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Die Welt der Münzen: Pakistan


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 30.10.2019
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Islamische Republik Pakistan, 50 Rupien 2017 „Ruth Pfau“, Kupfer-Nickel. Vs.: Halb - mond mit Stern, oben Schrift, unten Getreideähren, rechts Wertzahl; Rs.: Porträt von Ruth Pfau, oben ihr Name DR. RUTH PFAU, unten ihre Lebensdaten 1929–2017.


Foto: en.numista.com

Dass eine Umlaufmünze in der Öffentlichkeit größere Diskussionen auslöst, kommt eher selten vor. Noch seltener ist, dass diese Diskussionen außerhalb des emittierenden Landes stattfinden. Das aber passierte, als im Mai 2018 Pakistan eine Gedenkmünze mit dem aufgeprägten Ausgabejahr 2017 für die deutsche Ordensfrau und Lepra-Ärztin Ruth Pfau ...

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... (1929–2017) vorstellte. Der Nennwert der Kupfer-Nickel-Münze beträgt 50 Rupien oder umgerechnet etwa 30 Cent, die Auflage soll 50.000 Exemplare betragen. Zahlreiche deutsche Zeitungen berichteten darüber und kommentierten die Münz ausgabe – mal stolz über die in der Ferne geehrte Landsmännin, mal erbost über die mit der Münzausgabe vermutete Hinterhältigkeit. So titelte Michael Lenz von der Katholischen Nachrichten Agentur „Die heuchlerische Verehrung der Ruth Pfau“ und schrieb dann u.a. „Diese Ehrungen stehen freilich in krassem Widerspruch zum von Gewalt geprägten Alltag von Christen im mehrheitlich islamischen Pakistan. Hier geben radikale Muslime den Ton an.“ Tatsächlich wird immer wieder von Unterdrückungen oder Gewalt berichtet oder von Demonstrationen, in denen Todesstrafen für vermeintliche Feinde des Islam gefordert werden. Weit bekannt wurde der Fall der Christin Asia Bibi, die nach einem Nachbarschaftsstreit wegen Gotteslästerung verhaftet und zum Tode verurteilt wurde. Nach mehreren Jahren durfte sie ausreisen.

Den Titel einer Kaiserin von Indien nahm Königin Victoria am 1. Januar 1877 an, nach ihr führten ihn Eduard VII., Georg V. und Georg VI. Die ¼ Rupie von Britisch Indien mit der Wertangabe in einem Blumendekorkreis wurde 1938 und 1939 aus 916 2⁄3er Silber geprägt, 1940–1945 aus 500er Silber.


Foto: Westfälische Auktionsgesellschaft 30,5122

Natürlich führten die britischen Monarchen ihren indischen Kaisertitel auch auf den heimischen Münzen, hier ein Sovereign Georgs VI. mit der Titulatur GEORGIVS VI D(ei) G(ratia) BR(itanniarum) OMN(ium) REX F(idei) D(efensor) IND(iae) IMP(erator), also „Georg VI., von Gottes Gnaden König aller Briten, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien“.


Foto: Sincona 18,2413

Die letzte „britische“ Rupien-Prägung, die nur 1947 erfolgte, zeigt den gekrönten König und Kaiser mit den beiden Titeln auf der Vorderseite. Auf der Rückseite mit dem Staatsnamen INDIA sieht man einen bengalischen Tiger und die Wertangabe in Hindi, Englisch und Persisch.


Die von Saudi-Arabien finanzier te Faisal-Moschee in Islamabad bietet bis zu 74.000 Gläubigen Platz.


Foto: wikipedia

Pakistan (Georg VI.), 1 Pice 1948 gelocht. Vs.: GOVERNMENT OF PAKISTAN in Englisch und Urdu; Rs.: ONE – Halbmond und Stern – PICE 1948.


Foto: prestige.delcampe.net

Pakistan (Elisabeth II.), 1 Pice 1953. Vs.: GOVERNMENT OF PAKISTAN, Hukamet e Pakistan in Tughraform, von Halbmond und Stern überhöht; Rs.: Wert zwischen Ähren, ONE PICE - 1953.


Foto: coinect.com

Die 1929 in Leipzig geborene Ordensfrau und Ärztin Ruth Pfau kam 1960 nach Pakistan, wo sie hauptsächlich Lepra-Kranke behandelte. Dank ihrer Arbeit sollen mehr als 50 000 Kranke geheilt worden sein. Sie erhielt in Karachi ein Staatsbegräbnis.

All dies zeigt die besondere Situation der Islamischen Republik Pakistan, die aus Religionswirren entstand und bis heute da - rum kämpft, die Vision des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah von einem „Pakis - tan des Lichts und des Fortschritts“ für Muslime und Christen umzusetzen.

Im Zeitalter des Imperialismus im 19. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Staates Pakistan Teil von Britisch-Indien, eines riesigen Raums, der den gesamten indischen Subkontinent umfasste und für den die britische Königin Victoria am 1. Januar 1877 den Titel einer Kaiserin von Indien annahm. Unabhängigkeitsbestrebungen in Britisch-Indien gab es bereits im 19. Jahrhundert, sie waren aber immer überlagert vom Konflikt zwischen Muslimen und Hindus. In den 1930er Jahren war Mohammed Ali Jinnah der Führer der Muslimliga und forderte für die indischen Muslime einen eigenen Staat. Der britische Vizekönig Lord Mountbatten gestand am 3. Juni 1947 das Scheitern aller Bemühungen, die Teilung des Kaiserreichs Indien zu verhindern, ein und setzte da - raufhin im Eilverfahren Demarkationslinien fest und vollzog den britischen Rückzug.

Islamische Republik Pakistan, 50 Paisa 1964. Vs. Government of Pakistan in Urdu, Hukamet e Pakistan in Tughraform, von Halbmond und Stern überhöht; Rs.: Wert zwischen Blumen, Wertangabe in Urdu.


Foto: en.numista.com

Das Minar-e-Pakistan ist Pakistans offizielles Wahrzeichen.


Foto: wikipedia

Islamische Republik Pakistan, 10 Paisa 1974. Vs. Government of Pakistan in Urdu, Halbmond und Stern mit einem Minarett; Rs.: Wert umgeben von Ähren, Wertangabe in Urdu.


Foto: en.numista.com

Islamische Republik Pakistan, 3000 Rupien 1976 „World Wildlife Fund“, 900er Gold, 33,437 g. Vs. Government of Pakistan in Urdu, Halbmond und Stern mit einem Minarett; Rs.: Schraubenziege.


Foto: NGC

Islamische Republik Pakistan, 50 Paise 1976 „100. Geburtstag von Muhammad Ali Jinnah“, CuNi. Vs. Großer Führer in Urdu, Porträt von Muhammad Ali Jinnah und 18176 - 1976; Rs.: Wert im Ornamentkreis.


Foto: numiscollection

Das Ergebnis war ein Pulverfass. Pakistan entstand am 14. August 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien und bestand aus zwei Landesteilen, Westpakistan (der heutige Staat Pakistan) und Ostpakistan (der heutige Staat Bangladesch), die 1500 km auseinander lagen. Als Staatsform entschied man sich zunächst für ein Königreich mit dem britischen Monarchen an der Spitze.

Das Amt hatte zunächst Georg VI. 1947 bis 1952, dann Elisabeth II. 1952 bis 1956 inne. Die Macht lag beim Generalgouverneur des Dominion Pakistan, und das war bis zu seinem Tod 1948 Mohammed Ali Jinnah, der Führer der Muslimliga. Obwohl offiziell eine Monarchie, taucht gleichwohl kein Hinweis auf den Monarchen auf den Münzen des neuen Landes auf, als Prägeautorität erscheint „Government of Pakistan“. Währungseinheit wird 1 Pice (Paisa), 4 Pice ergeben 1 Anna, 16 Anna ergeben 1 Rupee.

Diese Münzprägung wurde bis 1959 beibehalten, obwohl die Monarchie seit 1956 beendet war und das Land als Islamische Republik Pakistan auftrat, übrigens der erste Staat, der die Bezeichnung Islamische Republik annahm und damit den Islam zur Grundlage des Staatslebens und der Rechtsordnung machte.

1961 wurde dann eine neue Währung auf dezimaler Grundlage eingeführt: 1 Rupee = 100 Pice bzw. Paisa. Das Aussehen der Münzen und sogar die Bezeichnung der Prägeäutorität (Government of Pakistan) änderten sich zunächst nicht. Auffällig ist allerdings, dass die Landessprache Englisch nun fehlt und nur noch die Landessprache Urdu verwendet wird.

Der K2 (8611 Meter) ist der höchste Berg Pakistans.


Foto: wikipedia

Islamische Republik Pakistan, 10 Rupien 2008 „Erster Todestag von Benazir Bhutto“, CuNi. Vs.: Staatswappen und Staatsnamen über Jahreszahl und Ähren; Rs.: Benazir Bhutto, Ministerpräsidentin 1988–1990 und 1993–1996, Schrift in Urdu „Tochter des Ostens“ und „Märtyrerin“.


Foto: worldcoinsinfo.com

Islamische Republik Pakistan, 25 Rupien 2014 „60 Jahre Unterseeboote der pakistanischen Marine“, CuNi. Vs.: Staatswappen und Staatsnamen über Jahreszahl und Ähren; Rs.: Unterseeboot, 1954–2014.


Foto: worldcoinsinfo.com

Islamische Republik Pakistan, 20 Rupien 2011 „150 Jahre Lawrence College in Ghora“, CuNi. Vs.: Staatswappen und Staatsnamen über Jahreszahl und Ähren; Rs.: Wappen der Schule.


Foto: worldcoinsinfo.com

Islamische Republik Pakistan, 25 Rupien 2015 „Jahr der Freundschaft mit der Volksrepublik China“, CuNi. Vs.: Staatswappen und Staatsnamen über Jahreszahl und Ähren; Rs.: Nationalflaggen.


Foto: worldcoinsinfo.com

Islamische Republik Pakistan, 20 Rupien 2013 „100 Jahre Islamia College in Peshawar“, CuNi. Vs.: Hochschulgebäude; Rs.: Gedenkinschrift.


Foto worldcoinsinfo.com

Islamische Republik Pakistan, 50 Rupien 2016 „Zum Tode von Abdul Sattar Edhi“, CuNi. Vs.: Staatswappen und Staatsnamen über Jahreszahl und Ähren; Rs.: Porträt von Abdul Sattar Edhi.


Foto: worldcoinsinfo.com

Der Übergang zu einer Republik war zwar Ausdruck der demokratischen Bemühungen, die 1956 auch zur Einführung des Frauenwahlrechts führten, aber insgesamt wenig erfolgreich waren. Zum Teil blutige Machtkämpfe erschütterten das Land, dessen östlicher Teil sich ohnehin von den Muslimen unterdrückt fühlte. Die politische Situation war sehr instabil, was durch militärische Konflikte mit dem Nachbarn Indien wegen der Zugehörigkeit von Kaschmir noch verstärkt wurde. 1958 läutete ein Militärputsch eine neue Phase pakistanischer Politik ein, die im Prinzip bis heute andauert: Immer wieder übernimmt das Militär die Herrschaft, eine gesicherte Demokratie konnte nicht erreicht werden, das Rechtssystem ist eng am Koran und seinen (Straf-)Vorschriften orientiert.

Ab 1974 beteiligte sich Pakistan am FAO-Prägeprogramm und legte in hoher Millionenzahl entsprechende Prägungen auf, die aber kaum von den normalen Kursmünzen zu unterscheiden sind. Neben Halbmond, Stern und Minarett tauchen Bilder zuerst 1976 auf pakistanischen Münzen auf, für den WWF Tierabbildungen, außerdem pakistanische Politiker. Das ist bereits die Zeit nach der Trennung der beiden Landesteile Ost- und Westpakistan, Ostpakistan machte sich als Bangladesch 1971 unabhängig. Münzoder Währungsumstellungen gab es durch diese Landesteilung im Westteil des Landes, also dem heutigen Pakistan, nicht.

Der Verlust des östlichen Landesteils führte zu einer Staatskrise, die jedoch eine vorsichtige Demokratisierung einleitete und 1973 eine neue Verfassung brachte. Diese Phase wurde bereits 1977 durch einen neuen Militärputsch und die Einsetzung des Kriegsrechts beendet. Die sowje - tische Besetzung Afghanistans ab 1979 katapultierte Pakistan zu einem bevorzugten Partner des Westens. Die USA ließen mit enorm hohen Kosten islamische Kämpfer gegen die Sowjetunion ausbilden und ausrüsten und schufen so die Basis für das Erstarken dieser Kräfte, die heute den Wes - ten bedrohen und kaum noch zu kontrollieren sind.

Freie Wahlen gabe es erst wieder 1988, aus denen erstmals in der Geschichte eines islamischen Staates mit Benazir Bhutto eine Frau als Regierungschefin hervorging. Eine Militärdiktatur gab es dann erneut 1999 bis 2008, die folgende Zeit ist von einer Erstarkung islamischer Politik geprägt, die häufig unkontrolliert wirkt und schon deshalb gefährlich ist, weil das Land nicht nur Aufmarschbasis für islamistische Kämpfer ist, sondern auch Kernwaffen besitzt. Dagegen ist die Münzprägung Pakistans eher schwach und unattraktiv.