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DIE ZEHN GRÖSSTEN VIDEOSPIELESHITSTORMS 2019


N-Zone - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 19.02.2020

Welche Skandale und Skandälchen erregten im vergangenen Jahr das kollektive Spielergemüt? Wir haben an dieser Stelle unsere Auswahl der zehn größten Shitstorms getroffen!


Sitstorms. Würde es eine Wahl zum Internet-Unwort schlechthin geben, der Begriff wäre wohl ganz vorne mit dabei. Er wird aber auch wirklich etwas inflationär genutzt und inzwischen wird fast jeder semikontroverse Pups zum Shitstorm hochstilisiert. Allerdings ist es nun einmal Teil der menschlichen Natur sich gerne aufzuregen und so werden wir den Begriff wohl noch lange mit uns tragen. Und es ist ja nicht so, als ob es nicht immer ...
Lukas Schmid ...

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Sitstorms. Würde es eine Wahl zum Internet-Unwort schlechthin geben, der Begriff wäre wohl ganz vorne mit dabei. Er wird aber auch wirklich etwas inflationär genutzt und inzwischen wird fast jeder semikontroverse Pups zum Shitstorm hochstilisiert. Allerdings ist es nun einmal Teil der menschlichen Natur sich gerne aufzuregen und so werden wir den Begriff wohl noch lange mit uns tragen. Und es ist ja nicht so, als ob es nicht immer wieder Ereignisse gäbe auf die er zutrifft. Aussagen von Einzelpersonen, Entscheidungen von Unternehmen und andere Geschehnisse, welche einen wirklich gewaltigen Rattenschwanz an negativen Emotionen und entsprechend geäußertem Unmut nach sich ziehen. Um genau diese, die richtig großen Skandale, welche die Videospielewelt 2019 bewegten, geht es in unserem Artikel – ohne fixe Reihung. Nicht in allen Fällen war der Shitstorm eventuell gerechtfertigt oder notwendig, aber alle diese Ereignisse prägten die Gaminggemeinde in den letzten zwölf Monaten nachhaltig. Bitte beachten: Nur, weil ein Shitstorm in dieser Liste auftaucht, heißt das nicht, dass wir die Empörung in allen Fällen zwingend teilen. Don’t kill the messenger!
Lukas Schmid

EPIC: EXKLUSIVDEALS ERZÜRNEN STEAMNUTZER

Beginn des Shitstorms: 28. Januar 2019 – der Mextro-Exklusivdeal wird bekannt.

Im Dezember 2018 ging der Epic Game Store an dem Start, nachdem davor lediglich ein Epic-Launcher im Einsatz war. Ein neuer, von einem starken Unternehmen getragener Store als Gegengewicht zu Steam? Noch dazu einer, bei dem die Entwicklerstudios deutlich mehr Geld durch Verkäufe erhalten als bei Steam? Die Idee fanden viele Spieler erst einmal gut. Allerdings, die Stimmung änderte sich schnell als klar wurde, mit welchen Methoden Epic seine Marktherrschaft erzwingen wollte: Mit teuer eingekauften Exklusivdeals. Die meisten zwar nur zeitlich begrenzt, aber sechs Monate bis ein Jahr zusätzliche Wartezeit auf eine Steamversion sind dann doch nur schwer zu akzeptieren. Waren anfangs nur Indiespiele betroffen, gaben die Macher von Metro Exodus im Januar 2019 bekannt, dass ihr Shooter nun ebenfalls, anders als geplant, Steam für ein Jahr fernbleiben würde. Hier nahm der Shitstorm seinen Anfang. Im Laufe der Zeit folgten unter anderem The Division 2, Borderlands 3 und Control. Mit jeder Ankündigung brachte man PC-Spieler mehr gegen sich auf. Es half nicht, dass Epic das Vorgehen mit der fadenscheinigen Begründung erklärte, dass man diesen Schritt nur ginge, damit Steam den Entwicklern einen größeren Anteil am Umsatz der Spiele zugestehen würde. Hier wurde offensichtlich versucht, sich auf ungeschickte Weise als der Gute hinzustellen, wenngleich eine aggressive Übernahme von Marktanteilen und scheinbar edle Motive nicht wirklich zusammenpassen. Vor allem im Falle von Spielen, die per Crowdfunding finanziert und dereinst für Steam bestätigt wurden, war und ist eine Epic-Exklusivität ein Schlag ins Gesicht der Backer. Hier machte Phoenix Point den Anfang, später zogen Titel wie Shenmue 3 nach. Inzwischen hat Epic versprochen, zumindest kurz vor dem Launch keine Spontan-Exklusivdeals mehr bekanntzugeben – am Shitstorm hat das aber nur wenig geändert. Zu allem Überfluss ist der Epic Games Store nach wie vor alles andere als ausgereift und viele Features, die auf Steam selbstverständlich sind, fehlen bis heute. Wer vollumfängliche Cloudsaves, Archievements, User-Reviews oder auch nur einen Einkaufswagen wollte und will, für den gilt teilweise nach wie vor traurigerweise: Bitte warten.

Metro Exodus war der erste richtig große Titel, der Steam hinter sich ließ und zeitexklusiv im Epic Games Store erschien. Es folgten noch viele weitere nach.


Gerade bei Kickstarterprojekten wie Shenmue 3 stieß und stößt die Epic-Exklusivität auf viel Kritik. Die PC-User haben schließlich für eine Steam-Version gespendet.


BIOWARE: ANTHEM FLOPPT GEWALTIG

Beginn des Shitstorms: 22. Februar 2019 – Anthem erscheint.

Bioware, wie tief bist du gefallen? Einst schien es, als könnten die Erfinder von unter anderem Baldur’s Gate, Neverwinter Nights, Star Wars: Knights of the Old Republic, Jade Empire, Dragon Age und Mass Effect nichts falsch machen. Mit der 2007 erfolgten Übernahme durch Electronic Arts und in den Jahren danach mannigfaltigen personellen und strukturellen Änderungen machte das Studio aber immer mehr durch Skandale aufgrund prekärer Arbeitsbedingungen und mittelmäßigen oder zumindest nicht einhellig mit Begeisterung aufgenommenen Spielen von sich reden. Mit Dragon Age 2 und Mass Effect 3 enttäuschte man schon viele Fans, mit Mass Effect: Andromeda brachte man das bis dato am meisten kritisierte Spiel heraus, welches noch dazu unter zahlreichen Bugs litt. Aber niemand war auf das vorbereitet, was mit Anthem passieren würde. Auch hier weiß man von einer extrem holprigen Entstehungsgeschichte, bei der das Studio lange Zeit nicht wusste, was für eine Art Spiel Anthem überhaupt sein würde. Nun, es ist ein Third-Person- Loot-Shooter mit Koop-Fokus und eines der enttäuschendsten Spiele der letzten Jahre. Nicht nur, dass man sich von Bioware viel mehr erwartet hätte. Es offenbarten sich auch unzählige Halbwahrheiten aus der Entwicklungsphase, die nach dem Launch enttarnt wurden und Bioware einen gewaltigen Shitstorm einbrachten. Unzählige versprochene Spielelemente fehlten, die Technik war meilenweit von dem entfernt, was versprochen wurde, der Koop-Modus war fehlerbehaftet, die Geschichte belanglos, Bugs gab es allenthalben und das Endgame war quasi nonexistent. Hinzu kam ein völlig kaputtes Lootsystem. Als ein Bug dieses kurzzeitig behob und die Spieler mit mehr Items belohnte als geplant, nutzte Bioware diese Chance nicht, um Boden gutzumachen, sondern korrigierte diesen (unter Anführungszeichen) „Fehler“ – innerhalb kürzester Zeit. Für die vielfältigen richtigen Probleme hingegen hatte man keine Lösung parat. Die Kritik war nach dem Launch laut, doch anstatt sich ihr zu stellen, gingen die Zuständigen bei Bioware fast durchgehend auf Tauchstation. Versprochen wurde bloß, dass die Roadmap, welche viele neue Inhalte und Updates in Aussicht stellte, auch viele der Probleme ausbügeln wurde. Jedoch, daraus wurde nichts und es folgte die zweite Empörungswelle. Mitte des Jahres wurde die Roadmap verschoben, im Herbst schließlich ganz gecancelt und stattdessen sind nun unregelmäßige und nicht näher definierte Updates geplant. Abseits eines mittelmäßigen Raid-Events ist Anthem heute kein drastisch anderes Spiel als zum Launch. Davon, dass Electronic Arts und Bioware noch viel Geld und andere Ressourcen in die Hand nehmen werden, um diesen spielbaren Unfall noch zu retten, ist nicht auszugehen. Für die gefühlt zwölf verbliebenen Spieler würde sich das nämlich kaum lohnen.

Anthem wollte zum ultimativen Koopspiel werden. Aus diesem Vorhaben wurde aber leider gar nichts. Heute ist so gut wie niemand mehr auf den Servern unterwegs.


Da kann die Spielwelt noch so schön sein – Anthem ist leer und die Aufgaben sind allesamt uninspiriert. Inhaltliche Updates sind bis zum heutigen Tage rar gesät.


SONIC THE HEDGEHOG: TRAILER ZUM FILM VERSTÖRT FANS

Beginn des Shitstorms: 30. April 2019 – der Trailer wird veröffentlicht.

Links das alte Design des berühmten Flitzeigels, rechts das neue. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Es ist selten, dass Kritik von Fans tatsächlich derartige Auswirkungen hat.


Man mag von Meisterdetektiv Pikachu halten, was man will. Bei der anvisierten jüngeren Zielgruppe kam der Film auf jeden Fall gut an und es gelang ihm, die weltberühmte Videospiellizenz auf eine stimmige Art und Weise auf die Leinwand zu bringen. Für viele gilt der Streifen als die bis dato beste Videospielverfilmung. Vielleicht ist es der Umstand, dass Meisterdetektiv Pikachu noch so frisch im Gedächtnis der Leute war, welcher der Verfilmung von Sonic the Hedgehog schon früh beinahe das Genick brach. Wo Pikachu und die anderen Pokémon perfekt in die reale Welt integriert wurden, verhießen die ersten geleakten Designkonzepte und Filmposter zur Sonic-Verfilmung nichts Gutes. Am 30. April wurde der Trailer veröffentlicht und alle schlimmen Befürchtungen bewahrheiteten sich. Sonics Design wurde für seinen ersten Trip nach Hollywood komplett überarbeitet und definitiv nicht zum Besseren. Ein seltsam langgezogener Körper, eine Augen- und Mundpartie samt gruselig-menschlicher Zähne, welche dem Begriff Uncanny Valley eine völlig neue Bedeutung gaben, und auch sonst unzählige Veränderungen der Veränderung Willen. Sonics Design sah einfach fürchterlich aus! Hinzu kam, dass der Film nicht in Sonics Welt spielt, sondern auf Teufels komm raus eine Geschichte ersonnen wurde, welche ihn in unsere Welt verfrachtet. Man nehme einen völlig überdrehten Jim Carrey als Dr. Robotnik und die völlig unpassende Nutzung des Songs „Gangsta’s Paradise“ im Trailer hinzu und der Bildschirm-Durchfall ist perfekt. Die Spielerschaft und auch sonst so ziemlich jeder mit Augen reagierten entrüstet. Rufe wurden laut, dass man Sonic neu designen müsse. Gerne zitiert wurde auch eine Aussage des Regisseurs im Vorfeld, die grob z u s amme n g e - fasst aussagte, dass man das Design von Videospielfiguren in Filmen überarbeiten müsse, da die Fans selbst nicht wüssten, was am besten für sie sei. Sarkastisch formuliert: Hollywood weiß es besser und jetzt seid brav und geht zurück zu euren Nintendos und Segas. Allerdings, von dieser überheblichen Einstellung war nur Tage nach dem Release des Trailers nichts mehr zu hören. Stattdessen passierte das völlig Unerwartete: Die Macher des Films zeigten Reue und versprachen, Sonics Design zu überarbeiten. Anstatt Ende 2019 kommt der Film deswegen nun erst im Februar 2020 in die Kinos. Im November war es dann soweit und das Filmstudio veröffentlichte einen zweiten Trailer mit neuem Sonic-Look, an dem es diesmal wirklich nichts zu mäkeln gibt. Sonic sieht aus wie Sonic – wer hätte auch ursprünglich ahnen können, dass das eine gute Idee ist? Somit ist dieser Shitstorm einer mit Happy End. Daran, dass der Film nach wie vor ziemlich dämlich aussieht, ändert das neue Design zwar nichts, aber hey, man kann nicht alles haben.

Hier zum Vergleich die zwei bekanntesten Sonicdesigns aus den Spielen, Classic Sonic und sein modernes Gegenstück. So muss das aussehen!


NINTENDO: MARIO KART TOUR ZOCKT SPIELER AB

Beginn des Shitstorms: 22. Mai 2019 – Start der Beta

Als Nintendo vor einigen Jahren ankündigte, dass man zukünftig auch Mobile Games entwickeln wolle, war das Interesse unter Spielern groß. Wenn man einem Entwickler zutraute, dass er der unter Vielspielern oft belächelten Plattform seinen Qualitätsstempel würde aufdrücken können, dann der Mario-Konzern. Zu Beginn versuchte Nintendo mit Super Mario Run auch tatsächlich, ein relativ klassisches Spielkonzept auf mobilen Geräten zu etablieren. Allerdings, der Erfolg war endenwollend und spätere Projekte setzten vermehrt auf Free2Play. Animal Crossing: Pocket Camp, Fire Emblem Heroes und Co. unterschieden sich aber insofern von der Konkurrenz, als dass es eine interne Vorgabe gab, dass die Echtgeld-Spielmechaniken nicht zu spielerunfreundlich gestaltet sein dürften. Als herauskam, dass diverse Aktionäre sich wegen des Nintendo-gepublishten Dragalia Lost sogar beschwerten und tiefergreifende Ausbeutungsmethoden verlangten, war das ein großer Imageboost für Nintendo. Der Mario-Konzern als Speerspitze gegen unfaire Bezahlmodelle quasi. Das jedoch war früher. Inzwischen hat Nintendo einen neuen Boss und offenbar auch ein paar neue Prioritäten etabliert. Dr. Mario World machte es vor und das ungleich erfolgreichere Mario Kart Tour setzt nun in einer Art und Weise auf Free2Play, die so manch anderem Mobile Game die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Das wurde schon offenbar, als im Mai Infos aus der Closed Beta durchsickerten. Als das Spiel dann Ende September erschien, zeigte sich, dass die Gestaltung genauso auf Echtgeld getrimmt war wie es die Beta verheißen hatte. Lange Wartezeiten, wenn man nicht bereit ist zu zahlen, in extrem teuren Lootboxen versteckte Inhalte, aggressive Aufforderungen, man solle sich beeilen, diesen oder jenen Fahrer freizuschalten, weil er nur noch eine begrenzte Zeit verfügbar sei, diverse verwirrende Währungen … Mario Kart Tour bietet all das. Nintendo ist also gewillt, den Ruf einer der wertvollsten Marken aus dem eigenen Hause für ein paar schnelle Euros zu riskieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Mario Kart Tour weit von der Qualität der richtigen Mario Karts entfernt ist. Ja, es sieht nett aus, aber die Steuerung ist extrem simpel und trotzdem ungenau und zum Start gab es nicht einmal Multiplayer. Dafür aber Rennen, die einem vorgaukelten, gegen echte Fahrer anzutreten. Das kennt man sonst nur aus den übelsten Abzock-Titeln. Entsprechend groß war und ist der Aufschrei derer, die sich auf ein gut gemachtes Mario Kart für unterwegs gefreut hatten. Den Vogel schoss Nintendo aber mit dem sogenannten Gold Pass ab. Für fünf Euro im Monat (und damit für mehr als man für so manchen vollwertigen Spiele-Abodienst zahlt) erhält man dann Zugriff auf diverse exklusive Features. So darf man nur dann in der 200cc-Klasse antreten, erhält mehr Items und exklusive Badges. Einerseits ist das extrem dürftig, andererseits aber auch extrem frech. Denn sogar, wenn man für Lootboxen bezahlt, stehen einem dann eben nicht alle Inhalte offen. So groß der entsprechende Shitstorm auch ist, der Erfolg gibt Nintendo leider Recht. Inzwischen hat man für das nach und nach um immer weitere Echtgeldinhalte erweiterte Animal Crossing: Pocket Camp nicht nur ein, sondern gleich zwei Abo-Modelle angekündigt. Wer Zugriff auf alle Inhalte haben will, zahlt dort zusammen also fast 13 Euro im Monat. Happig!

Fake-Multiplayer, eine mäßig gelungene Steuerung und vor allem durch die Bank extrem freche Echtgeld-Abzockversuche – Mario Kart Tour ist der absolute Bodensatz, was Nintendos Mobile Games angeht. Leider macht das Beispiel Schule und inzwischen wurde Animal Crossing: Pocket Camp auch durch neue Bezahlmodelle verhunzt.


NINTENDO: DER POKÉDEX WIRD HALBIERT

Beginn des Shitstorms: 11. Juni 2019 – das Spiel wird auf der E3 enthüllt.

Da können auch die teils sehr putzigen neuen Monsterchen nicht drüber hinwegtäuschen: In Schwert und Schild herrscht Poké-Armut! Erst durch den DLC werde ab dem Sommer des aktuellen Jahres neue Taschenkreaturen hinzugefügt.


Der zusammengekürzte Pokédex ist nicht das einzige Problem, was Fans mit den Spielen haben. Auch das Endgame enttäuscht etwa. Es bleibt abzuwarten, ob die Entwickler von The Pokémon Company die Kritk fürt die nächsten Spiele ernstnehmen.


Und gleich noch einmal Nintendo! Beziehungsweise Game Freak. Auf der E3 wurden Pokémon Schwert und Schild erstmal ausführlich präsentiert. Viele Dinge wie die 3D-Grafik und das britisch angehauchte Setting gefielen den Fans. Eine Ankündigung hingegen sorgte für gehörige Empörung. Anstatt die nicht im Spiel selbst enthaltenen Taschenmonster wie bisher im Nachhinein mittels spezieller Programme ins Abenteuer integrieren zu können, streichen Schwert und Schild den sogenannten Nationalen Pokédex. Heißt im Klartext: Nur den Monsterchen, die es zu fangen gibt, ist auch ein Auftritt im Spiel vergönnt. Wie sich später rausstellen sollte sind es satte 500 der knapp 900 derzeit verfügbaren Pokémon, die dem Rotstrich zum Opfer gefallen sind. Spaßeshalber sprechen Poké-Liebhaber darum auch vom Thanos-Snap, der die Welt des Rollenspiels getroffen hat und spielen damit auf eine Szene aus Marvel’s Avengers: Infinity War (Spoiler!) an, in welcher der Bösewicht Thanos mit einem Fingerschnippen die Hälfte aller Lebewesen im Universum auslöscht. So lustig gemeint dieser Vergleich, so ernst ist die Enttäuschung vieler Fans. Den Ärger einzudämmen gelang es auch mit der Erklärung der Entwickler nicht. Sie sagen, dass es zu viel Aufwand gewesen wäre, alle Modelle und Animationen der Taschenmonster neu für die Rollenspiele zu entwickeln. Allerdings ist bekannt, dass schon lange eine Art interne Datenbank existiert, in der alle Pokémon in hoher Qualität enthalten sind, sodass sie entsprechend schnell adaptiert werden können. Außerdem wurden auch Monsterchen gestrichen, die in den letztjährigen „Pokémon: Let’s Go! Pikachu & Evoli“-Titeln für die Switch noch enthalten waren. Dass Schwert und Schild auch in sonstigen Aspekten kontrovers aufgenommen wurden, verstärkte den Shitstorm nur noch. So gibt es eine nicht wirklich zeitgemäße Optik, gestrichene Attacken und ein eher müdes Endgame zu beklagen. Schlussendlich sollten Schwert und Schild all dem Ärger zum Trotz dennoch riesige Erfolge werden und wandern derzeit millionenfach über die Ladentheken dieser Welt. Aber wer weiß, vielleicht haben die Entwickler trotzdem aus der negativen Erfahrung im Vorfeld gelernt? Nicht mehr 2019, aber Anfang 2020 ruderten sie immerhin schon insofern zurück, als dass jetzt doch einige Pokémon per DLC in das Spiel zurückkehren werden.

Technisch sind Schwert und Schild keine Meisterleistungen. Gerade manche Texturen sind extrem altbacken. Die Bäume in der Naturzone wurden sogar zum Meme.


Nun also doch: Im Jahr 2020 werden per DLC knapp 200 neue Pokémon hinzugefügt, darunter zahlreiche bekannte Taschenmonster. Ob das die Kritiker besänftigen wird?


ELECTRONIC ARTS: LOOTBOXEN SIND „SUPRISE MECHANICS“

Beginn des Shitstorms: 19. Juni 2019 – Kerry Hopkins tätigt ihre Aussage.

Need for Speed: Payback war ein mittelmäßiges Rennspiel, noch dazu überflutet mit extrem frechen Ingame-Kaufoptionen.


Während EA bei vielen Spieleserien inzwischen zurückrudert, werden die besonders lukrativen FIFA-Lootboxen bis aufs Blut verteidigt. Kein Wunder, ohne sie würden dem Publisher in jedem Jahr unfassbare Gewinnsummen durch die Lappen gehen.


Lootboxen, Geißel der Videospielwelt und seit einigen Jahren fester Bestandteil des Geschäftsmodells zahlreicher großer Publisher. Viele sind auf den Zug aufgesprungen, willigen Kunden mit Zufallsbelohnungen zusätzliches Geld aus den Taschen zu ziehen. Waren Lootboxen zu Beginn vor allem auf Free2Play-Titel beschränkt, etablierten die Spielehersteller sie gerade 2017, 2018 und 2019 vermehrt auch in 60-Euro-Spielen. Es schien, als würde der Trend nicht allzu schnell abreißen. Trotz Rückschlägen wie den extrem frech gestalteten Finanzierungsmodellen von Star Wars: Battlefront 2 und Need for Speed: Payback, die ihrerseits zu den größten Shitstorms 2017 führten, hielten Electronic Arts, Activision und Co. weiterhin daran fest. Man denke nur an FIFA Ultimate Team. Dann aber geschah etwas für die Hersteller Unangenehmes: Die Politik schaltete sich ein und wer hätte es gedacht: Die von vielen Seiten als dem Glücksspiel ähnlichen Lootboxen wurden auf einmal auch offiziell mit Glücksspiel verglichen. In einigen Ländern, zum Beispiel Belgien, sind sie deswegen bereits verboten, in anderen befinden sich ähnliche Gesetze in Vorbereitung. Wegen immer geringerer Akzeptanz und der rechtlichen Grauzone beschränken viele Publisher ihre Finanzierungsgebaren nun doch. Besonders frech: Der Verzicht auf Lootboxen wird nun manchmal bei der Ankündigung als großes Geschenk an die Spieler verkauft, wenn er doch in Wahrheit nur aussagt: Ja, jetzt machen wir es besser, nachdem wir euch vorher das Geld aus den Taschen gezogen haben. Und freiwillig war und ist dieser teilweise Rückzug eben keineswegs. Nirgends zeigt sich das besser als bei der Aussage von Kerry Hopkins, ihres Zeichens Vice President of Legal and Government Affairs bei EA, vor dem britischen House of Commons im Juni 2019. Dort ging es neben Battlefront 2 auch um die Lootboxen in FIFA, die ja weiterhin jedes Jahr eingebaut werden. Lootboxen seien ethisch vertretbar und unterhaltsam für die Spieler, handle es sich doch lediglich um „Suprise Mechanics“, also „Überraschungsmechaniken“. Und Menschen, so Hopkins, würden Überraschungen schließlich lieben. Der Shitstorm ließ nicht langte auf sich warten und Suprise Mechanics dürfte in der Welt der Videospiele eines der Unwörter des Jahres sein. Dabei war die Aussage eben nur ein besonders unglücklicher Versuch einer Rechtfertigung aus einer ganzen Reihe an ungeschickten Verteidigungsstrategien von Lobbyisten vor politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt. „Pride and Accomplishment“ wegen Star-Wars-Lootboxen in 2017, „Suprise Mechanics“ in 2019 – Electronic Arts setzt sich offenbar gerne in die Nesseln!

Star Wars: Battlefront 2 war einer der Auslöser für die nun oft getroffenen Vergleiche zwischen Lootboxen und Glücksspiel und ist auch spielerisch bloß in Ordnung.


Der Ultimate-Team-Modus wird in FIFA genutzt, um Echtgeldinhalte an den Mann und die Frau zu bringen. Wie das mit dem Jugendschutz vereinbar ist, ist fraglich.


2K GAMES: NBA 2K20 WIRBT MIT GLÜCKSSPIEL

Beginn des Shitstorms: 26. August 2019 – der Trailer erscheint.

NBA 2K20 ist ein gutes Basketballspiel, das in Sachen Echtgeldinhalte aber alle Hüllen fallen lässt.


Wo wir schon bei Lootboxen, Glücksspielmechaniken und frechen Publishern sind: Electronic Arts versuchte die unmoralischen Finanzierungsmethoden zumindest noch zu kaschieren. Man mag nun besonders frech oder entwaffnend ehrlich finden wie 2K Games im Falle von NBA 2K20 vorging. Ende August 2019 veröffentlichten die Macher einen Trailer zum sogenannten MyTeam-Modus im Spiel. Und anstatt um den heißen Brei herumzureden, wird hier zusätzlich zu Lootboxen in Form von Kartenpacks einfach waschechtes Glücksspiel gezeigt. Ein Ballspiel, bei dem man eine Kugel durch Geschick und Glück in ein Loch befördern muss, ein Einarmiger Bandit und ein Roulettekessel sind Teil des Modus. Die Ausrede, mit der versucht wurde diesen Umstand zu verteidigen: Man könne ja kein echtes Geld gewinnen, insofern seien diese Mechaniken ja kein Gewinnspiel. Dass man im Rahmen des Modus sehr wohl an vielen Stellen echtes Geld ausgeben kann, wurde aber geflissentlich verschwiegen. Der Trailer wurde alles andere als gut aufgenommen und große Youtuber wie Jim Sterling und Angry Joe nahmen sich des Themas an. Aber auch nicht-Videospiele-spezifische Medien griffen die Kontroverse auf. Vor allem aber befand die Internetwelt, die eigentlich schon jede Menge Quatsch von Publishern gewohnt war: Das ist zu viel des Schlechten. 2K erntete einen veritablen Shitstorm und die diversen Versuche, sich zu rechtfertigen, machten die Sache nicht besser. Wer jetzt auf einen glücklichen Ausgang der Geschichte hofft, den müssen wir leider enttäuschen. Irgendwann flaute der Ärger ab und das Spiel erschien genauso frech wie es der Trailer erwarten ließ; noch dazu sanktioniert durch die Altersbewertung PEGI, die eben aufgrund der fehlenden Echtgeld-Gewinnmöglichkeit kein Glücksspiel und deswegen keine Jugendgefährdung sah. Spitzfindigkeiten sind doch etwas Feines!

Im Trailer sind die angeheuerten Schauspieler total glücklich, sich dem virtuellen Glücksspiel in NBA 2K20 hingeben zu können. Genauso wie im echten Leben!


Klassische Lootboxen sind freilich auch mit an Bord und zwar in Gestalt von Kartenpacks. Offenbar war es 2Ks Plan, absolut keine Abzockmethode auszulassen.


Roulettekessel, Einarmiger Bandit und mehr – in Sachen Abzock-Varianz lässt sich 2K Games nicht lumpen! Zu Recht wird das Unternehmen dafür kritisiert.


BLIZZARD: KONTROVERSE UM STREAMER BLIZZCHUNG

Beginn des Shitstorms: 6. Oktober 2019 – Blizzchung äußert sich im Stream.

Den wohl politisch relevantesten Shitstorm des Jahres kassierte Hearthstone- Publisher Blizzard Anfang Oktober. Die auch jetzt noch anhaltenden Proteste gegen die chinatreue Regierung in Hongkong waren damals an einem ihrer Höhepunkte. Der Hongkong- stämmige Hearthstone-Streamer Blizzchung nahm dies zum Anlass, um im Blizzard-Stream seine Unterstützung für die Proteste kundzutun. „Liberate Hongkong“, sagte er und zeigte sich in einer Maske, die zu einem Erkennungssymbol der Protestler geworden ist. Blizzard, die Meinungsfreiheit, Diversität und persönliche Entfaltung propagieren, reagierte prompt: Blizzchung wurde für ein Jahr gesperrt, seine Preisgelder wurden gestrichen und auch die beiden völlig unbeteiligten Moderatoren des Streams wurden gesperrt. Als offizieller Grund angegeben wurde, dass man politische Meinungen in Streams, welche Gesellschaftsgruppen beleidigen könnten, nicht dulde. Inwiefern die chinesische Regierung eine Gesellschaftsgruppe ist, wurde nicht erklärt, denn natürlich geht und ging es nur um diese. Andere Streamer, die sich zu anderen Themen zu Wort meldeten, hatten in der Vergangenheit schließlich keine Repressalien zu fürchten. Nein, wie für so viele andere Unternehmen ist auch für Blizzard China ein extrem wichtiger Markt. Dort aktiv sein kann man aber nur, wenn man es sich mit der Regierung nicht verscherzt. Mei- nungsfreiheit also gerne – aber nur, solange sie die Geldbörsen der Unternehmen nicht tangiert. Der Aufschrei nach der Aktion war riesig und ging weit über die Videospielewelt hinaus. Blizzard hatte wohl mit etwas Kritik gerechnet, aber nicht mit diesem epochalen Shitstorm. Kleinlaut halbierte man die Dauer der Sperre einige Zeit später und gab Blizzchung sein Preisgeld zurück. Das reichte den empörten Menschen im Internet aber nicht. Gefordert wurde eine völlige Rehabilitierung Blizzchungs, die Blizzard allerdings verweigerte. Stattdessen wurde während der Blizzcom 2019 reumütig gesagt, dass man einen Fehler gemacht habe, ohne dass man Details nannte oder erklärte, warum man denn dann die Sperre nicht einfach ganz zurücknahm. Stattdessen hustete man diese Nicht-Entschuldigung heraus und zeigte dann ein paar Trailer zu Diablo, Overwatch und Co, in der Hoffnung, dass niemand diese schwammigen Aussagen hinterfragen würde. Vor Ort klappte diese Strategie leider recht gut, aber im Anschluss wurde die Kritik an Blizzard zu Recht wieder laut. Entweder man steht für Meinungsfreiheit, wie sie Blizzchung im Rahmen des Streams friedlich geäußert hat, oder man zieht den Schwanz ein und verrät seine eigenen angeblichen Prinzipien. Blizzard hat sich für Letzteres entschieden.

Mit diversen Ankündigungen wie Overwatch 2 versuchte Blizzard, auf der Blizzcon vom schwelenden Shitstorm abzulenken. Das gelang aber nur kurzzeitig.


Während eines Streams zum Kartenspiel Hearthstone äußerte sich Blizzchung zu den Protesten in Hongkong und wurde nur kurze Zeit später von Blizzard gesperrt.


BETHESDA: FALLOUT 1ST SPALTET DIE SPIELERSCHAFT

Beginn des Shitstorms: 23. Oktober 2019 – Fallout 1st wird angekündigt.

Fallout 1st kostet stolze 100 Euro im Jahr. Dafür gibt es kaum Inhalte und jede Menge neue Bugs. Das heiß erwartete NPC-Update hingegen lässt auch sich warten.


Zu Beginn waren alle Items im Echtgeldshop rein kosmetisch. Inzwischen gibt es aber auch Pay2Win-Inhalte zu erstehen, womit Bethesda ein Versprechen bricht.


Wenn ein Spiel in Sachen „enttäuschte Erwartungen“ Anthem das Wasser reichen kann, dann ist das Fallout 76. Die MMO-Version der beliebten postapokalyptischen Action- RPG-Reihe war in vielfacher Hinsicht eine Katastrophe, als sie im Oktober 2018 erschien: Völlig verbuggt, leblos, spaßbefreit und einfach nicht mehr Fallout. Es half ganz bestimmt nicht, dass Entwickler Bethesda relativ bald nach dem desaströsen Launch das hoch und heilige Versprechen brach, dass man mit Echtgeld nur kosmetische Items würde kaufen können. Und außerhalb des eigentlichen Spiels sorgten Special Editions mit minderwertigem Inhalt, Datenleaks und mehr für Ärger. Allerdings, all das war 2018 und was Anfang 2019 mit dem Spiel passierte, taugte noch nicht zum Shitstorm. Der kam erst auf den Tag genau ein Jahr nach dem Release, als man Fallout 1st ankündigte. Wie beim Gold Pass für Mario Kart Tour, mit dem Unterschied, dass Fallout 76 ein Kaufspiel ist, handelt es sich dabei um ein Abomodell. Für satte 100 Euro im Jahr bekommt man dafür neben gefühlt wahllos zusammengewürfelten Goodies diverse Boni, nach denen die tatsächlich vorhandenen, weiterhin aktiven Spieler schon lange schreien: Mehr Stauraum für Items, private Server und frei setzbare Schnellreisepunkte. Also Dinge, die man sich eigentlich als normale Updates erwarten würde. Aber nein, stattdessen wird noch einmal in die Tasche gegriffen. Zum Vergleich: Für dasselbe Geld bekommt man ein Jahr lang Zugriff auf sowohl Playstation Plus als auch Xbox Gold. Währenddessen hat das Grundspiel trotz einiger ausgebügelter Makel weiterhin mit massiven Problemen zu kämpfen und ein Update, welches endlich die bis heute nicht vorhandenen NPCs in die leere Welt bringen sollte, wurde von Herbst 2019 auf Anfang 2020 verschoben. Fallout 1st hingegen startete fristgerecht. All das ist schon schlimm genug und es ist befremdlich, dass sich dem bisherigen Anschein nach relativ viele Fallout-76-Spieler tatsächlich für den Abodienst entschlossen haben. Dem Shitstorm die Krone auf setzte aber die Tatsache, dass die Boni von Fallout 1st zum Launch völlig kaputt waren und teilweise immer noch sind. Die privaten Server sind offenbar gar nicht so privat, wie versprochen wird und die Kiste mit unbegrenztem Stauraum löschte bei vielen Spielern sämtliche darin verwahrte Items. Aua! Also bleibt Bethesda weiterhin nichts anderes übrig als sich konstant zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Immerhin, Spieler, die sich nach einem klassischen Quasi-Fallout-Erlebnis sehnen, können inzwischen zum Glück auf The Outer Worlds zurückgreifen. Das kann man ganz alleine spielen und Bugs sind dort die seltene Ausnahme und nicht die Regel.

Schon das Grundspiel Fallout 76 ist nicht gut. Mit jedem Update und jeder neuen Ankündigung zu dem Titel setzt sich Bethesda aber noch mehr in die Nesseln.


HORST SEEHOFER: DIE KILLERSPIELDEBATTE IST ZURÜCK

Beginn des Shitstorms: 12. Oktober 2019 – Seehofer äußert sich zur „Gamerszene“.

Der Amoklauf an einer Schule in Erfurt im Jahr 2002 ließ die damals bereits schwelende sogenannte Killerspieldebatte gehörig aufflammen. Politiker und Menschen, die offenbar keine Ahnung von der Videospielewelt und den Hintergründen zu haben, wussten es auf einmal besser und meinten, dass man Spiele anders als andere Medien behandeln und brutale Spiele verbieten oder zumindest gehörig zensieren müsse. Über viele Jahre hinweg waren beschlagnahmte Spiele und deutliche Einschnitte auch die Realität. Erst nach und nach beruhigte sich die Lage, Spiele kamen immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an und auch der Nicht-Spieler bemerkte: Nein, nicht jeder Videospieler ist ein potenzieller Massenmörder. Und nein, auch Leute, die vor allem Shooter spielen, rennen nicht gleich mit dem Maschinengewehr auf die Straße. Im Kleinen flammte die Debatte zwar immer wieder hoch, sie erreichte aber nie wieder dieselbe Relevanz wie einst. Das geschah zum Glück auch 2019 nicht. Innenminister Horst Seehofer von der CSU bewies Mitte Oktober aber, dass er nach wie vor keinerlei Ahnung von der Spielethematik hat und sprach einen Generalverdacht gegen die Gamingwelt aus. Nach dem Amoklauf von Halle, bei dem der Täter offenbar ein Videospieler war, meinte Seehofer, dass man die Gamingszene fortan genauer beobachten müsse. Eine Tätigkeit, der, neben Mama, Papa, uns und euch, eben auch gewaltbereite und gestörte Menschen wie der Halle-Täter nachgehen, ist also Schuld oder zumindest Mitschuld an solchen Taten. Gekonnt werden hier Ursache und Wirkung ignoriert und Zusammenhänge als Fakt dargestellt, wo keine existieren. Dass Spiele nicht aggressiv machen und auf jeden Fall nicht Auslöser für Amokläufe sind, wurde inzwischen ausreichend in Studien bewiesen. Wer geistig gesund ist, wird nicht zum Amokläufer; wer eine Gewaltstörung hat, der kann eventuell Videospiele konsumieren, wird aber nicht nur aufgrund derer zum Täter. All das versteht Seehofer nicht oder will es nicht verstehen. Videospiele sind halt nach wie vor ein geeigneter Sündenbock. Gäbe es sie nicht, müssten Politiker die Möglichkeit ins Auge fassen, dass ihre Politik eventuell mithilft, den Nährboden für rechtsradikale Taten wie jene in Halle zu bereiten. Und das kann ja nun wirklich keiner wollen! Dann ist im Zweifelsfall lieber Call of Duty schuld. Dankenswerterweise reagierte aber eben nicht nur die vom ihm so genannte Gamingszene empört, sondern auch die restliche, inzwischen deutlich aufgeklärtere Gesellschaft sah in Seehofers Bemerkung zu Recht nichts anderes als fadenscheinige Rechtfertigungsversuche.

Counter Strike war Mitte der 2000er-Jahre eines der Lieblingsopfer all jener, die lautstark nach Verboten und Zensur verlangten.


Heutzutage stößt vor allem der riesige Erfolg von an Erwachsene gerichteten Titeln wie Call of Duty „Experten“ wie Horst Seehofer sauer auf.


Bild: Paramount Pictures

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