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Die Wanderung zu Dir selbst


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 09.08.2018

Eine schamanische Medizinwanderung ist ein kraftvolles Naturritual, mit dem wir uns heilen und neu ausrichten können. Geh mit der Erfahrung der Schamanin Jennie Appel auf Deine Reise nach innen!


Artikelbild für den Artikel "Die Wanderung zu Dir selbst" aus der Ausgabe 5/2018 von Happy Way. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 5/2018

Was hilft mir, mein Leben neu auszurichten?


Der Wind, der die Blätter streichelt. Der Ruf der Vögel, die in den Ästen sitzen. Die kleinen Ameisen, die emsig Tannennadeln über den Waldweg tragen. Und Du. Mitten im Wald. Alles ist mit allem verbunden. Der Wind, die Bäume, die Tiere und Du. Und nicht nur draußen in der Natur. Sogar die Tomate und die Paprika, die Du in Deinen Salat schneidest, sind an ein größeres ...

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... Ganzes angebunden. Denn ohne fruchtbare Erde, ohne Regen und ohne den Landwirt, der das Gemüse anpflanzt, hätten wir nichts zu essen. Unendlich ließe sich dieser Kreislauf unserer Existenz fortsetzen.

Wir erfahren uns als Teil von etwas unendlich Größerem

Alles ist mit allem verbunden – das ist der Grundgedanke des Schamanismus. Die Autorin, Seminarleiterin und Schamanin Jennie Appel erklärt: „Schamanismus hat weder ein grundlegendes Dogma noch heilige Bücher. Er ist keine Religion. Worum es wirklich geht, ist die individuelle Erfahrung, die jeder macht, der diese Reise antritt. Dieses innere Abenteuer führt uns in unser Herz, das in tiefer Verbindung mit der Welt und all ihren Wesen steht: Wir erfahren uns selbst als Teil von etwas unendlich Größerem.“ Ein weiterer Grundpfeiler des Schamanismus lautet: Alles ist beseelt – auch Tiere und Pflanzen. „Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind Tiere bis heute rechtlich wie Sachen zu behandeln“, sagt Jennie Appel. „Aber kennst Du irgend jemanden, der ernsthaft behauptet, sein Hund, seine Katze, sein Pferd seien seelenlos? Und kannst Du nicht auch selbst den Seelenfunken in jedem Wesen erkennen?“


Was brauche ich, um diese Phase meines Lebens abzuschließen?


Den Spirits lauschen

Schamanisch Praktizierende erleben auch Pflanzen, Bäche und das Meer beseelt. „Vielleicht fällt uns diese Sichtweise bei Steinen schwer, doch sie sind aus Mineralien gebildet, die unser Leben erst ermöglichen“, erzählt Jennie Appel. „Steinwesen, Pflanzenwesen, Tiere, Ahnengeister und viele andere Naturwesen – all die Spirits – existieren mit uns und können mit dieser Fülle unser Leben vielfältig bereichern.“ Sie alle haben eine eigene Geschichte und eine eigene Stimme, der wir lauschen können, um sie und auch uns selbst besser zu verstehen.
Du hast eine Frage, die Dich stark bewegt? Weißt nicht, wie es weitergehen soll in Deinem Leben? Dann kann eine schamanische Medizinwanderung („Medicine Walk“) Dir tiefe Einsichten schenken. Dafür musst Du auch kein Schamanismus-Experte zu sein. So eine Wanderung ist nämlich einfach umzusetzen! Du brauchst nur einen freien Tag, dazu einen Wald oder ein großes Stück unberührte Natur, ein paar Wanderschuhe und ein offenes Herz.
Bei einer Medizinwanderung lernen wir, uns selbst wieder zu spüren. Finden Zugang zu tieferen Ebenen unseres Selbst. Und können Antworten auf Lebensfragen erhalten. Fragen wie: Was braucht mein Körper, um gesund zu werden? Oder: Wie kann ich in meinem Job glücklich werden? Oder: Wie kann ich eine vergangene Beziehung loslassen? Weil wir mit der Natur verbunden sind, können wir auch in der Natur Antworten finden. Denn eine Medizinwanderung ist eine Wanderung zu Dir selbst und hat mit einer normalen Wanderung durch die Natur wenig gemein. Jennie Appel erklärt: „Hierbei lassen wir uns treiben, wir spüren, wohin es uns zieht, lauschen dem Land und seinen Bewohnern und verweilen an bestimmten Orten, bevor wir weitergehen. Es gibt kein klares Ankunftsziel im Außen, dafür eine Frage im Inneren, die unseren Weg leitet.“
Schon bei den Kelten waren Medizinwanderungen Teil ihrer Kultur und auch die Aborigines kennen sie als „Walkabouts“. Ebenso stellen sie einen Teil der Visionssuche-Arbeit der indigenen Völker Nordamerikas dar. Dabei gilt: „Je klarer die Absicht oder Frage formuliert ist, desto klarer wandern wir diesen sinnlich erfahrbaren Weg der Heilung, Inspiration und Selbsterfahrung“, weiß Jennie Appel


Wie kann ich in meinem Job endlich glücklich werden?


Raus in die Natur

Ganz praktisch funktioniert eine Medizinwanderung so: Versuche, Deine Frage, die Du für Dich während der eintägigen Wanderung beantworten möchtest, so genau wie möglich zu formulieren. Wenn Du magst, schreib sie Dir gern auf (zum Beispiel auf unseren Notizzettel von Seite 33). Dann such Dir ein Waldgebiet oder ein anderes, großes Naturgebiet aus, in dem Du Dich idealerweise so gut auskennst, dass Du dort abseits der Wege intuitiv wandern kannst. Ein großer Park wie der Englische Garten in München ist dafür leider nicht geeignet. „Bei diesen Übungen und Ritualen geht es gerade darum, dass man sich ein Stück weit dem Ganzen aussetzt, sich hingebungsvoll treiben lässt und mit dem Geist nicht alles fassen kann. Ein Park ist eben keine Wildnis,“ findet Jennie Appel. Nicht nur, dass man dort ständig Menschen trifft, er wurde auch von Menschen angelegt. Richtig unberührt ist ja nicht einmal unser Wald. Und Jennie Appel rät: „Wirklich verirren kann man sich kaum. Wenn Du Dir ein wenig Sicherheit verschaffen möchtest, such lieber eine Wanderkarte vom nächstgelegenen Wald im Internet raus.“

Ein Schritt aus der Komfortzone

Für Stadtpflanzen gilt also: raus aufs Land! Allein der Weg zu dem Ausgangspunkt kann vieles aufzeigen und setzt ein klares Zeichen im Sinne von „jetzt beginne ich etwas Ungewohntes“. „Das ist meist schon der erste Schritt heraus aus der Komfortzone“, sagt Jennie Appel. „Und ich möchte betonen, dass allein dieser Schritt, sich in ein relativ unbekanntes Gebiet zu begeben, schon total mutig ist!“ Vor Kurzem saß sie bei einer Weiterbildung die ganze Nacht zur Nachtwache in einer Höhle in Nepal, mitten in einem Nationalpark, in dem es Bären, Leoparden und Schneeleoparden, Wildschweine und vieles mehr gibt. Die Schamanen wollten schauen, wie ernst der Wunsch ist, zu lernen und sich diesem Weg zu verschreiben. „Mit unseren Visionssuchen und Medizinwanderungen zu einer Frage ist es ähnlich“, meint Jennie Appel aus Erfahrung. „Sind wir bereit, etwas zu wagen und die Komfort-Zone zu verlassen, werden wir häufig mit umso faszinierenderen Erlebnissen beschenkt. Was wir einbringen, zahlt sich vielfach aus.“
Los geht es früh am Morgen, am besten vor Sonnenaufgang. „Wenn ich eine Seminargruppe auf eine Medizinwanderung mitnehme, starten wir um fünf Uhr morgens“, erklärt sie. Traditionell fastet man dabei den ganzen Tag, trinkt nur viel Wasser. Jennie Appel sieht das aber nicht so streng: „Bevor man sich schwindlig fühlt oder sogar desorientiert wird, kann man ein Stück Traubenzucker im Mund zergehen lassen.“ Eine weitere Regel lautet: Das Handy bitte morgens abstellen und erst abends, wenn man Dich abholen soll, wieder einschalten. Lass Dich daher auch nicht von der Landkarten-App leiten, sondern nimm höchstens die ausgedruckte Karte aus dem Internet mit.

Deine WanderungWas hast Du erlebt?

EineMedizinwanderung mit Jennie Appel

Unzählige Medizinwanderungen und Nachtwachen hat Jennie Appel schon erfahren. Hier teilt sie ein Erlebnis

Ich stand an einer entscheidenden Wegkreuzung in meinem Leben. Zu jenem Zeitpunkt wusste ich nicht, welchen neuen Weg ich einschlagen mochte – das Alte passte nicht mehr und das Neue hatte sich noch nicht entfaltet. Immer wieder kreisten meine Gedanken um die gleichen Themen und ich beschloss, die Grübeleien sein zu lassen und mich auf eine Medizinwanderung zu begeben.
Es ist nicht immer leicht, sich auf eine einzige Frage zu fokussieren – besonders wenn man sich gedanklich bereits sehr verstrickt hat. Ich entschied mich schließlich für folgende Frage: Wie entfaltet sich mein neuer Weg? Als Gaben nahm ich ein paar Nüsse und Samen mit und ging durch die verschneite Landschaft.
Irgendwann hörte ich von Weitem den rauen Ruf der Wildgänse und schaute mich in alle Richtungen um. Als ich sie erblickte, kamen sie aus dem neblig-grau verhangenen Himmel frontal auf mich zu. Als der Schwarm von ungefähr 25 Gänsen direkt über mir war, riefen einige von ihnen, drehten einen Kreis, riefen erneut und drehten einen weiteren Kreis. Da löste sich ein etwas kleiner aussehender Vogel aus dem Schwarm und flog weit nach rechts. Die Gänse drehten noch ein paar Kreise – für mich ein deutlicher Hinweis auf meine kreisenden Gedanken und dass es nun an der Zeit war, nicht mehr zu kreisen, sondern Entscheidungen zu treffen. Dann fragte ich mich, ob es Zeit sei, den Schwarm zu verlassen und allein meiner Wege zu ziehen. Und wenn ja: Wofür stand dieser Schwarm überhaupt für mich? In genau diesem Moment kam der einzelne Vogel zurückgeflogen, und als er hoch oben direkt über mir war, rief er mehrmals laut – es war eindeutig der Ruf eines Bussards. Weil er gemeinsam mit den anderen flog, hatte ich nicht gleich erkennen können, dass er sich anscheinend nur zeitweise den Gänsen angeschlossen hatte.
Ich erkannte für mich, dass es immer wieder Zeiten gibt, in denen ich die Gemeinschaft mit anderen sehr schätze und genießen kann, dann jedoch auch Zeiten für „Alleinflüge“ folgen müssen. Und dass wir zeitweilig mit anderen Schwärmen mit- fliegen, lernen und sein dürfen, um dann wieder klar und deutlich wir selbst zu sein.
Der Druck der vergangenen Tage und Wochen, mich einer Art „Grundsatzentscheidung“ zu stellen, wich von mir und ich konnte mich endlich wieder entspannen. Ich atmete tief durch, legte einen Kreis aus meinen Gaben, den Nüssen und Samen, auf die Erde, bedankte mich für alle hilfreichen Impulse und machte mich schließlich wieder auf den Heimweg. Als ich an dem Trampelpfad ankam, der zu unserem Haus führte, fand ich eine Bussardfeder, die dort wie ein auf mich wartendes Geschenk lag, und ich lächelte dankbar in Richtung Himmel.

Mehr erfahren über schamanische Rituale

Im wunderschön gestalteten Buch „Wer wachsen will, braucht starke Wurzeln“ von Jennie Appel (GU, 17,99 Euro) findest Du noch mehr zum Thema Schamanismus, Inspirationen zu schamanischen Alltagsritualen und weitere Informationen zu Medizinwanderungen. Mehr über Jennie Appel gibt es unter www.jennie-appel.de


Was braucht mein Körper, um heil zu werden?


Und dann läufst Du los. Mit Deiner Frage im Herzen und offenen Sinnen. Nimm achtsam die Natur um Dich herum wahr. Wenn Du magst, bitte die Spirits um Führung. Dann achte auf die Zeichen, die die Natur Dir schenkt. In nahezu allen indigenen Völkern haben die Menschen solche Zeichen für sich gedeutet: den Flug der Vögel, die Bewegung des Windes, das Rauschen der Blätter in den Baumkronen oder die Stille einer Waldlichtung …

Ein Winken der Äste lädt Dich ein

Du kannst Tierspuren auf dem Waldboden folgen oder Dich auch von einem „winkenden“ Ast auf einen bestimmten Weg einladen lassen. Ein Gewitter könnte etwa darauf hindeuten, dass es endlich auch einmal bei Dir „knallen“ sollte. Oder fällt Dir ein Eichhörnchen auf, das von Baum zu Baum hüpft? Folge ihm einfach und versuche, das Eichhörnchen für Dich zu interpretieren. Nimmst Du es als umtriebig, aber durchaus entspannt wahr? Dann könnte das bezogen auf Deine Frage „Wie kann ich in meinem Job glücklich werden?“ bedeuten: Möglicherweise ist mein Job ja gar nicht so schlimm! Es gibt auch Arbeitsgebiete, die mir Spaß machen. Was Jennie Appel an dieser Stelle wichtig ist: „Krafttier- oder Bauminterpretationen können für jeden etwas anderes bedeuten, und unsere Seele erkennt das Zeichen ganz ohne Bücher.“ Ein weiteres Beispiel: Ein Birkenwäldchen taucht vor Dir auf. Für die einen, wie zum Beispiel für Jennie Appel, stehen vor allem junge Birken für den Neuanfang. Sie würde sich vermutlich ein wenig im Bereich der Birken aufhalten und die Möglichkeit, etwas ganz Neues zu beginnen, auf sich wirken lassen. Ein anderer aber ist vielleicht allergisch auf Birkenpollen und verbindet mit der Birke Abwehr! Die Interpretation: Gehe einen anderen Weg! Die Ausgangsfrage, die Du Dir anfangs gestellt hast, darf sich so während der Wanderung verändern. Vielleicht bist Du losgegangen mit „Wie kann ich in meinen Job glücklich werden?“. Die Birken aber zeigen Dir, dass Du einen Neuanfang wagen oder einen anderen Weg gehen sollst. Die Frage verändert sich dann hin zu: „Wie sieht mein neuer Job aus?“ Stellt man fest, dass sich die Frage ändert, kann man wieder die Spirits um Zeichen bitten. „Es geht darum, absolut fließen zu lassen, was passiert.“ Jennie Appel erlebt immer wieder, dass die Antworten auf die Fragen komplett anders ausfallen als vorher gedacht. „Die Magie passiert, wenn wir die Komfortzone verlassen“, sagt sie. So wanderst Du, von den Zeichen der Natur und Deinen Interpretationen geleitet, bis zum Sonnenuntergang durch Wald und Wiesen. Findest immer mehr Hinweise zu Deiner Frage, interpretierst, gehst neue Wege. Die Antworten, sie werden zu Dir kommen. „Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand nichts von so einer Wanderung mitgenommen hat“, sagt Jennie Appel.

Die Natur zeigt Dir Dein Erblühen

Abends, wenn Du wieder zu Hause bist, ist dann die Zeit, Deine Visionssuche nachzubereiten. Dann kannst Du detailliert aufschreiben, wie es Dir unterwegs ergangen ist und Deine Interpretationen ausführen. Oder Du kannst dazu ein symbolisches Kraftbild malen. „Du hast Dich mutig aus Deiner Komfortzone in die Natur hineingewagt. Die Natur ist Fülle“, erklärt Jennie Appel, „und sie zeigt Dir, wie Du Dich selbst wieder zum Erblühen bringen kannst!“

Für Deine eigene Wanderung

…kannst Du diesen Notizzettel mitnehmen. „Notier Dir unterwegs bitte nur Stichworte“, rät Jennie Appel. „Verlier Dich nicht im Schreiben, sonst bekommst Du vielleicht nicht mit, wenn zum Beispiel ein Eichelhäher ganz nah bei Dir landet.“ Zum detaillierten Aufschreiben hast Du zu Hause Gelegenheit.


FOTO R. KUBE (1), FOTOLIA (3), SHUTTERSTOCK (1), ISTOCK (6), JENNIE APPEL: © JULIA KNÖCHEL (1)