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Dies oder das?


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MountainBIKE - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 04.10.2022
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Bildquelle: MountainBIKE, Ausgabe 11/2022

„In meinem MOUNTAINBIKE-Magazin-Leben habe ich vermutlich eine mittlere dreistellige Zahl an Bikes getestet. Und an noch mehr herumgeschraubt. Da bleibt einiges an einschlägiger Erfahrung, an fatalen Fehlern, aber auch guten Ideen hängen. Daher sehe ich einige ‚Schrauberfragen‘ vielleicht anders als die Mehrheit. Auf den folgenden Seiten sage ich dir, warum. Viel Spaß dabei – und ich freue mich auf das Feedback aller Schrauberinnen und Schrauber!

ANDRÉ SCHMIDT, Redaktionsleiter

1 bis 50 Nm

Die am MTB erforderlichen Anzugsmomente decken eine riesige Spanne ab. Die kleinsten liegen in der Regel bei den Madenschrauben an den Entlüftungsstutzen der Scheibenbremsen an. Das ist weniger als „handfest”. Auch die Klemmungen von Schraubgriffen oder diverser Remotes am Lenker (Vario-Stütze, E-Bike-Modi) verlangen geringe Momente. Das andere Ende markieren verschraubte Tretlager.

Drehmomentschlüssel oder Gefühl? ...

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Klare Sache, Drehmomentschlüssel. Weiß doch jeder, nach fest kommt ab und so. Aber, Überraschung, ich nutze meinen „DreMo“ fast nie. Und das liegt nicht nur an Faulheit oder an einem mangelhaften Produkt. Mein Tipp, der von Wera gebaute, legendäre Drehmomentschlüssel Torque Tool von Syntace (135 Euro) ist alles andere als ein Schätzinstrument. Mein – ha – Schlüsselerlebnis liegt gut ein Vierteljahrhundert zurück, als ich stolz meinen ersten Drehmomentschlüssel kaufte und natürlich gleich am Bike ausprobierte. Schraube für Schraube zog ich an, die Drehmomente lieferte mir eine Tabelle in meiner damals im Abo bezogenen Lieblingszeitschrift: das MOUNTAINBIKE Magazin. Als ich an meinen geliebten Shimano- XTR-Schalthebeln ankam, zog ich diese mit den vom Magazin empfohlenen 8 Nm fest. Also, fast, denn bei 6–7 Nm brachen sie mit einem lauten Knall entzwei. Die Angabe war, warum auch immer, viel zu hoch, mit Fingerspitzengefühl wäre mir das nie passiert. Seitdem sehe ich nicht den DreMo kritisch, sondern die Angaben und den Umgang mit dem Schlüssel. Übrigens auch die Vorgaben der Hersteller, weil sie die spezielle Situation am Bike gar nicht wissen können. Klemme ich im Vorbau einen massiven Alu-Downhill-Prügel? Oder ein filigranes Carbon-Konstrukt? Ich habe schon Schraubgriffe verbaut, die mit 0,5 Nm bombenfest saßen, andere drehten sich mit 3,5 Nm wie ein Karussell – Klemmschellenund Lenkerdurchmesser sind eben nie hundertprozentig maßhaltig. Angegeben waren auf beiden Griffen übrigens 2,0 Nm.

Entsprechend behandle ich jede Schraube nachmeinemGefühl. Griff-, Brems- und Schalthebelschellen, Sattelstreben- sowie Sattelstützenklemmen ziehe ich vorsichtig peu à peu so an, bis sich das Bauteil bei halbwegs hohem Kraftaufwand nicht mehr bewegen lässt – das langt immer. Natürlich, bei den Vorbauklemmen muss es wirklich fest sein, aber auch da sind die angegebenen Drehmomente oft höher als nötig.

Also ein klares Nein zum Drehmomentschlüssel? Natürlich nicht. Die Vorbauschrauben, die ich im Laufe meines Schrauberlebens geprüft, gelöst und/oder festgezogen habe, gehen in die Tausende – das prägt das Fingerspitzengefühl. Wer diese Erfahrungswerte nicht hat, ist mit dem DreMo auf der sichereren Seite, vor allem bei sehr leichten, empfindlichen Carbon-Parts. Wichtig ist dabei aber nicht nur das kritische Auge auf die angegebenen Anzugsmomente, sondern auch der Umgang mit dem Drehmomentschlüssel. Oft beobachte ich, dass die Ratsche überdreht wird. Sprich, nach dem Klick der Rasterung „passiert” vielen noch eine weitere Viertelumdrehung, was das Anzugsmoment viel zu hoch steigen lässt.

Gewusst?

Der Bowdenzug wird nach DIN 71968 korrekt als Seilzug bezeichnet und ist ein bewegliches Maschinenelement zur Übertragung einer mechanischen Bewegung sowie von Druck- und Zugkräften mittels einer biegsamen Kombination aus einem Drahtseil und einer in Verlaufsrichtung druckfesten Hülle. Erfunden hat ihn der Ire Ernest Monnington Bowden, der von 1859 bis 1904 lebte.

Spezialfette oder eins für alles?

Greifen wir mal tief in die Klischee-Kiste: Was der Dame von Welt ihr Schminkköfferchen mit allerlei Döschen voller geheimnisvoller Cremes, ist dem Schrauber und der Schrauberin eine reichhaltige Auswahl an Fetten und Ölen. Nicht für die eigene Haut (wobei…),sondern fürs Bike natürlich. Dabei gilt: Ein solides Allzweckfett muss mindestens vorhanden sein sowie ein leicht biologisch abbaubares Öl, das nicht verklebt und keine Dichtungen angreift. Mein Liebling ist seit jeher das legendäre Ballistol Universalöl (7 Euro, 50 ml), das man übrigens wirklich zur Hautpflege nutzen kann. Für die ambitioniert genutzte Werkstatt ergibt aber eine größere Auslage Sinn. Neben besagtem Ballistol empfehle ich ein PTFE-freies Kettenöl, ein Suspension-Öl zur Reinigung der Standrohre von Gabel und Federbein sowie ein Silikon- oder Teflonspray für Schaltzüge, dazu zusätzlich zum Universalfett ein spezielles Lagerfett sowie Montagepaste.

Tipp!

Vorsichtwaltenlassen solltest du bei lösungsmittelhaltigen Kriechölen oder solchen, die auf Petroleum basieren – diese können bei längerem Kontakt das Gummi von Dichtungen aufquellen oder porös werden lassen. Teils schwemmen sie auch das Fett aus Lagern.

Seitenschneider oder Bowdenzug-Zange?

Wenn du deine Schaltzüge und Bremsleitungen zerquetschen willst, ist ein Seitenschneider ein sehr geeignetes Werkzeug. Aber eigentlich gilt: Ab in die Haushalts-Werkzeugkiste damit, für meine Bikes brauche ich das Ding nicht. Schaltzüge lassen sich nur mit dem geeigneten Werkzeug, nämlich einer Bowdenzug-Zange schnell und sauber kappen. Den meisten Rad-Werkzeugkoffern liegt so ein Schneidwerkzeug bei, einzeln kosten selbst hochwertige Modelle nur um 25 Euro – wie der Pro Housing Cutter von Jagwire, den ich absolut empfehlen kann. Auch die Leitungen von hydraulischen Scheibenbremsen lassen sich damit problemlos kürzen, jedoch wird der Schnitt meistens nicht absolut gerade. Wer dies häufiger macht, greift zu einem speziellen Schneidwerkzeug mit Führung, wie es etwa Shimano oder Formula anbieten. Ach, übrigens: Auch für das Abschneiden von Kabelbindern ist der Seitenschneider nicht ideal, das geht mit dem guten alten Teppichbodenmesser (Cuttermesser) viel schöner.

L-Inbus oder T-Inbus?

Bei der ein oder anderen Schraube am Bike fragt man sich, ob der zuständige Ingenieur bei der Konstruktion ganz nüchtern war. Gute Erreichbarkeit sieht anders aus. Die Klassiker: Schrauben zur Sattelklemmung, die sich an die Stütze „schmiegen“, oder nahezu unbedienbare Mini-Schräubchen zur Griffweitenverstellung am Bremshebel. Auch die Bremsbefestigungsschrauben bei im hinteren Dreieck liegendem Bremssattel verlangen oft Fingerakrobatik. Ohne L-Inbus-Schlüssel mit Kugelkopf am langen Ende bist du da verloren – Pflicht für die Grundausstattung jeder Werkstatt! Toll ist etwa das farbcodierte, hochwertig gemachte Set SPKL von Wera für superfaire 25 Euro mit allen benötigten Größen von 1,5 bis 10 mm. Und wer es ganz edel mag, schaut bei Silca: Das HX-One-Set in schicker Holzbox (circa 150 Euro) sieht nicht nur unverschämt gut aus, die Werkzeuggüte ist auch brilliant. Das hält ein Schrauberleben. Und dennoch schraube ich am liebsten mit dem T-Inbus. Warum? Ein T-Inbus liegt perfekt am „kurzen Ende“ in der Hand, entsprechend schnell und akkurat kann ich damit am Bike arbeiten. Auch die gibt es in verschiedenen Güteklassen, mein (sündteurer) Tipp für angehende Schraubergötter ist das Master T-Handle Set II von Pedro’s mit verstellbaren Griffen für 230 Euro. Eine Alternative, speziell zum T-Inbus, ist übrigens eine Knarre (auch Ratschenschlüssel genannt) inklusive Bitset, mit dem sich turboschnell werkeln lässt. Aber Obacht: Die Knarre kann hohe Kräfte übertragen und verlangt nach Fingerspitzengefühl.

Gewusst?

Die im deutschsprachigen Raum genutzte Bezeichnung Inbus ist ein Markenname – wie Tempo. Korrekt ist der Begriff Innensechskant für den Schraubenkopfantrieb mit Sechseck (Hexagon) im Kopf. Der Schlüssel heißt richtig: Innensechskantschlüssel. Im englischsprachigen Raum ist neben der Abkürzung „Hex” auch die Bezeichnung nach dem Unternehmen Allen Manufacturing Company üblich. Der Schlüssel heißt dann entsprechend Allen key oder Allen wrench.

Tipp!

Wer einen Workstand mit „E-Lift“ sucht, sollte einmal bei reinschauen. Die Balinger bieten drei verschiedene Arten elektronischer Montageständer an, die bis zu 35 Kilo schwere E-Bikes mit 40 mm Weg pro Sekunde in die Luft befördern.

Bike auf den Kopf oder Montageständer?

Geschmackssache. Wer auf zerbeulte Satteldecke, aufgerissene Griffe, verkratzte Bremshebel sowie Bandscheibenvorfälle steht (und gut „falschrum“ denken kann), stellt sein Bike auf den Kopf. Allen anderen rate ich zum Montageständer. Im Ernst: Workstands gehören zu den besten Erfindungen rund ums Bike. So wie Vario-Sattelstütze, Müsliriegel oder Hefeweizen. Man steht wortwörtlich gerade, hat beide Hände frei, und das Bike schwebt sicher im Griff des Klemmmechanismus vor einem. Besser geht es nicht. Das gilt übrigens auch für E-Bikes, auch wenn das Hochhieven mitunter ein Kraftakt ist – und Ständer mit elektronischer Hebefunktion noch teuer sind. Apropos, in einen seriösen Workstand wie unseren aktuellen Testsieger Park Tool PCS-10.3 sollte man schon etwas investieren. Meine Faustregel: je teurer, desto stabiler, desto besser in der Handhabung. Und was tun bei einer Notreparatur auf dem Trail, etwa bei einem Kettenriss? Da darf das Bike natürlich auf den Kopf, suche dir aber einen geeigneten Untergrund wie weichen Waldboden oder Gras aus. André Schmidt, Benjamin Zöller, Hersteller (2)

Standpumpe oder Kompressor?

Brrrööööömmm! Wer empfindliche Nachbarn hat oder selbst keinen Lärm verträgt, braucht an einen Kompressor gar nicht zu denken. Die Dinger machen den Höllenlärm auf Erden schlechthin, gegen den Krach stationärer Modelle mit Lufttank ist selbst eine Motorsäge Musik in den Ohren. Dennoch: Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt einem Bike per Standpumpe Frischluft zugeführt habe. Klar, eine solide, großvolumige Pumpe wie unser klarer Testsieger in dieser Ausgabe, die Topeak Joeblow Mountain X (80 Euro), gehört in jeden MTB-Haushalt, schon alleine, weil man sie mit auf Reisen nehmen kann. Aber kraftsparender und vor allem schneller geht es mit einem strombetriebenen Druckmacher. Und spätestens, wenn die Tubeless-Montage per Standpumpe mal wieder nicht klappen will, weil der Reifenwulst einfach nicht ins Felgenbett knallt, wird der Kompressor zum Freudenspender in der Werkstatt. Ja, ich weiß, es gibt auch Pumpen mit Extra-Luftkanister, sogenannte Tubeless- Booster: Bei einer wirklich widerspenstigen Reifen-Felgen- Kombination geht aber selbst denen buchstäblich die Puste aus. Und: So ein Kompressor braucht weniger Platz, als man denkt, und ist auch im Alltag praktisch, sei es zum Aufpumpen von Pkw-Reifen oder in Kombi mit diversen Druckluftgeräten. Zur Not halt mit Ohropax …

1,5 bar

Ganz grob ist das der Luftdruck, der sich für einen modernen, stabilen MTB-Reifen in circa 2,4" Breite auf einer Felge mit rund 30 mm Maulweite (= Innenweite) und im Tubeless-Aufbau ohne Schlauch empfiehlt. Der Kompromiss aus Durchschlagschutz, Grip und Rollwiderstand ist mit diesen 1,5 bar am Ideal. Mit Schlauch sollte man circa 0,2 bar hochgehen, mit „Tire-Insert” (Schaumstoffeinlagen zwischen Felge und Mantel) kann man grob 0,2 bar abziehen. Je nach Systemgewicht und Einsatzbereich kann der Wert natürlich weiter variieren. Dabei gilt: Je leichter Fahrerin/Fahrer, desto geringer der Druck, und je gröber das Geläuf, desto mehr Druck.

Reinigungsteufel oder Putzmuffel?

Ich sage es gleich vorweg: Ein Putzteufel ist an mir nicht verloren gegangen. Also ich mag Haus, Hof und meine Kinder schon in halbwegs sauberem Zustand, bei meinen Bikes drücke ich aber schon mal beide Augen zu. Wie heißt es so schön bei uns Bikerinnen und Bikern: Dreck konserviert … Eine gewisse Pflege ist aber natürlich Pflicht, wobei ich da in vielerlei Hinsicht immer zur Zurückhaltung rate. Am Bike befinden sich zig Dichtungen für Lager oder inzwischen auch für elektronische Bauteile bis hin zum Motor. Sinn dieser Dichtungen ist es, Wasser abzuhalten, wer da mit Hochdruckreiniger oder einem harten Wasserstrahl draufballert macht sein Bike sauber – und kaputt. Auch andere geölte Bauteile wie die Kette würde ich nie mit Reinigern säubern – sondern nur mit Multiölen. Das Gleiche gilt für die Standrohre von Gabel und Dämpfer: Finger weg von Reinigern, lieber ein fusselfreies Tuch mit etwas Suspension-Öl beträufeln und die Rohre damit sauber tupfen. Klar, für Rahmen, Anbauteile und Reifen darf es dann schon ein spezieller Radreiniger sein. Aber bitte nur in Bio-Qualität (etwa F100 Bio-Fahrradreiniger, 15 Euro für 1000 ml) und das Dreckwasser samt Ölresten im Ideal auffangen und entsorgen.

Gewusst?

Nach der Europäischen Detergenzienverordnung (EG) Nr. 648/2004 müssen Reinigungsmittel, und damit auch Radreiniger, „biologisch abbaubar” sein. Wer speziell damit wirbt, preist also eine Selbstverständlichkeit an. Besser ist es, wenn ein Reiniger „leicht biologisch abbaubar” nach OECD 301 ist. Achte zudem auf das Drumherum: Verpackung aus Recyclingkarton, Labels aus recyceltem Papier und den Verzicht auf Duft- und Farbstoffen. Motto: Je „natürlicher” der Reiniger aussieht und riecht, desto natürlicher ist er vermutlich auch.

Spezialwerkzeuge kaufen oder selbst basteln?

Ich liebe DIY („do it yourself “) – und die damit verbundenen, oft herrlich kreativen Basteleien. Auch anstelle von Spezialwerkzeug fürs Bergradel gibt es einige Eigenbauvarianten. Beispiel? Ein oft sündteures Einpresswerkzeug für Lagerschalen (Tipp: Pedro’s Steuersatz- und Lagerpresse für 190 Euro) lässt sich mittels einer Gewindestange, zwei passender Schraubmuttern, zwei möglichst großer Unterlegscheiben und zwei planer Stücke Holz (Tipp: ausgedientes Frühstücksbrettchen zurechtschneiden) leicht nachbauen. Das Ergebnis ist weniger komfortabel, weniger schnell und benötigt mehr Aufmerksamkeit bei schräg angesetzten Schalen – aber es geht. Alte Kette übrig? Dann lässt sich damit sowie mit einem Stück Holz und ein paar Schräubchen für wenige Cent eine Kettenpeitsche basteln. Youtube, Pinterest und Co. sind voll mit weiteren Ideen. Selbst besitze ich solche Eigenkreationen nicht mehr. Mit der Zeit ziehen bei ambitionierter Schrauberei eben auch Tools auf Profi-Niveau ein. Eine Ausnahme habe ich aber noch: einen circa in der Hälfte abgesägten, alten Alu-Riser-Lenker. Den nutze ich nach wie vor als Ausschläger für verpresste Lager. Das geht damit schneller als mit dem speziellen Tool – und in der Regel ist das auszuschlagende Lager eh für die Tonne, dann kommt es auf ein paar Kratzer nicht mehr an.

„Aluminium-Lenker aussortiert? Dann nicht wegschmeißen, sondern einen prima Ausschläger für Lagerschalen draus machen.”