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DIE WÄCHTER DES WALDES


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National Geographic Traveler - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.06.2022
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Bildquelle: National Geographic Traveler, Ausgabe 3/2022

Mit etwas Glück kann man auf einer Gorilla-Wanderung die sanften Riesen aus nächster Nähe sehen.

Die Wellen schwellen an, dann stürzt die Flut über Felsen hinab. Wasserstrahlen schießen aus allen Ritzen, vor Wut schäumend und tosend, und hüllen die ganze Region in weißen Dunst. Die Murchison Falls in Uganda, die sich über einen Steilhang an der nördlichsten Spitze vom Großen Afrikanischen Grabenbruch ergießen, sind turbulente Zeiten gewohnt. Dieser gewaltige Engpass im Nil hat bereits Brücken verschlungen und leichte Flugzeuge vom Kurs abgebracht, und er ist nur knapp einer Talsperre entgangen. Der Wasserfall ist ein Hexenkessel der Kontroverse, in dem Meinungsverschiedenheiten kochen, und heute scheint die Stimmung düsterer als in der Hölle. Schreckhafte Schmetterlinge flattern über die Brandung, und Regenbogen schaffen es nicht, ihre Biegung zu vollenden, während die Stromschnelle alles auffrisst, was ihr in den Weg kommt.

Starke Regenfälle haben die Wasserstände ansteigen lassen, aber es ...

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... könnte noch mehr Gründe für das Grollen geben, meint mein Führer George, als wir zu einem nahe gelegenen Aussichtspunkt wandern. Termitenhügel glitzern und Quarzitfelsen glänzen wie Juwelen. Doch es sind andere Reichtümer, die zurzeit die Zukunft von Ugandas ältestem Naturschutzgebiet und größtem Nationalpark bestimmen. „Öl ist wie ein Fluch“, beschwert sich George, als wir den Gipfel erreichen. Der Entscheidung, in Murchison Falls nach dem schwarzen Gold zu bohren und eine Pipeline nach Tansania zu verlegen, begegnet man in Uganda mit gemischten Gefühlen. Das Land ist reich an Naturschätzen, aber wirtschaftlich arm. Der französische Ölkonzern TotalEnergies hat zwar versprochen, die Umweltbelastung zu minimieren, doch Lodge-Besitzer, Fremdenführer und Naturschützer bleiben skeptisch.

Das zeigt, wie viel Wert Uganda auf seine Naturschauplätze legt. Schon früher wurde das Land für seine Umweltschutzbemühungen gelobt. Hinter den Kulissen der zehn Nationalparks und zahlreichen Reservate arbeiten viele Menschen hart daran, sie zu schützen. Während ich die Gegend von der Straße und dem Fluss aus erkunde, treffe ich auf einen wertvollen Garten Eden: Wasserwege quellen fast über vor Krokodilen und Flusspferden, das Schleichen von Schuhschnäbeln lässt Papyrushalme zucken, und seltene Rothschild-Giraffen schreiten über ausgedehnte Savannen und Hügel.

Zusammen mit der Uganda Wildlife Authority (UWA) arbeitet die NGO Uganda Conservation Foundation daran, dieses Paradies zu bewahren. Im 2021 fertiggestellten Zentrum für Aktionen zur Strafverfolgung präsentiert uns Gründungsverwalter Mike Keigwin stolz einen Komplex, in dem jedes Zahnrad eines gut geölten Mechanismus zur Bekämpfung der Wilderei – von satellitenähnlichen Überwachungsmonitoren bis hin zu temporären Gefängniszellen und einer Polizeistation – vor sich hin surrt. 100 junge Leute aus den Randgebieten von Murchison Falls wurden für den Bau unter Vertrag genommen, viele von ihnen machen jetzt eine Ausbildung zum Ranger für die UWA. „Es ist das erste Projekt dieser Art in Afrika“, strahlt Mike, ein Brite, der seinen Job bei der Beratungsfirma Deloitte aufgab, um im Naturschutz zu arbeiten. Wilderer vor Ort festzuhalten, beschleunigt den juristischen Prozess, erklärt er. Computer zeigen die Vorfälle von Ernteschäden auf Landkarten. So können sich die Ranger um Problemtiere kümmern, die den Park verlassen haben und auf Grundstücken der Gemeinde herumstreunen.

Von den späten 1970ern bis zum Jahr 2000 ging in Murchison Falls, einst der meistbesuchte Park Afrikas, die Zahl der Elefanten von 16 000 auf 500 zurück. In letzter Zeit hat sich die Situation stabilisiert, und der Tourismus kehrt zurück. Eine Kammer mit beschlagnahmten Waffen ist eine Erinnerung daran, dass illegale Aktivitäten noch immer eine Bedrohung darstellen. „Unter jedem Gebäude in diesem Komplex befinden sich weitere 20 000 bis 30 000 Fallen“, seufzt Mike und zeigt schwere Radkrallen, die zum Teil noch Büschel von Tierhaaren in ihren Klauen halten. „Uns geht der Platz aus.“ Die Kosten für den Schutz von Afrikas Naturgebieten sind gewaltig, aber die möglichen Verluste sind zu erdrückend. Der Handel mit Teilen von Tieren ist zwar weitgehend unter Kontrolle, doch gibt es Konflikte zwischen Gemeinden und Tierwelt – Bewohnerzahlen steigen, Lebensräume werden kleiner.

Strenge Jagdgesetze schützten den Regenwald in der Vergangenheit. Heute sind die Schimpansen und die Touristen, die sie anziehen, seine mächtigsten Wächter.

In den Wald hinein

Der Budongo-Wald, eine 45-minütige Autofahrt von den Fällen entfernt, ist nach wie vor durch illegale Abholzung und Übergriffe bedroht. Eine Reihe strenger Jagdgesetze, verabschiedet von König Bunyoro, schützten den tropischen Regenwald in der Vergangenheit. Jetzt ist der Tourismus mit Schimpansen sein mächtigster Wächter. Ich treffe mich um sieben Uhr morgens mit Amos Wekesa, dem Besitzer der Budongo Eco Lodge, um einen ganzen Tag lang zu erleben, wie sich die Affen dem Menschen anpassen.

Amos’ einfache Lodge und Hütten aus Holz, die einst von Jane Goodall als Spielfeld genutzt wurden, befinden sich am Anfangspunkt mehrerer Wanderwege. Wir stürzen uns in einen märchenhaften Wald: Uralte Mahagonibäume bilden eine Kolonnade aus korinthischen Säulen und stützen einen Tempel aus Ästen. Aufsitzerpflanzen balancieren auf Bäumen, während Würgefeigen ihre Beute greifen und einen langsamen Akt der Opferung vollziehen. Auf dem weichen, schwammigen Boden sprießen aus verwesenden Stämmen Schwaden von weißen Pilzen. Neben einem Bach hebt Amos eine weggeworfene Samenkapsel auf. „Schimpansen nutzen sie als Trinkbecher“, erklärt er. Sie müssen in der Nähe sein. Wie aufs Stichwort hören wir ein Donnern, gefolgt von Grunzern der Freude. Jacko, ein 43-jähriger Schimpanse, hockt zufrieden da wie ein Buddha und mampft die reifen Früchte eines Feigenbaums. „Pass auf“, warnt mich Amos, bevor ich nur knapp einem Geschoss aus gekautem Fruchtfleisch entgehe.

Seit den 1960ern ist das Verhalten der Schimpansengemeinschaft aus Kaniyo Pabidi untersucht worden. Jetzt ist ihre Zukunft durch den Erlös der Touristen gesichert, die die an Menschen gewohnte Gruppe besuchen. Amos und sein Touristikunternehmen Great Lakes Safaris haben dazu beigetragen, umgerechnet fast 280 000 Euro pro Jahr zu generieren, bevor die Pandemie zuschlug – diese Gelder wurden dazu verwendet, ein Team von Rangern zu beschäftigen.

Genauso beeindruckend ist die Geschichte von Amos selbst, die er mir beim Abendessen in der Lodge erzählt. Als Kind einer mittellosen Familie an der Grenze Kenias schmuggelte er ab seinem sechsten Lebensjahr Waren. Ein Bildungszuschuss der Heilsarmee war sein Sprungbrett aus der Armut, dazu kamen Entschlossenheit und Ausdauer. Obwohl er als Straßenkehrer und Fremdenführer nur wenig verdiente, schaffte er es, Geld beiseite zu legen. Vor 20 Jahren dann gründete er Great Lakes Safaris. Amos hat ein extrem einnehmendes Wesen: ein Unternehmer, dessen Herz für Naturschutz schlägt. Als die Regierung Ugandas in Erwägung zog, Murchison Falls einzudämmen, drohte Amos damit, nackt zu protestieren. Sein Facebook-Account zur Aufklärung junger Menschen hat mehr als 75 000 Follower. „Wir sind nicht die letzte Generation“, sagt er, während er durch eine Flut an Kommentaren scrollt, auf die Influencer neidisch werden könnten. „Wir können nicht so leben, als wären wir die letzten Menschen, die gehen.“

Amos gehören drei Lodges in Uganda, einschließlich der frisch renovierten Elephant Plains Lodge im nördlichen Teil des Queen Elizabeth National Park (QENP). Ich brauche sechs Stunden, um den Park zu erreichen, der an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRK) liegt. Durch die unterschiedlichen Klimazonen des Landes zu fahren, ist ein Erlebnis, das durch waghalsige Autofahrer und Attraktionen neben der Straße noch spannender wird. Schwaden von grünem Wald münden in Wiesen, und Siedlungen erheben sich aus Feldern aus orangefarbenem Staub. Bodaboda genannte Motorradtaxis transportieren Lasten von Bananensäcken bis zu einer Couchgarnitur. Ein ambitionierter Fahrer hat sich ein Longhorn-Rind auf den Rücken geschnallt. „Das ist so typisch Uganda“, lacht Robert, mein Führer und Fahrer und schüttelt den Kopf.

Am nächsten Morgen bin ich zu früher Stunde mit dem Naturschützer und Tierarzt Ludwig Siefert vom Uganda Carnivore Program verabredet, um Löwen zu beobachten. Das Projekt wurde ursprünglich gegründet, weil man befürchtete, ein Ausbruch von Staupe würde Löwen im Park töten. Als klar wurde, dass Gift der Grund für die Todesfälle war, richtete das Projekt seinen Fokus auf Gemeinschaftsmaßnahmen. Touristen können sich Ludwig und seinem Team gegen eine Gebühr von etwa 100 Euro, die der Strafverfolgung und der Gemeinschaft zugutekommt, anschließen und Löwen und Leoparden verfolgen, die ein Halsband tragen. Eine seltene Gelegenheit, im Park abseits der Straßen zu fahren und Großkatzen in der Wildnis zu sehen, in einer Umgebung aus Kraterseen und ausgefallenen Kakteen, die aus marsianisch-roter Erde sprießen.

Vom Dach seines Wagens mit Allradantrieb hält Ludwig ein Gerät zur Ortung, während wir uns durch stachelige Euphorbien-Bäume schlängeln, deren sich umschlingende Stämme häufig von Leoparden als Schlafgelegenheiten genutzt werden. Im Park leben etwa 40 000 Menschen, zusätzlich zu den 90 000, die im Randgebiet wohnen. Die Zahlen steigen täglich, da Flüchtlinge hier Schutz vor den bewaffneten Auseinandersetzungen in der angrenzenden DRK und dem Südsudan suchen. „Die Einstellung der Kongolesen ist anders, sie essen mehr und andere Dinge“, stellt Ludwig fest. Illegales Angeln und das Wildern von Buschfleisch werden durch religiöse Glaubenssätze noch angestachelt, erklärt er und erzählt von einem Brauch, nach dem Frauen Nilpferdfleisch essen, um fruchtbar zu werden. Doch die größten Probleme sind der Eingriff in die Ernte und Tötungen aus Rache, bei denen Kadaver mit Gift versehen werden. Da Tiere und Menschen weiterhin um Land kämpfen, gibt es keine einfache Lösung. „Manchmal möchte ich weg von diesem Planeten“, seufzt der Tierarzt. Seine Stirn ist von Jahrzehnten des Frusts zerfurcht. „Es ist so schwierig.“ Nachdem er seine Löwen gefunden hat, kann Ludwig sich zumindest für ein paar Stunden entspannen – er weiß, dass sie sich weit genug von Gefahrenzonen entfernt befinden.

Doch die Arbeit nimmt kein Ende. Im März 2021 wurden im südlichen Ishasha-Bereich des Parks sechs Löwen tot und verstümmelt aufgefunden. Vermutlich vergiftet. Ich besuche den Landwirt und Kräuterkundigen Deo Karegyesa, der als Reaktion eine „Rettet unsere Löwen“-Kampagne ins Leben gerufen hat. Er arbeitet mit Reiseveranstaltern zusammen und lädt Touristen ein, die diversen Methoden kennenzulernen, die er entwickelt hat, um die Tierwelt fernzuhalten. Seine Erfindungen funktionieren: eine Strohhütte, in der er schläft, um Stachelschweine abzuwehren; ein Baumhaus, in dem er nach Elefanten Ausschau hält; und ein tiefer Graben, der Eindringlinge daran hindert, das Gelände zu überqueren. „Ich zeige den Menschen hier, wie man mit den Tieren leben kann, ohne ihnen weh zu tun“, verkündet er und klettert die Leiter zu seinem blattreichen Aussichtsturm hinauf. „Sie halten die Tiere für Teufel, aber wir müssen ihnen beibringen, dass diese Tiere ihnen gehören.“

Den Berggorillas auf der Spur

Verantwortung für die Wildtiere zu übernehmen, war auch für den Erfolg des Schutzes einer weiteren Attraktion Ugandas essenziell: der Berggorillas. Dies konzentrierte sich hauptsächlich auf den Bwindi Impenetrable Forest (impenetrable bedeutet so viel wie undurchdringlich), der sich 90 Autominuten südlich in einer kühlen, feuchten, hoch gelegenen Umgebung befindet – eine andere Welt, verglichen mit den trockenen, sengenden Savannen des QENP.

Morgens um sechs Uhr mache ich mich mit Ranger Elisha auf den Weg, um die sanften Riesen hautnah zu erleben. Mit mir unterwegs sind Reisende aus der ganzen Welt, die professionell für ihr „Once in a lifetime“-Erlebnis ausgerüstet sind: Gamaschen, Goretex-Multifunktions-Hosen, Handschuhe und Trinksysteme, wohin ich schaue. Während wir der Einweisung der Ranger zuhören, werde ich, in Jeans, lächerlichen Wanderschuhen und mit einem kleinen Beutel, in dem meine Brotdose steckt, immer nervöser. Um die Berggorillas zu schützen, darf nur eine bestimmte Anzahl an Personen eine Gorillafamilie besuchen. Auch die Zeit, die man bei den Tieren sein darf, ist begrenzt. Wir werden in Gruppen zu je acht Besuchern aufgeteilt, zu jeden Team kommen Ranger, Fährtenleser und Träger, die Touristen durch den Dschungel helfen. „Let’s go“, ruft Elisha schließlich, und unsere Wanderung beginnt.

Vor Corona kamen jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher ins Land, Tourismus mit den Berggorillas ist Ugandas lukrativste Einnahmequelle. Allerdings gehört eine ordentliche Portion Glück dazu – viele Besucher buchen zwei oder drei Wanderungen, bis sie endlich einem Tier begegnen. Denn: Die Gorillafamilien streifen frei im dichten Wald umher.

Es ist nass, matschig, und der Ranger, der unsere Gruppe anführt, schlägt mit der Machete Schneisen durch das Labyrinth aus Gewächsen und Dornenbüschen. Der Bwindi Impenetrable Forest macht seinem Namen alle Ehre: Ich kann die anderen vor mir nicht sehen. Zum Glück führt mich Elishas helfende Hand steile Abhänge hinunter oder befreit mich aus Schlingpflanzen, in denen ich ständig hängen bleibe. Der Grund unter meinen Füßen ist die größte Herausforderung – er ist ständig in Bewegung oder so rutschig, als läge Eis. Nach einer dreistündigen Kletterpartie erreichen wir eine Lichtung. Dort treffen wir auf die Fährtenleser, die bereits in der Nacht aufgebrochen sind, um die Gorillas für uns zu finden.

„Hier ist unser Basislager“, sagt Elisha und verteilt Desinfektionsmittel. „Gorillas können sich mit den meisten Krankheiten infizieren, an denen Menschen leiden. Und im schlimmsten Fall daran sterben.“ Wir bekommen eine genaue Einweisung, wie wir uns zu verhalten haben. Um die Tiere nicht mit einer Erkältung oder Schlimmerem anzustecken – Erkrankungen der Atemwege, vor allem Lungenentzündungen, sind die häufigsten Todesursachen bei Berggorillas –, halten wir mindestens fünf Meter Abstand. „Jetzt ist der Zeitpunkt zu checken, ob der Blitz der Kameras aus ist, noch einmal Wasser zu trinken oder etwas zu essen“, sagt Elisha. Dankbar hole ich meine Brotdose und eine Banane aus meinem Beutel. Als ich die Banane schäle, raschelt es plötzlich in der Ferne. Das Geräusch wird lauter, dann rast ein Gorillaweibchen den Abhang herunter und direkt auf mich zu. Elisha schreit, ich werfe die Banane weg und suche Schutz in einem Busch. Blitzschnell schnappt sich das Tier mein Essen und verschwindet wieder. Elisha zieht mich aus dem Gebüsch und lacht. „Da hatte noch jemand Hunger.“

Mit zitternden Knien gehe ich ganz langsam und geduckt weiter. Und dann sehen wir sie: eine Familie aus etwa zehn Tieren, nur wenige Meter von uns entfernt. Die Gorillas sitzen gerade beim Essen und verspeisen genüsslich Grünzeug. Ich sehe einen massigen Silberrücken in der Mitte und ein Baby, das sich an seine Mutter schmiegt. Plötzlich steht das Familienoberhaupt auf und schlägt sich auf die Brust, die tiefen Trommelklänge lassen den ganzen Dschungel vibrieren. Nun traue ich mich noch nicht einmal mehr zu atmen. Eine Stunde lang dürfen wir die einzigartigen Kreaturen bewundern, bevor die Ranger zum Aufbruch mahnen. Die Zeit vergeht wie im Flug – doch es ist eine Stunde, die ich nie vergessen werde.

REISE-INFOS

Anreise & unterwegs vor Ort

Mit Lufthansa oder Ethiopian Airlines fliegt man über Addis Abeba nach Kampala, mit Emirates über Dubai und Qatar Airlines über Doha. , emirates.com/de, qatarairways.com/de Flugdauer: ca. 14 Std. In Uganda gibt es nur wenige Inlandsflüge. Link betreibt Busse zwischen wichtigen Städten. link.co.ug

Reisezeit

Die Trockenzeit in Uganda dauert von Dezember bis Februar und Juni bis September. In dieser Zeit liegt die Durchschnittstemperatur bei 26 Grad.

Übernachten

Budongo Eco Lodge, Murchison Falls. DZ ab ca. 239 Euro mit Vollpension, Elephant Plains Lodge, Queen Elizabeth National Park. DZ ab ca. 300 Euro mit Vollpension, ugandalodges.com Camelion Hill Eco. Chalet ab ca. 218 Euro, Pakete mit Gorilla-Trekking ab ca. 1065 Euro, chameleonhill.com Latitude 0 in Kampala. DZ ab ca. 140 Euro, 0.thelatitudehotels.com Kikongo Lodge am Albertsee mit Pool. DZ ab ca. 135 Euro, kikonko.com Kyaninga Lodge im Herzen von Uganda. Feine Drei-Gänge-Küche mit Produkten frisch vom Markt. Preis auf Anfrage, kyaningalodge.com

Weitere Infos

Uganda Conservation Foundation: Uganda Carnivore Program: uganda-carnivores.org Tourismus in Uganda: visituganda.com

Rundreise

ACROSS AFRICA bietet eine 14-tägige Selbstfahrertour mit vorgebuchten Lodges und deutschprachigem Kundenservice an. Ab ca. 1600 Euro p. P.,