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Die Schrecken des Krieges


Buchkultur - epaper ⋅ Ausgabe 185/2019 vom 22.08.2019

em allgemeinen Weltkriegsgedenken zum Trotz klafft im Wissen um den Alltag in Kriegszeiten noch eine große Lücke; Daniel Mason füllt diese mit einem ebenso epochalen wie klugen Roman.


Artikelbild für den Artikel "Die Schrecken des Krieges" aus der Ausgabe 185/2019 von Buchkultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Buchkultur, Ausgabe 185/2019

Daniel MasonDer Wintersoldat Übers. v. Sky Nonhoff, Judith Schwaab C.H. Beck, 430 S.


Ein Buch wie ein Historiengemälde: üppig, schillernd bunt. Im ...

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... eisigen ersten Kriegswinter 1914 wird der Wiener Medizinstudent Lucius in ein Feldlazarett irgendwo in den Karpaten versetzt und erlebt die Schrecken des Krieges wie einen Schock, von dem er sich nur langsam erholen wird. Amputationen, Verstümmelungen, Seuchen wie Typhus und Ruhr, Läuse überall und endloses Sterben, Blut, sehr viel Blut – und die Erkenntnis, dass Hörsaalwissen an der Front nicht viel taugt.

Doch es gibt auch die resolute Schwester Margarete, die Lucius die ersten praktischen medizinischen Handgriffe beibringt und ihn erst zu dem Arzt macht, der er vielleicht sein könnte. Das Gelübde allerdings, von dem Margarete in Gegenwart der vielen einsamen und vom Krieg entstellten Soldaten spricht, scheint ebenso von einem Geheimnis umgeben wie Margarete selbst. Ihre zupackende Art beeindruckt den jungen Mediziner aus gutem Hause, und so entwickelt sich vor dem Hintergrund einer zusammenbrechenden Welt eine zarte Liebesgeschichte mit ungewissem Ausgang.

Mason gelingt es dabei, weder kitschig noch sentimental zu werden. Sein reiches Personal – vom ewig schniefenden Koch bis zu den kargen Dorfweiblein – bevölkert das schillernde Porträt einer untergegangenen Welt, detailreich und voller Geschichten. Gerade die minutiösen Beschreibungen machen diese Welt so erfahrbar: Man spürt die Kälte, den ewigen Hunger, den Mangel ebenso wie den sich wieder entfaltenden Frühling, den Geruch von Pilzen und jenen der schwarzen Erde des Waldes.

Doch dann erreicht die Front die kleine, brüchige Idylle in Lemnowice und trennt Lucius und Margarete für lange Zeit, in der sie – geplagt von den Gespenstern dieses Krieges – für Jahre ruhelos umherirren werden, denn Mason weiß auch geschickt von den mitunter schuldlosen Verstrickungen um Moral, Ehre und Redlichkeit zu erzählen. Ein Sittengemälde, ein grandioser Roman.