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Die Vier-Tore-Wehr Feuerwehr Neubrandenburg


Feuerwehr Fachjournal - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.06.2019
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Bildquelle: Feuerwehr Fachjournal, Ausgabe 3/2019

Im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte befindet sich die Stadt Neubrandenburg. Mit etwa 65.000 Einwohnern und einer Größe von 86 km² ist sie die Kreisstadt des größten Landkreises Deutschlands, der Mecklenburgischen Seenplatte. Als drittgrößte Stadt ihres Bundeslandes ist sie Wirtschaftsstandort für rund 3700 Unternehmen. Bedeutende Wirtschaftszweige sind der Anlagen- und Maschinenbau, Hochtechnologie, Logistik, Gesundheitswirtschaft, IT und Dienstleistungen. Einige Firmen davon sind Global Player, welche auf die Schlagfertigkeit ihrer Feuerwehr in der Stadt der vier Tore angewiesen sind. Die ...

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... Hochschulstadt liegt am Tollensesee. Der See gehört zum Urlaubsgebiet rund um die Stadt und ist damit Teil der sehenswerten Tourismuslandschaft dieser Region. Damit lassen sich die vielfältigen Einsatzbereiche der Feuerwehr Neubrandenburg schon erahnen.

Feuerwehr Neubrandenburg - eine lange Geschichte

In ihrer Geschichte wurde die Stadt Neubrandenburg mehrfach durch Großbrände zerstört. Infolgedessen versuchten die Einwohner und der Stadtrat Regelungen zur Minderung der Brandgefahr durchzusetzen. Bereits 1562 wurde festgelegt, dass Feuerwachen und Löschgeräte organisiert werden müssen. Der Bürger hatte die Pflicht zum Löschdienst. Im Laufe der Jahre modernisierte sich die Technik für die Brandbekämpfung, und im Jahre 1866 gründete sich aus einem Männerturnverein letztendlich die Freiwillige Feuerwehr der Vier-Tore-Stadt. Neben dieser entwickelte sich 1945 die Berufsfeuerwehr mit einem gemeinsamen Gerätehaus. Noch heute befindet sich die FF Innenstadt mit der Berufsfeuerwehr auf einem gemeinsamen Gelände. Die im Jahre 1967 gebildete FF Oststadt befindet sich rund 3 km entfernt im Osten der Stadt.

Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr Neubrandenburg

Die Berufsfeuerwehr beschäftigt mit Stichtag 31.12.2018 104 Beamte und Mitarbeiter. 7 Beamte des gehobenen feuerwehrtechnischen Dienstes sind im Tagesdienst in den Sachgebieten Vorbeugender Brandschutz, Technik, Einsatz mit dem Bereich Aus- und Fortbildung tätig und stellen den Einsatzführungsdienst sicher. 81 Beamte sind in 3 Wachabteilungen aufgeteilt, welche abwechselnd den abwehrenden Brandschutz und die Technischen Hilfeleistungen im 24 Stunden- Dienst sicherstellen.
Ein hauptamtlicher Notarzt und eine Leiterin Rettungswache sichern den Dienstbetrieb der Rettungswache ab. Weitere Mitarbeiter sind in den Werkstätten und im Verwaltungsdienst tätig. In der Ausbildung sowohl für den mittleren als auch für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst befinden sich 10 Beamte. Täglich besetzen 14 Kollegen der BF zuzüglich Einsatzführungsdienst den Löschzug – weitere 3 Beamte und ein Notarzt besetzen einen RTW und ein NEF.

Einsätze der Feuerwehr im vergangenen Jahr

Die Feuerwehr Neubrandenburg wurde im Jahr 2018 zu 335 Bränden und zu 751 technischen Hilfeleistungen alarmiert. Insgesamt 240 Menschen wurden gerettet, 28 Personen konnten leider nur noch tot geborgen werden. Im Bereich Rettungsdienst wurden die Berufsfeuerwehr zu knapp 6460 Notfalleinsätzen alarmiert, davon 2900 mal der Notarzt mit dem NEF. Insgesamt 65 Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich in der FF Oststadt. Davon sind 46 Kameraden im aktiven Dienst, 16 in der Jugendfeuerwehr und 3 in der Ehrenabteilung. Als Sonderaufgabe betreibt die FF Oststadt zusätzlich die CBRN-Erkundungseinheit und die Dekontaminationskomponente der CBRN-Einheit Mecklenburg- Strelitz.

Freiwillige Feuerwehr Innenstadt Neubrandenburg

Bei der FF Innenstadt sind derzeit insgesamt 92 Mitglieder zu verzeichnen. Davon sind 16 Jugendliche, 58 im aktiven Dienst und 18 in der Ehrenabteilung. Die FF Innenstadt übernimmt zusätzliche Sonderaufgaben im Bereich der Wassergefahren und als technischer Trupp in der technischen Einsatzleitung zur Unterstützung im Katastrophenfall.

Einsatz heißt: Organisation und Vorbereitung ist (fast) alles

Die Feuerwehr Neubrandenburg als Einheit aus Berufsfeuerwehr und den zwei freiwilligen Feuerwehren bildet die Grundlage für den abwehrenden Brandschutz im Stadtgebiet und auch oft darüber hinaus. Mit den Kollegen der Berufsfeuerwehr sowie Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren werden die technische Gefahrenabwehr und der Brandschutz sichergestellt. Unterstützt wird dieses durch die enge Zusammenarbeit zwischen Einsatz- sowie das zusammenhängende Sachgebiet Aus- und Fortbildung, in der ein Sachbearbeiter und ein Sachgebietsleiter Einsatzdienst die Belange der beruflichen und freiwilligen Feuerwehr gleichermaßen berücksichtigen und in das Einsatzgeschehen einfließen lassen. Einsätze sind nur aufgrund dieser engen Zusammenarbeit abzuarbeiten. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle den ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden.

Teilgebiet Aus- und Fortbildung bündelt Ressourcen

Von der verschlossenen Tür bis hin zum kritischen Wohnungsbrand kann eine breite Palette an Leistungen für die Bürger der Stadt und ihre Sicherheit erbracht werden. Natürlich gehört auch eine gute Organisation für den eben genannten Ernstfall dazu. Im Teilgebiet Aus- und Fortbildung werden daher Ressourcen gebündelt, um für die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Kräfte stets die bestmögliche Versorgung mit Wissen und Bekleidung sicherzustellen.
Darüber hinaus bildet die Feuerwehr Neubrandenburg jährlich bedarfsgerecht neue Brandmeister und Notfallsanitäter aus. Die 18-monatige Ausbildung umfasst den Grundlehrgang, der mit allen Brandmeisteranwärtern aus Mecklenburg-Vorpommern in Rostock stattfindet sowie den Rettungssanitäterlehrgang und mehrere Monate Praktikum in allen Wachabteilungen. Die abschließende Ausbildung findet gemeinsam an der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz in Malchow statt.
Einen besonderen Stellenwert bei der Feuerwehr Neubrandenburg hat der Sport. Mehrfach wurden Kollegen international ausgezeichnet und nehmen auch noch heute regelmäßig an nationalen und internationalen Wettkämpfen z. B. Toughest Firefighter Alive und Treppenläufen teil. Dies hat auch eine ansteckende Wirkung auf andere Kollegen, die sich täglich körperlich fit halten, um im Einsatz nicht so schnell an ihre Belastungsgrenze zu kommen.

Dem Feuer wird das Handwerk gelegt

Noch weit bevor der abwehrende Brandschutz tätig werden muss, wird vorgebeugt, so auch in Neubrandenburg. Die drei Kollegen des vorbeugenden Brandschutzes setzen alles daran, dass es gar nicht erst zum Ernstfall kommt. Neubrandenburg verfügt über ein beachtliches Aufkommen an Veranstaltungen im Jahr, welche auch von der Feuerwehr hinter den Kulissen begleitet werden. Es wird zu Brandschutzkonzepten Stellung bezogen, die Brandsicherheitswachen koordiniert und in Zusammenarbeit mit den Wachabteilungen.der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Feuerwehren sichergestellt. Von Abnahmen zum baulichen Brandschutz in Kooperation mit dem Bauordnungsamt bis hin zu Brandverhütungsschauen und der Einsatzvorbereitung mit Löschwasserplanung und Pflege der Feuerwehrpläne wird hier Einiges geleistet, damit im Alarmfall für die Feuerwehr Neubrandenburg gute Bedingungen vorliegen, um die vier Schutzziele des Brandschutzes auch gewährleisten zu können. Dabei können die Kollegen aus ihrer reichhaltigen Erfahrung schöpfen, um Neubrandenburg ein Stückchen sicherer zu machen.

Technik als Hilfsmittel der Feuerwehr

Das Sachgebiet Technik besteht aus zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, die von den Geräte- und Atemschutzgerätewarten der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren sowie den Schirrmeistern der Wachabteilungen unterstützt werden. Sie haben nicht nur mit der Wartung und Instandhaltung von Geräten zu tun. Hier beschäftigt man sich auch mit Atem- und Strahlenschutz. Auch wird dafür gesorgt, dass der Feuerwehr die Sonderlöschmittel nicht ausgehen und alle Kraftfahrzeuge gut geölt sind und in Schuss bleiben. Wie bei der Feuerwehr üblich, werden auch in einem bestimmten Rhythmus neue Fahrzeuge beschafft. Dazu gehört für die Planung bis zur Ausschreibung und schlussendlichen Abnahme vor Ort nicht nur Zeit, sondern eine Menge Fachwissen. Dabei versucht die Feuerwehr Neubrandenburg stets auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Geplant ist zum Beispiel die Anschaffung eines Wechselladerfahrzeuges, welches zukünftig mehrere multifunktionale Abrollbehälter zur Einsatzstelle verbringen und abladen kann und damit ein noch vielseitigeres Werkzeug für den Einsatzleiter bietet, um die verschiedensten Einsätze abarbeiten zu können. Erst im letzten Jahr wurde eine neue Atemschutzübungsanlage eingeweiht, die natürlich auch von den umliegenden Wehren fleißig genutzt wird. Sie wird in Kooperation mit dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte betrieben, ergänzt und unterstützt die Aus- und Fortbildung Atemschutz der FTZ des Landkreises.

Der Rettungsdienst als Kerngeschäft

Der Rettungsdienst ist ein wesentlicher Bestandteil der Feuerwehr Neubrandenburg. Alle Beamten der Berufsfeuerwehr haben eine rettungsdienstliche Ausbildung – mindestens als Rettungssanitäter. Rund 40 % der Einsatzbeamten sind Rettungsassistent oder Notfallsanitäter. Sie besetzen im 12-Stunden-Rhythmus einen RTW bzw. neben dem Notarzt das NEF. Organisatorisch wird die Rettungswache durch die Leiterin Rettungswache und einem Oberarzt geleitet. Im Fuhrpark des Rettungsdienstes steht außerdem ein weiterer RTW als Reserve sowie ein NEF für den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst und den Leitenden Notarzt.
Neuerungen gibt es auch im Bereich Rettungsdienst. Hier wird die Arbeit wesentlich vereinfacht durch die mit dem Programm „pulsation“ neu beschafften Tablets zur Aufnahme von Patientendaten und Protokollen. Die Feuerwehr Neubrandenburg als Lehrrettungswache engagiert sich zusätzlich für die Auszubildenden im Rettungsdienst. Dabei geben die Praxisanleiter ihr Fachwissen sowohl an eigene Auszubildende als auch an externe Praktikanten von anderen Organisationen weiter, wie z. B. der Bundeswehr und frischen weiterhin die eigenen Kenntnisse wöchentlich in Fortbildungen auf.


„Schwarzer Freitag“ in Neubrandenburg


Eine der letzten Großschadenslagen ist als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte der Feuerwehr Neubrandenburg eingegangen. Am 10. Juni 2016 erlebte Neubrandenburg eine Reihe von Bränden, die den Einsatz von Feuerwehren aus dem gesamten Umland und von zwei CBRN-Zügen des Landkreises erforderlich machten.
Gegen 7:20 Uhr wurde der Löschzug der BF zum BMA-Alarm zu einer Rohrfertigungsfirma in einem nördlich am Rande der Stadt gelegenen Gewerbegebiet alarmiert. Schon bei der Anfahrt war eine starke Rauchentwicklung sichtbar, so dass der Einsatzleiter noch vor Eintreffen die beiden Freiwilligen Feuerwehren der Stadt nachalarmierte. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle informierte ein Mitarbeiter die Feuerwehr über den Brand einer Rohrfertigungsmaschine angrenzend zu Gefahrgütern. Sofort wurden weitere Informationen über den Stoff „Methylethylketonperoxid“ beschafft sowie der ABC-Erkundungskraftwagen und der Gerätewagen Gefahrgut nachalarmiert. Die Einsatzkräfte begannen mit der Brandbekämpfung, welche gegen 07:56 Uhr abgeschlossen war. Weitere notwendige Maßnahmen von Festlegen der Absperrbereiche, Erkundung, Abstimmung mit Fachberatern, Abschaltung von Anlagen, Anforderung Betreuungszug und Energieversorger erfolgten noch während der Brandbekämpfung.

INFO Methylethylketonperoxid

Methylethylketonperoxid ist eine farblose, brennbare Flüssigkeit, die Dichte liegt bei 1,10, Flammpunkt ab 75°C. Der Stoff wirkt stark ätzend auf Haut und Schleimhäute. Verwendung findet Methylethylketonperoxid zur Kalthärtung von Polyesterharzen.
>> kein Vollstrahl, nur Sprühstrahl aus größtmöglicher Entfernung
>> Bei Leckagen keine Holzkeile verwenden und nicht in die Kanalisation gelangen lassen.

Methylethylketonperoxid kontaminiert Löschwasser

Kurz nach Eintreffen des Einsatzführungsdienstes und der Freiwilligen Feuerwehr wurde eine Notdekontamination für die Kräfte der Brandbekämpfung eingerichtet. Allmählich entwickelte sich diese Situation zu einem Gefahrstoffeinsatz. Alle notwendigen Maßnahmen wurden getroffen, um das kontaminierte Löschwasser aufzunehmen. Durch die Gemeinschaft TUIS (Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem erhielt der Einsatzleiter telefonische Beratung (Stufe I). TUIS bestätigte, dass die Aufnahme des kontaminierten Löschwassers mithilfe von Ölbindemittel erfolgen kann. Gegen 09:30 Uhr begannen die Kräfte mit dem CBRN-Einsatz. Unter CSA nahmen die eingesetzten Kräfte das kontaminierte Löschwasser im Kellerbereich auf. Mit den Stadtwerken und dem Klärwerk der Stadt Neubrandenburg stand die Einsatzleitung im ständigen Kontakt. Das weitere Vorgehen und mögliche Gefahren werden mit der TUIS telefonisch besprochen. Gegen 11 Uhr traf der alarmierte Verpflegungszug des DRK ein. An der Einsatzstelle wurden weitere CSA-Anzüge benötigt, welche über die Feuerwehrtechnische Zentrale abgefragt wurden. Außerdem wurde neben dem CBRN II-Zug des Landkreises eine weitere Wachschicht der BF Neubrandenburg aus der Freizeit alarmiert, welche ab ca. 13 Uhr die Einsatzstelle übernahm. Bis etwa 21 Uhr wurden insgesamt 3 Paletten Ölbindemittel sowie eine Palette Sand zum Binden der kontaminierten Flüssigkeit unter CSA in den Kellerbereich eingebracht.

Leitstelle erhält Notruf zu weiterem Brand

Um 08:55 Uhr erhielt die Leitstelle einen Notruf über einen weiteren Brand, diesmal in der Innenstadt Neubrandenburgs. Es brannte die Fassade eines Hochhauses, mit einem Übertritt in eine Wohnung im Erdgeschoss ist zu rechnen. Es wurden ein Löschfahrzeug und ein Einsatzführungsdienst aus dem bestehenden Einsatz ausgelöst und die Freiwillige Feuerwehr aus der ca. 10 km entfernten Nachbargemeinde Burg Stargard alarmiert. Es brannte illegal entsorgter Sperrmüll. Das Feuer griff auf die Fassadendämmung über und drohte über ein Fenster (die Scheibe war schon gesprungen) in eine Wohnung im Erdgeschoss überzugreifen. Die Kräfte konnten das Feuer schnell unter Kontrolle bringen und ein Übergreifen auf die Wohnung verhindern.

Weiterer Einsatz: Restkräfte und Freischichten alarmiert

Um 15:17 Uhr löste die Brandmeldeanlage einer Entsorgungsfirma im Gewerbegebiet Hellfeld, nördlich der Stadt aus, nur knapp 100 m von der Einsatzstelle entfernt, in der zu diesem Zeitpunkt immer noch Kräfte und Mittel der Feuerwehren der Stadt sich im Einsatz befinden. Für die alarmierten und gebundenen Einsatzkräfte war anhand der erheblichen Rauchentwicklung schnell ersichtlich, dass es sich dabei nicht um einen Fehlalarm handelte. Schon auf der Anfahrt wurde das Alarmstichwort auf „Feuer groß 4. Alarm“ erhöht und alle Restkräfte und Freischichten der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Feuerwehren aus Neubrandenburg sowie die Freiwillige Feuerwehr Altentreptow alarmiert. Vorsorglich wurde auch der CBRN I–Zug des Landkreises angefordert, da sich auf dem Gelände des Entsorgungsunternehmens auch mehrere Gefahrstoffbereiche befinden. Bei dem Brandobjekt handelte es sich um eine Lagerhalle (60 x 20 m), bestehend aus 3 Bereichen, die als Zwischenlager für Gefahrstoffe genutzt wurde. Im Bereich 1 (20 x 20 m, hofseitig offen) wurden Altölprodukte gelagert und Ölschlämme in Ölabscheidern über mehrere Etagen aufbereitet, welche mit dem Außensilo (Marmorwasserkalkhydrat) verbunden sind. Im Bereich 2 (30 x 10 m, hofseitig offen) wurden ätzende Stoffe, Säuren und Laugen gelagert. Im Bereich 3 (10 x 20 m, geschlossen) befand sich ein Lager für hochentzündliche Stoffe. In diesem Bereich war eine ortsfeste CO2-Löschanlage installiert. Beim Eintreffen der ersten Kräfte ergab sich folgende Lage: Der Bereich 1 stand in Vollbrand und war teileingestürzt. Zudem gab es mehrere Explosionen. Daraufhin wurden die Freiwilligen Feuerwehren Brunn und Neverin und der Betreuungszug des DRK alarmiert und eine Warnung an die Bevölkerung heraus gegeben. Im Verlaufe des Einsatzes wurden 5 Einsatzabschnitte gebildet: EA1 Brandbekämpfung, EA2 Wasserversorgung, EA3 Bereitstellungsraum, EA4 Versorgung und Bereitstellung AGT und EA5 CBRN. Die Brandbekämpfung war nach ca. 2 Stunden abgeschlossen. Dabei gelang es den eingesetzten Kräften die Bereiche 2 und 3 so zu schützen, dass das Feuer aus Bereich 1 nicht übergriff und in den Bereichen 2 und 3 kein Schaden entstanden ist. Nach Abschluss der Brandbekämpfung begann für die Kameraden des CBRN I–Zuges vorsorglich mit der Kontrolle des Bereiches 2.

Höhenrettung


32 Atemschutzgeräte für Einsatz benötigt

Ein Dekontaminationsplatz wurde eingerichtet. Die noch zusätzlich nachgeforderten CSA-Träger der FF Ivenack und weitere Kameraden kontrollierten die Einsatzstelle gründlich auf Leckagen oder besonders hohe Wärmebeaufschlagungen auf die Behälter und Fässer im Gefahrenbereich. Gegen 19:30 Uhr war der Einsatz beendet und die Kräfte an der Einsatzstelle konnten mit dem Rückbau beginnen. Bei diesem Einsatz brannten ca. 25 t Feststoffe aus Altölen, 60 t Ölschlämme, 7 t Filterkuchen und 8 t Bilgenwasser. Insgesamt wurden 32 Atemschutzgeräte gebraucht. Zum Einsatz kamen 7 C- und 3 B-Rohre sowie 2 Monitore, die mit ca. 1600 m verlegtem Schlauchmaterial versorgt wurden. Dabei wurden ca. 300.000 l Wasser abgegeben. Dieser Einsatz beanspruchte die acht eingesetzten Feuerwehren und zusätzlich hinzugezogenen Kräfte der CBRN-Züge und die des Betreuungszuges. Abschließend wurden die Einsätze des Tages mit den beteiligten Kräften ausgewertet und für zukünftige Einsätze Schlüsse gezogen, denn im normalen Leben, wie auch im Einsatzleben gilt der Satz: „Man lernt nie aus.“

Einsatz: Blitzschlag


Tag war noch nicht zu Ende: Brand in Kleingartenanlage

Allerdings war mit diesen Einsätzen der Tag noch nicht zu Ende. Um 23:29 Uhr wurde die Berufsfeuerwehr zu einem Brand mehrerer Gartenlauben in eine Kleingartenanlage im Neubrandenburger Westviertel alarmiert und um 05:52 Uhr zu einem Brand in einer Gaststätte in der Neubrandenburger Oststadt.