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Die Stallapotheke im Tierarzt-Check: Ist das noch gut-oder muss das weg?


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 26.02.2020

Im Laufe der Jahre sammelt sich bei vielen Pferdebesitzern eine ansehnliche Stallapotheke an. Was darf man weiter verwenden? Was muss entsorgt werden? Und wohin mit abgelaufener Medizin? Wir bringen Ordnung in Ihr Medikamenten-Chaos.


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Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 3/2020

@Dreckige Dosen, angebrochene Tuben: Was ist noch verwendbar?


UNSERE EXPERTEN

Dr. Stephan Lübke

Der Tierarzt mit eigener Praxis in Neunkirchen-Seelscheid hat schon häufig erlebt, dass Pferdebesitzer ihre Tiere in Eigenregie behandeln. Er sagt: „Das ist für viele Tierärzte ein Problem.“ www.tierarzt- praxis-luebke.de

Dr. Christiane Brekle

Die Tierärztin von der Tierklinik ...

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... Karthaus hat für Reiter Revue den Inhalt einer mitgebrachten Stallapotheke beurteilt. Sie findet eine gute Grundausstattung viel sinnvoller als unzählige Medikamente.

Dr. Christiane Brekle warnt davor, unbedarft Medikamente einzusetzen.


Helfen wollen, Geld sparen - die Motive, sein Pferd im Krankheitsfall selbst zu behandeln sind unterschiedlich. Ob mit Augensalbe, Hustenpulver oder Schmerzmittel. Doch was gut gemeint ist, kann fatale Folgen haben.

„Ein Thema, das für Tierärzte vielfach ein Problem darstellt“, bringt es Tierarzt Dr. Stephan Lübke auf den Punkt. Er erinnert sich an einen Fall, als er zu einem hochgradig lahmenden Pferd gerufen wurde. Bei seiner Ankunft musste er feststellen, dass die Besitzerin ihrem Pferd bereits Phenylbutazon verabreicht hatte - ein starker Entzündungshemmer und ein ebenso starkes Schmerzmittel. „Das hatte sie von einer Stallnachbarin bekommen“, schildert Dr. Lübke. Das Problem: Bei der Untersuchung stellte er eine Hufbeinfissur fest. Ein Haarriss also, der - wenn er nicht entsprechend behandelt wird - auch zur schwerwiegenden Fraktur werden kann. Dr. Christiane Brekle von der Tierklinik Karthaus in Dülmen erklärt: „Wenn ein Pferd eine Fissur hat und man ihm Schmerzmittel gibt, lindert das den Schmerz.

Bockt das Pferd dann auf dem Paddock los, weil es keine Schmerzen mehr hat, kann der vorgeschädigte Knochen brechen.“

Gut gemeint

Ähnlich problematisch sieht es mit Augensalben aus. Hat das Pferd ein dickes Auge, findet sich immer jemand, der aus der hintersten Ecke seines Schrankes noch eine Augensalbe ausgräbt, um sie dem Pferd ins Auge zu schmieren. Ein absolutes No-Go! Denn erstens ist Augensalbe nicht gleich Augensalbe. Je nachdem, ob es sich um eine Bindehautentzündung oder um einen Hornhautdefekt handelt, braucht man für die Behandlung einen entsprechenden Wirkstoff. Und zweitens gehören angebrochene Augensalben nach der Behandlung sofort in den Müll. Auf keinen Fall darf man ein und dieselbe Salbe für zwei Pferde benutzen. Dreck oder Bakterien an der Tubenspitze würden bei einem Wiedergebrauch direkt im Auge landen und können dort schwere Entzündungen verursachen. Deshalb sagt Dr. Brekle in aller Deutlichkeit: „Ans Auge darf nur der Tierarzt!“

Im Laufe der Jahre sammelt sich bei den meisten Pferdebesitzern eine eindrucksvolle Ausstattung an - die häufig weit über das hinausgeht, was sich eigentlich in einer Stallapotheke befinden sollte (s. Kasten auf Seite 51). Teils sind Medikamente von vergangenen Behandlungen übriggeblieben, teils hat man sich für alle Fälle etwas im Internet bestellt oder einfach ein Medikament aus der Apotheke geholt, das eigentlich für Menschen gedacht ist. Mit letzterem jedoch trifft der Pferdebesitzer eine Entscheidung, die seine Kompetenzen weit überschreitet. Ein Medikament aus der Humanmedizin für sein Pferd zu verwenden, stellt rechtlich gesehen eine Umwidmung dar (s. Kasten auf Seite 53). Ob ein bestimmtes Medikament, das nicht für Tiere zugelassen ist, in einem bestimmten Fall trotzdem für die Behandlung eines Pferdes geeignet ist, kann nur der Tierarzt entscheiden.

Reiter Revue wollte es genau wissen. Welche Medikamente sind tatsächlich in heimischen Stallapotheken zu finden? Wir haben unsere eigenen Schränke durchforstet und bei Stallkollegen und -freunden nachgefragt. Herausgekommen ist eine gut gefüllte Kiste mit unterschiedlichen Dosen, Tuben und Flaschen. Dr. Christiane Brekle von der Tierklinik Karthaus hat einen Blick hineingeworfen - und sprach deutliche Warnungen aus.

No-Gos im Stall

Sie verweist auf das Arzneimittelgesetz: „Das gilt nicht nur für Tierärzte, sondern für jeden, der Arzneimittel nutzt.“ Viele der von uns mitgebrachten Medikamente haben laut der Tierärztin „in einer Stallapotheke nichts zu suchen“. In unserem Fall waren das: Zugsalbe, ein Schmerzmittel, Augensalben, ein Thermo-Gel mit Capsaicin, antibiotikahaltige Socatyl-Salbe, konzentrierte Kamillenlösung und sogar ein noch originalverpacktes Antibiotikum.

Gerade mit Antibiotika sollte der Pferdebesitzer nie in Eigenregie herumexperimentieren. Die Gefahr, Resistenzen zu erzeugen, ist einfach zu groß. Antibiotika können auch in Salben oder Sprays vorhanden sein, zum Beispiel in Socatyl-Salbe, mit der man Mauke behandelt, oder in einigen Blausprays zur Desinfektion. Unbedenklich in der Stallapotheke sind laut Dr. Brekle jodhaltige Salben, Seifen und Sprays zur Wundversorgung, heparinhaltige Gels, um Prellungen oder Blutergüsse zu behandeln, Rivanol zur Desinfektion, Tonerde für angelaufene Beine und homöopathische Arzneimittel wie Traumeel bei Prellungen und Zerrungen oder Colosan zur Behandlung von leichten Blähungen.


„Das Arzneimittelgesetz gilt nicht nur für Tierärzte, sondern für jeden, der Medikamente nutzt.“


Dr. Christiane Brekle

Wann muss der Tierarzt kommen?

dickes Auge: sofort, spätestens am zweiten Tag ohne Besserung

leichte Lahmheit: nach drei, spätestens nach fünf Tagen ohne Besserung (mit Boxenruhe und Kühlen, kein Schmerzmittel geben!)

Husten: spätestens nach einer Woche ohne Besserung

Diese Angaben sollen der Orientierung dienen. In akuten Fällen, wenn das Pferd starke Schmerzen hat und/oder weitere Symptome zeigt (z.B. Fieber) muss der Tierarzt sofort kommen.

Offiziell werden Medikamente in drei Kategorien unterteilt: freiverkäuflich, apotheken- und verschreibungspflichtig. Freiverkäufliche Medikamente kann der Pferdebesitzer im Fachhandel kaufen oder online bestellen. Apothekenpflichtige Medikamen- te dürfen Tierärzte nicht herausgeben, ohne das Tier vorher untersucht zu haben. Pferdebesitzer können das aber umgehen, indem sie sich solche Medikamente in der Apotheke besorgen - über online-Apotheken sogar ohne Beratung. „Das ist schade, weil es das Konzept des Arzneimittelgesetzes durcheinander bringt“, sagt Christiane Brekle. Verschreibungspflichtige Medikamente hingegen gibt es nur auf Rezept eines Tierarztes.

Doch nicht nur selbst bestellte Medikamente sind ein Problem. Bleiben vom Tierarzt verschriebene Medikamente nach der Behandlung übrig, ist der Gedanke verlockend, das Medikament aufzubewahren und einfach beim nächsten Mal erneut zu verwenden oder auch mal einem Stallkollegen damit auszuhelfen. Grundsätzlich hat Dr. Brekle nichts dagegen, wenn Pferdebesitzer noch haltbare Medikamente aufbewahren. Allerdings mit einer Einschränkung: „Bevor man ein Medikament erneut verwendet, sollte man das mit dem Tierarzt absprechen.“

Nicht ins Klo kippen

Die Betonung liegt dabei auf „noch haltbar“. Auch viele unserer mitgebrachten Medikamente hatte bereits das Zeitliche gesegnet - sprich: Sie waren längst abgelaufen und somit nicht mehr zu benutzen. Womit wir beim nächsten Thema wären: abgelaufene Medikamente richtig entsorgen. „Auf keinen Fall einfach in den Abfluss kippen oder in der Toilette runterspülen“, mahnt Dr. Lübke. Denn die Kläranlagen können nicht alle Wirkstoffe der Medikamente aus dem Wasser herausfiltern. So können diese ins Ökosystem gelangen. Eine große Belastung für die Umwelt. Wie Medikamente richtig entsorgt werden, hängt davon ab, was mit dem Müll passiert. Geht dieser in die Verbrennung, gehören Medikamente einfach in den Restmüll. Apotheken nehmen Medikamente teilweise auf freiwilliger Basis zur Entsorgung an. Wie die Entsorgung von Medikamenten in Ihrer Region geregelt ist, erfahren Sie auf der Webseite arzneimittelentsorgung. de. Wenn man Antibiotika oder andere starke Medikamente entsorgen möchte, sollte man diese erst kurz vor Abholung des Mülls in die Mülltonne werfen, damit sie niemand wieder herausfischt.

Ist das noch gut?

Zunächst stellt sich aber die Frage: Ist das noch gut oder muss das weg? Die Antwort verrät das Haltbarkeitsdatum eines Medikaments, das sich grundsätzlich auf die noch verschlossene Packung bezieht. Das Haltbarkeitsdatum steht auf dem Etikett und auf dem Karton, in dem das Medikament verpackt ist. Die sogenannte Anbruchstabilität, also wie lange ein Medikament nach Anbruch noch haltbar ist, steht gesondert in der Packungsbeilage. Daher sollte man bestenfalls auf dem Karton notieren, wann man ein Medikament zum ersten Mal geöffnet hat. Ist das Datum auf dem Medikament oder die Anbruchstabilität überschritten, gehört es in den Müll. Der Hersteller kann dann nicht mehr für Wirksamkeit und Unbedenklichkeit garantieren.

Dr. Lübke rät, Medikamente immer mit Beipackzettel in der jeweiligen Schachtel zu lagern - auch um die Anwendungshinweise noch einmal nachlesen zu können. Medikamente lagern am besten trocken und bei Raumtemperatur, also zwischen 18 und 25 Grad Celsius. Bei extremer Hitze oder Kälte kann es passieren, dass die Wirkstoffe sich auflösen und das Medikament nicht mehr wirkt, obwohl es noch haltbar ist. Wurmkuren kann man nach dem Anbruch etwa drei Monate im Kühlschrank lagern.

Symptome behandeln

Manche Medikamente sind nur kurz haltbar. Eine fertig gekaufte Rivanollösung zum Beispiel nur drei Monate nach Anbruch. Selbst angemischte Rivanollösungen aus Tabletten oder Pulver sind sogar nur 24 Stunde nach dem Anmischen haltbar. Dazu gibt Dr. Brekle einen weiteren nützlichen Tipp: „Pulver löst sich deutlich besser auf als Tabletten und in warmem Wasser schneller als in kaltem.“ Behandeln Pferdebesitzer ihre Tiere selbst, besteht das größte Problem darin, wenn die Behandlung ohne Diagnose stattfindet und nur ein Symptom behandelt wird. „Ein Pilz ist beispielsweise gar nicht so leicht zu diagnostizieren“, klärt Dr. Brekle auf. „Es könnten auch Milben oder Haarlinge sein. Das sollte man erst einmal abklären lassen.“ Und selbst wenn der Pferdebesitzer mit seiner Eigendiagnose richtig liegt, ist ein Fungizid aus der Apotheke, das eigentlich für Fußpilz beim Menschen gedacht ist, nicht die richtige Wahl. „Das gehört nicht in die Stallapotheke“, sagt Christiane Brekle. „Es gibt extra für Pferde zugelassene Pilzmittel.“


„Das Fieberthermometer ist ein super Diagnostikum, das jeder bedienen kann. Und jeder kann schnell eine Aussage treffen, wie es dem Pferd geht.“


Dr. Christiane Brekle

Nicht umsonst werden an Arzneimittel strenge Anforderungen gestellt. Ihre Wirkungen und Nebenwirkungen müssen für eine Spezies geklärt sein. Nur dann werden sie auch als Arzneimittel zugelassen - aber eben ausdrücklich für Menschen, Pferde oder andere Tierarten.

Auch Husten ist nicht gleich Husten. Wer pauschal Sputolysin, also den Wirkstoff Dembrexin, einsetzt, ist auf dem Holzweg - auch wenn es online schnell bestellt ist. Es handelt sich dabei nämlich um einen reinen Schleimlöser. Für Dr. Lübke ist bei Husten zunächst viel entscheidender, ob das Pferd auch Fieber hat. Eine Frage, die jeder Pferdebesitzer mit einem Fieberthermometer selbst beantworten kann. Für Christiane Brekle „ein super Diagnostikum, das jeder bedienen kann. Und jeder kann eine Aussage treffen, wie es dem Pferd geht.“ Fieber ist immer ein Grund, den Tierarzt zu rufen, denn: „Es könnte sich um eine virale Infektion handeln, von der auch die Pferde in den Nachbarboxen betroffen sein können“, gibt Stephan Lübke zu bedenken. Husten kann aber auch auf eine Allergie oder eine Belastung der Atemwege durch Staub hinweisen (siehe dazu auch Praxis Kompakt Seite 73). Hier wäre es deutlich effektiver, die Haltungsbedingungen oder die Fütterung des Pferdes zu verändern, statt einen Schleimlöser zu verabreichen. Dr. Lübke klärt auf: „Husten ist ein positives Symptom.“ Er warnt ausdrücklich davor, Medikamente zu verwenden, die den Hustenreiz stillen. „Dann bleibt der Dreck in der Lunge und kann zur Dämpfigkeit führen“, beschreibt er die drastischen Folgen.

Ehrenwerte Absicht

Auch eine Schwellung am Bein vorschnell als Prellung einzustufen, kann fatale Folgen haben. Handelt es sich stattdessen um einen Einschuss, kann eine Behandlung mit heparinhaltigen Gels gehörig nach hinten losgehen. Bei der sogenannten Phlegmone handelt es sich nämlich um eine bakterielle Unterhautentzündung als Folge von winzig kleinen Verletzungen, die schnell zuwachsen und Bakterien einschließen. Heparin jedoch entspannt das Gewebe. Bei einem Einschuss am Unterarm kann es passieren, dass das Gewebe auf das Röhrbein sackt und somit das gesamte Bein infiziert. Solche Fälle seien zwar selten, aber denkbar, sagt Dr. Lübke und rät beim Einschuss zur Tonerde-Packung.

Am besten sei es, eine Schwellung zunächst mit einem verknappten Wasserstrahl zu massieren. „Mindestens 15 Minuten“, sagt Dr. Lübke. „Das kühlt, regt die Durchblutung an und trägt dreckiges Gewebe ab.“ Generell müssen Wunden immer sauber sein, bevor Salben zur Anwendung kommen.

In den meisten Fällen wollen Pferdebesitzer ihrem Tier ja nur helfen, wenn sie es selbst behandeln. „Diese Absicht ist ehrenwert“, findet Dr. Lübke. Aber Medikamente sollte dennoch mit Bedacht eingesetzt werden. Eine Übersicht der bekanntesten Medikamente mit ihren Wirkstoffen, Anwendungsgebieten und weiteren wissenswerten Fakten finden Sie auf den folgenden Seiten. Werfen Sie doch mal einen Blick in Ihre Stallapotheke.

Was gehört in die Stallapotheke?

→ Fieberthermometer
→ Einweg-Handschuhe
→ Verbandsmaterial (Mullbinden, Mullwatte, sterile Auflagen, selbsthaftende Binden, elastische Binden)
→ Panzertape (für einen Hufverband)
→ Desinfektionsmittel/Wundversorgung (Jodlösung, -seife, -spray und -salbe, Wundsprays, Zinksalbe)
→ Heparin-Gel (Tensolvet oder Compagel bei Prellungen)
→ Tonerde (bei geschwollenen Beinen oder Einschuss)
→ Taschenlampe (um sich das Auge anzuschauen oder im Dunkeln Wunden zu erkennen)
→ Stethoskop (hilfreich, aber kein Muss)
→ Maulkorb (um bei einer Kolik eine weitere Futteraufnahme zu verhindern)
→ Oberlippenbremse
→ Gummibänder (um eine starke Blutung kurzzeitig abbinden zu können)
→ Notfall-Telefonnummern von Tierarzt und Hufschmied

Schlachtpferd oder Nicht-Schlachtpferd?

Pferde sind eigentlich lebensmittelliefernde Tiere. Der Besitzer kann sein Pferd aber als Nicht-Schlachtpferd eintragen lassen. Das macht der Tierarzt, indem er den neuen Status des Pferdes in dessen Pass einträgt. Auch der Besitzer muss das unterschreiben. Dem Tierarzt stehen für die Behandlung eines Nicht-Schlachtpferdes mehr Medikamente zur Verfügung. Rivanol darf zum Beispiel nicht bei lebensmittelliefernden Tieren eingesetzt werden. Außerdem muss bei einem Schlachttier ein Anwendungs- und Abgabebeleg erstellt und fünf Jahre aufbewahrt werden. Der Status „Nicht-Schlachtpferd“ kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Umwidmung Darf man ein Pferd mit Medikamenten für Menschen behandeln?

Genaugenommen nicht. Das stellt nämlich eine Umwidmung dar. Die Entscheidung, ein solches Medikament trotzdem für die Behandlung eines Pferdes einzusetzen, darf nur ein Tierarzt treffen. Und das auch nur, wenn es kein für Pferde zugelassenes Medikament mit ähnlicher Wirkung gibt. Medikamente aus dem Humanbereich dürfen Tierärzte nur einsetzen, wenn es keine für andere Tierarten zugelassenen, vergleichbaren Medikamente gibt.


FOTO: PRIVAT

FOTO: RRI