Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 2 Min.

Die spektakulärsten Fluchten aus der DDR


TV neu - epaper ⋅ Ausgabe 45/2019 vom 31.10.2019
Artikelbild für den Artikel "Die spektakulärsten Fluchten aus der DDR" aus der Ausgabe 45/2019 von TV neu. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TV neu, Ausgabe 45/2019

MIT LIST UND TÜCKE Der Ostberliner Fotograf Horst Beyer ließ die DDR-Grenzer mit seiner Flucht am 9. Oktober 1961 ganz schön alt aussehen (Symbolbild)


Horst Beyer – er ging rückwärtsüber die Grenze

LEGENDÄR Am 15. August 1961 gegen 16 Uhr nutzte Grenzpolizist Conrad Schumann (damals 19) seine Chance zur Flucht


Beherzter Sprung indie Freiheit

FRECHES TRI0 Ingo, Egbert und Holger Bethke (v.l.) flüchteten im Abstand von mehreren Jahren


Eine Familie setzt sich ab –aber in Raten


Pass auf, Genosse, dass ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TV neu. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 45/2019 von Schockierende Drohungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schockierende Drohungen
Titelbild der Ausgabe 45/2019 von TÖDLICHE DOSIS aus der Apotheke. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TÖDLICHE DOSIS aus der Apotheke
Titelbild der Ausgabe 45/2019 von Die besten Ideen für Ihren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die besten Ideen für Ihren
Titelbild der Ausgabe 45/2019 von Clevere Geschäftsidee!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Clevere Geschäftsidee!
Titelbild der Ausgabe 45/2019 von Herbst-Kur mit Schüßler-Salzen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Herbst-Kur mit Schüßler-Salzen
Titelbild der Ausgabe 45/2019 von Rasanter Look für Ihr Zuhause. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rasanter Look für Ihr Zuhause
Vorheriger Artikel
Herbst-Kur mit Schüßler-Salzen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Rasanter Look für Ihr Zuhause
aus dieser Ausgabe

... du nicht über die Grenze trittst!“ So freundlich warnt ein Volkspolizist am 9. Oktober 1961 Horst Beyer am Übergang Friedrichstraße. Der Fotoreporter ist scheinbar so vertieft in seine Arbeit, dass er nicht bemerkt, wie er sich rückwärts Schritt für Schritt dem Grenzstrich nähert. Für Propaganda-Aufnahmen am „antifaschistischen Schutzwall“ hat er Athletinnen mit Blumen ausgestattet und sie gebeten, die Grenzer zum aufopferungsvollen Mauerdienst zu beglückwünschen. Immer wieder drückt Beyer den Auslöser seiner Kamera. Noch ein Bild – und wieder einen Schritt rückwärts. Als die Warnung kommt, ist Bayer schon mit beiden Beinen in West-Berlin. Aber genau da wollte er auch hin!

Viele schafften es nicht

Was für eine irre Geschichte! Doch die Republikflucht des Horst Beyer ist nur eines von vielen Beispielen, wie DDR-Bürger mit Mut, List und einem unglaublichen Freiheitsdrang die Mauer überwanden. Zwischen Mauerbau und Mauerfall gelang min- destens 5075 DDR-Bürgern auf zum Teil abenteuerlichen Wegen in und um Berlin die Flucht durch die Sperranlagen. Doch viele bezahlten ihren Mut mit dem Leben. Bis 1989 starben allein in Berlin 133 Menschen beim Versuch, die Mauer zu überwinden.

Drei mutige Jungs

Die, die es schafften, überlisteten die Grenzsoldaten mit teils spektakulären Aktionen. Doch niemand blamierte die DDR so nachhaltig wie die Brüder Ingo, Egbert und Holger Bethke. Alle drei setzten sich im Abstand von einigen Jahren in den Westen ab, obwohl ihre Eltern linientreue SED-Funktionäre waren. Ingo (damals 21) paddelte im Mai 1975 auf einer Luftmatratze bei Schnackenburg über die Elbe. Holger floh im März 1983 mit einer selbst gebastelten Seilbahn – von einem Dachboden in Treptow auf einen Dachboden in Neukölln. Und Egbert? Den holten seine Brüder am 26. Mai 1989 mit zwei Ultraleichtfliegern nach West-Berlin. Auf die Frage, ob sich die Flucht gelohnt habe, antwortete Egbert dem „Spiegel“: „Der Weg in die Freiheit lohnt immer, selbst wenn man sein Leben dafür riskiert.“

FREUDE Harry Deterling und seine Frau Ingrid 1961


Zug in die Freiheit

Auch Lokführer Harry Deterling (damals 28) träumte von Freiheit. Er wusste, dass die Außenstrecke Berlin-Hamburg nicht mehr lange offen bleiben sollte. Und so nutzte er die Fahrt mit Lok 234 am 5.12.1961 für sein eigenes Ziel. Pünktlich um 19.33 Uhr fuhr sein Zug in Oranienburg ab. Doch statt am Endbahnhof zu bremsen, ließ Deterling seinen Heizer Hartmut Lichy eine Extra-Schippe Kohlen nachlegen. Und so brauste die Lok mit 80 Stundenkilometern durch die Grenzbarrikaden. 32 Reisende, darunter Deterlings Frau, seine vier Kinder und weitere Freunde und Verwandte, waren frei. Er war stolz auf seine Flucht, wie alle, die für die Freiheit alles riskierten.


Fotos: Getty Images, Istock (2), mauritius images, picture alliance, Shutterstock