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Die wilden Mopar-Jahre


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 27.07.2022
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Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 8/2022

So richtig los ging es 1964: Chrysler organisierte die Ersatzteil-Abteilung neu, und die Schreibweise MoPar, welche die Herkunft als Kofferwort der Begriffe “Motor” und “Parts” noch deutlich erkennen ließ, wurde schlicht zu “Mopar”. Um der Marke einen höheren Wiedererkennungswert zu verleihen, wurde das bis heute verwendete abgerundete blaue “M”, das an den griechischen Buchstaben Omega erinnert, als neues Logo präsentiert. Auf dem Gelände des Werks an der Lynch Road in Detroit wurde ein Teilelager eingerichtet, um den Versand abzuwickeln. Zudem organisierte man das Teileangebot systematisch, um Komponenten vom Luftfilter bis zur Ölwanne zügig an Kunden liefern zu können, die ihre Chrysler-Produkte wettbewerbsmäßig einsetzten.

Damit war das Hi-Performance-Teileprogramm etabliert, und spezielle Mopar-Rennsportteile wurden an die besten Teams in den Staaten verschickt. Ende der 1960er ging man einen ...

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... Schritt weiter, indem man auch leistungssteigernde Teile von Zubehörlieferanten, wie etwa Nockenwellen von Isky Cams oder Racer Brown, Edelbrock-Ansaugbrücken, Milodon-Ölversorgungskomponenten oder Hooker-Fächerkrümmer, anbot. Diesen verpasste man Chrysler-Teilenummern, die mit “P” – für “Performance” – begannen.

Das Geschäft lief gut, nicht zuletzt aufgrund der unermüdlichen PR-Arbeit: Immer, wenn ein von Chrysler gesponserter Rennwagen gewann oder ein neues leistungssteigerndes Mopar-Teil herauskam, wurde die gute Neuigkeit direkt über die zahlreichen Enthusiasten-Magazine verbreitet. Egal welches Blatt man aufschlug, Mopar war überall ein regelmäßiges Thema. Entscheidend war allerdings, dass Leute wie Richard Petty, Dick Landy oder Sox & Martin mit Autos von Dodge oder Plymouth Rennen gewannen. Hinzu kam, dass Road Runner, Charger, Dart und Super Bee sich auf der Straße, bei den Sprints von Ampel zu Ampel, gegen die Produkte von Ford und GM locker behaupten konnten.

Zur gleichen Zeit, um 1968 herum, war die Bezeichnung Mopar schließlich so weit verbreitet, dass sie nicht mehr nur für die entsprechenden Ersatz- und Tuningteile stand, sondern auch zu einem Slang-Wort für alle Autos aus der Produktion des Chrysler-Konzerns geworden war. Man sagte etwa: “Ich werde demnächst einen superheißen Mopar aufbauen!” oder an der Rennstrecke: “Mann, die Mopars haben es heute mal wieder allen gezeigt!”

Ab den 1970ern gab es einen Katalog für die Werks-High-Performance-Teile (und werksgeprüfte Zubehörteile), der “Hustle Stuff” hieß und sich an die Teileverkäufer der Autohändler richtete. Diese sollten schließlich Bescheid wissen, wenn Kunden an der Ersatzteiltheke auftauchten, die mehr Leistung aus den Maschinen ihres Dodges oder Plymouths herausholen wollten. Das darin angebotene Teileprogramm war zweigeteilt: Sektion I beschrieb Tuningteile für die Straße, während in Sektion II tiefer greifende Modifikationen für den Dragstrip-Einsatz vorgestellt wurden, die den Wagen “untauglich für den Straßenbetrieb” machten.

Zwischen den Zeilen war zu lesen, dass viele Street Racer die Mopar-Teile kauften. Und während die Präsenz im Motorsport eine gute Werbung für das Unternehmen darstellte, war das eigentliche Ziel, den Verkauf von Autos zu fördern. Und tatsächlich stammten viele der heißen Autos auf den Straßen von Chrysler, deren Besitzer noch mehr Gummi verbrennen wollten! Chrysler befürwortete keine Straßenrennen, aber die Realität war, dass es jede Menge Action auf der Straße gab.

Die Mopar Division schlug in Rennsportkreisen hohe Wellen, und Mopar-Manager Brian Schram wollte jetzt auch eine direkte Verbindung zu den Verbrauchern anbieten, damit diese genau wie die werksunterstützten Rennfahrer alle Speed Parts bekommen konnten. In einem Interview mit Hemmings Muscle Machines erklärte Schram, dass das Team des Performance-Parts-Programms “praktisch einen Speed Shop” betrieb und dass damals in der Lynch Road Garage der Slogan lautete: “Ruft diese Jungs an, wenn Ihr eine direkte Verbindung zur Firma haben wollt.” Mit anderen Worten: einen unmittelbaren Kontakt zu den Leuten, die all die guten Teile lieferten, mit denen in der NHRA, AHRA, NASCAR und anderen Rennsportarten so viele Siege eingefahren wurden. Der Name blieb haften, und so wurde Mitte der 1970er Jahre das “Mopar: Direct Connection”-Teileprogramm aufgelegt. Es war ein sofortiger Erfolg bei den Kunden!

In den folgenden Jahren wurden sogar komplette Kit Cars für Circle Track Races angeboten, die den Einstieg in den Motorsport erleichtern sollten, und Mitte der 1970er gab es ein Direct Connection Drag Racing Team mit einem Challenger Super Stocker sowie einem wilden B/Gas Plymouth Arrow, der mit 8,88 Sekunden einen NHRA-Klassenrekord setzte. Direct Connection wurde in den Drag-Zeitungen und -Magazinen groß herausgestellt und verkaufte viele Teile über Chrysler/Plymouth- und Dodge-Händler, darunter legendäre Läden wie Mr. Norm's in Chicago.

Der DC-Katalog von 1976 spiegelte die Veränderungen in der Branche wider: Er enthielt nun auch Customizing-Teile für Dodge-Vans, die einen großen Teil des Zubehörmarkts erobert hatten. Aber es waren weiterhin auch technische Highlights aufgeführt, wie zum Beispiel Doppelzündungs-Aluminium-Zylinderköpfe für 426-ci-Hemis, A990-Cross-Ram-Magnesium-Ansaugbrücken, bearbeitete Mullen-Köpfe für 340-ci-Small Blocks oder auf 44,5 Zoll von Trommel zu Trommel verschmälerte und mit 5,38:1 übersetzte Dana-60-Hinterachsen für ernsthafte Drag-Race-Anwendungen.

Aber einige der meistverkauften Teile aus dem Direct-Connection-Katalog waren preiswertere Dinge wie Ölhobel, Umrüstsätze für elektronische Zündungen und verchromte Ventildeckel. Man musste kein professioneller Rennfahrer sein, um im DC-Katalog Dinge zu finden, die das eigene Fahrzeug schneller oder schöner machten.

Als sich die Zeiten änderten, änderten sich auch die Teile im Katalog: Anfang der 1980er Jahre wurden beispielsweise Direct-Connection-Teile für die 4-Zylinder-Motoren von Chrysler angeboten (und Carroll Shelby wurde Sprecher der "New Chrysler Corporation"). Auch einige der Rennwagen waren mit neumodischen Konzepten wie Allradantrieb und 4-Zylinder-Motoren auf den IMSA-Strecken unterwegs, aber auf den Seiten der DC-Kataloge wurden stets die V8-Fans bedacht, unter anderem mit neuen Stage-V-Köpfes für "B"- und "RB"-Big Blocks.

Es gab Zeiten, in denen die Chrysler Corporation Schwierigkeiten hatte, sich über Wasser zu halten – und die Fahrzeuge, die sie verkaufte (K-Cars und Mini-Vans), waren kaum etwas, was Performance-Liebhaber interessierte, aber irgendwie lief das Direct-Connection-Programm weiter. “Wir haben hart daran gearbeitet, das Programm profitabel zu machen”, erzählte Brian Schram dem Autor Dan Strohl, vermutete aber, dass sie nie Gewinn damit gemacht haben. Natürlich war es schwer, den finanziellen Erfolg eines Programms wie Direct Connection zu messen, aber es stand außer Frage, dass es dem Unternehmen eine große Werbewirkung verschaffte und die treuen “Mopar-Jungs” oft Chrysler-Produkte kauften, wenn die Zeit für ein neues Familienauto oder einen neuen Truck zum Transport ihres Mopar-Rennwagens gekommen war. Schließlich ließ Chrysler den Namen “Direct Connection” fallen und ersetzte ihn durch “Mopar Performance” – bis 2022. Denn seit diesem Jahr werden die High-Performance-Teile von Mopar wieder unter der Bezeichnung “Direct Connection” über “Power Broker”-Dodge-Händler verkauft!

Text: James Maxwell Fotos: Archiv, James Maxwell Collection, Stellantis