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Die wunderbare Verwandlung


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Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 04.03.2022

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Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 4/2022

Die Entwicklung eines Underdogs zum Star hat die Menschen schon immer fasziniert – Legenden und Klatschpresse sind voll mit solchen Geschichten. Man denke nur an Aschenputtel oder das hässliche Entlein, das sich im Märchen von Hans Christian Andersen heranwachsend als eleganter Schwan entpuppt, der majestätisch übers Wasser gleitet. Ähnlich faszinierend ist die Entwicklung von Raupen, die sich auf wunderbare Weise in Schmetterlinge verwandeln. Metamorphose heißt der spannende Vorgang, bei dem das Ei zur Raupe und dann über die Puppe zum flugfähigen Schmetterling wird.

Das Ei wird von der Schmetterlingsmutter dort platziert, wo die schlüpfende Raupe gleich das passende Futter findet. Was das betrifft, sind die Raupen nämlich sehr eigen: Der Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling – welch herrlicher Name – etwa hat es auf die Knospen des Wiesenknopfs abgesehen. Eine beliebte Futterpflanze sind auch ...

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... Brennnesseln. Kleiner Fuchs und Admiral sind zur Eiablage auf sie angewiesen. Die Raupen des Schwalbenschwanzes, einer unserer größten und schönsten Tagfalter, fressen Dill, Fenchel, aber auch Karotte und Petersilie. Nicht infrage kommen dagegen Kuchen, Äpfel und Sahneschnitten, die die kleine Raupe Nimmersatt im gleichnamigen Kinderbuch bevorzugt verspeist. 4000 heimische Schmetterlingsarten gibt es, alle haben sich auf eine bestimmte Pflanzenart spezialisiert. Eines haben die Raupen gemeinsam: Sie sind verfressen bis zum Gehtnichtmehr. Das bis zu Dreitausendfache ihres Gewichts nehmen sie innerhalb von wenigen Wochen zu.

Futterpflanzen für Raupen

Brennnessel, Brombeere, Disteln, Flockenblumen, Geißblatt, Klee: Die Lieblingskost der Schmetterlingsraupen findet sich nicht unbedingt auf der persönlichen Hitliste der Gartenbesitzer. Fehlt eine bestimmte Pflanzenart, dann fehlt aber auch der dazugehörige Falter. Und mit ihm auch viele andere Tiere wie Grashüpfer, Käfer oder Fliegen, die ebenfalls auf diese Lebensgrundlage angewiesen sind. Deshalb der Appell der Naturschützer:

• Lassen Sie auch in Ihrem Garten ein paar unordentliche Stellen zu, an denen sich die Futterpflanzen entwickeln können. Der Einsatz von Pestiziden sollte unterbleiben und auch in der Landwirtschaft auf ein notwendiges Minimum begrenzt werden.

Ein ausgeklügeltes System: fressen und gefressen werden

Die Raupen fressen nicht nur, sie werden auch gefressen. Frostspannerraupen, die vor allem an Obstbäumen gefürchtet sind, stehen beispielsweise beim Trauerschnäpper auf dem Menüplan. Im April kommt er aus Afrika zurück und beginnt zu brüten. Seine Jungen schlüpfen, wenn auch die Frostspannerraupen in Massen auftreten. Auch den Meisen kann nichts Besseres passieren als eine Blattlausepidemie zur Brutzeit. Was der Gärtner als mittlere Katastrophe empfindet, sehen die Vogeleltern als himmlische Gabe, denn die benötigten tierischen Proteine stehen bei geringem Aufwand für die Nestlinge in Massen zur Verfügung. Ein Fiasko ist es dagegen für die Vögel, wenn der Gärtner sich mit der chemischen Keule ans Vernichten der Kerbtiere macht. In einem Rundumschlag fallen den Insektiziden nicht nur die „Schädlinge“, sondern auch viele Schädlingsfresser wie Florfliege, Marienkäfer und Co. dem Anschlag zum Opfer.

• Viele Raupenpflanzen wachsen auf mageren Böden. Wer hier Wildblumenmischungen für Magerstandorte gezielt sät, versorgt Falter mit Nektar und Raupen mit Grünfutter.

• Wer grundsätzlich viele Wildblumenarten in seinem Garten erlaubt, steigert auch die Wahrscheinlichkeit, dass das passende für eine Raupe dabei ist.

• Wo Schmetterlingsraupen im Nutzgarten zum Problem werden, setzt man etwa beim Kohlweißling auf Mischkultur oder schützt in der Zeit des Falterflugs die Kohlpflanzen mit Kulturschutznetzen.

• Stauden und Einjährige brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Deshalb ist es besser, wenn Teile des Gartens nur einoder zweimal jährlich gemäht werden. Das gilt vor allem auch für den Rasen, der besser eine Kräuter- und Blumenwiese sein sollte. Als Kompromiss kann man einen Blühstreifen am Rand anlegen. Im Hinterkopf sollte man behalten, dass manche Puppen – die des Schwalbenschwanzes etwa – an Stängel geheftet überwintern. Räumt man die Stängel vor Ende April ab, kommen die Puppen nicht zum Schlupf.

• Bei der Auswahl von Sträuchern und Bäumen sollte man auf jeden Fall einheimische Laubgehölze berücksichtigen. Warum eine Kirschlorbeerhecke? Schlehe, Kreuzdorn, Liguster und Weißdorn sind als Raupennahrung gefragt!

• Wer das „große Ganze“ im Blick hat, verzichtet auf Torf, denn Moore sind ein wichtiger Lebensraum für besonders gefährdete Arten.

Den Beitrag von naturnahen Gärten dürfen Sie nicht gering schätzen: Alle Gärten Mitteleuropas sind in ihrer Flächensumme etwa dreimal so groß wie die insgesamt unter Naturschutz stehenden Gebiete – so Bruno Kremer in seinem Buch „Schmetterlinge in meinem Garten“.

Ein Platz zum Überwintern

Ein weiterer Engpass für die Schmetterlinge ist die Überwinterung, wobei nur einige wenige Arten wie Tagpfauenauge oder Zitronenfalter als beflügelte Adulte überwintern. Falllaub, Trockenmauern, Hochstauden und Reisighaufen, das alles sind Plätze, wo Raupen oder Puppen überdauern können. Diese Orte sollte man ab Herbst unbehelligt lassen und vor allem nicht wegräumen. Gleiches gilt für den Kompost, in dem gern Eulenfalter ihre Puppenruhe verbringen.

FLÜGELT EIN KLEINER BLAUER FALTER VOM WIND GEWEHT, EIN PERLMUTTERNER SCHAUER, GLITZERT, FLIMMERT, VERGEHT. SO MIT AUGENBLICKSBLINKEN, SO IM VORÜBERWEHN SAH ICH DAS GLÜCK MIR WINKEN, GLITZERN, FLIMMERN, VERGEHN.

(Hermann Hesse)

Begriffsverwirrung

Im Alltag spricht man von Schmetterlingen und meint damit die bunten Tagfalter. Schmetterling ist dagegen ein Überbegriff, der auch Schwärmer, Spanner, Spinner und Motten umfasst. Die Falter selbst unterscheidet man nach anatomischen Besonderheiten und Lebensgewohnheiten in Tag- und Nachtfalter: Nachtfalter sind normalerweise nachts und in der Dämmerung unterwegs, Tagfalter am Tag. Keine Regel ohne Ausnahme: Das Taubenschwänzchen, eigentlich ein Nachtfalter, ist auch tagsüber zu sehen. Originell auch der Nagelfleck: Da sind die Männchen tagsüber, die Weibchen nachts auf Tour. Bunt gefärbt sind viele Tagfalter, der Zauber der Nachtfalter erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick:

Ton in Ton, in Beige-, Braun- und Schwarztönen sind ihre Flügel gehalten.

Diese Raupen sind nicht ohne!

Raupen sind an sich harmlos. Im Garten richten sie wenig Schaden an, denn sie treten eher einzeln auf. Es gibt aber auch Kandidaten, die nicht ohne sind. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind beispielsweise wegen ihrer Härchen gefährlich, die für den Menschen giftig sind und heftige allergische Reaktionen auslösen. Und das nicht nur bei direkter Berührung der Raupen. Da die Haare leicht abbrechen, werden sie vom Wind weiterverbreitet und dann beispielsweise auf dem Boden abgelagert. Sind die Raupen im Frühsommer in langen Reihen – daher stammt auch der Name – nachts unterwegs, um an Eichen zu fressen, dann ist in vielen Regionen Deutschlands Alarm angesagt. Die Forst- und Naturschutzbehörden schicken dann Warnhinweise los und raten Waldbesuchern, betroffene Regionen zu meiden. Nicht aus dem Weg gehen können den Eichenprozessionsspinnern dagegen ihre Wirtspflanzen, die Eichen. Einen Kahlfraß halten sie noch aus, vielleicht auch einen zweiten. Dann aber kann es eng werden, vor allem wenn trockene Sommer anstehen.

Hassobjekt Nummer eins vieler Gärtner ist der Buchsbaumzünsler. Eigentlich sehen die gelbgrünen Raupen mit den weißen und schwarzen Längsstreifen attraktiv aus. Attraktiv aber sind sie nicht, wenn sie, sicher in ihrem Gespinst versteckt, die Buchsblätter abfressen. Wer schon einmal vor einem Busch gesessen und die Raupen abgesammelt hat, weiß, wie nervtötend dieses Unterfangen ist. Mit Wasserstrahl abspritzen, mit Algenkalk düngen, Gespinste abschneiden: Das alles ist meist nur Ausdruck von Verzweiflung, ehe man sich von seinen Buchsbäumen trennt und sie in der Mülltonne entsorgt. Die gute Nachricht ist: Inzwischen scheinen zumindest Meisen die Raupen als Nahrungsquelle zu entdecken.

Auch ihn sollte man im Winter nicht anrühren, um das Schlüpfen im nächsten Frühjahr nicht zu gefährden. Vielleicht können Sie auch Geräteschuppen oder Dachboden einen Spalt offen lassen: Dort suchen Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs Unterschlupf. Ganz wichtige Winterquartiere sind auch hochwüchsige Stauden, in deren Halmen verschiedene Falterstadien überwintern. Beliebt sind auch Efeu, Waldgeißblatt und Wilder Wein.

Noch ein Tipp, wenn sich ein Tagpfauenauge oder ein Kleiner Fuchs vor dem Winter in Ihre Wohnung verirrt hat: Steigen die Temperaturen dort über 12° C, dann erwachen sie aus der Winterstarre, gehen aber in Kürze ein, weil sie kein Futter finden oder erfrieren. Packen Sie deshalb den Schmetterling vorher in eine kleine Pappschachtel mit Öffnung und stellen sie diese geschützt ins Gartenhaus oder in den kalten Geräteschuppen. Von dort kann er dann im Frühjahr starten, wenn ihm die Temperaturen behagen.

Wie und wo geht’s zum Falter?

Fünf- bis sechsmal häutet sich die Raupe, damit sie beim Fressen nicht aus allen Nähten platzt. Ihr Körpergewicht kann sie in diesem Zeitraum vertausendfachen. Ist ein kritisches Gewicht erreicht, beginnt die Verpuppung. Äußerlich hängt die Schmetterlingspuppe völlig reglos an einem Platz. Im Inneren werden die Organe umgebildet. Am Ende platzt die Puppenhaut auf, der Falter kriecht heraus. Die nächsten

Stunden verbringt er damit, seine Flügel zu entfalten. Der Schmetterling sieht dann nicht nur ganz anders aus, sondern er benötigt auch ganz andere Nahrung: Nektar und Pollen sind gefragt, aber auch das zuckerhaltige Sekret aus Rindenwunden oder der Saft von Fallobst. Meist ist das Nahrungsspektrum der Falter aber sehr viel breiter als das der Raupen. Bestes Beispiel ist der Zitronenfalter: Das adulte Tier gaukelt auf der Suche nach Nahrung verschiedenste Pflanzen an, die Raupe selbst frisst ausschließlich am Laub von Faulbaum oder Kreuzdorn.

Text: Christa Klus-Neufanger

BUCHTIPP

Bruno Kremer Schmetterlinge in meinem Garten 208 Seiten mit zahlr. Fotos Haupt Verlag, 29,90 €

ISBN 978-3-258-08054-3