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Dieganze Wahrheit SO KAM SCHUMI IN DIE FORMEL 1


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 34/2021 vom 25.08.2021

FORMEL 1

Artikelbild für den Artikel "Dieganze Wahrheit SO KAM SCHUMI IN DIE FORMEL 1" aus der Ausgabe 34/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Michael Schuma- cher fuhr nur ein Rennen für das Team von Eddie Jordan (l.). Dafür erhielt der Besitzer 220 000 Euro

Der legendäre Ayrton Senna († 34) hatte es schon nach ein paar Runden im Training gewusst: „Wo kommt DER denn her? DER kann uns gefährlich werden!“

Mit DER meinte der dreimalige Weltmeister aus Brasilien am vierten August-Wochenende 1991 Michael Schumacher. Einen 22 Jahre alten deutschen Fahrer, den bis dahin nur die größten Motorsport-Insider kannten – und den heute jeder Sportfan auf der Welt kennt.

Vor genau 30 Jahren, am 25. August 1991, begann beim Grand Prix von Spa-Francorchamps in Belgien die Weltkarriere von Schumi. Dank einer Lüge, einem Pfefferspray und einem 15x10 Zentimeter großen Stück Papier, das damals 150 000 Pfund – oder besser gesagt 440 000 Deutsche Mark – wert war.

Spa. Schumis erstes Formel- 1-Rennen. Gleich Siebter im Qualifying. Schon Fünfter nach der ersten Kurve. Aus nach 600 Metern. Kupplung verraucht. Später sagt Teamchef Eddie Jordan: „Wenn ich gewusst hätte, wie ...

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... gut der ist, hätte ich die alte Kupplung ausund ihm eine neue einge- baut. Aber ich konnte ja nicht wissen, wie außergewöhnlich dieser Neuling ist.“

Der Rest ist bekannt. Siebenmaliger Rekord-Weltmeister, zusammen mit Lewis Hamilton. Aber: Wie Schumacher die schwindelerregenden Kurven bis ins Cockpit von Jordan gemeistert hat, wissen nur wenige. SPORT BILD hat sich auf Spurensuche begeben: Wie kam Schumi wirklich in die Formel 1? Schnallen Sie sich an: Alle mussten zu ihrem Glück gezwungen werden – sogar Michael Schumacher selbst!

★★★

SCHUMIS ENTDECKUNG

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Bei Schumi hießen die ersten beiden Jürgen Dilk und Gerd Noack. Die beiden Kerpener Privatleute unterstützten und sponserten den jungen Michael vom Kart bis zur Formel König 1987. Dann kommen vier Männer ins Spiel, die hinter dem großen Publicity-Vorhang still und leise an der großen Bühne für die Formel 1 bastelten.

Domingos Piedade, ein Portugiese mit deutschem Pass, der in den 70er-Jahren Rennfahrergrößen wie Walter Röhrl und Emerson Fittipaldi managte, ruft im Sommer 1988 seinen Freund und Formel-1-Repräsentanten bei Mercedes, Gerd Krämer, an: Er habe ein deutsches Ausnahmetalent, das mit seinen Söhnen Kartrennen fährt. Sein Name: Michael Schumacher. Gleichzeitig schubst der deutsche Journalist Burkhard Nuppeney den damaligen Mercedes-Rennsportleiter Jochen Neerpasch auf Michael Schumacher.

Die Drähte glühen. Schumis Schattenmänner sorgen dafür,

Dieser Scheck sicherte Schumis Formel-1-Premiere

1 Empfänger der Zahlung war die Firma von Eddie Jordan, „Sports EJ“

2 Überweisungs- Datum: 21. August 1991 – vier Tage vor Schumis Formel-1-Debüt

3 150 000 Pfund erhielt Jordan. Umgerechnet waren das 442 200 Mark (221 100 Euro)

4 Absender war „PP Sauber Ltd“ – die Firma von Schumacher- Förderer Peter Sauber

dass der Name Michael Schumacher bei Mercedes fortan präsent ist. Aber welcher Weg ist der richtige nach ganz oben?

Krämer und Nuppeney überreden Willi Weber – den späteren Schumi-Manager – 1988, Schumacher eine Testfahrt in einem Formel 3-Auto seines erfolgreichen WTS-Teams machen zu lassen. Dilk erinnert sich: „Ich habe Michael nach Österreich begleitet. Willi Weber war überzeugt, wollte Michael aber zuerst als Nummer zwei hinter dem damals besten deutschen Formel-3-Fahrer Joachim Winkelhock in sein Team holen.“ Weber erkennt Schumachers Talent, holt ihn 1989 in sein Formel-3-Team, als Winkelhock in die Formel 1 wechselt.

Schumi wird 1989, punktgleich mit Heinz-Harald Frentzen, Zweiter in der deutschen Formel-3-Meisterschaft hinter Karl Wendlinger.

Es folgt der nächste Clou: Der Schweizer Teamchef Peter Sauber und Rennleiter Neerpasch holen das Dreamteam Schumacher/ Frentzen/Wendlinger in ihr Mercedes-Sportwagenteam – dabei war Schumi erst unsicher.

Nuppeney erinnert sich: „Michael saß bei mir in der Küche und sagte: ‚Ich fahre nur Autos ohne Dach.‘ Ich musste ihn überzeugen, dass diese Sportwagen mit 900 PS zwar ein Dach hatten, aber der Einstieg mit dem Mercedes-Sportwagen die bessere Variante in die Formel 1 war als über die Formel 3000 in Japan. Sie war gefährlich.

Johnny Herbert, sein späterer Benetton-Teamkollege, hätte bei einem Unfall dort beinahe beide Beine verloren.“

„Das Geld kam von Sauber, aber ich weiß, dass Mercedes dahintersteckte“

Eddie Jordan

Weber, seit 1988 offizieller Schumi-Manager, traf sich mit Nuppeney und Neerpasch anschließend in Zürich und stimmte dem weiteren Weg von Michael zu. Die nächste Kurve ins internationale Geschäft war geschafft.

Pikant: Der Manager-Vertrag zwischen Schumacher und Weber mit einer Laufzeit von zehn Jahren wurde 1988 im Mittelrheinischen Golfclub in Bad Ems unterschrieben – aber Weber war gar nicht dabei. Nuppeney: „Ich fuhr im Auftrag von Willi dahin und habe auch in seinem Auftrag den Vertrag zwischen Schumacher und Weber unterschrieben.“

Dilk, der mit Schumacher auch anwesend war, bestätigt: „So war das damals.“

Schumi fuhr 1990 neben der Sportwagen-WM für Mercedes auch noch Formel 3 für Webers WTS-Team – und wurde Deutscher Meister.

Weber und die Schattenmänner – der Krimi geht weiter.

★★★

SCHUMIS FORMEL-1-START

1991. Schumi fährt weiter fürs Sauber-Mercedes-Sportwagen- Team. August ’91. Jordan-Pilot Bertrand Gachot sprüht einem Taxifahrer in London Reizgas in die Augen, weil der zu langsam fährt. Gachot muss ins Gefängnis. Teamchef Jordan ruft seinen Freund Krämer an: „Was ist denn mit deinem Deutschen, mit dem du mich dauernd nervst? Kann der in Spa mein Auto fahren?“

Dann geht alles schnell. Krämer rät Weber: „Das ist die Chance des Lebens. Du musst Michael in Spa fahren lassen. Notfalls gegen den Willen des Mercedes- Teams von Peter Sauber und Jochen Neerpasch. Bezahle jeden Betrag, den Jordan fordert!“

Weber versichert Jordan, dass Schumi den Kurs in Spa kenne („Es war eine Notlüge“), zahlt dann erst mal die 120 000 Euro für Testfahrten in Silverstone.

Als SPORT BILD Jordan vergangene Woche auf seiner Segelyacht vor Menorca erreicht, verrät er ein weiteres Problem: „Das mit dem Test für Michael war schwierig. Denn Golfprofi Nick Faldo und Chris Rea (englischer Rocksänger; d. Red.) hatten den Kurs für ihre neuen Porsches gemietet. Aber sie erlaubten mir am Dienstag eine Runde, am Mittwoch konnten wir dann Schumacher testen.“

Nuppeney: „Schumacher sagte mir, das Auto sei mit ihm gefahren und nicht er mit dem Auto. Doch nach einer kurzen Pause legte er den Schalter um und knallte eine Wahnsinnszeit nach der anderen hin.“

Schumi fährt so schnell, dass sein Test-Ingenieur Trevor Foster Angst um das Auto hat. Doch zurück in der Box sagt Michael nur cool: „Keine Angst, ich mache nichts kaputt. Ich bin noch gar nicht am Limit ...“

Also alle Zweifel beseitigt? Stopp! Eddie Jordan verlangt 150 000 englische Pfund (damals 440 000 D-Mark, also heute 220 000 Euro) für Schumachers ersten Renn-

Einsatz. Vier Tage vor dem Grand Prix, am 21. August 1991, kommt die Überweisung.

Jordan erinnert sich: „Das Geld kam von Sauber, aber ich weiß, dass Mercedes dahintersteckte!“ Manager Weber und ein paar private Investoren steuerten, laut Krämer, auch noch Geld bei.

Das Schumi-Debüt endet dann nach jahrelangen Endlos- Telefonaten und Geld-Geschachere neben der Strecke und den ersten 600 Formel-1-Metern auf dem Ardennenkurs – aber der Schumi- Schattenmänner-Krimi hatte noch ein Kapitel.

★★★

DER KAMPF UM SCHUMIS ZUKUNFT

Nach dem Rennen in Spa kommt Bernie Ecclestone ins Spiel – und wie!

Der heute 90-jährige Ex-Formel-1-Macher zu SPORT BILD: „Ich wusste, dass Michael bei Jordan keine Zukunft hatte. Eddie hatte kein Geld, ich vermittelte ihm Yamaha-Motoren, und die waren für dieses Talent zu langsam. Also bestellte ich Michael, Gerd Krämer, Eddie Jordan und Flavio Briatore vor dem Monza- Rennen ins Hotel Villa d’Este. Ich wollte, dass Michael für Benetton mit den stärkeren Ford-Motoren fährt.“

Eine Problem-Nacht am Comer See. Benetton-Chef Flavio Briatore kennt und will Schumacher nicht. Briatores Partner Tom Walkinshaw will Martin Brundle neben Nelson Piquet. Jordan: „Ich war sauer. Ich kämpfte ums Überleben, wollte Michael behalten, und Ecclestone wollte ihn mir stehlen. Er brauchte einen guten Deutschen für sein Geschäft.“

Um dieses Geschäft zu realisieren, trickst Ecclestone mit allen Mitteln. Er verrät 30 Jahre danach: „Es war eine jener wenigen heftigen Alkoholnächte in meinem Leben. Ich musste am Tisch mit Eddie Jordan trinken und ihn überreden, Michael gehen zu lassen. Dann rüber an den anderen Tisch zu Flavio, mit ihm trinken und ihn überreden, Michael für Benetton fahren zu lassen.“

Es wird sehr, sehr spät. „Michael fragte mich, für welches Team er denn nun am Wochenende fährt. Ich sagte ihm: ‚Gehe schlafen. Mach dir keine Sorgen. Du wirst für Benetton fahren.“

Doch es knistert weiter. Roberto Moreno, der für Schumi im Benetton weichen soll, gewinnt vor Gericht die Klage um sein Cockpit! Die Polizei rückt, wie im echten Krimi, in Monza an, will Schumachers Benetton beschlagnahmen. Ecclestone kämpft weiter für Schumacher. Schließlich fließen siebenstellige Summen zwischen Jordan, Benetton, Neerpasch, Weber und Ecclestone.

Michael Schumacher zahlt alles zurück. Er wird in seinem zweiten Formel-1-Rennen in seinem zweiten Formel-1-Team Fünfter. Es sind die ersten zwei von 1566 WM-Punkten in einer beispiellosen Karriere.