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Die Sinnfluencer


myself - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 10.07.2019

Bilder mit Botschaft: Eine neue Generation von Influencern will nicht weniger als die Welt verändern — und uns gleich mit


Artikelbild für den Artikel "Die Sinnfluencer" aus der Ausgabe 8/2019 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Laura Malina Seilers größte Stärke? Dankbarkeit. Für die großen und die kleinen Dinge des Lebens.


Foto: Farina Deutschmann

Die Achtsame

Laura Malina Seiler, 32, ist wohl Deutschlands erfolgreichste Achtsamkeitsunternehmerin. Ihre Bücher werden zu Bestsellern, sie hat eine Online-Akademie, und ihr Podcast „Happy, holy & confident“ steht regelmäßig in den Top Ten der Podcast-Charts.

Als Sie zehn Jahre alt waren, trennten sich Ihre Eltern. Sie zogen sich daraufhin zurück und konnten schwer ...

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... Nähe zulassen. Eine prägende Erfahrung, aus der Sie später dank einer Ausbildung zum Coach herausgefunden haben. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie auch anderen helfen können?
Ich habe in meinen Workshops und Podcasts intuitiv das geteilt, was mir bei meiner persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung geholfen hat – und ziemlich schnell gemerkt, dass die Werkzeuge, die ich für mich genutzt habe, auch anderen nutzen.
Haben Sie ein Beispiel?
Indem man zum Beispiel versucht, sein inneres Kind zu heilen, und Frieden schließt mit den Menschen, die einen verletzt haben.

In einer Podcast-Folge sagen Sie, dass es sich lohnt, zu bestimmten Phasen alles zu geben und immer erreichbar zu sein. Wann schalten Sie ab und gönnen sich Zeit für sich?
Ich nehme mir morgens eine halbe Stunde für mich und mache meine Dankbarkeitsübung. Dafür schließe ich meine Augen und bedanke mich für all die Wunder in meinem Leben, für all die Liebe, die ich empfange. Wie in einem Film gehe ich den bevorstehenden Tag durch und bedanke mich dafür, dass er wundervoll wird. Mit diesem erfüllenden Gefühl bleibe ich ein paar Minuten sitzen. Im Anschluss meditiere ich und dusche ganz bewusst. Dabei stelle ich mir vor, wie das Wasser frische Energie in meinen Körper bringt.
Das war’s dann mit der Ruhe?
Tagsüber komme ich kaum dazu abzuschalten. Abends nehme ich mir dann wieder Zeit für meine Familie und für mich. Da gibt’s dann keine E-Mails und auch kein Handy mehr.


„Was mir selbst Kraft gegeben hat, klappt auch bei anderen“


Die Politische

Wana Limar, 29, ist Influencerin, Moderatorin, DJane, aber vor allem engagiert sie sich für Kinder mit Migrationshintergrund.

„Da ist immer so eine kleine Lücke, die nie richtig gefüllt werden kann“, sagt Wana Limar in einem Videoclip der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. „Dieses Gefühl von Ganzheit kommt nicht auf, weil du dich in irgendeiner Art und Weise immer ausgegrenzt fühlst.“ Wana Limar weiß, wovon sie spricht, sie ist die Tochter afghanischer Geflüchteter, 1991 kam sie im Alter von einem Jahr nach Hamburg. Noch heute wird sie häufig gefragt, woher sie kommt. Doch Wana Limar wollte den Unterschied zwischen „den Deutschen“ und „den anderen“ nie so recht verstehen. Um diese Barriere zu überwinden, engagiert sie sich. Ende 2012 nahm sie an einem Treffen der Organisation Visions for Children teil – der Verein setzt sich für bessere Bildungschancen von Kindern in Afghanistan und Uganda ein – und wurde dann selbst Mitglied. „Jeder Einzelne von uns hat die Verantwortung, sich in irgendeiner Form einzubringen, einen Beitrag zu leisten“, sagte sie mal. Und so finden ihre über 43 000 Follower auf Instagram immer wieder Bilder von zerstörten Schulen in Kabul oder Kindern vor Hütten in Katosi in ihrem Feed. Im Mai wurden sie und ihre Schwester Hila von einem Netzwerk als zwei von 25 Frauen ausgezeichnet, die mit ihrer Stimme die Gesellschaft bewegen. Zu Recht, wie wir finden.

Die Müllvermeiderin

Lauren Singer, 28, lebt seit Jahren nahezu müllfrei – wie das geht, zeigt die US-Unternehmerin und Galionsfigur der Zero-Waste-Bewegung unter anderem auf ihrem Blog.

Nur ein Schraubglas voll Müll produzierte Lauren Singer innerhalb von drei Jahren. Zauberei? Nein, Konsequenz.


Es war 2015, als Lauren Singer auf einer Bühne stand und den Zuschauern ein kleines Marmeladenglas mit Schraubverschluss präsentierte: Gerade einmal 470 Milliliter passen dort hinein – und doch fasste das Glas Laura Singers Müll der zurückliegenden drei Jahre. „Wenn ich das erzähle, glauben die Leute immer, ich sei verrückt“, sagt sie. „Oder sie fragen mich, wie ich mir meinen Hintern abwische.“ Um diese Themen geht es auch auf ihrem Blog „Trash is for Tossers“. Millionen Menschen haben sich auf Youtube ihr 13 Minuten langes Video angeschaut, in dem sie erklärt, warum ein müllfreies Leben gar nicht so kompliziert ist. Ihren Erfolg als Galionsfigur der Zero-Waste-Bewegung verdankt sie einer verschwenderischen Kommilitonin beim Studium der Umweltwissenschaft in New York. Die brachte jeden Tag ihr Essen in Plastikboxen mit, dazu Getränke in Wegwerfflaschen. „Wir sind doch die Zukunft dieses Planeten“, dachte Lauren Singer damals. Und beschloss, es künftig anders zu machen. Zum Beispiel indem sie ihr eigenes Deo herstellt und es in einen gebrauchten Roller abfüllt, aber auch mit ihrem eigenen Unverpackt-Laden in Brooklyn.

Die Nachhaltige

Marie Nasemann, 30, war mal Kandidatin bei „Germany’s Next Topmodel“. Heute arbeitet sie als Schauspielerin und bloggt unter fairknallt.de über nachhaltige Mode.

Marie Nasemann will für andere ein Vorbild sein, allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger.


Wann wurde Ihnen bewusst, dass die Fast-Fashion-Industrie ein echtes Nachhaltigkeitsproblem hat?
2013 ist die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt, über tausend Menschen kamen dabei ums Leben. Danach habe ich beschlossen, mein Konsumverhalten zu verändern, weniger zu kaufen und nach Marken zu suchen, die fair und nachhaltig produzieren. Über die Zeit habe ich mir dabei ein Wissen angeeignet, das ich auf meinem Blog mit anderen teilen wollte.
Im Durchschnitt kauft sich jeder Deutsche zwischen 40 und 70 Kleidungsstücke pro Jahr. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Ich gehe nicht mehr shoppen und habe mir stattdessen richtige Hobbys zugelegt, die mich länger bereichern als der kurze Kick, den man beim Einkaufen bekommt. Außerdem muss ich auch nicht mehr jeden Trend mitmachen.
Ihre Tipps für nachhaltiges Einkaufen?
Keep it simple, setzen Sie auf Basics. Es gibt viele tolle, nachhaltige Labels zu fairen Preisen. Und die Sachen, die man schon im Schrank hat, sollte man hegen und pflegen.

Die Feministin

Adwoa Aboah, 27, ist zwar als Model erfolgreich, doch ihre Bestimmung fand die Britin im Engagement für andere Frauen.
Eigentlich könnte Adwoa Aboah es sich als Model gut gehen lassen, die Britin gehört aktuell zu den meistfotografierten Frauen der Welt und war auf zahlreichen Covern. Doch stattdessen nutzt sie ihre Bekanntheit, um über ihre Ängste zu sprechen, ihren Selbstmordversuch und die Abhängigkeit vom Narkosemittel Ketamin. Es seien starke Frauen gewesen, die ihr geholfen hätten, gesund zu werden, sagte sie mal. Diese Hilfe will sie nun auch anderen geben, mit ihrer Plattform „Gurls Talk“. „Ich wollte einen sicheren Ort schaffen, an dem alle Themen geteilt werden können“, sagt sie. Von sozialer Gerechtigkeit über Rassismus bis zu psychischen Erkrankungen. Inzwischen auch immer häufiger offline. Etwa bei Events wie den „Gurls Talk Festivals“ in London und New York. Denn: „Gurls Talk ist eine Bewegung“, sagt Adwoa Aboah.


„Gurls Talk ist eine Bewegung“


Model Adwoa Aboah kämpfte selbst mit psychischen Problemen. Nun will sie anderen Betroffenen helfen.


Die Veganerin

Ellie Bullen, 26, will so viele Menschen wie möglich für pflanzliche Ernährung begeistern. Ihr Trick? Farbenfrohe Rezepte, toll inszeniert.

Die Liebe zum gesunden Essen hat Ellie Bullen von ihrer Mutter geerbt. Die packte ihren beiden Töchtern lieber selbst gemachtes Sushi statt einer Stulle in die Pausenbox. Das änderte sich, als die Australierin mit 17 Jahren zur Armee ging. Dort bestand die Ernährung vor allem aus Fleisch. So viel Fleisch, dass sich Ellie Bullen dazu entschloss, fortan vegeta risch zu leben – auch wenn das bedeutete, jeden Tag das Gleiche essen zu müssen. Inzwischen hat sie einen Bachelor in Ernährungswissenschaften und ist Autorin zweier Kochbücher. Auf ihrem Blog, Youtube und Instagram versorgt sie ihre fast 700 000 Follower mit veganen Rezepten. Fleisch zu essen belaste nicht nur die Umwelt, sondern auch den Körper, davon ist Ellie Bullen überzeugt. Zudem will sie durch kreative Gerichte beweisen, dass eine vegane Ernährung durchaus abwechslungsreich sein kann: „Probiere mal Blumenkohl-Reis aus oder mixe etwas Grünkohl in den Smoothie“ empfiehlt sie. Und: „Das Essen auf deinem Teller sollte spannend aussehen, dann schmeckt es auch so.“

Die Umweltschützerin

Madeleine Alizadeh, 30, betreibt seit 2010 den Blog dariadaria.com. Das Motto der Wienerin: Aktivismus mit Optimismus.

Madeleine Alizadeh war mal eine typische Modebloggerin, bis eine Dokumentation sie aufrüttelte.


Gerade einmal sechs Jahre ist es her, dass sich Madeleine Alizadehs Leben radikal änderte. Damals war sie bereits eine erfolgreiche Bloggerin, schrieb über Klamotten, Schuhe und Taschen. Bis sie eines Tages eine Dokumentation über die Modeindustrie sah. „Die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur wollte ich mit meinen Einkäufen bei den Fast-Fashion-Riesen nicht mehr unterstützen“, sagt sie. Seitdem widmet sie sich Themen mit Substanz: nachhaltiger Mode, Gleichberechtigung, Klimaschutz und Tierrechten. Mittlerweile hat sie die Podcastserie „A Mindful Mess“ gestartet, in der sie unter anderem über Textilmüll spricht. Der lässt sich etwa vermeiden, indem man seine Jeans in die Tiefkühltruhe steckt, statt sie zu waschen, und Kleidung, die nicht mehr passt, beim Schneider ändern lässt. Und wie das manchmal so ist: Hat man seine Leidenschaft gefunden, kommt der Erfolg automatisch.


„Die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur wollte ich nicht mehr unterstützen“


FOTOS: INSTAGRAM/WANALIMAR, INSTAGRAM/TRASHISFORTOSSERS

FOTOS: MARIE HOCHHAUS, DYLAN COULTER