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DIE ZUKUNFT ENTFALTET SICH


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connect - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 03.02.2022

TECHNIK-TRENDS 2022

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Bildquelle: connect, Ausgabe 3/2022

Bevor wir in die Zukunft schauen, machen wir eine Bestandsaufnahme. Und die sieht für die Elektronikindustrie teilweise nicht so rosig aus. Die Coronapandemie hatte den Smartphone-Markt 2020 nach langer Zeit des Aufwinds auf Talfahrt geschickt und den Absatz um rund 13 Prozent einbrechen lassen. Die Verkaufszahlen erreichten ein Rekordtief. Schuld waren durch Lockdowns stillgelegte Produktionsstätten und von Lieferschwierigkeiten verursachte Knappheit von Hightech-Bauteilen. Und das, obwohl der Bedarf an Elektronik vor allem im letzten Jahr wieder stark anstieg. Der Begriff „Chipkrise“ war und ist in aller Munde und bringt den Halbleitermangel auf den Punkt. An Unterhaltungselektronik über Autos bis Waschmaschinen war und ist deswegen immer noch schwer heranzukommen. Es wird noch etwas dauern, bis sich die Komponentenknappheit wieder normalisiert, Experten rechnen ab Mitte 2022 ...

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... mit einer Entspannung. Immerhin, der Smartphone-Markt erholte sich im vergangenen Jahr allmählich, wenn auch die vorherige Talfahrt mit einem Wachstum von sieben Prozent noch nicht ganz ausgeglichen wird.

5G ist Wachstumstreiber

Markttreiber waren vor allem 5G-Smartphones, deren Absatz sich letztes Jahr mehr als verdoppelte. Bis Ende 2022 werden mehr als die Hälfte aller weltweit verkauften Phones mit dem neuen Mobilfunkstandard ausgeliefert. Interessant ist dabei, dass 5G-Smartphones laut IDC für durchschnittlich 560 Euro über die Ladentheke gehen und damit doppelt so teuer sind wie 4G-Geräte. Ob das eventuell daran liegt, dass 5G-Netze eher in den wohlhabenderen Industrienationen zu finden sind, sei dahingestellt.

Was die Markendominanz betrifft, gibt es wenig Verschiebungen. Welt- weit und in Europa ist Samsung weiterhin der Hersteller mit den höchsten Verkaufszahlen. Apple konnte wie üblich quartalsweise an den Koreanern vorbeiziehen, als gegen Ende des Jahres neue iPhones in den Handel gekommen sind. Auch Xiaomi konnte Samsung bereits für kurze Zeit vom Thron stoßen.

Abseits der Platzhirsche sorgten zwei Marken für großes Aufsehen: Honor gelang nach der Trennung von Huawei in China ein phänomenaler Aufstieg, und Realme beeindruckt mit konstant zweistelligen Wachstumsraten. Keine Marke wächst derzeit so schnell wie die Oppo-Tochter. Wie zuvor Huawei und Xiaomi punktet der Hersteller mit viel Technik zu guten Preisen. Von Realme wird 2022 auch in Deutschland oft die Rede sein, einen Vorgeschmack gibt das neue GT 2 Neo im Test ab Seite 20.

Nachhaltigkeit per Gesetz

Konsumenten ist es allerdings nicht mehr nur wichtig, die neueste Technik zu haben. Die immer stärker spürbaren Folgen des Klimawandels sorgen dafür, dass Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein auch bei Kaufentscheidungen immer stärker in den Fokus rücken – und damit auch die Hersteller zum Handeln zwingen. Ob der Verzicht auf Zubehör wie Netzteile und Kopfhörer allerdings die passende Antwort ist, vor allem, wenn selbiges Zubehör teuer im Onlineshop verkauft wird, darf bezweifelt werden. Die Vorwürfe des Greenwashing, die in diesem Kontext aufkamen, sind da nicht ganz unbegründet. Aber es gibt auch durchaus ernsthafte Bemühungen der Industrie, Produkte nachhaltiger zu gestalten. Apple verwendet beispielsweise nur noch recyceltes Aluminium. Realme hat Ende 2021 ein Smartphone vorgestellt, dessen Rückseite nicht aus Kunststoff auf Erdölbasis, sondern aus einem Biopolymer auf Papierbasis besteht.

Foldables in drei Formaten

Wurden Foldables vor zwei Jahren noch als Machbarkeitsstudie belächelt, nimmt der Markt nun deutlich an Fahrt auf.

Huawei P50 Pocket

Bei seinem zweiten Foldable setzt Huawei auf ein kompaktes Design, das sich an dem von Samsungs Galaxy Flip orientiert.

Honor Magic V

Das erste Foldable der einstigen Huawei-Tochter bietet eine High- End-Ausstattung. Sowohl Außenals auch Innendisplay sind größer als bei Samsungs Fold, das mit 7,9-Zoll-Diagonale kommt.

Asus Zenbook 17 Fold

Der faltbare Laptop von Asus ist nicht nur in puncto Displayfläche (17 Zoll) der aktuelle König der Foldables. Die Leistung dürfte mit Intels i7 der 12. Generation ebenfalls alle anderen Modelle im Markt schlagen – von der Usability ganz zu schweigen.

Honor hat das Jahr 2022 in Sachen Foldables eröffnet. Die einstige Huawei-Tochter setzt beim Magic V auf das klassische Fold-Format. Aufgeklappt ist das Innendisplay mit 7,9 Zoll für ein Smartphone wirklich riesig. Die restliche Ausstattung ist mit neuestem Top-Chip und gleich drei 50-Megapixel-Kameras auf Höhe der Zeit. Einen IP-Schutz wie bei Samsung gibt es allerdings nicht. In China geht das Foldable für umgerechnet 1380 Euro in den Verkauf. Wenn es nach Deutschland kommt, wird es bei uns wohl etwas teurer. Huawei geht bei seinem zweiten Foldable, dem P50 Pocket, beim Formfaktor einen anderen Weg und orientiert sich eher an Samsungs Galaxy Flip. Auch hier ist High- End-Technik verbaut, wobei mit dem Snapdragon 888 ein Vorjahreschip zum Einsatz kommt. Als Kameras stehen ein 40-MP- Haupt- und ein 13-MP-Ultraweitwinkelm- odul bereit. Leider fehlt dem Pocket 5G als wichtiges Ausstattungsmerkmal.

Asus hat mit dem Zenbook Fold auf der CES einen weiteren Vorstoß zu einem ganz neuen Foldable-Ansatz gezeigt: eine Mischung aus faltbarem Laptop und Tablet. Zusammengeklappt hat es einen Formfaktor von 12,5 Zoll, ausgeklappt bietet es satte 17 Zoll. Es läuft mit Windows und Intels neuester Prozessorgeneration. Dank Bluetooth-Tastatur kann man sich ganz normal als Notebook nutzen, wobei die Tastatur dann auch auf die untere Displayhälfte gelegt werden kann.

Neue Scharniere für geringe Falz

Die Knickstelle der OLEDs war früher deutlich tastbar. Ausgeklügelte Scharniere sorgen nun für größere Faltwinkel und eine reduzierte Falz.

Viel wichtiger als umweltfreundliche Materialien sind allerdings eine längere Nutzungsdauer und leichtere Reparierbarkeit der Geräte. Da die Hersteller hier noch zu zögerlich agieren (was allerdings kaum verwundert in Anbetracht eines Geschäftsmodells, das auf dem Verkauf neuer Geräte basiert) soll eine Initiative der EU-Kommision sie rechtlich stärker in die Pflicht nehmen: Ab 2023 müssen Smartphones und Tablets fünf Jahre lang mit Sicherheitspatches und drei Jahre lang mit Funktionsupdates versorgt werden. Zudem müssen die Hersteller über dieselbe Zeitspanne Ersatzteile an Reparaturbetriebe liefern. Im Rahmen der Ökode sign-Richtlinie wird zudem ein Energielabel für Mobilgeräte eingeführt, das die durchschnittliche Akkulaufzeit ausweist und darüber informiert, nach wie vielen Ladezyklen die Akkukapazität nur 80 Prozent der ursprünglichen erreicht.

Das Jahr der Foldables

Der Fokus auf Nachhaltigkeit bremst die technische Entwicklung aber nicht aus. Auch die neue Flaggschiff-Generation wird technisch wieder eine Schippe drauflegen. Aber anstelle spektakulärer Neuerungen erwarten uns hier vor allem evolutionäre Verbesserungen. Besonders interessant wird es in diesem Jahr in einer Gerätekategorie, die es erst seit 2019 zu kaufen gibt: den Foldables. Samsung betrat damals Neuland mit dem Galaxy Fold und fährt nun langsam die Ernte für diesen mutigen Schritt ein. Von einer intensiven Werbekampagne flankiert, gelang es den Koreanern 2021 mit dem Galaxy Flip 3, das Foldable erfolgreich aus der Nische heraus und in den Massenmarkt hinein zu führen. Jetzt springen weitere Hersteller auf den Zug auf. In den letzten beiden Monaten haben mit Huawei, Oppo und Honor drei Hersteller neue Falt-Smartphones in unterschiedlichen Formaten präsentiert. Xiaomi und Google sollen ebenfalls faltbare Modelle in der Entwicklung haben.

2022er-Flaggschiffe ohne Überraschungen

120-Hertz-Displays, 120-Watt-Turbolader und Kamerasysteme mit mindestens drei Brennweiten: Die To p-Phones 20 22 sind solide Weiterentwicklungen.

Oneplus 10 Pro

Als einer der ersten Hersteller 2022 hat Oneplus den Vorhang gelüftet. Am 10 Pro gefällt das moderne Design, vor allem die fließende Integration des Kamerasystems auf der Rückseite. Es wurde wie beim 9 Pro zusammen mit Hasselblad entwickelt. Die technischen Spezifikationen wurden alle auf den aktuellen Stand der Technik gehievt.

Xiaomi 12

Auch Xiaomi will im neuen Jahr nichts anbrennen lassen und hat das 12 bereits vorgestellt. Es wird zunächst in China für umgerechnet 500 Euro auf den Markt kommen. Das 12 Pro mit größerem Display, 120-Watt- Netzteil und drei 50-Megapixel-Brennweiten dürfte spürbar teurer werden.

Apple iPhone 14 Pro

Apple-Fans müssen noch etwas warten, die neue iPhone-Generation wird traditionell erst im Herbst vorgestellt. Über das 14 Pro ist darum auch noch nichts bekannt. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass Apple das Design erneuert und beim Kamerasystem die Megapixel hochschraubt.

Samsung Galaxy S22

Die S22-Serie stellt Samsung Anfang Februar vor. Es wird wieder drei Größen- und Ausstattungsvarianten geben, Details standen bis Redaktionsschluss nicht fest. Klar ist aber, dass die S22-Serie die Richtung für die gesamte Branche vorgibt.

2022 setzt sich ein Trend for t, der sich sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet hat: Die Smartphone-Hersteller bringen ihre Flaggschiffe immer früher in die Verkaufsregale. Xiaomi hat bereits Ende 2021 die Katze aus dem Sack gelassen, dicht gefolgt von Oneplus und auch Huawei, dessen P50- Serie aufgrund fehlender Google-Dienste und 5G-Technologie in Deutschland jedoch keine große Rolle spielen wird. Marktführer Samsung, der mit seiner High-End-Reihe Galaxy S22 den Takt vorgibt, lässt Anfang Februar die Hüllen fallen. Der Marktstart wird schon einen Monat später erwartet. In diesem Zeitraum dürfte auch Oppos neue Top- Serie Find X4 erscheinen, die das Find X4 Pro anführt. Einzig Apple hält sich nicht an den Kalender, mit dem neuen iPhone 14 Pro ist nicht vor Herbst 2022 zu rechnen. Mit Blick auf die Ausstattung kommt der Zahl 120 eine besondere Bedeutung zu: Einerseits beziffert sie die Bildwiederholrate des Displays pro Sekunde in Hertz und an- dererseits die Wattzahl, mit der der Akku aufgeladen wird. Beides ist nicht besonders spektakulär. Technisch geht es 2022 um die Optimierung des bereits Vorhandenen, nicht um die Einführung von Innovationen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die Hersteller bei ihren Flaggschiffen nie besonders risikofreudig sind, weil sie damit dem Massenmarkt bedienen wollen. Innovationen probieren sie eher in eigenständigen Produktlinien, man denke nur an Samsung mit dem Fold 3. Und selbst, wenn der große Knall wie immer ausbleibt – auch steter Tropfen höhlt den Stein. Die Erhöhung der Wattzahl auf bis zu 120 führt über die Jahre auch zu echten Veränderungen: Irgendwann reicht es, das Phone kurz an die Steckdose zu stecken, um Energie für den gesamten Tag zu tanken. Experimentiert wird außerdem schon mit kabel- und kontaktlosen Lademöglichkeiten aus der Entfernung.

Das Tempo bei der Entwicklung der Foldables ist erstaunlich. Hier ist jene Dynamik zu beobachten, die bei den stärker für den Massenmarkt ausgerichteten Flaggschiffen fehlt. Während die erste Generation des Galaxy Fold noch wie ein Uralt- Phone im Brikettdesign wirkte, präsentieren sich die neuesten Falter als modische Hingucker, die ihren besonderen Formfaktor einsetzen um aufzufallen. Doch haben die Geräte einen realen praktischen Nutzen? Samsung und Huawei vermarkten ihre Zugpferde Flip und Pocket klar als Lifestyle-Produkte, was den Kern der Sache trifft. Denn der Vorteil der einzigartigen quadratischen Bauform wird von der schlechteren technischen Ausstattung aufgehoben, die die Falter im Vergleich mit einem klassischen Smartphone auf ähnlichem Preisniveau haben.

Schon jetzt kristallisiert sich heraus, dass sich Falt-Smartphones in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln werden: auf der einen Seite kompakte Lifestyle-Phones, auf der anderen nicht mehr hosentaschentauglichen Modelle, die eine Brücke zwischen Smartphone und Tablet schlagen. Wer sich zum Lesen oder für den Medienkonsum unterwegs mehr Anzeigefläche wünscht, wird 2022 ganz neue Möglichkeiten finden. Dazu gehört der aktuelle Trend, faltbare Displays in Notebooks zu einzubauen. Asus ist auf der CES 2022 mit dem Zenbook Fold vorgeprescht. Der Clou: Man nutzt den 17-Zoll-Bildschirm entweder aufgefaltet als Tablet oder als Display mit Bluetooth-Tastatur oder zusammengefaltet als 12,5-Zoll- Notebook. Dabei liegt die Tastatur auf der unteren Displayhälfte. Zwei Probleme werden Foldables aber in nächster Zeit weiterhin begleiten: Sie sind erstens teuer zu produzieren und somit entsprechend kostspieleig in der Anschaffung, und zweitens wird das Display von dünnen Folien geschützt, die lange nicht so widerstandsfähig sind wie Glas – egal was die Hersteller versprechen. Wenn man die Entwicklungssprünge der letzten zwei Jahre betrachtet, dürften die Lösungen aber nicht lange auf sich warten lassen.

Die Kamera bleibt ein Motor der Innovation

Bei der wichtigsten Smartphone-Komponente bleibt das Entwicklungstempo auch 2022 hoch, neue Technoloien werden sukzessive eingeführt.

Ausfahrbares Objektiv

Oppo hat Ende Dezember ein Video veröffentlicht, das einen Prototypen mit ausfahrbarem Objektiv zeigt. Diese Technologie dürfte 2022 eine wichtige Rolle spielen.

Co-Prozessor für die Bildberechnung

Oppos neuer Prozessor für die Bildsignalverarbeitung verbessert die Qualität von Fotos und Videos enorm.

In den letzten Jahren hat sich die Smartphone-Kamera enorm weiterentwickelt und ein Qualitätsniveau erreicht, das klassische Digitalkameras endgültig überflüssig werden lässt – Marktzahlen belegen, dass dieser Markt de facto tot ist. Auch 2022 bleibt das Innovationstempo hoch. Nach der Erweiterung des Kamerasystems von einer auf drei Brennweiten dürfte das ausfahrbare Objektiv den nächsten großen Entwicklungsschritt markieren. Es ist bekannt, dass mehrere chinesische Unternehmen wie Xiaomi schon daran arbeiten, die jüngsten Signale kamen Ende 2021 von Oppo in Form eines kurzen Videos, das einen Prototyp mit ausfahrbarer Optik zeigt. Die Herausforderung besteht darin, die beweglichen mechanischen Komponenten so robust zu konstruieren, dass sie dem Smartphone-Alltag samt starken Erschütterungen und Wasserspritzern locker gewachsen sind; und sie gleichzeitig so präzise aufeinander abzustimmen, dass beispielsweise die Linsenabstände auf das Zehntel eines Millimeters sitzen. Wer diese Hürde meistert, profitiert von den enormen Vorteilen eines ausfahrbaren Zoomobjektivs, das bei Kompaktkameras Standard war: Einerseits entfällt der Einbau mehrerer Festbrennweiten, andererseits ermöglicht der größere Abstand zum Sensor das Auslesen einer größeren Sensorfläche, was der Bildqualität einen Schub geben würde. Wir rechnen Ende 2022 mit ersten Phones, die diese Technologie einsetzen. Diese Modelle werden zudem mit für die Bildverarbeitung optimierten Co-Prozessoren ausgestattet sein, um Anpassungen für Foto- und Videoaufnahmen in Echtzeit vorzunehmen.

Wearables mit Gesundheitsfokus nehmen zu

Pulsmessungen gehören längst zum Standard, viele Wearables erstellen sogar bereits EKGs. Auch der Blutdruck kann immer präziser erfasst werden.

Der Markt für Wearables wird 2022 von einem Wachstumsschub profitieren. Markttreiber sind vor allem präzisere Sensoren, die die Lücke zwischen Medizin- und Alltagsprodukt schließen. So führt man bereits EKGoder Körperfettmessungen direkt am Handgelenk durch, wobei Letzteres ein Feature ist, das man eher von smarten Waagen kennt. Diese können bereits mehrphasige EGKs vornehmen und sogar den Körperfett- sowie Muskelmasseanteil gliedmaßengenau ausgeben. Pulssensoren messen ebenfalls immer exakter und ermitteln nicht nur den Herzschlag, sondern auch seine Variabilität, den Sauerstoffgehalt oder eben den Blutdruck. Samsung hatte 2021 mit der Galaxy Watch 4 auch in Deutschland eine Smartwatch mit Blutdruckmessung eingeführt. Noch ist der Vorgang mit einer Kalibrierungsprozedur verbunden. Im laufenden Jahr werden aber erste Wearables mit einer integrierten Handgelenksmanschette auf den Markt kommen, wie die BP Doctor Med. Polar arbeitet zudem an einer nicht invasiven Blutzuckermessung für seine Uhren. Fortschritte macht auch die Miniaturisierung von Sensoren. Damit lassen sich diese immer unauffälliger in Wearables integrieren. 2022 kommen somit viele smarte Ringe auf den Markt, die im Funktionsumfang einer Smartwatch in fast nichts nachstehen.

Oura Ring Rund 315 Euro kostet Der smarte Ring, der 24/7 den Puls misst und den Blutsauerstoff s ow ie die Temperatur erfasst. Dass bei dieser Größe sogar S chlaftracking an Bord ist, finden wir bemerkenswert. Entgegen unserer Befürchtungen soll die Akkulaufzeit zwischen vier und sieben Tagen liegen

BP Doctor Med Die per Crowdfunding finanzierte Smar twatch soll eine medizinisch präzise Blutdruckmessung ermögli chen und 2022 für regulär 360 D ollar erhältlich sein. Gängige S martwatch-Features sowie Schla ftracking gibt’s inklusive.

Withings Body Scan Mit zwei Elektroden erfasst die Waage (300 Euro) Körperfett und Muskelmasse sogar für einzelne Körp erteile. Auß erdem ist sie in der Lage, ein 6-Kanal-EKG zu er stellen. Alle Ergebnisse lassen sich in einer App ein sehen.

Das Auto als Smartphone auf vier Rädern

Chips statt Motor: Der Antrieb wird beim Auto immer mehr zur Nebensache, viel wichtiger sind Usability und Konnektivität. Das lockt neue Spieler auf das Feld.

Apple, Foxconn, Huawei, Sony: Die Liste der Tech-Unternehmen, die mit der Entwicklung von Autos in Verbindung gebracht werden, wird immer länger. Huawei hat mit dem Aito M5 ein marktreifes Hybrid-SUV im Portfolio, das in den nächsten Wochen in China für umgerechnet 35 000 Euro in den Verkauf geht. Man steigt ein, wird von einer Gesichtserkennung identifiziert, und Parameter wie die Sitzhöhe stellen sich automatisch ein. Das Auto der Zukunft, permenant vernetzt und vollgepackt mit technischen Komponenten, ist ein intelligenter Begleiter, der neben der Mobilität weitere Aufgaben übernimmt. Es steuert autonom das Ziel an, während der Mitfahrer über das Infotainmentsystem einen Film ansieht oder an einer Videokonferenz teilnimmt. Voraussetzung dafür sind ein stabiles 5G-Netz und ein von leistungsfähigen Computern befeuertes Betriebssystem. Doch wenn Motor und mechanische Bauteile an Bedeutung verlieren und zugleich Mikroelektronik und Konnektivität immer wichtiger werden, dann werden die Karten in der gesamten Industrie neu gemischt. Netzbetreiber, Softwareanbieter und Elektronikhersteller wittern neue Geschäftsfelder und drängen in die etablierten Lieferketten.

Mit Wearables ins Metaverse

Genauso wie Foldables werden auch Wearables 2022 einen Aufschwung erleben. Dieser Oberbegriff fasst verschiedene Produktkategorien zusammen – von In-Ear-Kopfhörern über smarte Brillen bis hin zu Smartwatches. Letztere haben in der Krise großen Zuwachs erfahren. Fitnesstracker machen hier derzeit über die Hälfte des Wearable-Markts aus, wobei Fitnessbänder im Vergleich zu Watches eher einen Nachfragerückgang erleben. Kein Wunder: Die Uhren bieten einen deutlich größeren Funktionsumfang und mausern sich immer mehr zu einem vernetzten Medizinprodukt.

Getrieben wird die Entwicklung der Wearables auch vom Metaversum, dem Konzept einer ditialen Welt, das als die nächste Generation des Internets gehandelt wird. Seitdem Facebook sich in Meta umbenannt und aktiv damit begonnen hat, dieses Metaversum zu entwickeln, ist ein neuer Hype ausgebrochen. Ohne VR- und AR-Brillen oder smarte Handschuhe, die ein haptisches Feedback geben, wird man allerdings nicht in diese alternative Realität eintauchen können. Die Smartphone-Hersteller haben längst damit begonnen, entsprechende Produkte zu entwickeln. Oppo hat bereits Ende 2021 eine marktreife Mixed-Reality-Brille vorgestellt. Und der Automarkt zeigt ja anschaulich, dass das Unternehmen richtig gut darin ist, neue Märkte und Industrien zu erschließen.

Andreas Seeger, Lennart Holtkemper