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Diese Frau lehrt Betrüger das Fürchten: „Ich habe schon 40 Liebes-Verbrecher hinter Gitter gebracht“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 31.01.2020

Vor zehn Jahren wurde Helga Grotheer (59) selbst zum Opfer: Sie glaubte den Liebesschwüren eines Betrügers im Internet. Jetzt hat die Bremerin den Spieß umgedreht: Sie jagt die Abzocker – mit großem Erfolg!


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 6/2020

Love Scammern auf der Spur: Helga fahndet im Internet, Reporterin Hella schaut zu


Helga Grotheer in ihrer Wohnung bei Bremen. Von hier aus legt sie Betrügern das Handwerk


Wenn Helga Grotheer Bilder von Steve zeigt, huscht ein grimmiges Lächeln über ihr Gesicht. Steve, der gut aussehende Engländer auf einer schweren Harley-Davidson. Steve, der leicht gebräunte Mittvierziger. Steve, der muskulöse ...

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... Ingenieur. „Er war genau mein Typ, in meinem Alter, wie ich Single“, erzählt die Bremerin. Helga ist damals 48 und sofort Hals über Kopf verliebt. „Ich dachte: Es gibt sie tatsächlich noch, die Liebe auf den ersten Blick!“ Auf der Dating-Plattform neu.de hat Steve Kontakt zu ihr aufgenommen. Vier Monate lang schreiben sie sich täglich, telefonieren sogar.

Helga: „Er sprach von einer gemeinsamen Zukunft, sagte, nach einer Frau wie mir habe er immer gesucht.“ Obwohl sie sich nie treffen, schwebt Helga im 7. Himmel: „Ich habe vorher noch nie so viel mit einem Mann gelacht“, sagt sie. Seufzt. „Aber auch noch nie so viel wegen eines Mannes geweint.“ Denn ihr Traummann entpuppt sich als sogenannter „Love Scammer“, als Liebesbetrüger. Sein einziges Ziel: ihr Geld aus der Tasche zu ziehen.


HELGA: Durch Zufall kam ich ihm auf die Schliche


Über Monate chattet und mailt Helga, um Verbrecher zu überführen. Gerade mit „Staley“: „Er will 26 000 Euro von mir“


„Er behauptete, beruflich in Nigeria zu sein. Wichtige Maschinen für ein Bauprojekt würden im Zoll festhängen. Um die auszulösen, sollte ich ihm 7500 Euro leihen.“ Er verspricht, alles doppelt zurückzuzahlen. Aber Helga hat nicht so viel Erspartes. Auf Steves Vorschlag, ihr geliebtes Cabrio zu verkaufen, geht sie nicht ein. Dass „ihr“ Steve ein Betrüger ist, kommt ihr da aber noch nicht in den Sinn. Bis ein Zufall sie wachrüttelt. „Ich wollte ihm schreiben und habe aus Versehen seine E-Mail-Adresse in das Google-Suchfeld eingegeben.“ Sie traut ihren Augen nicht: In verschiedenen Foren berichten Frauen von Helgas Steve. Als sie ihn konfrontiert, sagt er, seine Adresse sei geklaut worden. Doch jetzt sieht Helga klar: „Du bist ein Betrüger“, sagt sie zu Steve. „Ich wusste es die ganze Zeit.“ Sie zuckt mit den Achseln: „Das stimmte zwar nicht, ich hatte keine Ahnung. Aber ich wollte, dass er sich erschreckt.“

Helga ist wütend. Wie skrupellos Betrüger mit den Gefühlen von Frauen spielen, ihre Einsamkeit ausnutzen – das lässt sie nicht los. Kurze Zeit später eröffnet die Bremerin ein Forum im Internet, nennt es „Romance Scambaiter“ (Scam = Betrug; Bait = Köder). Sie will den Liebesverbrechern das Handwerk legen. In dem Forum treffen sich Opfer, 3500 Leute sind hier inzwischen vernetzt. Sie tauschen sich aus, machen gefälschte Profile öffentlich, zeigen Bilder der Männer. Helga will andere warnen, die Betrüger überführen. Männer, die verliebte Frauen dazu bringen, ihr Konto zu räumen, sich zu verschulden, ihr Haus zu belasten. Sie suchen sich ihre Opfer auf Dating-Seiten, aber auch auf Facebook und Instagram. Schwören unter falscher Identität Liebe, machen Komplimente – und wenn das Vertrauen groß genug ist, erfinden sie eine Notlage und wollen Geld. Die Hintermän ner dieser Betrugsmaschinerie sitzen oft in Nigeria, Ghana oder der Elfenbeinküste.

Helga und ihre Mitstreiterinnen wollen den Kriminellen mit eigener Taktik an den Kragen: „Wir bleiben so lange mit den Männern in Kontakt, spielen die Verliebte und himmeln sie an, bis sie sich auf eine persönliche Geldübergabe einlassen.“ Treffpunkte sind immer öffentliche Orte, oft Bahnhöfe. Sobald die Betrüger oder ihre Mithelfer nach dem Umschlag mit dem vermeintlich großen Geld greifen, schlägt die Polizei zu. Rund 40 Verhaftungen gab es dank Helga schon, bei acht war sie live dabei.

Zuletzt vor ein paar Tagen in Frankfurt am Hauptbahnhof. Ein gewisser „General Major Jayden Shawn“ hatte vorgegeben, eine Kiste mit wichtigen Dokumenten und einem Batzen Bargeld auslösen zu müssen, die im Zoll festhängt. Er brauche dafür 25 000 Euro. Sein Opfer beißt zum Schein an – aber am Frankfurt Hauptbahnhof schnappt dann Helgas Falle zu. Die Polizei verhaftet den falschen General.

Bis zu so einem Erfolg dauert es oft Monate. Viele Frauen geben vorher auf. „Sie sind enttäuscht, schämen sich, Hintermänschaffen es nicht, den Kontakt lange genug aufrechtzuerhalten“, erklärt Helga. Sie übernimmt, sammelt Beweise, täuscht geschickt gescheiterte Geldüberweisungen vor.

Schlottern ihr nicht manchmal die Knie? „Längst nicht mehr. Die Männer spielen mit unseren Gefühlen und ich spiele jetzt einfach mit.“


BERND: Die Betrüger klauten mein Profilbild


Aber nicht nur Frauen sind Opfer der Liebesbetrüger. Auch Männer wie Bernd Funke (54). Er hat aufgehört zu zählen, wie oft sie schon sein Foto bei Online-Profilen als ihres ausgegeben haben. „Über 100 Mal wurden Bilder von meiner Instagram-Seite geklaut“, erzählt er. Neben seiner Tätigkeit bei einer Versicherung arbeitet Funke als Best-Ager-Model, deshalb sind Fotos von ihm online. Immer wieder melden sich Frauen bei ihm, berichten Haarsträubendes: Ein Betrüger nutzte ein Selfie, das Bernd Funke auf einer Baustelle zeigt und log, er sei auf einer Baustelle in Istanbul, müsse Steuern nachbezahlen und bräuchte dringend Geld. Ein anderer nutzte ein Bild des Düsseldorfers mit Sakko, gab sich als seriöser Geschäftsmann aus, der am Flughafen wegen seines Passes festgehalten werde, dessen Kreditkarte dort nicht funktioniere. „Es ist ein schlimmes Gefühl, zu wissen, dass jemand deine Identität nutzt“, sagt Funke. Als er vor Kurzem in eine Straßenbahn in Düsseldorf steigt, kommt eine Frau auf ihn zugestürmt. Sie hat ihn wiedererkannt, war sehr aufgebracht. Mühsam erklärt er, dass er nicht der Mann ist, für den sie ihn hält.

Helga Grotheer kennt alle Tricks der Verbrecher. Aber welches Ausmaß das „Love Scamming“ angenommen hat, das schockiert sie immer noch sehr. „Sich zu verlieben“, sagt Helga, „sollte etwas Schönes sein.“ Ihr Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sich kein Love Scammer mehr sicher fühlt. Sie warnt: „Wir wissen, wie ihr vorgeht!“

Auch er wurde zum Opfer

Schon über 100 Mal benutzten die Betrüger dreist ein Foto von Bernd Funke – er ist Best-Ager- Model in Düsseldorf



Fotos: Privat