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DIE VOLLKOMMENHEIT DER BILDER


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Multimania - epaper ⋅ Ausgabe 87/2022 vom 22.06.2022

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Bildquelle: Multimania, Ausgabe 87/2022

In BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCH-TER zeigen Sie nicht nur das China der Daye-Ära, sondern auch Figuren aus anderen Kulturkreisen wie den Turkvölkern. Wie haben Sie sich auf die Darstellung so unterschiedlicher Kulturen aus diesem Ausschnitt der Zeitgeschichte vorbereitet?

Die Hauptfigur in BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER ist ein in den Wüstengebieten der westlichen Regionen herumstreifender Geleitschützer und Kopfgeldjäger. Das Umfeld, in dem er sich bewegt, ist ein Gebiet, in dem viele Völker und Kulturen miteinander Verschmelzungen eingegangen sind. Eine leitende Stellung kommt dabei der Kultur der Gök-Türken zu. Im 6. Jahrhundert n. Chr. begann der Aufstieg der Gök-Türken, sie lösten die Vorherrschaft der Rouran ab und wurden zu den neuen Herrschern der Steppe. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht beherrschten sie ein weites Gebiet, das vom Schwarzen Meer bis in die Innere Mongolei reichte. ...

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... Daher befinden sich auch die fünf barbarischstämmigen Handelsfamilien in unserer Geschichte im Einflussradius, den die gök-türkische Kultur ausstrahlte – das betrifft etwa die Sprache, die Religion und die Mode.

Ich habe mir ganz am Anfang ein Buch herausgesucht, nämlich die chinesische Ausgabe des „Wörterbuchs der Turksprachen“. Dieses Buch wurde im 11. Jahrhundert vom Gelehrten Mehmud Queshqiri verfasst. Darin sind viele gök-türkische Gedichte, Sprichwörter und Sinnsprüche aus dem Altertum enthalten. Dadurch wird es dem Leser ermöglicht, ein sehr anschauliches Verständnis von der Gestalt der gök-türkischen Kultur zu erhalten, einen Einblick in die kulturellen, sprachlichen und emotionalen Ausdrucksweisen dieser Ethnie zu erlangen. Dieses Buch hat mich sehr inspiriert. Beispielsweise habe ich für den Moment, als Heyi Xuan stirbt, eine antike gök-türkische Volksballade eingefügt, die genau aus diesem Buch stammt. „Was mich gefangen nimmt, ist dieses Paar bezaubernder Augen“ – als ich zum ersten Mal diese Volksballade las, empfand ich eine tiefe Melancholie und leidenschaftliche Gefühle. Ich habe auch nicht unter großen Mühen versucht, die Ballade irgendwie einzubauen, sie hat sich ganz natürlich in die Gefühlswelt der Hauptfigur eingefügt. Ich denke, wenn ich „Das Wörterbuch der Turk-Sprachen“ nicht gelesen hätte, wären das Temperament und das Schicksal der Ayuya auch anders herausgekommen als jetzt.

Dabei haben wir auch Hinweise auf die Einflüsse der indischen Kultur erkannt.

Referenzen auf die indische Kultur habe ich nicht so viele gesetzt. Wenn ich auf Elemente des Buddhismus zu sprechen komme, dann deshalb, weil die Sui-Dynastie stark vom Buddhismus geprägt war. Zum Beispiel lautete der Kosename, den der Sui-Kaisers Wendi als Kind trug, Narayan, was im Sanskrit „Vajra“ (ein Schutzgeist im Buddhismus) bedeutet. Der Kaiser bekundete auch vielmals öffentlich, dem Buddhismus eng verbunden zu sein. Daher erhielt der Buddhismus quasi den Status einer Staatsreligion. Wenn man deshalb die geschichtlichen Hintergründe dieser Epoche schildern will, kommt man zwangsläufig nicht am Buddhismus vorbei.

Es gibt hier sehr viel einschlägiges Quellenmaterial, etwa die Wandmalereien von Duanhuang, die Geschichte der Lehre von den drei Stufen (sanjiejiao). Außer in Büchern findet man viel Informationsmaterial dazu auch im Internet, mit genügend Geduld und Einsatz kann man es aufstöbern. Wenn man im allgemeinen Internet nicht fündig wird, kann man auch auf akademischen Plattformen nach einschlägigen wissenschaftlichen Abhandlungen suchen. Während des Schaffensprozesses an dem Manhua bin ich gleichzeitig ständig damit beschäftigt, die Quellen zu studieren, um sicherzustellen, dass die Begriffe, dich ich verwende, möglichst zutreffend sind.

Neben den bereits angesprochenen westlichen Einflüssen scheint Ihre Erzählung auch zumindest mittelbar beeinflusst durch das chinesische Großwerk “Die Reise nach Westen (西遊記)”, und da vor allem die Pilgerfahrt der Hauptfiguren. Können Sie weitere Einflüsse aus der chinesischen Literatur für Ihr Werk beschreiben?

Als ich als Kind „Shuihu Zhuan“ (Anm. d. Übers.: einer der vier berühmten klassischen Romane Chinas, wörtlich „Die Wasserufergeschichte“, im deutschen Sprachraum bekannter unter dem Titel „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“) las, passierte es oft, dass ich Figuren für die Hauptfigur hielt, bevor diese unerwartet im nächsten Kapitel zu Nebenfiguren wurden. Eine Vielzahl von Heldengestalten treten darin auf, bis am Ende ihre Schicksale ineinander zusammenlaufen, wobei eine Geschichte grenzenloser Weite konstruiert wird, die die Leser zutiefst aufwühlt.

Später ist mir erst durch die enorme Popularität von „Das Lied von Eis und Feuer“ bewusst geworden, dass es sich bei „Shuihu Zhuan“ wohl um die früheste Form einer Erzählung mit personalen Erzählperspektiven (POV) handelt. Ich besitze eine Vorliebe für die in Kapiteln und Unterkapiteln strukturierte Form klassischer chinesischer Romane, deshalb habe ich BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER in einige große Überkapitel (Akte) gegliedert, in denen die Standpunkte von vielen verschiedenen Figuren geschildert werden, und nicht einfach nur die Abenteuer einer einzigen Hauptfigur auf ihrer Reise. Vielleicht kann dies als eine Hommage an den klassischen in Kapitel und Unterkapitel gegliederten chinesischen Roman angesehen werden.

Unter den sagenhaften Kurzromanen der Tang-Dynastie gibt es den Qiuran Kezhuan („Die Erzählung vom Gast mit lockigem Bart“). Dieser gilt als frühester Vertreter eines Romans des Wuxia-Genres (Anm. d. Übers.: Wuxia: edle Ritter, die in Kampfkünsten bewandert sind und für Gerechtigkeit kämpfen). Dieser Roman ist in der Sui-Dynastie angesiedelt. Ich habe das zwar nicht sehr gründlich recherchiert, aber dieser Zufall hat mich dazu gebracht, über die Ursprünge des Genres Wuxia nachzudenken. Ich habe noch nie moderne Wuxia-Romane gelesen, deshalb bin ich wohl nicht so sehr an starre Genrekonventionen gebunden. Aber ich bin sehr stark von Wuxia-Filmen aus Hongkong beeinflusst worden und ich habe auch sehr viele Kurzromane der Tang-Dynastie gelesen, die um sagenhafte Helden ranken.

Nun denn, ob es der Reihe BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHRER gelingen wird, die Elemente des klassischen Wuxia-Romans weiterzuführen und dabei der Geschichte einen ganz neuen Kern zu verleihen? Vielleicht wird dieser Kern nicht mit der Sichtweise auf das Wuxia-Genre übereinstimmen, die dem Blickwinkel traditioneller chinesischer Gelehrten entspricht. Das ist die Herausforderung, vor der ich stehe, und ich glaube nicht, dass ich darauf eine Antwort wissen werde, bevor ich die Reihe abgeschlossen habe.

BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER ist ein Werk, das in der weit zurückliegenden Vergangenheit des Landes spielt. Inwiefern ist der Manhua aber auch ein Spiegelbild des heutigen China oder der heutigen Gesellschaft?

Ich glaube, dass sich die menschliche Natur im langen Strom der Geschichte nicht grundlegend verändert, egal um welchen Kulturkreis oder welche Epoche es sich dabei handelt, das ist allgemeingültig. Wir sollten nicht irgendein Problem an einem bestimmten Land oder einer bestimmten Gesellschaft festmachen. Schließlich handelt es sich bei allen Erzählungen um die gemeinsamen Narrative der menschlichen Schicksalsgemeinschaft. Gegenüber einer gleichen Erzählung teilen die Menschen identische Empfindungen.

Die Beziehung zwischen Daoma und seinem Sohn Xiaoqi ist ein liebevoller Kontrast zu dem eher harten Umgangston der anderen Figuren. Gibt es für diese Beziehung Vorbilder, die Sie dazu inspiriert haben?

Mein Vater war ein strenger Vater im traditionellen Sinne, und er setzte hohe Erwartungen in mich. Er war ein sehr fähiger Wasserbauingenieur, aber aufgrund der Zeitepoche, in der er erwachsen wurde, gab es sehr viel in seinem Leben, was er bedauerte. Deshalb hoffte er darauf, dass aus mir ein besserer Mensch werden würde. Während meiner rebellischen Adoleszenz kam es zu vielen Konflikten zwischen mir und meinem Vater. Wenn ich mich einmal schlecht benahm, so wurde ich geschlagen. Und da ich mich fast immer schlecht benahm, wurde ich ständig geschlagen. Das hat auch meinem Vater das Herz gebrochen. Ein furchterregendes Wesen, das einem gewaltigen Felsbrocken ähnelt – diese Assoziation rief bei mir der Begriff „Vater“ hervor. Deshalb habe ich mich, als ich aufwuchs, in meinem Unterbewusstsein danach gesehnt, einen sanftmütigen Vater zu haben, der mein Freund hätte werden können. Ich meine, dass sich in der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Daoma und Xiaoqi diese Sehnsucht widerspiegelt.

Dass ich meinem Vater Kummer bereitet habe, war für mich schwer zu ertragen. Deshalb wollte ich mich ihm gegenüber immer beweisen, nachdem ich das Erwachsenenalter erreicht hatte. Aber die ganze Zeit habe ich nie seinem Wunsch entsprochen, eine stabile Arbeitsstelle zu finden. Ich habe mein Studium abgebrochen und mich daraufhin als literarischer Übersetzer betätigt. Während ich also als selbständiger Freiberufler meinen Lebensunterhalt verdient habe, habe ich gleichzeitig mit den Vorbereitungen für mein Comic-Schaffen begonnen. Mit dem Fortschreiten der Zeit hat auch mein Vater schließlich begonnen, meine Wahl zu billigen. Die chinesischen Schriftzeichen im chinesischen Reihentitel BIAOREN hat mein Vater für mich ausgewählt, es war gleichzeitig ein Zeichen der Aussöhnung zwischen meinem Vater und mir. Jetzt, da mein Vater bereits verstorben ist, vermisse ich ihn sehr. Ich denke, dass die gefühlsmäßige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die ich selbst erlebt habe, zwar völlig anders ist als die Vater-Sohn-Beziehung der Figuren, die ich in meinem Werk entwerfe, aber im Grunde genommen vereint sie dieselbe Essenz: eine grenzenlose Liebe füreinander.

Die ersten in Deutschland veröffentlichten Bände versprechen eine epische Geschichte. Haben Sie bereits einen Plan für das Ende?

Erst wenn ich dem Ende der Geschichte immer näher komme, werde ich mir über die wahre Gestalt der Geschichte im Klaren sein. Also habe ich mir über den Ausgang der Geschichte im Grunde noch keine Gedanken gemacht. Aber hier liegt gerade die Anziehungskraft der Geschichte. Selbst der Autor weiß nicht, welches Schicksal seine Figuren am Ende erwartet. Dieses starke Gefühl der Unsicherheit verleiht der Geschichte Lebenskraft. Diese wächst bis zum Schluss, wodurch ein vollständiges, abgerundetes Werk entstanden ist.

BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER ist Ihr erster Manhua. Wie bereiteten Sie sich auf die Gestaltung der Handlung und der Zeichnungen vor?

Künstler, die aus der bildenden Kunst kommen, legen alle viel Wert auf die Feinheit und Vollkommenheit der Bilder. Aber ich bin kein Künstler, also ist mir das nicht so wichtig. Ich bin der Meinung, dass es ausreichend ist, wenn es mir gelingt, die von mir beabsichtigte Ausdruckskraft und Gefühlsstimmungen auszudrücken. Obwohl ich das jetzt so gesagt habe, bin ich trotzdem darauf erpicht, jedes Bildpanel so gut wie möglich zu zeichnen.

Am wichtigsten sind mir die Abfolge der Bildeinstellungen und das Drehbuch, das Arrangement der Bilder und die allgemeine Wirkung der Dialoge der Figuren auf die Leser. Ich feile immer wieder daran herum und führe Korrekturen aus, bis der Leserhythmus flüssig ist und die dargestellten Emotionen natürlich wirken. Während des Schaffensprozesses habe ich die Angewohnheit, nicht im Voraus ein Drehbuch zu erstellen, sondern direkt bei der Festlegung der Bildabfolgen im Storyboard die Dialoge und Auftritte der Figuren fertigzustellen. Zu diesem Zeitpunkt entwickelt sich der Plot der Geschichte im Einklang mit dem Rhythmus der Abfolge der Bildeinstellungen, wodurch über die Richtung des Voranschreitens der Handlung entschieden wird. Deshalb nimmt im Schaffensprozess die Erstellung des Storyboards die meiste Zeit und Energie in Anspruch. Der Prozess des Zeichnens am Ende dient nur noch seiner Vollendung. Während dem künstlerischen Schaffen höre ich mir den Originalsoundtrack von Filmen an, die ähnliche Stimmungen vermitteln wie der Plot im Manhua, an dem ich zeichne.

Neben den Filmen von Johnnie To sind Sie auch von den drei Teilen von “Der Pate” und den Gangsterfilmen von Martin Scorsese beeinflusst. Gibt es für Sie ein konkretes cineastisches Initiationserlebnis aus der Kindheit oder Jugend, an welches Sie bei der Arbeit an BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER zurückgedacht haben?

Meine ersten Initiationserlebnisse mit dem Film gehen auf die 90er Jahre zurück. Das war noch in der Ära des VHS-Videos. Ich mochte Filme des Wuxia-Genres (Anm. der Übers.: in diesem Genre geht es um fahrende, in Kampfkünsten bewanderte Ritter, die für Gerechtigkeit kämpfen) und lärmige Actionfilme aus Hongkong. Ich meine, dass das Vergnügen, das ich aus dem Genuss von Filmen ziehen kann, auf jene Zeit zurückgeht. Zu nennen wären da beispielsweise die Wuxia-Filme der Shaw Brothers, die Actionfilme von Jackie Chan und Jet Li, und ich habe damals auch meine Liebe zu Tsui Hark entdeckt.

In meinem ersten Studienjahr an der Universität, als ich viel Zeit totzuschlagen hatte, begann ich zum ersten Mal, richtig mit der Filmgeschichte in Berührung zu kommen. In der Universitätsbibliothek gab es einen Saal zum Anschauen von Filmen, der einem multimedialen Klassenzimmer ähnelte. Vor jedem Tisch gab es einen Bildschirm und Kopfhörer, die mit einem DVD-Abspielgerät verknüpft waren. Man musste sich nur einen Bibliotheksausweis besorgen, und dann konnte man sehr viele Filme schauen. Damals habe ich zum ersten Mal Filme wie „Der Pate“, „Taxi Driver“ und „Goodfellas“ gesehen, außerdem noch südkoreanische Filme wie etwa „Oldboy“ von Park Chan-wook oder „Memories Of Murder“ von Bong Joon-ho. Als ich „Der Pate“ zum ersten Mal sah, schaute ich ihn mir zweimal hintereinander an und war wirklich erstaunt, wie ein Film eine so große Energie und Wucht entfalten konnte, dass ich mich tagelang darin versinken konnte. Dieses Gefühl war so wie in meiner Kindheit, als ich zum ersten Mal „Dragonball“ gelesen und dabei meine Liebe zu japanischen Mangas entdeckt habe. Johnnie To hat mich am tiefgreifendsten beeinflusst. Jedes Mal, wenn ich Figuren in einer stehenden Position zeichnete, kam mir dabei die Positur der Schauspieler in Filmen wie „The Mission“ oder „Exiled“ in den Sinn.

Hauptfigur Daoma scheint vor allem ein Draufgänger zu sein, den nichts so schnell umhaut, und damit Garant für einen großen Actionstar. Wen würden Sie gern als Schauspieler oder Sprecher sehen, der die Figur in einer Verfilmung/ Animation von BIAOREN – DIE KLINGEN DER WÄCHTER verkörpern könnte?

Für die äußere Erscheinung von Daoma habe ich mich ursprünglich am Hongkonger Schauspieler Tony Leung Ka-Fai orientiert. Ich mag seine Gesichtszüge sehr, sie sind sehr maskulin. Ich habe noch einige charakteristische Gesichtszüge einfließen lassen, die den Männern im Nordwesten Chinas eigen sind. Die gemalte Figur, die dabei herausgekommen ist, ähnelt Tony Leung Ka-Fai nicht mehr sehr. Für eine Adaption mit realen Schauspielern habe ich keine besonderen Vorstellungen oder Anforderungen. Das sind alles Fragestellungen, über die die ausführenden Produzenten bei der Filmproduktion nachdenken müssen. Es genügt, wenn die Schauspieler ausreichend Professionalität und Engagement mitbringen.

Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, darzustellen, dass Daoma ein Meister seines Faches ist, der schwierigen Aufgaben gewachsen ist und der über eine seelische Stärke verfügt. Mir kam es einfach nur darauf an, Daoma so zu porträtieren, wie er mir vor meinem geistigen Auge in meiner Vorstellung vorschwebt.

Vielen Dank für das Gespräch!

DAS INTERVIEW FÜHRTE OLIVER MOISICH.