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Die Wahrheit über Kleopatra


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

Ägyptens letzte Pharaonin bleibt ein Mythos. Wer war die Femme fatale der Antike, die Roms stärkste Männer betörte? Porträt einer frühen Karrierefrau


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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 2/2020

EIN BILD VON EINER FRAU Leonor Varela im TV-Zweiteiler „Cleopatra”. Im Hintergrund der Hathor-Tempel in Dendera nahe Luxor


Kluge Strategin, lüsternes Luder: Kleopatra, die letzte Königin von Ägypten (69 – 30 v. Chr.), fasziniert auch mehr als 2000 Jahre nach ihrem Tod. Aber war die Herrscherin vom Nil wirklich so betörend, dass sie sich die mächtigsten Männer ihrer Zeit gefügig machen konnte? Sex-Appeal war wohl kaum der einzige Grund, dass sie sich 20 ...

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... Jahre auf dem Thron hielt: In seinem Sachbuch „Kleopatra” zeichnet der Wissenschaftsjournalist Alberto Angela sehr anschaulich das Porträt einer emanzipierten Powerfrau. „Kleopatra war eine moderne Frau in einer antiken Epoche, der es gelang, sich in einer Welt durchzusetzen, in der ausschließlich Männer die Entscheidungen trafen. Sie war unglaublich klug und beherrschte viele Sprachen, vor allem die der Staatsmänner. Was sie so unwiderstehlich machte, war ihre Intelligenz.”

Kleopatras Heimat Alexandria ist zu ihrer Zeit nach Rom die zweitgrößte Stadt und mit ihrer weltberühmten Bibliothek das geistige Zentrum der Antike. Die Dynastie der Ptolemäer herrscht seit knapp 300 Jahren, als Kleopatra VII. mit 18 Jahren Königin wird. Ihr Vater Ptolemaios XII. erkaufte sich mit Bestechungsgeldern den Titel „Bundesgenosse des römischen Volkes”, das Geld lieh ihm Rom zu exorbitanten Zinssätzen. Diese Schulden vererbt er Kleopatra, und sie sind es, die Julius Cäsar nach Alexandria führen.

Das fruchtbare Nildelta ist Roms Kornkammer. Cäsar hat also durchaus ein politisches Interesse, in Ägypten für Ruhe zu sorgen, und mischt sich nicht nur aus Liebe in Kleopatras Machtkampf ein: Eine Frau darf nicht allein regieren, deshalb vermählen die Ptolemäer nach alter Pharaonentradition Geschwister. Kleopatra ist Ko-Regentin ihres zehnjährigen Brudergemahls Ptolemaios XIII. Dessen Ratgeber wollen die lästige Rivalin loswerden. Ihre Bildung, ihr Selbstbewusstsein machen sie gefährlich. Darüber hinaus ist sie eine Meisterin der Selbstinszenierung: Als der Diktator Cäsar 44 v. Chr.ermordet wird, logiert sie mit ihrem Sohn Cäsarion (kleiner Cäsar) als Staatsgast in Rom. In Cäsars Villa am Tiber richtet sie luxuriöse Gelage aus.

MUTTER UND SOHN Kleopatra mit Isiskrone (l.). Daneben Cäsarion, der den Beinamen Kaisar trug. Relief im Hathor-Tempel in Dendera


HINGUCKER Das Kriminaltechnische Institut in Rom erstellte diese forensische Rekonstruktion von Kleopatras Gesicht


Nahm sie einen Giftcocktail?

Was genau wissen wir über Kleopatras Aussehen? Ihr exotischer Stil beeindruckt, die Römerinnen kopieren ihre Frisuren. Wobei Kleopatras Haar wahrscheinlich kurz geschnitten ist, aus hygienischen Gründen. In Ägypten trägt man Perücken. Zeitgenössische Münzen zeigen sie mit markantem Profil – bewusst maskulin, da ein weiblicher Herrscher nicht vorgesehen ist. Ihr Grab und ihre Mumie wurden nie gefunden, es gibt also keine DNA-Spuren, anhand derer sich Kleopatras Äußeres rekonstruieren ließe. Also gab Alberto Angela ein „Phantombild” in Auftrag: Forensiker des Kriminaltechnischen Instituts in Rom werteten Statuen und Büsten auf anthropometrische Daten hin aus. So lassen sich verschiedene Punkte im Gesicht ins Verhältnis setzen. Das Ergebnis: Kleopatra war vielleicht keine einmalige Schönheit, zeigte aber Charakter.

Nach Cäsars Tod ist die Königin nicht mehr sicher. In seinem Testament hat Cäsar seinen Großneffen Octavian adoptiert und als Erben bestimmt. Cäsars treuer Feldherr, Konsul Marcus Antonius wird der Verwalter der Ostprovinzen und richtet sich in Alexandria ein. Er wird Kleopatras Verbündeter und Geliebter. Als er Cäsarion öffentlich als Cäsars Sohn anerkennt, platzt Octavian der Kragen. Die „Hexe vom Nil” wird endgültig zum Feindbild stilisiert.

Nach der Niederlage in der Seeschlacht bei Actium (Peloponnes) stürzt sich Marcus Antonius in sein Schwert. Kleopatra stirbt Tage später. Der Legende nach lässt sie sich von einer Giftschlange beißen. Für den Historiker Angela keine glaubhafte Suizidmethode: „Nach einem Kobrabiss tritt der Tod nicht unbedingt sofort ein. Es heißt aber, Kleopatra sei schnell tot gewesen, also muss sie ein Mittel benutzt haben, das binnen Minuten wirkte. Vermutlich war es ein tödlicher Cocktail aus Eisenhut, Schierling und Opium, der sie ins Koma versetzte.”

Nach Kleopatras Tod wird Ägypten römische Provinz und aus Octavian Kaiser Augustus. Angela sieht die Frau, die dem Kaiser bis zuletzt im Weg stand, als „Katalysator” der Historie: „Kleopatra trieb Entwicklungen voran, die bereits in Bewegung waren. Die römische Republik war am Ende, Octavian legte den Grundstein für das Kaiserreich. Ohne Kleopatra hätte es das römische Imperium, das wir kennen, nicht gegeben.” ULRIKE SCHRÖDER

BUCHTIPP Alberto Angela Kleopatra Die Königin, die Rom herausforderte … HarperCollins 512 Seiten, 24 Euro


LEBEMANN Marcus Antonius, der zweite Geliebte Kleopatras. Büste aus den Vatikanischen Museen


DIKTATOR Julius Cäsar ist ihr erster römischer Geliebter. Büste im Archäologischen Nationalmuseum Neapel