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„Die Welt ist meine Sprache“


Buchkultur - epaper ⋅ Ausgabe 186/2019 vom 10.10.2019

Alain Mabanckou gehört zu den wichtigsten Stimmen der frankophonen literatur. Selten sind sich Kritik und leser so einig über einen zeitgenössischen autor. Das ist umso erstaunlicher, wenn dessen Verständnis von identität die grenzen von herkunft, Staaten, ja Kontinenten weit überschreitet.


1989 VERLÄSST Alain Mabanckou seine Geburtsstadt Pointe Noire Richtung Paris – 23 Jahre später wird er in ein Land zurückkehren, das ihm mit seinem traditionellen Aberglauben und seiner Konsumkultur neben postkolonialem Marxismus fremd geworden ist. Auch die Wahlheimat Frankreich hält ihn nicht, er lehrt zuerst in ...

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Bildquelle: Buchkultur, Ausgabe 186/2019

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... Michigan, dann in Los Angeles frankophone Literatur. Nach ersten Gedichtbänden wird sein Debütroman „Bleu-Blanc-Rouge“ mit dem Grand Prix littéraire d’Afrique noire ausgezeichnet. Die Anerkennung des literarischen Schaffens gipfelt in der Nominierung für den Booker Prize und die Berufung auf den Lehrstuhl für Künstlerisches Schaffen des Collège de France, eine Ehre, die damit erstmals einem Schriftsteller zuteil wird. Im neuen Roman „Petit Piment“ finden sich wunderbar verwoben alle seine Literatur prägenden Themen: die Liebe zur Schönheit der Sprache, auch die der Straße; die besondere Rolle der Frau, in ihrer Vitalität Symbol des Kontinents; das feinfühlige Hinhören auf das Leben, ironisch aufbereitet, sobald Mabanckou etwas von sich selber darin entdeckt – wenn er im Collège de France offen über seine Naivität als Kind bei der Entdeckung von Literatur spricht, lässt sich leicht die Parallele zu Petit Piments Naivität im Waisenhaus finden: Der Kleine hält es für eine Hochbegabtenschule. Und er spricht Tabus an: Hier den Sklavenhandel, den die afrikanischen Königreiche noch vor den Europäern betrieben – das bleibt für den aufklärerischen Geschichtslehrer des Romans nicht ohne Folgen …

ALAIN MABANCKOU LEHRT in Amerika, schreibt auf Französisch, beschäftigt sich mit den schwarzen Communautés in Paris bis (demnächst) zu den Kindersoldaten. Wie lebt es sich „zwischen den Welten“? „Die Welt von heute ist eine der Begegnung der Kulturen. Die Geschichte Afrikas und auch die europäische Kolonisation beeinflussen mein Schreiben ganz unmittelbar. Das erklärt, warum ich hier wie dort soziale Ungerechtigkeiten aufzeige.“

Alain Mabanckou , 1966 in der Republik Kongo geboren, verließ mithilfe eines Förderstipendiums Ende der 80er-Jahre seine Heimat, um in Paris sein Jurastudium fortzusetzen. Danach war er als juristischer Berater tätig. 2012 wurde er von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet. Er lebt in Paris und Los Angeles.
Petit Piment Übers. v. Holger Fock, Sabine Müller, Liebeskind, 240 S.


FOTO: HERMANCE TRIAY