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Die Südsee von nebenan


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fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 14.10.2022

Leserreise Dänemark

Artikelbild für den Artikel "Die Südsee von nebenan" aus der Ausgabe 110/2022 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 110/2022

Traumstrand auf Ærø Die dänische Insel liegt Deutschland ganz nah. Der Strand grenzt unmittelbar an den zauberhaften Ort Ærøskøbing

Zu früh gefreut! Eigentlich war ich sehr zufriedenmit meiner Landung auf der holprigen Graspiste von Ærø (EKAE). Aber nach 50 Metern kommt ein Buckel und haut die Cirrus wieder in die Luft. Wenigstens sehe ich nachher, dass es den anderen Maschinen unserer Gruppe kein bisschen anders geht. Eine ordentliche Prise Buschfliegen ist dabei, wenn man sich auf die Inseln der Dänischen Südsee begibt – so heißt diese Gegend tatsächlich. Schon im Anflug haben wir gesehen: zu recht, denn die Ostsee schimmert im flachen Wasser in allen Schattierungen von Blau und Türkis, das Ufer ist gesäumt von Sandstränden.

Dänemark – das klingt als Ziel für eine fliegermagazin Leserreise für manchen fast ein bisschen langweilig. Marokko, Nordkap oder Griechenland: So etwas haben wir sonst oft im Angebot. Dänemark dagegen liegt ja direkt vor der Haustür, kann man eigentlich auch allein machen. Doch am ...

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... Ende sind sich die 20 Reisenden, die sich mit ihren elf Flugzeugen im August in unsere Obhut begeben haben, doch einig: Es waren viele überraschende und vor allem schöne Eindrücke dabei – und auch fliegerisch mussten wir trotz sehr kurzer Tagesetappen etliche Herausforderungen zu meistern.

Ein Airport of Entry ist für die erste Landung Pflicht

Los geht die Reise am Flughafen Hamburg. Der ist für kleine Flugzeuge so freundlich, wie es ein internationaler Airport nur sein könnte. Die Lotsen machen mit großer Hilfsbereitschaft alles möglich, was man an Sightseeing-Runden über Alster oder Elbphilharmonie drehen möchte. Das Personal am Geschäftsfliegerzentrum, wie das GAT in Hamburg heißt, freut sich über die große Gruppe, die zeitweilig sogar ein wenig Parkplatz-Knappheit aufkommen lässt. Und gleich neben dem GAT ist das Café Himmelsschreiber der ideale Treffpunkt für unser Auftakt-Briefing.

Irgendwer hat vergessen, der dänischen Luftfahrtbehörde mitzuteilen, dass das Land seit vielen Jahren Schengen-Unterzeichner ist. Und so findet sich in der AIP immer noch die Vorschrift, dass beim Einflug zuerst einer der vorgegebenen Airports of Entry anzufliegen ist. Zwar wird diese Vorgabe von vielen deutschen Piloten regelmäßig ignoriert, aber mit einer so großen Gruppe wollen wir uns dran halten.

Die Entscheidung fällt auf Maribo (EKMB). Die bequeme Asphaltbahn liegt auf Lolland, gleich die erste Insel hinter Fehmarn. Hier kann man sich gleich an die dänischen Gepflogenheiten gewöhnen: Wenn der Flugleiter Dienst hat, dann antwortet er auch im Funk und nimmt Landegebühr und Tankgeld entgegen. Wenn nicht, ist der Platz selbstverständlich immer noch geöffnet – dann funken die Piloten unter sich, gezahlt wird die Landung per aeroPS-App, der Sprit mit der AirBP-Tankkarte.

Infos & Tipps

Auch wenn Zoll- und Grenzkontrolle bei Flügen nach Dänemark entfallen, ist ein Flugplan und die Nutzung der in der AIP angegebenen Airports of Entry vorgeschrieben. Dort wartet manchmal doch die Polizei zur Ausweiskontrolle. Flugleiter sind in Dänemark unüblich.

Wir empfehlen die Inseln Ærø (EKAE), Samsø (EKSS), Vejrø (EKVO) und Endelave (EKEL) für einen Besuch in der dänischen Inselwelt. Überall kann man am Platz Fahrräder mieten, in Samsø mit vorheriger Absprache. Die Avgas-Verfügbarkeit in Maribo (EKMB) oder Ærø sollte man vorher telefonisch prüfen.

Für Kopenhagen ist Roskilde (EKRK) der Platz der Allgemeinen Luftfahrt. Von dort geht es mit dem Taxi zum Bahnhof, dann per Regionalzug an den Hauptbahnhof. Unbedingt die Lärmschutzzonen um EKRK beachten!

Das private Öko-Resort eines dänischen Bankers

Einen Flugplan möchte Dänemark bei grenzüberschreitenden Flügen auch sehen – aber das ist heutzutage dank Internet ja nun wirklich kein Problem mehr. Der Langener FIS-Lotse fragt neugierig nach, was es denn mit dieser Menge Flugzeug mit identischem Routing auf sich hat. »Ah, fliegermagazin, alles klar«, sagt er und hilft uns freundlich weiter.

Ganz ohne Grund steht die Vorschrift dann doch nicht in der AIP: Vier Polizisten warten in Maribo auf uns. Einer kontrolliert Personalausweise, die anderen trinken Kaffee mit dem Flugleiter. Gut, dass wir uns an die Regeln gehalten haben! Danach machen wir den kleinen Zehn-Minuten-Hüpfer nach Vejrø (EKVO).

Über diese zauberhafte Insel mit ihrer 550 Meter langen Bahn haben wir ja schon oft geschwärmt. Sie ist im Besitz des dänischen Bankiers Kim Fournais, der hier eine Art Öko-Resort aufgebaut hat. Auf nicht mal zwei Kilometer Länge gibt es eine Landebahn, einen kleinen Hafen, einige sehr schöne Hotelzimmer und zwei oder drei Ferienhäuser sowie ein ausgezeichnetes Restaurant. Es bedient sich aus der ökologischen Landwirtschaft auf der Insel. Sowohl ein Tagesausf lug als auch eine Übernachtung lohnen sehr. Die Landegebühr ist mit 50 Euro erheblich, allerdings ist das der logistische Aufwand zur Erhaltung der Piste auch. Ob die Gebühr mit dem geplanten Verzehr oder den Hotelkosten entfällt, sollte man vorab telefonisch klären. Ohnehin empfiehlt sich ein Anruf, da dass Restaurant nicht immer geöffnet ist.

Wieder gibt es für Deutsche ungewohnte Freiheit: Gefunkt wird ganz ohne Mensch am Boden auf der dänischen Air-to-air-Frequenz 129.800 MHz. Problemlos koordinieren wir unsere Anflüge. Geparkt wird dicht gedrängt am Rand, direkt am Meer. Die Graspiste ist etwas ausgedörrt, aber ansonsten problemlos. Sie wird sich als die ebenste der Reise erweisen.

Wir sind im August an der Ostsee, Hochsaison, bestes Wetter. Also nichts wie rein ins Wasser, und dann auf einen Erkundungs-Spaziergang rund um die Insel. Es ist wirklich idyllisch hier, am Wegesrand reife Brombeeren. Die finden sich auch abends im Restaurant auf dem Teller. Die Küche auf Vejrø ist besonders, ebenso wie die gesamte Stimmung auf der Insel.

Die Drohnenflieger geben auf

Der direkte Weg zu unserem nächsten Ziel Ærø wäre nur zehn Minuten lang. Doch wir wollen uns die Brücke über den Großen Belt ansehen, und danach die vielen kleinen Inseln zwischen Ærø und Fünen, die als Dänische Südsee bezeichnet werden. Allerdings haben wir eine kleine Herausforderung: Eine flache Wolkenschicht liegt so in etwa 1200 Fuß über dem Meer. Zugleich wurde über den Inseln, die wir überfliegen möchten, ein Sperrgebiet bis in 1000 Fuß eingerichtet. Offenbar wird hier die Versorgung der Inseln mit Drohnen erprobt. Auf unseren Reisen durch Europa stellen wir übrigens immer wieder fest, dass die Zahl solcher Drohnensperrgebiete erheblich und schnell zunimmt.

In Kontakt mit den sehr freundlichen Lotsen von Kopenhagen Informationen macht sich die Flotte in exakt 1100 Fuß auf den Weg über das Sperrgebiet. Die Lotsin ermahnt die ersten Flugzeuge mehrfach, nicht zu sinken – macht auch keiner. Dennoch verlieren die Drohnenpiloten offenbar die Nerven. Beim sechsten Flugzeug meldet FIS: »Das Sperrgebiet ist aufgehoben, Sie können die Höhe frei wählen.«

Das Ehepaar, das den Flugplatz Ærø (EKAE) betreibt, ist schon seit Jahrzehnten hier mit einem kleinen Rundflugbetrieb ansässig. Eigentlich ist auf Ærø kein Flugleiter vorgesehen. Aber wenn Deutsche im Anflug und die beiden vor Ort sind, greifen sie doch zum Mikro. »Die erwarten das einfach und kommen sonst nicht so richtig klar«, erklären sie schmunzelnd.

Mit einem der Leihfahrräder am Platz käme man jetzt gut in einen der beiden Ærøskøbing oder Marstal – für ersteren muss man sich einen Schleichweg zeigen lassen. Als Gruppe haben wir einen Bus bestellt. Ærøskøbing mit seinen Fachwerkhäuschen ist unbedingt sehenswert, außerdem beginnt gleich hinter dem Sportboothafen eine langgestreckte Bucht mit Traumstrand (siehe Seite 34).

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Die Leserreisen 2022 werden unterstützt von Garmin. Die Navigations-App Garmin Pilot bietet alle Funktionen für Vorbereitung, Flugplanaufgabe und -durchführung bei VFRsowie IFR-Flügen – und integriert sich mit geeigneter Einbau-Avionik. Die im Artikel erwähnten Drohnen-Sperrgebiete waren dank der Möglichkeit, NOTAMs grafisch in der Moving Map darzustellen, gut zu erkennen.

Wir haben eine Schraube locker

Am nächsten Morgen hat sich das Wetter deutlich verschlechtert.Esregnetabundzu,wirwarteneinwenig,bi s sich die Wolken heben. Dann schleichen wir im Tiefflug übers Meer Richtung Samsø (EKSS). Schade, aber der eigentlich geplante Kurzbesuch auf Endelave (EKEL) muss ausfallen – in die Richtung ist es noch schlechter. Die Piste in Samsø ist ein kleines bisschen besser als die in Ærø, aber den Hügel, der einem die Landung vermiest, gibt es auch hier.

Die Inseln Dänemarks bekommt man eben nur mit ein bisschen Buschflieger-Flair. Peter, einer unserer Teilnehmer, musste sogar auf sein Flugzeug verzichten: Mit der Diamond DA62 wären einige der Pisten einfach zu kurz gewesen. Er hat sich eine Aquila gemietet, die hat keine Probleme. Wohl aber die Cirrus-Flugzeuge der Gruppe: Die Radverkleidungen des Hauptfahrwerks werden außen von einer Sechskant-Schraube gehalten. Auf Asphalt passiert nichts, aber auf Gras wackelt die sich zu gerne lose und geht dann irgendwann sogar komplett verloren. Zwei Maschinen brauchen allein auf dieser Reise Ersatz – die erfahrenen Eigner haben Schrauben im Gepäck. Merke: Zur Vorf lugkontrolle einer Cirrus gehört, den festen Sitz dieser zwei Schrauben zu prüfen.

Zwei rote Holzhütten stehen am Parkplatz – mit großspuriger Aufschrift: »Samsø International Terminal 1« und »Samsø International Terminal 2«. Am Terminal 1 finden wir die vorab bestellten E-Bikes. Zum Mittagessen geht nichts über eine Tour zum leckeren Räucherfisch beim etwa vier Kilometer entfernten Langør Smokehouse. Für die Übernachtung haben wir uns das vor kurzem in neuem Besitz eröffnete, etwas abgelegene Samsø Badehotel ausgesucht – und sind von einer liebevollen Einrichtung und dem tollen Abendessen begeistert.

Schon wieder geht es am nächsten Morgen mit Schietwetter los. Erneut kommen wir nur im Tiefflug nach Seeland, der dänischen Hauptstadtinsel. Dort hebt die Wolkendecke an, auch wenn es leicht regnet. Im Anflug auf unser Ziel Roskilde (EKRK) sind die auf der Karte markierten lärmempfindlichen Gebiete unbedingt zu beachten – hier haben wir in früheren Jahren tatsächlich schon Ärger mit der Umweltbehörde bekommen.

Der Traumstrand liegt gleich hinter dem Spor tboothafen

Roskilde ist der Flugplatz der Allgemeinen Luftfahrt für Kopenhagen (siehe Kasten Seite 39), auch wenn die Autofahrt in die Stadt fast eine Stunde dauert. Unser Tipp: Der Marktstand von Hallernes Smørrebrød in den Markthallen Torvehallerne und ein Spaziergang durch das trendige Viertel Nyhavn. Uns hat dort das Hotel Nyhavn 71 sehr gut gefallen.

Zum Abschied fliegen wir mit Freigabe die in der VFR-Anflugkarte von Kopenhagen (EKCH) angegebene Transition Route. Sie führt mitten über die Stadt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Sogar die kleine Meerjungfrau können wir gerade eben ausmachen. Dänemark hat eben viel zu bieten!

ÜBER WASSER

Rettungswesten sind bei Flügen außerhalb der Gleitreichweite zum Land ohnehin vorgeschrieben; sie sollten angelegt werden. Wir empfehlen zusätzlich pro Flugzeug einen tragbaren Notsender, also ein Personal Locator Beacon (PLB).