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Die soziale Selektivität der transnationalen Jugendmobilität


sozialmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 21.10.2019

Mobilität junger Erwachsener ist ein Kernanliegen der EU. Die Analysen auf Grundlage der Daten des Horizon 2020 Projekts »MOVE« zeigen, dass diese höchst sozial selektiv ist. Sowohl die Soziodemografie und der sozioökonomische Status der jungen Erwachsenen als auch deren Eltern sind ausschlaggebend für Auslandsmobilität im jungen Erwachsenenalter. Dies stellt Teilhabechancen an Mobilität in Europa deutlich infrage.


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Bildquelle: sozialmagazin, Ausgabe 10/2019

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Zur sozialen Selektivität der Jugendmobilität in Europa
Trotz der Tatsache, dass die EU-Kommission der europäischen Jugendpolitik eine hohe Bedeutung zuschreibt und in ...

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Zur sozialen Selektivität der Jugendmobilität in Europa
Trotz der Tatsache, dass die EU-Kommission der europäischen Jugendpolitik eine hohe Bedeutung zuschreibt und in zahlreiche Programme investiert, haben ihre Maßnahmen bisher nicht zu einer umfassenden Entspannung der prekären Situation junger Menschen – z. B. Jugendarbeitslosigkeit – geführt. Kritisch ist hervorzuheben, dass sich »eine wachsende Zahl von jungen Menschen (…) vom wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demokratischen Leben ausgeschlossen « (Büttner/Reiter 2018, S. 78) fühlt und auch die »Hoffnungen auf eine kollektive europäische Identität (…) scheinen sich nicht ohne Weiteres zu erfüllen« (ebd. 2018, S. 79). Ein zentraler Aspekt der europäischen (Jugend-)Politik ist die Jugendmobilität, also kurz- und längerfristige Aufenthalte im – möglichst europäischen – Ausland. Ausgangspunkt hierfür sind Schüler_innenaustausche und Workcamps im Nachkriegseuropa, die ein friedliches Miteinander der Nationen in Europa verstetigen sollen. Wie differenziert die europäische Jugendpolitik mittlerweile das Thema Jugendmobilität bearbeitet, zeigt sich bspw. in der Formulierung von Mobilitätszielen, wonach bis 2020 mindestens 20 % aller Graduierten im Europäischen Hochschulraum einen Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland absolviert haben sollen (DAAD/DZHW 2017, S. 78).


Hängt transnationale Mobilität in Europa von sozialer Herkunft ab?


Jenseits dieser Zielsetzung für Studierende stellt sich unter einer Teilhabeperspektive zunächst die Frage, ob alle jungen Erwachsenen in Europa über transnationale Mobilität eingeschlossen werden oder ob es auch zu Ungleichheiten im Zugang zu Mobilität kommt. Werden also ganz bestimmte Gruppen von jungen Erwachsenen von/über Mobilität aus- bzw. eingeschlossen? Hängt transnationale Mobilität in Europa von sozialer Herkunft ab?

Dieser Frage sind wir im Forschungsprojekt MOVE nachgegangen (mehr zum Projekt s. u. und unter move-project.eu/), welches erstmals repräsentative Daten zur Mobilität junger Erwachsener in Europa für ganz unterschiedliche Mobilitätsformen zur Verfügung stellt (Studierende, Arbeitende, Freiwillige, Schüler_innen etc.) und nicht nur Studierende bzw. Teilnehmer_innen von spezifischen internationalen Austauschprogrammen (z. B. Erasmus). Wir ziehen hier den Begriff der »Mobilität« dem der »Migration« vor, da dieser konzeptionell weiter und sensibel für unterschiedliche Arten von geografischen Bewegungen ist (Amelina/Vasilache 2014; Sirkeci 2009). Entsprechend analysieren wir folgende unterschiedliche Dimensionen sozialer Ungleichheit als Einflussfaktoren für Teilhabe an und Selektivität in geografischer Mobilität: (1) Makro-Ebene von Ländern, (2) Mikro-Ebene der Personen sowie (3) Familien bzw. Haushalts-Ebene. Auf der Makroebene konzentriert sich Forschung vorwiegend auf wirtschaftliche Ungleichheiten zwischen Ländern und deren Einfluss auf individuelle Mobilitätsperspektiven. So sind bspw. auch innerhalb der EU deutliche Unterschiede beim Zugang zu Sozialleistungen und zum Arbeitsmarkt zu beobachten, welche als Kontext für Mobilitäten junger Erwachsener fungieren (vgl. Bilecen/Van Mol 2017). Entsprechend betrachten wir den Wohnsitz junger Menschen in einem bestimmten Land in Europa, um makroökonomische Ungleichheiten bei der Mobilität von jungen Erwachsenen zu untersuchen, und um Länder hinsichtlich sozioökonomischer Lage, Migrations- und EU-Mitgliedschaft gegenüberzustellen. Auf individueller, also der Mikro-Ebene sind es sozioökonomische und sozio-demografische Aspekte, welche die Jugendmobilität mitprägen, also Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund und die ausgeübte Tätigkeit junger Erwachsener. Die familiäre Dimension von ungleichem Zugang zu Mobilität junger Erwachsener hat in der Literatur ebenfalls eine hohe Bedeutung: sie profitieren vom sozioökonomischen Status ihrer Familien, dem kulturellem Kapital, vom sozialen Status, wirtschaftlichen und materiellen Ressourcen, insbesondere denen ihrer Eltern (Kratz 2012).

Das Projekt »MOVE«
Die diskutierten Zusammenhänge zwischen Dimensionen sozialer Ungleichheit und Mobilität lassen sich mit Daten des Projektes MOVE (»MOVE: Mapping mobility – pathways, institutions and structural effects of youth mobility in Europe«) empirisch überprüfen. Sehr umfangreich wurden im Projekt Informationen zu Jugendmobilität in Europa im Kontext von Beschäftigung, Hochschulbildung, Berufsausbildung, Freiwilligenarbeit, Selbständigkeit und Schüler_innenaustausch erhoben. Die Datenerhebung wurde über das Online-Panel der Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt, wobei sowohl mobile, d. h. junge Erwachsene, die in der Vergangenheit für einen Aufenthalt im Ausland waren als auch sogenannte immobile junge Erwachsene, die in ihrer Biografie nicht im Ausland waren, adressiert wurden. Insgesamt wurden n=5.499 Personen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren befragt. Über die Auswahl der im Projekt adressierten Länder, die gleichzeitig das wissenschaftliche Konsortium bildeten (Luxembourg, Deutschland, Norwegen, Spanien, Ungarn, Rumänien), werden hinsichtlich Sozioökonomie, Migration und EU-Mitgliedschaftsdauer kontrastierende Kontexte abgebildet (Makro-Ebene). Die Erhebung wurde innerhalb von sechs Wochen von November 2016 bis Januar 2017 durchgeführt. 13.5 % der Befragten lebten zum Zeitpunkt der Erhebung in Luxembourg, 17.5 % in Deutschland, 17.8 % in Ungarn, rund 16 % in Norwegen, 17.8 % in Rumänien und 17.6 % in Spanien.


37,6 % der jungen Erwachsenen waren schon einmal länger als zwei Wochen im Ausland.


Analysen
Im Folgenden stellen wir die deskriptive Analyse sowie Ergebnisse der multiplen logistischen Regressionsanalyse vor. Das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 23,8 Jahre (siehe Tabelle 1), wobei 53 % der jungen Erwachsenen weiblich sind. Die Operationalisierung für frühere Mobilität war: »Waren Sie schon einmal länger als 2 Wochen aus anderen Gründen, d. h. nicht zum Urlaub oder aus familiären Anlässen im Ausland?«. Der Zeitraum von mindestens zwei Wochen wurde gesetzt, um möglichst unterschiedliche Arten von Mobilität einzuschließen, z. B. Auslandsaufenthalte während einer Berufsbildung oder Schüler_innenaustausche, die sehr kurze Laufzeiten haben können. 37,6 % der Befragten waren demgemäß im Ausland und gelten als transnational mobil. Die durchschnittliche Verweildauer pro Aufenthalt in einem anderen Land beträgt 8,7 Monate. Der Anteil an jungen Menschen, die in einem anderen Land waren, unterscheidet sich deutlich zwischen den Ländern: Ungarn (27,8 %), Norwegen (28,7 %), Rumänien (33,0 %), Deutschland (38,2 %), Spanien (43,2 %) und Luxemburg (59,3 %). Deskriptiv zeigt sich, dass insbe sondere junge Erwachsene aus Luxemburg hochmobil sind.

Um die Frage zu beantworten, ob sich Teilhabechancen junger Erwachsener an transnationaler Mobilität in Europa gleich zwischen Ländern verteilen, und/oder sich durch soziodemografische Merkmale sowie durch soziale Herkunft strukturiert, adressieren wir in der Analyse folgende Merkmale: Der höchste Bildungsabschluss der Befragten und den der Eltern verwenden wir zur Verdeutlichung des sozialen Status. Die Ausbildung sowohl der jungen Erwachsenen als auch ihrer Eltern wurde entsprechend der neun Stufen des International Standard of Classification of Education (ISCED) erhoben und in der Analyse in vier Stufen zusammengefasst. Von den befragten jungen Erwachsenen geben 35.9 % frühkindliche Bildung, Bildung im Primar und Sekundarbereich I sowie 10.8 % im Sekundarbereich II (allgemeinbildend) als höchsten Bildungsabschluss an. Rund 39.5 % nennen den höchsten Abschluss im Sekundarbereich II (berufliche Orientierung) und 13.7 % haben ein BA/MA oder eine Promotion abgeschlossen. Der höchste Bildungsabschluss der Eltern wurde als Proxy für den sozioökonomischen Status der Eltern herangezogen, wobei wir das höchste Bildungsniveau der Eltern bzw. des gesetzlichen Vormunds betrachten. Der höchste Bildungsabschluss der Eltern verteilt sich wie folgt: 20.5 % setzen sich zusammen aus frühkindlicher Bildung, Primarbereich und Sekundarbereich I; 29.4 % Sekundarbereich II (allgemeinbildend). Rund 17.9 % haben einen Abschluss im Sekundarbereich II (berufliche Orientierung) und 28.7 % einen Bachelor-Abschluss oder höher. Bezüglich der gegenwärtigen Beschäftigung geben rund 39 % der Befragten den Status »studierend« an; 13.2 % sind ohne Beschäftigung oder gegenwärtig nicht arbeitend, 4.8 % sind selbstständig oder freiberuflich arbeitend und 49.5 % in einem Angestelltenverhältnis. Rund 52 % der Befragten waren in ihrem Leben schon einmal länger als vier Wochen arbeitslos.

©GettyImages.com/Franckreporter (Bei abgebildeten Personen handelt es sich um Models.)

Um auch über die deskriptiven Beobachtungen hinaus die Bedeutung der unterschiedlichen Dimensionen hinsichtlich unserer Frage, ob Mobilität in Europa für alle gleich möglich ist, zu überprüfen, stellen wir Ergebnisse der Regressionsanalyse vor (siehe Tabelle 2, abhängige Variable bildet die Information, ob der/die Befragte schon einmal länger als 2 Wochen aus anderen Gründen, d. h. nicht zum Urlaub oder aus familiären Anlässen im Ausland war; wir interpretieren jeweils ausschließlich Richtung der Koeffizienten und Signifikanz): Zunächst bestätigt sich im multivariaten Modell die deskriptive Beobachtung, dass verglichen mit jungen Erwachsenen, die in Luxemburg leben, Befragte aus anderen Ländern eine niedrigere Wahrscheinlichkeit haben, in der Vergangenheit länger als zwei Wochen in einem anderen Land gewesen zu sein, abgesehen von Urlaub oder Verwandtenbesuch.


Mobilität in Europa im jungen Erwachsenenalter ist abhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsstatus und der Beschäftigung der Eltern.


Bezogen auf soziodemografische Dimensionen der jungen Erwachsenen wird deutlich, dass sowohl Geschlecht, Alter, Bildung, der Status »Studierende_r« als auch die Erfahrung von Arbeitslosigkeit Einfluss auf Mobilitätserfahrung nimmt: Männliche und ältere Befragte haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, jemals transnational mobil gewesen zu sein. Verglichen mit Personen mit dem höchsten Bildungsabschluss (d. h. BA oder höher), haben alle anderen Bildungsniveaus eine geringere Wahrscheinlichkeit von Mobilität. Der Status »Studierende_r« als auch jemals arbeitslos gewesen zu sein erhöht die Wahrscheinlichkeit im Ausland gewesen zu sein. Gerade Personen mit einem hohen Bildungsabschluss oder Studierende sind demnach besonders mobil, ebenso wie die mit einer Erfahrung von Arbeitslosigkeit. Die soziale Herkunft – entlang der Bildung der Eltern sowie die Mobilitätserfahrung der Eltern und Großeltern – prägen ebenfalls die Mobilität junger Erwachsener: mit der Bildung der Eltern sowie mit ihren Auslandsaufenthalten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass junge Erwachsene im Ausland waren. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch Navarrete u. a. (2017, S. 90).

Diskussion

Die vorliegende Analyse zeigt, dass Mobilität in Europa im jungen Erwachsenenalter abhängig ist von Alter, Geschlecht, Bildungsstatus und der Beschäftigung der jungen Erwachsenen, als auch vom Status und den Mobilitätserfahrungen der Eltern. Zudem strukturieren Länderkontexte Mobilität im jungen Erwachsenenalter. Während mit dem MOVE Projekt damit erstmalig die hohe soziale Selektivität von Auslandserfahrungen für sehr unterschiedliche Mobilitätsprojekte (und nicht nur für Auslandsaufenthalte für Studierende) thematisiert werden, so ist aufgrund der Datenlage im Querschnitt kritisch hervorzuheben, dass die vorgestellten Analysen nicht kausal, sondern korrelativ zu deuten sind. Beispielsweise lässt sich der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Mobilität zweifach interpretieren: Entweder gehen Personen ins Ausland und erfahren dort eine Episode von Arbeitslosigkeit oder Personen gehen aufgrund von Arbeitslosigkeit ins Ausland (vgl. bspw. Spanien während der Wirtschaftskrise in den 2010er Jahren).

Ungeachtet dieser Einschränkung werden ganz bestimmte junge Menschen über Mobilität ein-/ausgeschlossen. Obwohl Europa traditionell durch eine große Vielfalt gekennzeichnet ist, hebeln gegenwärtige Programme zur Jugendmobilität die Vielfalt eher aus und produzieren eine homogene Masse von jungen Erwachsenen, die nicht nur für die Eigenständigkeit bzw. den Erhalt ihrer Lebensphase Jugend kämpfen müssen, sondern die so auch Verlierer_innen europäischer Mobilitätsfreiheiten werden können.


Gegenwärtige Programme zur Jugendmobilität hebeln die Vielfalt eher aus und produzieren eine homogene Masse von jungen Erwachsenen.


Für die Diskussion um den Zugang zu transnationaler Mobilität sind diese Ergebnisse frappierend, zeigen sie doch, dass – trotz oder gerade wegen vieler Mobilitätsprogramme in der EU (z. B. Erasmus+ oder Leonardo) – überwiegend junge Erwachsene höheren Status und die deren Eltern einen höheren Status aufweisen, ins Ausland gehen. Gleichzeitig sind es junge Erwachsene, die eine oder mehrere Phasen von Arbeitslosigkeit erlebt haben, welche im Ausland waren.

Jugendprogramme – so auch Mobilitätsprogramme – sollten an den Perspektiven der jungen Menschen ansetzen. Indem Zugänge erleichtert werden und diejenigen jungen Erwachsenen unterstützt werden, die Hilfe für einen Zugang benötigen, mag Jugendmobilität Teilhabe in Europa fördern. Dies darf aber nicht zu einer Überformung von Eigenständigkeit von jungen Erwachsenen durch Mobilitätsprogramme führen. Gerade Zwischenräume ohne Leistungs- oder Mobilitätsdruck sind Ausdruck von Verselbständigungs- und Teilhabeprozessen von jungen Menschen. Damit stehen europäische Programme wiederum vor der Herausforderung, sich nicht nur weiterreichenden Globalisierungs- und Transnationalisierungsfragen zu stellen, sondern (darin) Raum dafür zu geben, welches Europa junge Erwachsene für sich andenken, anstatt die EU als Mobilitätsraum und Mobilität als Optimierung von gesellschaftlicher Wohlfahrt über wirtschaftliche Teilhabe zu setzen.

Literatur
Amelina, A./Vasilache, A. (2014): The shadows of enlargement: Theorising mobility and inequality in a changing Europe. In: Migration Letters, 11, 2, S. 109–124.
Bilecen, B./Van Mol, C. (2017): Introduction: international academic mobility and inequalities. In: Journal of Ethnic and Migration Studies 43, H. 8, S. 1241–1255.
Büttner, S. M./Reiter, H. (2018): Jugend und Europa. In: Lange, A./Reiter, H./Schutter, S./Steiner, C. (Hrsg.): Handbuch Kindheits- und Jugendsoziologie. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 67–82.
DAAD/DZHW (2017): Wissenschaft weltoffen 2017. Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland.www.wissenschaftweltoffen.de/publikation/wiwe_2017_verlinkt.pdf (Abruf: 29.4.2019).
Kratz, F. (2012): Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die internationale Mobilität und den Stellensuchradius von Studierenden und Hochschulabsolventen. In: Soziale Welt 63, H. 1, S. 45–64.
Navarrete, L./Lorenzo-Rodriguez, J./Fernández Araiz, V. et al. (2017): Mapping Mobility: Pathways, Institutions and Structural Effects of Youth Mobility. Deliverable D.4.7 – Public Workpackage 4 Report. move-project.eu/fileadmin/move/downloads/MOVE_D4_7.pdf (Abruf: 29.4.2019).
Sirkeci, I. (2009): Transnational mobility and conflict. In: Migration Letters 6, H. 1, S. 3–14.

Zur Person

Andreas Herz, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.
E-Mail: andreas.herz@uni-hildesheim.de

Agnetha Bartels, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. E-Mail: barte003@uni-hildesheim.de

Alice Altissimo, Dr. des., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.
E-Mail: altissim@uni-hildesheim.de