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DIE WURZELN DES PASSATS


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surf - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 23.11.2022
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Der globale Gürtel der Passatwinde wandert im de: zum Sommer hin nach Norden und zum Winter hin dann wieder nach Süden. Dieses jahreszeitliche Pendeln führt dazu, dass die Spots, die am subtropischen Rand der Passatzone liegen, in den Wintermonaten ihr passatisches Sonne-mit-Gleitwind-Zertifikat los sind.

Zwar gibt’s auch im Winter immer wieder mal längere, sonnige Witterungsperioden mit prachtvollen Winden zum Abheben. Doch zwischendurch ist der Ost ( oder aus welchen Richtungen der Wind dann auch immer kommen mag) nur noch ein Schatten seiner selbst. Oder er wird kurzzeitig bockig mit Böen und Starkwindgefahr. Regen fällt im Winter auch ab und zu – gelegentlich muss der Surfer ebenfalls einen Schwall kühler Luftmassen aus höheren Breiten in Kauf nehmen.

Zu diesen Destinationen, die im Sommer top sind, aber man im Winter nur kurzzeitig buchen sollte, weil sie dann mitunter „ihre Tage haben“, ...

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Portugal

Während die Wellenreiter vor allem den Norden des Landes bevölkern, locken Sonne und Wärme die Windsurfer in den Süden. Besonders beliebt ist der Küstenabschnitt zwischen Cascais bei Lissabon – und die westliche Algarve, etwa rund um Meia Praia.

Die Zeit von Mitte Mai bis Mitte September bietet häufige Nortado-Episoden. Das ist ein passatähnlicher Wind aus nördlichen Richtungen, der den eigentlichen Passat, weiter im Süden, in Richtung Kanaren und Marokko speist.

Die Zuverlässigkeit des Nortados beruht auf dem Druckgefälle zwischen dem Azorenhoch und dem sommerlichen Hitzetief über der Mitte der Iberischen Halbinsel. Von Hitze kann man auch im südlichen Küstenabschnitt Portugals nicht wirklich sprechen. Dafür gibt’s recht beständig die Nordwinde, sie sorgen dort an vielen Spots für eine Gleitwind-Häufigkeit von 30 bis 40 Prozent.

Marokko

Die Atlantikküste im Südwesten Marokkos empfängt den Surfer mit viel Sonne, und in der Zeit von April bis September mit unzähligen Gleitwind-Tagen. Zu den angesagten Spots gehören Essaouira und weiter im Süden Sidi Kaouki.

Der Windmotor beruht auf dem starken Druckgefälle entlang der Küste. Denn draußen auf dem Atlantik geht‘s in Richtung Azorenhoch, während im Hinterland das Hitzetief der Sahara brütet. Die markanten, thermischen Kontraste (ein kühler Kanarenstrom, der die Temperaturen draußen auf dem Atlantik in die Nähe der 20 Grad-Marke drückt, während sich die Luft im Landesinnern regelmäßig auf 35 bis 40 Grad aufheizt ) zieht mit dem großräumigen Luftdruckgefälle an einem Strang – und so sattelt die thermische Brise drauf und gibt dem Passat vom späten Vormittag bis in den Abend hinein einen zusätzlichen Kick.

KÜHLER ATLANTIK, HEISSE WÜSTE – DER TURBO FÜR DEN WIND IN MAROKKO

Küstenparallele Hügelketten im Hinterland schenken besonders Essaouira durch den Leitplankeneffekt ein Windplus mit perfekter Sideshore-Qualität.

Hitzetief – Turbo für den Passat

Der große Temperaturunterschied zwischen dem relativ kühlen Atlantik und der heißen Sahara gibt dem Passat schon einen Schub. Der Leitplankeneffekt durch die Berge im Hinterland von Essaouira beschleunigen den Wind nochmal erheblich – fünf bis sieben, in Böen acht Windstärken sind die Folge.

DER SOMMER IST ABSOLUTE HOCHSAISON FÜR DEN KANAREN-PASSAT

Kanarische Inseln

Die Inselkette der Kanaren draußen auf dem Atlantik kann uns thermisch gepuschte Winde wie bei Portugal oder Marokko nicht bieten. Das brauchen die Kanaren auch gar nicht. Denn die Inselkette liegt so weit südlich, dass sie zumindest im Sommerhalbjahr voll in den Genuss der Passatbrise aus Nordost kommt.

Die kanarischen Spots wären aber sicher nicht so beliebt, gäb‘s dort nicht so zahlreiche, von der lokalen Küstentopografie getriggerte Düsen. Sie verleihen dem Passat einen Extraschub. Allein der Blick auf die Karte der Windsurfspots zeigt, dass diese nicht zufällig verteilt sind: Viele liegen an Küstenabschnitten, die von Nord bis Nordost nach Süd bis Südwest orientiert sind – und zugleich über küstenparallele Bergzüge im Hinterland verfügen. Ergebnis ist ein perfekter, durch Führungs- und Leitplankeneffekte stimulierter Sideshore-Wind. Wie etwa an der Ostküste Teneriffas bei Puertito de Güímar und an der Playa del Médano. Oder an der Playa de Vargas, Pozo Izquierdo und der Playa del Águila (Adler: nomen est omen!) im Südosten von Gran Canaria.

Nördliches Rotes Meer mit Golf von Aquaba

Auch das Rote Meer zählt zur Wurzelzone des Passats. Zumindest im Sommerhalbjahr kennt der Wind hier nur eine Richtung und Stärke: Er weht je nach Tageszeit und Location mit vier bis fünf, zuweilen auch sechs Beaufort aus Nord bis Nordost.

Verglichen mit den atlantischen Spots in der Wurzelzone des Passats weisen diese Surfdestinationen einen großen Vorteil auf. Luft und Wasser sind hier (weit weg vom Atlantik und geschützt vor der mediterranen Feuchtigkeit durch Föhneffekte seitens der Sinai-Berge) mit 30 bis 35 Grad wirklich warm, wunderbar warm – und das nicht nur im Sommer. Auch zur Winterzeit zeigt sich oft die Sonne, und die Temperaturen liegen meist über der 20 Grad-Marke. Einzig die Winde lassen dann mitunter zu wünschen übrig, besonders im Norden der Region.

Manche Spots avancieren dank topografischer Effekte zum Starkwindrevier, zum Beispiel Dahab im Süden des Golfes von Aquaba. Gold lautet die Übersetzung des Ortsnamens – hatte die Sufergemeinde vielleicht bei der Namensgebung mitgewirkt, um auf dieses Starkwind-Eldorado aufmerksam zu machen? Der Meteorologe kann gleich vier Speedfaktoren ausmachen, die zur besonderen Windgunst Dahabs beitragen:

TOURISTISCH MUSSTE ÄGYPTEN IMMER WIEDER RÜCKSCHLÄGE HINNEHMEN – DER WIND BLIEB

· Das Sinai-Gebirge verläuft von NNO nach SSW und bildet damit einen optimal spitzen Winkel zum Passat mit maximaler Beschleunigungswirkung (Leitplankeneffekt).

· Im engen Golf von Aquaba ist der Kanalisierungseffekt auf den Wind groß.

· Im Sommer kommt die Sonne schon am frühen Vormittag (und damit früher am Tag als an den Spots weiter im Süden) in einen günstigen Winkel zur Gebirgsflanke des Sinais, was zu einem entsprechend frühen Start der thermischen Windmaschine bei Dahab führt.

· Der Spot selbst liegt auf einer Halbinsel, also in exponierter Lage genau im Luftstrom der Küstendüse.

MAUI – IMMER NOCH DAS SEHN-SUCHTSZIEL VIELER SURFER

Hawaii

Das weitab vom Festland gelegene Archipel ist wegen der guten Swell-Bedingungen besonders bei den Wellenreitern beliebt. Auch die ganzjährig warmen Luft- und Wassertemperaturen sind ein Pluspunkt. Die Gleitwind-Chancen sind von April bis August am größten. Wer bei der Windstärke auf Nummer sicher und zugleich dem hohem Winter-Swell aus dem Weg gehen will, sucht sich die windstärkste Zeit von Juni bis September aus.

Auch wenn die Destination erste Wahl bei den Wellensurfern ist, bietet sie auch einige gute Windsurfing-Spots. Wieder einmal wie bei vielen Kanaren-Spots oder auch bei Dahab, hieven topografische Effekte die Windkurve über die Gleitwind-Grenze. Die meisten liegen auf der Insel Maui. Viele davon an der Nordküste, die bei Nordost schräg auflandige Sideshore-Winde bietet und von einem leichten Leitplanken-Effekt der Küstenlinie profitieren kann.

Wer weniger Wellen, dafür aber mehr Wind braucht, dem sei der Spot Maalaea an der Südküste empfohlen. Dieser starkwindanfällige Küstenabschnitt liegt am Fuße des sich im Nordwesten auf bis knapp 180o Meter erhebenden Bergstocks Pu‘u Kukui. Dadurch profitiert der Spot bei Nord- bis Nordostwinden von einem krassen Leitplankeneffekt und mausert sich so zum Speedrevier.

Südafrika

Weniger exotisch für den europäischen Surfer als Hawaii ist mittlerweile die Südspitze Südafrikas. Allerdings erwarten uns hier in puncto Luft- und Wassertemperaturen rauere Bedingungen. Das möchte man angesichts der geografischen Breite, die mit 34 Grad etwa der der tunesischen Insel Djerba entspricht, gar nicht glauben. Doch der –praktisch vis-à-vis der Küste gelegene – Eisschrank Antarktis mit seinen verglichen mit unserer Arktis viel eisigeren Temperaturen schiebt sämtliche Temperaturzonen auf der Südhemisphäre nach Norden. Auch wenn die Sonne relativ hoch steht: Das Winterhalbjahr ist hier rund um Kapstadt ziemlich kühl – und zudem wechselhaft mit Tiefausläufern und vorherrschend westlichen Winden.

Im Sommer dagegen, wenn bei uns Winter ist, schafft‘s die randtropische Passatzone, sich polwärts gerade noch bis zu diesem Revier auszudehnen. Das Wetter ist dann beständiger, die Sonne zeigt sich öfter, und der Sommerpassat weht recht zuverlässig und vorherrschend aus Südost (Southeaster). Als windigste Monate gelten November, Januar und Februar.

In der Zeit beobachtet man auch das berühmte Tischtuch des Kapstädter Tafelbergs: Eine Wolkenhaube, die durch die Hebung der feuchten Meeresluft bei lebhaften Winden entsteht – in Verbindung mit der passattypischen Inversion (wärmere Luftschicht über Gipfelniveau). Das Phänomen ist vergleichbar mit dem Tischtuch des Felsens von Gibraltar, der bei heftigem Ost den Levante ankündigt.

Zu den Spots in der Nähe von Kapstadt zählt Sunset Beach. Der Sandstrand ist traumhaft, nicht allzu überlaufen – und der Gleitwind hält mitunter bis zum Sunset durch.

Beliebt ist auch der Ort Melkbos weiter im Norden. Der Passat kommt hier mit Süd bis Südost genau sideshore von links. Der riesige Sandstrand bietet Platz für reichlich Wellen – wie auch Windsurfer. Guten Wind gibt es meist vom späten Vormittag bis zum späten Nachmittag.

Noch weiter im Norden, etwa 120 Kilometer nördlich von Kapstadt, liegt der bekannte Surfspot Langebaan, seit Jahren die Basis des surf Magazin-Tests. Lagune und Flachwasser locken nicht nur mit wärmerem Wasser, sondern auch mit kleinen Wellen und teilweise auch guten Schulungsbedingungen. Wer 65 Prozent und mehr Gleitwind zur Bedingung macht, kann ganz getrost in der Zeit von Oktober bis März buchen.

KAPSTADT IST DER BELIEBTESTE WINTERSPORTORT EUROPÄISCHER SURFER