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Die Zukunft aus dem Meer


Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 07.07.2021

Algen

Artikelbild für den Artikel "Die Zukunft aus dem Meer" aus der Ausgabe 4/2021 von Bio - natürlich gesund leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Aund somit auch unser Leben auf diesem Planeten. Noch heute sind sie die mit Abstand wichtigsten Sauerstoffproduzenten – und bringen die größte Pflanzenmasse auf die Waage. Das liegt natürlich daran, dass Meere den größten Teil der Erdoberfläche bedecken. Doch nicht nur in den Meeren, Flüssen und Seen, sondern auch in Wassertropfen, auf Schnee und sogar an Land treten Algen auf – hier in Symbiose mit Pilzen, zum Beispiel auf Bäumen oder Mauern.

Unter den rund 30.000 bekannten Arten gibt es solche, die nur wenige Mikrometer groß werden, und andere, die einige Meter erreichen. Die Algenwelt ist aufgeteilt in vier Grundfamilien: Grün-, Braun-, Rotund Blaualgen (die eigentlich Cyanobakterien sind). Ihrer Größe nach unterscheidet man Mikroalgen, zu denen Süßwasseralgen wie Spirulina lgen waren die ersten Pflanzen auf der Erde. Wir verdanken ihnen den Sauerstoff in der Atmosphäre oder Chlorella ...

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... gehören, und Makroalgen, worunter vorwiegend Meeresalgen fallen.

Besondere Lebensverhältnisse

Es ist vor allem ein Aspekt, der Algen für die Gesundheit, die Kosmetik und die Ernährung so interessant macht: Es ist ihr Leben unter teils extremen Bedingungen mit großen Temperaturschwankungen, starker Sonneneinstrahlung, zeitweiliger Trockenheit oder auch schwankenden Salzkonzentrationen. Hier liegen Analogien zur Haut des Menschen nahe, denn auch unsere Schutzzellen müssen mit solcherart Herausforderungen fertig werden. Algen kompensieren diese Umwelteinflüsse durch spezielle biochemische Mechanismen, die die Algenkosmetik und die Pharmaindustrie verstärkt nutzen möchte.

Auch ihre Art, Nährstoffe aufzunehmen, macht einen Blick auf Algen lohnenswert: Da sie keine Wurzeln haben, ziehen sie ihre Nährstoffe mittels Osmose direkt aus dem Wasser. Algenzellen können um ein Vielfaches mehr Nährstoffe speichern, als es andere Pflanzen können, ihr Gewebe besitzt daher die höchste Dichte an Nährstoffen im Pflanzenreich.

Algen in der Ernährung

Auch wenn Sie vielleicht bisher bewusst noch keine Algengerichte genossen haben, haben Sie ganz sicher schon Algenbestandteile geschluckt, denn Algen werden als Bindemittel unter den Namen Alginat, Agar-Agar oder Carragen in Fertiggerichten eingesetzt. Aber die Zukunft der Algen für die Ernährung beruht nicht auf ihrem Einsatz in der industriellen Lebensmittelproduktion, sondern in der Fülle der ihnen zugeschriebenen gesundheitlichen Effekte und auf ihrer möglichen Rolle bei der zukünftigen Ernährung der Menschheit, schließlich sind die Landflächen begrenzt und die Fischbestände längst übernutzt. Das Potenzial der Algen, ob wild geerntet oder gezüchtet, ist hingegen schier unendlich.

ALGEN SIND REICH AN NÄHRSTOFFEN

Algen enthalten vor allem Kohlenhydrate, viele Ba stoffe und hochwertiges Eiweiß sowie Aminosäure ist nur in geringen Mengen vorhanden, einige Algenart reich an den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Algen e in größerer Menge Beta-Carotin (eine Vorstufe von Vita sowie die Vitamine B2, B12, C, D, E und K. Umstritten das gemessene Vitamin B12 tatsächlich in seiner aktiv den Körper verwertbaren Form vorliegt. Algen liefern verschiedene Mineralstoffe, vor allem Jod, aber auch Z Eisen, Selen, Kalium und Calcium. Für die Gesundh interessant sind auch die enthaltenen Polyphenole und Flavonoide. Der Gehalt an Mikronährstoffen hängt von der Qualität des Wassers ab, in dem die Algen wachsen.

Algen gelten als die chlorophyllreichsten Lebensmittel und enthalten eineFülle an Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen wie A, B12 und C (vgl. auch Kasten oben). Bemerkenswert ist ihr Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Da die Makroalgen aus den Meeren häufig sehr viel Jod enthalten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, nicht mehr als ein Gramm Meeresalgen pro Tag zu verzehren. Die Mikroalge Schizochytrium, aus der Algenöl gewonnen wird, enthält hingegen kein Jod.

Wo welche Algen auf den Tisch kommen

Die Menschen in Japan vertragen hohe Jodgehalte besser als Europäer*innen; Algen sind fester Bestandteil der japanischen Küche. Dort halten beispielsweise die bekannten Rotalgen Nori, zu Blättern gepresst, Sushi-Rollen zusammen. In der japanischen Misosuppe findet die Braunalge Wakame als Würzmitte lVerwendung. Rund um den Globus bekannt ist auch die Braunalge Zuckertang, auch Kombu oder Kelp genannt, die frisch, eingelegt, gegart oder frittiert verspeist wird und viel natürliches Glutamat enthält. In Frankreich wird die Grünalge Ulva, der Meeressalat, als Delikatesse geschätzt. Die Braunalge ist im Nordatlantik und in der Ostsee verbreitet. Rund um den Atlantik werden Braunalgen namens Meeresspaghetti, auch Riementang genannt, tatsächlich als Pasta-Alternative verzehrt. Und nicht zuletzt ist der eisenund vitaminreiche Lappentang, eine Rotalge, zu erwähnen, die in Island, Irland, Frankreich und Kanada auf manchem Speiseplan steht und je nach Land Dulse, Dulce oder Söl heißt. Sie schmeckt nussig, würzig und gebraten nach Speck, kommt aber vor allem roh oder in Suppen auf den Tisch.

DIE BEKANNTESTEN ALGENARTEN

Nori (Rotalge)

Wakame (Braunalge)

Kombu / Kelp (Braunalge)

Ulva / Meeressalat (Grünalge)

Dulse / Lappentang (Rotalge)

Meeresspaghetti / Riementang (Braunalge)

Zwölf kommerziell als Nahrungsmittel genutzte Makroalgenarten werden in Europa an den atlantischen Felsenküsten Spaniens, Irlands und der Bretagne gesammelt – und sogar im geringen Umfang bereits gezüchtet. Algenfarmen vermehren Makroalgen auf Substraten wie Leinen und Netzen im Meer oder kultivieren sie in Becken. Vor allem die Mikroalgen werden in speziellen Behältern vermehrt. Dadurch bleiben zum einen die natürlichen Ökosysteme

unbeeinträchtigt, zum anderen ist sichergestellt, dass die Algen nicht mit Schadstoffen oder Mikroplastik aus den Gewässern belastet sind. Für Zucht wie Wildsammlung gibt es in der EU Bio-Standards. Besondere Richtlinien hat auch der Verband Naturland entwickelt, der sich intensiv mit Aquakultur auseinandersetzt.

Algen für die Gesundheit

Abgesehen von ihrem besonderen Nährstoffgehalt wird den meisten Algen zudem die Fähigkeitz ugeschrieben, Giftstoffe und Schwermetalle binden und abtransportieren zu können. Diese Wirkung beruht auf der Alginsäure, die möglicherweise im Darm giftige Schwermetalle bindet, die dadurch ausgeschieden werden. Algen werden daher gern im Rahmen einer Detoxkur eingenommen.

Auf der anderen Seite wird der therapeutische Einsatz von Algen auch kritisch gesehen, da natürliche Inhaltsstoffe wie Jod, Arsen und Toxine, die in vielen Algen in hoher Konzentration vorhanden sind, gesundheitsschädigende Wirkungen haben könnten. Für alle Meeresalgen gilt große Vorsicht für Menschen mit Schilddrüsenproblemen wegen des Jodgehaltes (vgl. unser Artikel über die Schilddrüse ab Seite 18).

Sicher ist, dass Algen ein großes Spektrum an pharmazeutischen Wirkstoffen enthalten – das macht sie auch für Forschung und Industrie interessant. So haben jüngst Forscher*innen der Hochschule Greifswald einen Stoff aus Mikroalgen aus der Ostsee extrahiert, der gegen gefährliche resistente Keime wirkt – bisher kommt der Wirkstoff nur in einer Handcreme zum Einsatz. Insgesamt bewegen sich Medizinund Pharmaindustrie meist noch in der Grundlagenforschung. Dabei interessieren sie sich zum Beispiel für die Algenfarbstoffe Chlorophyll und Carotinoide sowie Gerüstsubstanzen wie Fucoidane. Bei diesen konnten in wissenschaftlichen Labor- und Tierstudien bereits Wirkungen gegen Viren, Bakterien und Krebszellen sowie bei der Wundheilung nachgewiesen werden. Es gibt Hinweise darauf, dass das Fucoidan aus Braunalgen auch bei Rheuma, Arthrose, Nierenschwäche, Herz-Kreislauf- und Darm-Erkrankungen hilft.

Als Nahrungsergänzungsmittel werden seit Jahren getrocknete Mikroalgen als Pulver, Pillen oder flüssig angeboten. Die Süßwasserbewohner Chlorella-, Spirulinaoder Afa-Algen sind beliebt wegen ihres Protein-, Vitamin- und Mineralstoffgehaltes. Wer es auf den hohen Vitamin B12-Gehalt

in Spirulina abgesehen hat, sollte wissen, dass nur ein kleiner Teil davon vom menschlichen Körper verwertet werden kann. Bei Afa wird vor einer Kontamination mit sehr giftigen Mikroalgen und Schwermetallen gewarnt. Außerdem sind die angeblichen Wirkungen von Afa zur Linderung oder Heilung von Krankheiten wie ADHS, Alzheimer oder Depression wissenschaftlich nicht belegt!

Belegt sind hingegen die positiven Eigenschaften des Öls aus der Mikroalge Schizochytrium, das eine wichtige elle für langkettige Omega-3-Fettsäuren ist. Algenöl hat beispielsweise einen schützenden Effekt für das Herz-Kreislauf-System und kann entzündungshemmend wirken, etwa bei Rheumapatient*innen.

Algen in der Kosmetik

Auch wenn Kosmetikahersteller, Kosmetiksalons und Wellnesshotels auf die hohe Konzentration von Mineralstoffen, Vitaminen, Aminosäuren, Spurenelementen und Proteinen von Algen schwören –sie können nicht verhindern, dass wir älter werden. Vielleicht aber tragen sie dazu dabei, dass man es uns weniger ansieht. Von den rund 50 Algenarten, die für kosmetische Anwendungen zum Einsatz kommen, sind die meisten Meeresalgen. Schon lange bekannt ist die Thalasso-Therapie, bei der pulverisierte Meeresalgen zur Behandlung von Cellulite zum Einsatz kommen. Die zahlreichen natürlichen Wirkstoffe der Algen versprechen, gegen Hautalterung und Stressfalten zu helfen, in dem sie revitalisierend und remineralisierend wirken und auch die Durchblutung anregen. Hilf- reich sind auch Phenole, Enzyme und Carotinoide sowie die Vitamine der Algen, die die Haut aktivieren, vor Umwelteinflüssen schützen und freie Radikale bekämpfen können und so als natürliche Anti-Aging-Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Auch die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sollen die Regeneration der Haut stimulieren, Polysaccharide und Mucopolysaccharide spenden der Haut zudem Feuchtigkeit.

Algen wird zudem eine entgiftende Wirkung auf die Haut zugesprochen, da sie Giftstoffe und Schmutz aus den Poren ziehen, während die natürliche Hautfettbarriere intakt bleibt. Zudem weist unter anderem die Braunalge – wie oben schon angedeutet – antibakterielle Eigenschaften auf, was die Verwendung dieser Alge in Akne- Behandlungen nahelegt.

Was Algen sonst noch können

Algen gelten als nachhaltige Rohstoffuelle für eine biobasierte Wirtschaft. Sie benötigen nicht viel zum Wachsen, lediglich Nährstoffe, Licht, Wasser und Kohlendioxid – aber keine fruchtbaren Böden. Algen lassen sich beispielsweise in Salzwassertanks in Meeresnähe oder in Schlauchsystemen in trockenen, sonnigen Halbwüsten produzieren. Zudem wachsen sie viel schneller als andere Pflanzen. Algen produzieren so auf die gleiche Fläche bezogen rund 30 Mal so viel Öl wie Raps oder Mais und erreichen fünf- bis zehnmal höhere Biomasseerträge gegenüber Gefäßpflanzen (wie Gräser oder Bäume). Neben dem bereits genannten Potenzial zur industriellen Gewinnung von Lebensmitteln, Pharmawirkstoffen und Kosmetikzusätzen erhofft man sich von der Algenzucht auch eine kostengünstige und umweltverträgliche Produktion von Düngern, Futtermitteln, Feinchemikalien, Biokunststoffen und nicht zuletzt Biokraftstoffen. Weltweit wird an Verfahren geforscht, mit denen man in großem Maßstab und zu geringen Kosten Algendiesel, Algenbiogas oder Algenwasserstoff produzieren kann.

Es gibt aber auch Anwendungen für Algenprodukte, die traditionell praktiziert werden und die dem Klimaschutz dienen: So speichert Seegras zum Beispiel langfristig viel Kohlendioxid im Meeressediment. Nach ihrem Absterben lässt sich die Pflanze als natürliches und schwer entflammbares Dämmmaterial nutzen. So ist es an der Nordsee seit Jahrhunderten Brauch. Heute denkt man den Einsatz von Algen als Baustoff neu: Forscherinnen aus München und Aachen haben einen Weg gefunden, aus der Salzwasseralge Microchloropsis salina nachhaltige Carbonfasern herzustellen. Und das ist sicher erst der Anfang. Auch indirekt tragen Algen zum Klimaschutz bei: Kühe, die mit Algen gefüttert werden, stoßen 82 Prozent weniger Methan – ein besonders klimarelevantes Gas – aus als mit Gras gefütterte Tiere. Das ist nicht unerheblich, schließlich verursacht die Tierhaltung etwa ein Drittel der menschgemachten Methan-Emissionen.

GUTE ALGENPRODUKTE IN GROSSER AUSWAHL

Vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, mal einen Algensalat, eine Algensauce oder Algenkräcker zu probieren oder sich von der pflegenden Kraft des Meeres für Ihre Haut zu überzeugen. Wir haben für Sie ein paar Produkte und Bezugsadressen zusammengestellt. Achten Sie in jedem Fall auf das das Naturkosmetiksiegel NATRUE, das Bio-Siegel oder das Prüfsiegel des BDIH.

Algenlebensmittel in Bio-Qualität

• Algenladen: algenladen.de

• Algamar: algamar.de

• Viva Maris: viva-maris.de

Algen-Naturkosmetik

• Algira Meeresalgen-Kosmetik: shop.sanatur.de/de/algira-meeresalgen-kosmetik

• Oceanwell: oceanwell.de

• Seacell: seacell-cosmetics.com

• Passion Marine: algavita.de/passion-marine