.

Die Klimaregler sitzen zudem arg tief, die Temperaturanzeigen weit darüber im Bildschirm. Im Peugeot sieht es ähnlich aus – der Touchscreen ist das Schlüsselerlebnis. An die schrägen Anzeigen – die man oberhalb des Lenkrads anpeilt – gewöhnt man sich dafür schnell. Zudem entschädigt der 508 über eine geradezu feudale Komfortausstattung ab Werk. Alles andere als schräg, gefällt uns aber trotzdem sehr gut.

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

1. BMW M440i Gran Coupé Komfortabel, schnell, Top-Motor – so siegt man hier mit Abstand. 514 Punkte

2. Kia Stinger 3.3 T-GDI Hat etwas vom Boliden alter Schule – gut so. Keine echten Macken! 484 Punkte

3. Peugeot 508 PSE Originell, sparsam, reichlich ausgestattet. Doch nicht fein genug. 476 Punkte

FAZIT

JAN HORN, BEREND SANDERS

Das Karosseriekonzept des M440i ist speziell, seine Fähigkeiten sind unbestreitbar gut - und typisch BMW. So bieten die Münchener eindeutig das beste Konzept in dieser Liga. D er Kia lebt von seinem Motor. Herrlich, dass es so was noch gibt. Im Peugeot steckt bei aller Eleganz und Stattlichkeit durchaus beachtliches Sparpotenzial.