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DIE TUN WAS! Und BILD der FRAU ist dabei: Warum er ein echtes Glücksschwein ist


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 31.01.2020
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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 6/2020

Köpfchen unter Wasser, Rüssel in die Höh: So ein Turopolje-Eber ist ein ausgezeichneter Schwimmer


Einmaliges Artenschutz-Projekt

Fröhlich grunzend wühlt sich das Ferkel durchs Stroh, bis nur noch das rosa Ringelschwänzchen zu sehen ist. Der Kleine ist ein Rotbunter Husumer, zwei Wochen alt und im Schweineglück. Ein paar Meter weiter in der Teenagerstube jagt ein Angler Sattelschwein seinen Bruder: Der hat ihm doch glatt das Brötchen gemopst! Allein elf verschiedene Schweinerassen aus Deutschland und Europa leben im Tierpark „Arche Warder“, Europas größtem Tierpark für alte Haus- und Nutztierrassen. Alle ...

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... Tiere hier haben Schwein gehabt: Sie leben artgerecht. Ohne die Arche hätten diese quiek-lebendigen, seltenen Borstentiere kaum eine Chance auf Überleben. Für die industrielle Landwirtschaft sind sie nämlich nicht „effizient“ genug. BILD der FRAU fragte Prof. Dr. Dr. Kai Frölich, Tierarzt und Direktor der „Arche Warder“.

BILD der FRAU: Warum verschwinden die alten Rassen?

Prof. Frölich: Die industrielle Landwirtschaft braucht Tiere, die so schnell wie möglich und so viel wie möglich liefern. Milch oder Fleisch zum Beispiel, das dann entsprechend billig ist. Dafür hat sie in den letzten 60 Jahren einige wenige, sogenannte Hochleistungsrassen herangezüchtet. Warum ist das problematisch? Mit dieser industriellen Haltung bringen wir die Tiere an ihre körperlichen Grenzen: Ein Hochleistungsschwein nimmt heute ein Kilo pro Tag zu, vor 30 Jahren waren es noch ungefähr 500 Gramm. Es wird meist nach spätestens sechs Monaten geschlachtet, alte Rassen erst nach zwölf bis 18 Monaten.

Flotte Sau: Fast wäre das Borsten- Baby Pflegerin Nora entwischt


Aber Ihre Tiere sind robuster als die aus der Landwirtschaftsfabrik?

Ja. Hochleistungstiere haben im Durchschnitt ein schlechteres Immunsystem, brauchen spezielles Futter und Medikamente. Außerdem können sie sich schlechter anpassen, falls sich zum Beispiel das Klima ändern sollte. Dann brauchen wir dringend die alten Rassen, um auf bestimmte genetische Ressourcen zurückgreifen zu können. Sterben sie aus, ist ihr Erbgut verloren.

■ Um wen geht’s?

Um ganz besondere Schweine, Puten und Kühe, die in der „Arche Warder“ leben.

■ Das Problem?

Diese alten Nutztierrassen sterben aus. Sie werden von „Hochleistungsrassen“ verdrängt, die in Rekordzeit möglichst viel Fleisch oder Milch liefern müssen.

■ Die Hoffnung

Dass wir wieder öfter die Sau rauslassen! Artenvielfalt statt Massentierhaltung …

Das schwarz gefleckte Turopolje- Schweinchen ahnt von seinem kostbaren Erbgut nichts. Es ist gerade mal vier Wochen alt und 20 Zentimeter hoch, aber Tierpflegerin Nora Peiker hat trotzdem alle Mühe das Borsten-Baby einzufangen. Auf kurzen Beinchen fegt es über die Wiese, quiekt und schimpft dabei. Dann bekommt Nora es doch zu fassen: „Der Kleine hat einen Infekt und braucht eine Antibiotika- Spritze“, erklärt sie. „Unsere Tierärztin behandelt aber immer nur das kranke Tier. In der industriellen Haltung sind oft alle Tiere prophylaktisch auf Antibiotika.“

Bronzepute: Auch seltene Geflügel-Arten finden in der „Arche“ ein Zuhause


Perfektes Schweineglück: Unter freiem Himmel, mit viel Platz und noch mehr Matsch!


Mmmhhh … da liegt Futter in der Luft! Eine Gruppe Rotbunte Husumer, Schwedische Linderöd und Angler Sattelschweine können ihr Fressen schon schnuppern (l.). Auch die „Blonden Wollschweine“ (u.) rüsseln aufgeregt rum

Angesichts des großen Leids in der Massentierhaltung: Was können wir tun?

Prof. Frölich: Umdenken! Lernen, welche fatalen Konsequenzen billiges Fleisch hat. Und dann ist die Kalkulation eigentlich ganz einfach: Man zahlt für Fleisch den doppelten Preis, isst aber nur noch halb so viel – und tut so was für die Nachhaltigkeit und die eigene Gesundheit.

Und die Politik?

Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen! Der Druck auf die Landwirte, billig zu produzieren, ist riesig. Mit so wenig Geld vernünftige Lebensmittel herzustellen,ist fast unmöglich. Eine Lösung wären zum Beispiel gerechte Subven tionen für Landwirte, die eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft betreiben.

Im Tierpark-Paradies „Arche Warder“ tönt weiter zufriedenes Grunzen über die Koppeln. Die großen und kleinen Schweine suhlen sich im Matsch, kümmern sich liebevoll um ihren frechen Nachwuchs. Und natürlich wühlen sie mit ihren Rüsseln die Erde um, das liebste Hobby eines jeden Schweins. Sie lassen ganz einfach die Sau raus. Es liegt auch an uns, dass ihnen das in Zukunft so viele Nutztiere wie möglich nachmachen dürfen.

WELTworte


Wir geben den Schweinen, was sie brauchen. Und das ist vor allem, ihren Rüssel in der Erde haben zu können.


„Arche“-Direktor Prof. Kai Frölich

Sind wir WELTklasse?

Was wir gelernt haben

■ Wir arbeiten dran. Vor allem, nachdem Reporterin Cécile erlebte, wie neugierig, schlau und liebenswert Schweine sind: „Jedes einzelne war eine richtige Persönlichkeit auf vier Beinen“, erzählte sie begeistert nach ihrem Besuch in der „Arche Warder“. Ein Grund mehr, noch bewusster zu essen. Prof. Frölich: „Fleisch am besten regional, beim Schlachter oder direkt vom Bauernhof kaufen. Wenn im Supermarkt, dann auf Siegel wie z. B. „Neuland“ oder „Demeter“ achten.“ Nehmen wir uns zu Herzen. Ehrenwort, kleines Schweinchen!

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Lockengänse: Auch sie kommen ursprünglich aus Ungarn


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WELT weit Schöne Schweinerei!

Gras unter den Hufen, frische Luft am Rüssel: DAS ist ein Schweineleben


6500 Nutztierrassen sind bei der Weltgesundheitsorganisation re- gistriert, 740 davon schon ausgestorben.

In Deutschland sind über 70 Prozent der Nutztierrassen gefährdet.

75 Prozent der weltweit erzeugten Lebensmittel basieren auf zwölf Pflanzen- und nur fünf Tierarten!

Neun von zehn Schweinen sind sogenannte Hybridschweine, gezüchtet für die Bedingungen der Massentierhaltung. Um den Kotelett-Anteil zu erhöhen haben sie zum Beispiel bis zu 17 Rippen – ein normales Wildschwein hat 13.

35,8 Kilo Schweinefleisch isst jeder Deutsche jährlich. Gefolgt von Geflügel (20,9 Kilo) und Rind (14,6 Kilo).

WELTklasse

■ Um was geht’s?

Die Berge an Shampooflaschen, Duschgel-Behältern und Creme- Tiegeln, die leer im Müll landen.

■ Das Problem:

18,7 Tonnen Verpackungsabfall* fielen allein 2017 in Deutschland an – 79 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

■ Die Lösung:

Clevere Ideen der Beauty- Industrie wie recycelbare Flaschen, kompostierbare Tuben …

Nachhaltig neu: Zahnpastatube und Cremespender


Beauty-Riesen drücken für die Umwelt auf die Tube

… und tüfteln an nachhaltigen Verpackungen: Gerade gab Colgate-Palmolive bekannt, die erste komplett recycelbare Zahnpasta-Tube auf den Markt zu bringen. Gar nicht so leicht, denn herkömmliche Tuben bestehen aus verschiedenen Kunststoffen und einer Alu-Beschichtung – diesen Materialmix wieder zu trennen und zu recyceln ist kaum möglich. Fünf Jahre haben die Ingenieure des Unternehmens an einer wieder verwertbaren Lösung getüftelt, die es jetzt ab 1. März als „Smile for Good“ (2,49 Euro) zu kaufen gibt.

Und die Zahnpasta, die übrigens auch aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht, bekommt noch dieses Jahr nachhaltige Gesellschaft im Regal: Beauty-Riese L’Oréal entwickelt zurzeit zusammen mit dem Verpackungsexperten Albéa eine kartonbasierte Kosmetiktube. Die ersten Cremes, die sich in diese umweltschonende Weltneuheit hüllen dürfen, werden die der Marke Garnier sein – und sollen noch 2020 in den Handel kommen. Schön grün!

WELTerfolg

Das macht uns diese Woche froh

Royaler Preis

■ Prinz William ruft einen Umweltpreis ins Leben: den mit mehreren Millionen Pfund dotierten „Earthshot Prize“. Bis 2030 sollen jedes Jahr fünf Gewinner ausgezeichnet werden, die Lösungen für Umwelt- und Klimaprobleme finden. Der Duke of Cambridge: „Menschen können Großes erreichen! Und wir stehen vor einem Jahrzehnt des Wandels, wenn wir unsere Erde reparieren wollen.“

Königlicher Umsatz

■ Das erste Recycling- Kaufhaus der Welt (BILD der FRAU war 2017 vor Ort) schreibt schwarze Zahlen! Das „ReTuna“ in der schwedischen Stadt Eskilstuna, das auf zwei Etagen ausschließlich wiederaufbereitete Möbel, Kleidung, Spielsachen und Elektroprodukte anbietet, machte 2018 rund 1,1 Millionen Euro Umsatz. Erstklassiger Erfolg aus zweiter Hand!

*Statistik des Umweltbundesamts (UBA)

WELTende? Noch lange nicht! Nächste Woche geht es hier richtig lecker mit Winter-Gemüse weiter


Fotos: Ulrike Schacht (9), Lisa Iwohn/Arche Warder, Arche Warder PR

Fotos: Lisa Iwon/Arche Warder, Karin Costanzo, PR (2)