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Diese Frauen ebneten den Weg für neue Generationen von National Geographic- Entdeckerinnen


National Geographic Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 28.02.2020

(Von links nach rechts, von oben nach unten:)

Asha de Vos BIOLOGIN

Maria Mitchell ASTRONOMIN

Electa „Exy“ Johnson SEGLERIN

Ella Al-Shamahi PALÄOANTHROPOLOGIN

Anne Morrow Lindbergh FLIEGERIN

Marion Stirling Pugh ARCHÄOLOGIN

Jocelyn Crane Griffin KRABBENFORSCHERIN

Gloria Hollister Anable ICHTHYOLOGIN

Else Bostelmann KÜNSTLERIN

Dickey Chapelle FOTOGRAFIN

Evgenia Arbugaeva FOTOGRAFIN

Barbara Washburn KARTOGRAFIN

Reina Torres de Araúz ANTHROPOLOGIN

Marie Tharp GEOLOGIN

Munazza Alam ASTROPHYSIKERIN

Rae Wynn-Grant ÖKOLOGIN

Jess Cramp UMWELTSCHÜTZERIN

Biruté Galdikas PRIMATOLOGIN

Harriet Chalmers Adams ENTDECKERIN

Liliana ...

Artikelbild für den Artikel "Diese Frauen ebneten den Weg für neue Generationen von National Geographic- Entdeckerinnen" aus der Ausgabe 3/2020 von National Geographic Deutschland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: National Geographic Deutschland, Ausgabe 3/2020

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... Gutiérrez Mariscal BIOLOGIN

DIE VORAUS GINGEN

ARCHIVRECHERC HE: SARA MANCO

FRAUEN: JAHRHUNDERT DES WANDELS

EINE GANZJÄHRIGE SERIE

SORGE DAFÜR, dass du die erste Frau irgendwo bist“, riet ein Redakteur der aufstrebenden Fotografin Dickey Chapelle. Zu der Zeit verschärfte sich gerade der Zweite Weltkrieg. Chapelle befolgte den Rat. Mit einer Einheit Marines schmuggelte sie sich 1945 in der Schlacht um die Insel Okinawa an Land. Damit setzte sie sich über ein Verbot von Journalistinnen in Kriegsgebieten hinweg, was sie vorübergehend ihre Presseakkreditierung kostete, ihr aber den Ruf als furchtlose Kriegskorrespondentin eintrug.

Seit der Gründung von NATIONAL GEOGRAPHIC im Jahr 1888 leisteten Frauen immer wieder Großes in der Wissenschaft und auf Erkundungsreisen, erlangten dafür aber oft wenig Anerkennung. Sie vermaßen den Meeresboden, erklommen die höchsten Gipfel, stellten Tiefseetauchrekorde auf und flogen um die Welt. Ihre Überzeugungskraft brachte sie an Kriegsfronten, und sie überquerten ganze Kontinente.

„Es gibt keinen Grund, warum eine Frau nicht überall hingehen kann, wo ein Mann hingeht - und darüber hinaus“, sagte die Entdeckerin Harriet Chalmers 1920. „Wenn eine Frau gern reist, wenn sie Fremdes, Geheimnisvolles, Verlorenes liebt, dann wird nichts sie zu Hause halten.“

Und doch waren Frauen dem Magazin oft nur eine Randbemerkung wert, überschattet von berühmten Ehemännern. „Verdammt, verdammt, verdammt!“, heißt es 1933 im Tagebuch einer frustrierten Anne Morrow Lindbergh über das Leben an der Seite ihres Fliegergatten Charles. Sie machte als erste amerikanische Frau den Segelflugschein. „Ich bin es so leid, immer nur das ‚Dienstmädchen des gnädigen Herrn‘ zu sein.“ Andere wurden ignoriert. Als die Geografin Marie Tharp Anfang der Fünfzigerjahre einen Beweis für die Theorie der Plattentektonik vorlegte, tat ein Kollege dies als „Frauengerede“ ab. In den Zwanzigerjahren veröffentlichte die Journalistin Juliet Bredon ihre Artikel in NATIONAL GEOGRAPHIC unter einem Männernamen. Selbst Frauen, die zu ihrer Zeit Weltruhm erlangten wie die Astronomin Maria Mitchell im 19. Jahrhundert, kämpften um gleiche Bezahlung.

Im NATIONAL GEOGRAPHIC-Archiv schlummern Millionen Fotos und Dokumente. Stapel von Mikrofilmen mit verblichenen Manuskripten und Ordner voller Briefe enthüllen die Geschichten der Pionierinnen, die für unser Magazin arbeiteten. Einige stellen wir auf den Folgeseiten vor.

Maria Mitchell

1818-1889

Entdeckte als erster Mensch einen Kometen mit dem Teleskop; erste Berufsastronomin in den USA

Im 19. Jahrhundert richteten die Bewohner der Insel Nantucket in Massachusetts ihre Teleskope auf das Meer aus, um die Rückkehr ihrer Walfang- und Fischerboote nicht zu verpassen. Das Glas von Maria Mitchell jedoch zeigte zu den Sternen. Schon als Kind half Mitchell ihrem Vater, einem Amateurastronomen, komplexe Navigationsberechnungen für Kapitäne auf Walfängern zu erstellen oder die Bewegungen von Himmelsobjekten aufzuzeichnen.

Am 1. Oktober 1847 um 22.30 Uhr erspähte die 29-Jährige durch ihr Teleskop etwas, das nicht auf ihren Sternenkarten verzeichnet war: einen Kometen.

Ihre Entdeckung und die daraus resultierende Karriere machten sie zur ersten Berufsastronomin der USA. Als erste Frau wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Sie besuchte weltweit Observatorien, war eine Fürsprecherin der Frauen in der Wissenschaft, setzte sich gegen die Sklaverei und für das Frauenwahlrecht ein.

Am neu gegründeten Vassar College lehrte Mitchell Astronomie und untersuchte Planeten, Sterne, Kometen und Finsternisse - und sie kämpfte darum, das gleiche Gehalt zu bekommen wie ihre männlichen Kollegen. Der von ihr entdeckte Komet 1847-VI wurde unter dem Namen „Miss Mitchell’s Comet“ bekannt. Ein Mondkrater wurde ebenso nach ihr benannt wie ein Frachtschiff im Zweiten Weltkrieg, die „S. S. Maria Mitchell“. 1888, ein Jahr vor ihrem Tod, gründete ihr Bruder, der Meeresforscher Henry Mitchell, mit anderen zusammen die National Geographic Society.

FOTOS AUF DEN VORIGEN SEITEN: BETTMANN/GETTY IMAGES (MITCHELL, LINDBERGH, ANABLE); THOMAS J. ABERCROMBIE (JOHNSON); RICHARD H. STEWART (PUGH); MILO WOODBRIDGE WILLIAMS (GRIFFIN); AMADO ARAÚZ, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER ARAÚZ-SAMMLUNG (TORRES DE ARAÚZ); JOHN TEE-VAN (BOSTELMANN); JOSEPH H. BAILEY (THARP)

Die Entdeckung eines Kometen machte die Astronomin Maria Mitchell (l., um 1880) Mitte des 19. Jahrhunderts berühmt. Sie kämpfte zeitlebens für das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wissenschaft.


FOTO: SCIENCE HISTORY IMAGES/ALAMY STOCK PHOTO

Diese Aufnahme von der französischen Front zeigt, wie außergewöhnlich nahe die Fotografin und Autorin Harriet Chalmers Adams dem Geschehen im Ersten Weltkrieg kam. Adams war während der ersten 50 Jahre die produktivste NATIONAL GEOGRAPHIC-Mitarbeiterin.


FOTOS: ALAMY STOCK PHOTO (O.); HARRIET CHALMERS ADAMS

HARRIET CHALMERS ADAMS

1875-1937

Berichtete als erste Journalistin im Ersten Weltkrieg aus den Schützengräben; Gründungsvorsitzende der Society of Woman Geographers


„ ICH HABE MEIN GESCHLECHT NIE ALS HINDERNIS EMPFUNDEN, BIN NIE EINER SCHWIERIGKEIT BEGEGNET, DIEEINE FRAU NICHT EBENSO WIE EIN MANN HÄTTE ÜBERWINDEN KÖNNEN; ICH HABE MICHNIEVORGEFAHREN GEFÜRCHTET; ICH WAR IN HEIKLEN SITUATIONEN UND HABE GRAUENVOLLE DINGE GESEHEN.“


In den 1880er-Jahren, lange bevor sie die größte Entdeckerin ihrer Zeit wurde, durchquerte die achtjährige Harriet Chalmers mit ihrem Vater die Sierra Nevada auf dem Pferderücken. Mit 24 heiratete sie Franklin Pierce Adams und ging mit ihm nach Lateinamerika, wo sie 65 000 Kilometer zu Pferd, im Kanu, zu Fuß und mit dem Zug zurücklegten. Als sie fast drei Jahre später zurückkehrten, hielt sie einen Vortrag vor der National Geographic Society - der Beginn ihrer 30-jährigen Karriere als Mitarbeiterin.

Adams machte es sich zur Aufgabe, jede aktuelle und einstige spanische Kolonie zu besuchen. Sie durchquerte Asien und wohnte Haile Selassies Krönung zum Kaiser von Äthiopien bei. Im Ersten Weltkrieg erhielt sie als erste Journalistin die Erlaubnis, die französischen Schützengräben zu fotografieren.

Für NATIONAL GEOGRAPHIC schrieb sie 21 Artikel. Dabei kritisierte sie Unrecht, dem sie begegnet war. „Welchen Segen hat ihnen die europäische Zivilisation gebracht, den sie nicht bereits genossen hätten?“, schrieb sie nach einem Besuch in Peru. „Was haben sie nicht alles erlitten im Namen des Kreuzes, das auf dem Hügel thront!“

Adams war weder eine ausgebildete Geografin, noch hatte sie studiert, doch ihre Farbdias und ihr abenteuerlicher Reisestil verschafften ihr Einladungen zu Vorträgen auf der ganzen Welt, häufig von Organisationen, die noch nie zuvor eine Frau zu sich gebeten hatten. Als dritte Amerikanerin erhielt sie eine Einladung in die Royal Geographical Society in Großbritannien. Der Explorers Club mit Hauptsitz in New York jedoch zeigte ihr und anderen Abenteurerinnen die kalte Schulter.

Männer „hatten schon immer solche Angst davor, dass eine einfache Frau in ihre heiligen Hallen eindringt, dass sie Frauen nicht einmal in ihre Clubhäuser lassen“, sagte Adams einmal, „ganz zu schweigen davon, ihnen die Teilnahme an Diskussionsrunden zu erlauben, die von gegenseitigem Nutzen sein könnten.“

Schließlich beschlossen mehrere Entdeckerinnen, einen eigenen Club zu gründen. 1925 entstand die Society of Woman Geographers mit Adams an der Spitze. Sie blieb Vorsitzende bis zu ihrem Umzug nach Frankreich 1933, wo sie vier Jahre später mit 61 Jahren starb.

REINA TORRES DE ARAÚZ

1932-1982

Erste lateinamerikanische Stipendiatin der National Geographic Society; setzte sich für die Bewahrung der Geschichte Panamas ein

1961 riss ein US-Unternehmen in einer Küstenstadt in Panama ein Kolonialgebäude namens La Pólvora ab, um Platz für eine Autobahn zu schaffen. Die 29-jährige Anthropologin Reina Torres de Araúz beschwerte sich beim panamaischen Präsidenten Roberto Chiari. Mit Erfolg: Panama gründete die Nationale Kommission für Archäologie und historische Monumente und beauftragte Torres de Araúz, dafür zu sorgen, dass wichtige Stätten erhalten blieben.

Torres de Araúz war damals schon eine bekannte Anthropologin und Verteidigerin des kulturellen Erbes. Man hatte sie als Teilnehmerin an der Expedition ausgewählt, die für den Bau der Panamericana die beste Route durch Panama finden sollte. Das Schnellstraßensystem sollte sich - teilweise inoffiziell - von Alaska bis Chile erstrecken.

Ihre Flitterwochen verbrachte sie im Rahmen der Trans-Darien-Expedition mit der Streckenerkundung. NATIONAL GEOGRAPHIC dokumentierte die Reise. Das Team verließ Panama im Geländewagen und kam vier Monate später in Kolumbien an. Damit war die erste Durchquerung von Nord- nach Südamerika mit dem Auto vollbracht.

Reina Torres de Araúz gründete das archäologische Forschungszentrum an der Universität von Panama, richtete Stipendien ein, um Studenten zu Feldstudien zu ermutigen, und schuf Institute für die Frühgeschichte Panamas, Ethnografie und Kulturanthropologie. Im Anschluss an ihre Arbeit als Direktorin des Nationalmuseums von Panama half sie bei der Einrichtung von sechs Museen und einem Archäologiepark.

1971 bekam Torres de Araúz als erste Lateinamerikanerin ein Stipendium der National Geographic Society. Es ermöglichte ihr die Katalogisierung präkolumbianischer Goldartefakte. Sie setzte sich erfolgreich für ein Gesetz ein, das die Abwanderung der Artefakte ins Ausland verhinderte. Torres de Araúz starb 1982 mit nur 49 Jahren. Ihr Andenken bleibt lebendig.

1960 gehörte die panamaische Anthropologin Reina Torres de Araúz (u.) zur ersten Expedition, die über den Tapón del Darién zwischen Panama und Kolumbien von Nord- nach Südamerika fuhr.


FOTO: AMADO ARAÚZ, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER SAMMLUNG ARAÚZ

Electa „Exy“ Johnson

1909-2004

Segelte mit Ehemann Irving siebenmal um die Welt

Eine Strecke einmal zum Mond und zurück absolvierten Irving und Electa Johnson (r.) in ihrem Seglerleben. Hier befahren die beiden Abenteurer den Nil in den frühen Sechzigerjahren


FOTO: WINFIELD PARKS

„So eine Gelegenheit bekommen wohl nicht viele Mütter“, sagte Exy. Sie bereitete das Fleisch eines Pottwals zu, den unser 18-jähriger Sohn Arthur mit der Harpune erlegt hatte. Wir kreuzten auf unserer sechsten Weltumrundung in 20 Jahren in unserem Zweimaster Yankee vor den Galapagosinseln.

Diese Momentaufnahme stammt aus dem Entwurf einer Reportage, die Irving und Electa („Exy“) Johnson 1959 gemeinsam für NATIONAL GEOGRAPHIC schrieben. Sie schildert den Alltag der Seefahrerfamilie. Als sie ihre Segel endgültig strichen, war das Ehepaar auf zwei Schiffen siebenmal um die Welt gesegelt.

Für ihre Weltumrundungen gab es einen festen Ablauf: 18 Mo- naten auf See folgten 18 Monate an Land. Weitere Reisen führten sie ins Baltikum, den Nil hinunter und durch die Kanäle Europas, wo Exy einige der vielen Sprachen, die sie beherrschte, anwenden konnte. Sie beteiligten sich an der Suche nach der verschollenen Fliegerin Amelia Earhart im Südpazifik. Das Paar verfasste in über 40 Jahren auf See neun Reportagen und zahlreiche Bücher. Und die beiden drehten drei Filme für die National Geographic Society.

Irving starb 1991. Als Exy ihm 2004 im Alter von 95 Jahren folgte, war sie einmal zum Mond und zurück gesegelt. In Los Angeles üben noch heute Jugendliche an Bord zweier Zweimaster Teamwork und Problemlösung. Sie heißen, „Irving Johnson“ und „Exy Johnson“.

JOCELYN CRANE GRIFFIN

1909-1998

Assistentin der Bathysphären- Expedition; erforschte Winkerkrabben

1930 wurden die Unterwasserforscher William Beebe und Otis Barton in der Nähe der Bermudainseln in einer winzigen Stahlkugel in den Atlantik hinabgelassen. Über Wasser kümmerte sich ein Team von Wissenschaftlerinnen darum, dass das gewagte neue Gerät, Bathysphäre genannt, funktionierte. Es war der erste ernsthafte Versuch einer bemannten Tiefseeexpedition, die bald darauf internationale Schlagzeilen machen sollte.

ELSE BOSTELMANN

882-1961

Malte Meereslebewesen, die in der Tiefsee entdeckt wurden

Auf dem Bootsdeck half die Laborassistentin Jocelyn Crane Griffin bei der Bestimmung der Meereslebewesen. Am Telefon saß Gloria Hollister Anable, technische Leiterin am Institut für Tropenforschung der heutigen Wildlife Conservation Society, die die Mission unterstützte. Die Kabelverbindung zwischen der Kugel und dem Schiff durfte nie unterbrochen werden. Anable transkribierte Beebes Beobachtungen der Tiefseekreaturen und gab Informationen über Tiefe, Uhrzeit und Wetter durch. Während des gesamten Gesprächs scherzten sie miteinander. Sie und Griffin stiegen auch selbst in die Kugel. Bei einem dieser Tauchgänge stellte Anable mit 368 Metern den Rekord für den tiefsten Tauchgang einer Frau auf.

GLORIA HOLLISTER ANABLE

1900-1988

Stellte den Weltrekord für den tiefsten Tauchgang einer Frau auf

Nach der Rückkehr aus der Tiefe wurden Beebes Skizzen und Beschreibungen an Else Bostelmann ins Labor auf den Bermudas geschickt. Sie schuf daraus dramatische Bilder. Zwar stieg sie selbst nie in der Bathysphäre hi- nab, setzte jedoch oft einen Taucherhelm auf, band ihre Pinsel an eine Palette mit Ölfarben und ging mit ihrer Staffelei auf Tauchgang, um unter Wasser zu malen und sich inspirieren zu lassen. Ihre Zeichnungen waren lebendige Darstellungen fantastischer Tiefseewesen.

Aus Hunderten Meter Tiefe beschrieb William Beebe am Telefon Gloria Hollister Anable (o. r. im Bathysphä- ren-Hauptquartier auf den Bermudas), was er sah. Auf dem Schiff half Jocelyn Crane Griffin (M.) bei der Identifizierung der Meereslebewesen. Später fertigte Else Bostelmann (neben der Tür) fantastische Zeichnungen der Wesen an (l.).


FOTO: JOHN TEE-VAN (O.). ZEICH- NUNGEN: ELSE BOSTELMANN (L.)

Beebe wurde für sein Frauenteam verspottet, hielt aber unverbrüchlich zu den dreien. Nach dem Ende der Mission illustrierte Bostelmann weiter für NATIONAL GEOGRAPHIC und Anable leitete eine wissenschaftliche Expedition ins heutige Guyana. Griffin beaufsichtigte später Forschungsstationen in der Karibik und leitete nach Beebes Tod 1962 als seine Nachfolgerin das Institut für Tropenforschung.

In einem Interview von 1991 wurde die Unterwasserforscherin Sylvia Earle gefragt, was sie dazu inspiriert hatte, sich mit Ozeanografie zu beschäftigen. Sie nannte Beebes Beschreibungen. „In den Aquarien der Welt, so wunderbar und vielfältig sie auch sind, […] gibt es nicht die Art von Wesen, die Beebe auf seinen Erkundungsfahren in den Dreißigerjahren beschrieb.“

In den Dreißigerjahren wurde der kühnste Versuch der bemannten Tiefseeforschung in einer Stahlkugel, der Bathysphäre, unternommen. Jocelyn Crane Griffin, Else Bostelmann und Gloria Hollister (hier im Bild) wirkten an den Expeditionen zur Erforschung der Meereslebewesen mit, die mehrere Rekorde brachen.


FOTO: JOHN TEE-VAN

Die zweite Bergwanderung in Barbara Washburns Leben führte sie 1941 auf den 4153 Meter hohen Mount Hayes. Sechs Jahre später überblickte sie den Denali- Pass (l.) an Nordamerikas höchstem Gipfel.


FOTOS: BRADFORD WASHBURN

BARBARA WASHBURN

1914-2014

Erste Frau auf dem Denali; kartografierte mit ihrem Mann Bradford Washburn den Grand Canyon


„ ICH MACHTE MIR NICHT WIRKLICH GEDANKEN DARÜBER, DIE ERSTE FRAU AUF EINER RICHTIGEN ALASKAEXP EDITION ZU SEIN. ICH WUSSTE NUR, DASS ICH ALS EINZIGE FRAU EINFACH MITHALTEN MUSSTE.“


Barbara Washburns Leben auf den höchsten Gipfeln der Welt begann 1939 mit einem Bewerbungstipp ihres Briefträgers. Die Stelle - Sekretärin für Bradford Washburn, Direktor des New England Museum of Natural History - interessierte sie nicht besonders. „Ich wollte nicht in diesem stickigen alten Museum arbeiten“, sagte sie später, „und ganz sicher auch nicht für einen verrückten Bergsteiger.“

Ein Jahr später stand die Frau, die noch nie zelten gewesen war, auf dem 3094 Meter hohen Mount Bertha in Alaska. Sie hatte den Bergsteiger geheiratet. Ein weiteres Jahr später erreichten die beiden mit ihrem Team als Erste den Gipfel des 4153 Meter hohen Mount Hayes. Sie trug Kälteschutzkleidung für Männer; für Frauen gab es damals noch keine. Auf einem besonders trügerischen Berggrat übernahm Barbara die Führung, da das Team befand, sie sei leicht genug, um sie hochzuziehen, falls der Boden unter ihr nachgab. 1947 ließen Barbara und Bradford ihre drei Kinder zu Hause und bestiegen den Mount McKinley (heute Denali). Nach der fast zweimonatigen Tour genoss Barbara als erste Frau die Aussicht von Nordamerikas höchstem Punkt.

Da Bradford gelernter Kartograf war, unternahm das Ehepaar auch ehrgeizige Kartierungsprojekte. Ab 1970 erstellten beide mithilfe von Luftaufnahmen, Lasermessgeräten und einem Streckenmesser für die National Geographic Society eine vollständige Karte des Grand Canyon. Das Projekt dauerte sieben Jahre und erforderte fast 700 Helikopterflüge. Sie vermaßen außerdem die White Mountains in New Hampshire und den Denali. 1988 gehörten sie zu den 15 Entdeckern - darunter Edmund Hillary, Jacques-Yves Cousteau und Mary und Richard Leakey -, denen der Centennial Award der National Geographic Society verliehen wurde. Bis ins hohe Alter bewarben sich die Washburns noch für Stipendien der National Geographic Society für Projekte wie die Untersuchung der Schneetiefe auf dem Mount Everest.

Barbara starb 2014, sieben Jahre nach ihrem Mann und nur zwei Monate vor ihrem 100. Geburtstag.

MARIE THARP

Gewissenhaft kartierte Sonardaten des Meeresbodens halfen den Geologen Marie Tharp und Bruce Heezen, die Kontinentalverschiebung zu beweisen, damals noch eine Randtheorie.


FOTO: JOE COVELLO

1920-2006

Kartierte den Meeresboden, belegte die Theorie der Plattentektonik

Der Zweite Weltkrieg bot Marie Tharp die Chance auf eine welterschütternde Entdeckung. Die männlichen Studenten waren im Krieg, und die Universitäten mussten Studienplätze füllen. Tharp, die bereits je einen Abschluss in Englisch und Musik hatte, ergriff die Gelegenheit, Geologie zu studieren.

Nach einem Zwischenspiel als Feldgeologin wurde sie am Lamont Geological Observatory der Columbia University als technische Assistentin eingestellt. Hier lernte sie einen Doktoranden namens Bruce Heezen kennen. Gemeinsam wagten Tharp und Heezen sich an die Kartierung des Meeresbodens.

Da Frauen damals nicht an Bord wissenschaftlicher Forschungsschiffe arbeiten durften, trug Heezen Sonarmessungen zusammen, die er auf Meeresexpeditionen gesammelt hatte, darunter einige von der National Geographic Society finanzierte. In einem Kellerbüro an der Columbia Universität erstellte Tharp aus diesen Daten sowie den Messungen Hunderter anderer Expeditionen Karten.

Während ihrer Arbeit an der ersten Karte des Atlantischen Ozeans entdeckte Marie Tharp einen tiefen Graben im Meeresboden und schloss daraus, dass Stücke der Erdkruste sich gegeneinander verschoben. Ihre Theorie der Kontinentalverschiebung war „fast so etwas wie wissenschaftliche Ketzerei“, sagte sie später.

Heezen verwarf ihre Theorie zunächst und verspottete sie als „Frauengerede“. Doch Sonardaten stützten ihre Schlüsse. Der Riss in der Erdkruste überzeugte die wissenschaftliche Gemeinde davon, dass die Kontinente einst eine einzige Landmasse gewesen waren, die später durch tektonische Bewegungen getrennt wurde.

1977 wurden ihre Da- ten unter dem Namen „World Ocean Floor Map“ (Meeresreliefkarte) als erste weltumspannende Darstellung der Meeresböden veröffentlicht. Die Karte zeigte eine Landschaft voller Vulkanketten und Everest-hoher Berggipfel, getrennt durch eine 65 000 Kilometer lange Fuge quer über die Erdoberfläche.

„Es war eine Gelegenheit, wie man sie nur einmal im Leben - und nur einmal in der Weltgeschichte - bekam, insbesondere als Frau in den Vierzigerjahren“, schrieb sie. Im Jahr nach dem Erscheinen der Karte bekamen Marie Tharp und Bruce Heezen die Hubbard- Medaille verliehen, die höchste Auszeichnung der National Geographic Society.

BIRUTÉ GALDIKAS

Biruté Galdikas’ fast 50-jährige Langzeituntersuchung wilder Orang-Utans in Indonesien machte ihr Sozialleben und ihre Gewohnheiten bekannt.


FOTO: RODNEY BRINDAMOUR

Geboren 1946

Bildet mit Jane Goodall und Dian Fossey ein Trio von Verhaltensforscherinnen, die seit den Siebzigerjahren Menschenaffen studieren

Weil er der Ansicht war, dass Frauen geduldiger und einfühlsamer sind als Männer, regte der Paläoanthropologe Louis Leakey drei junge Wissenschaftlerinnen an, eine Weile unter Menschenaffen zu leben. Mit finanzieller Unterstützung der National Geographic Society half er bei der Einrichtung von Feldstationen in Tansania, wo Jane Goodall Schimpansen studierte, in Ruanda, wo Dian Fossey unter Berggorillas lebte, und im indonesischen Teil von Borneo, wo Biruté Galdikas Orang-Utans beobachtete. Die Forschungsprojekte der drei Frauen lieferten bahnbrechende Ergebnisse.

Als Galdikas 1971 im Nationalpark Tanjung Puting ankam, galten Orang- Utans als schwierige Forschungsobjekte. Die einzelgängerisch lebenden Tiere durchstreiften große Gebiete unter dichten Blätterdächern. Galdikas kam ihnen sogar nahe genug, um mit ihnen zu interagieren. Sie baute ihre Unterkunft zu einer Auffangstation für Tiere um, die aus der Gefangenschaft wieder ausgewildert werden sollten. Verwaiste Affen zog sie fast wie eigene Kinder auf, wie sie 1975 in NATIONAL GEOGRAPHIC schrieb.

In den ersten vier Forschungsjahren gewann Galdikas in fast 7000 Beobachtungsstunden Daten zu Ernährung, Bewegungsmustern und Beziehungen der Tiere untereinander. Vor allem machte sie auf die Gefahren durch Entwaldung aufmerksam, die den raschen Verlust von Lebensraum vorantrieb. Fast 50 Jahre später betreibt Galdikas weiter Feldarbeit. Das macht ihre Forschungen zur längsten durchgehenden Studie einer einzelnen Art.

MARION STIRLING PUGH

Marion Stirling (l.) und ihr Ehemann Matthew gruben auf ihren Expeditionen in den Dreißiger- und Vierzigerjahren Fundstücke aus, die die mesoamerikanische Geschichte neu erzählten. Hier trägt sie eine Lackschicht auf, um einen uralten Schädel vor dem Zerfall zu schützen.


FOTO: RICHARDH. STEWART

1911-2001

Beteiligte sich führend an Expeditionen zur mesoamerikanischen Frühgeschichte

Auf einem Foto, das 1948 während einer Expedition nach Panama entstanden war, betrachtet Marion Stirling eine gerade entdeckte Halskette aus rund 800 menschlichen Zähnen. Ihr Leben hatte sich verändert, seit sie 1931 eine Stelle als Sekretärin für Matthew Stirling angenommen hatte, den Leiter des Büros für amerikanische Ethnologie der Smithsonian Institution.

Marion und Matthew heirateten einige Jahre später; Marion belegte Abendkurse in Anthropologie und Geologie. 1938 besuchte Matthew auf einer Familienreise nach Mexiko eine riesige Steinskulptur, die Entdecker Jahrzehnte zuvor gefunden hatten: einen olmekischen Kolossalkopf.

Matthew erhielt eine Finanzierung für Ausgrabungen von der Smithsonian Institution und der National Geographic Society. Auf über einem Dutzend Expeditionen nach Südmexiko (eine ließ Marion aus, um ihre Tochter zur Welt zu bringen) schrieb das Paar die mesoamerikanische Geschichte neu. Die beiden gruben Steinköpfe und andere Überbleibsel des alten olmekischen Reiches aus und stellten fest, dass die Olmeken wahrscheinlich die erste große Zivilisation dort gebildet hatten.

Marion leitete das skorpionverseuchte Lager, säuberte und katalogisierte die Funde. Zusammen mit Matthew verfasste sie viele wissenschaftliche Abhandlungen. 1939 errechnete sie, dass ein in ein Olmeken-Denkmal geritzter Kalender sich auf das Jahr 31 v. Chr. bezog, damals das älteste in der Neuen Welt verzeichnete Datum. Später entdeckten die Stirlings präkolumbianische Jade in Mexiko, Granitkugeln in Costa Rica und sogenannte Mounds, künstliche Hügel, in der Nähe panamaischer Dörfer.

Marion, die nach Matthews Tod wieder heiratete, war zweimal Vorsitzende der Society of Woman Geographers.

ANNE MORROW LINDBERGH

Kurz vor ihrem transkontinentalen Rekordflug posieren Anne Morrow Lindbergh (o.) und ihr Mann Charles 1930 auf einem Flugplatz in Kalifornien. Die frisch Vermählten starteten dort und landeten 14 Stunden, 23 Minuten und 32 Sekunden später in New York.


FOTO: BETTMANN/GETTY IMAGES

1906-2001

Erste Frau in den USA mit Segelflugschein; erhielt als erste Frau die Hubbard- Medaille der National Geographic Society

Anne Morrows erstes Rendezvous mit Charles Lindbergh fand 1928 in einem Flugzeug über Long Island statt. Ihr Verehrer hatte gerade den ersten transatlantischen Direktflug hinter sich und war weltberühmt. Drei Monate nach ihrer Hochzeit unternahm Anne ihren ersten Alleinflug. 1930 erwarb sie als erste Frau in den USA eine Segelfluglizenz erster Klasse.

Im selben Jahr flogen Charles und Anne in 14 Stunden und 23 Minuten von Los Angeles nach New York und brachen damit den transkontinentalen Geschwindigkeitsrekord. Anne war Co-Pilotin, Funkerin, Navigatorin - und im achten Monat schwanger. Sie verdiente sich Anerkennung als Fliegerin und Autorin und bekam 1934 als erste Frau die Hubbard-Medaille der National Geographic Society für 40 000 im Flug zurückgelegte Meilen.

Zu der Zeit waren im Leben des Ehepaars dunkle Wolken aufgezogen. 1932 war ihr kleiner Sohn entführt und ermordet worden. Charles entwickelte eine Faszination für die technologischen Entwicklungen in Nazideutschland und gründete in München eine zweite Familie. Er nahm eine Auszeichnung des Naziregimes an und machte sich gegen die Einmischung der USA in den Zweiten Weltkrieg stark. Anne schrieb ein Buch, in dem sie den Faschismus die „Welle der Zukunft“ nannte.

Die einst begeisterte Öffentlichkeit - und Annes eigene Mutter - wandte sich gegen das Paar. In späteren Interviews und Tagebüchern bereute Anne ihre Haltung, die die ihres Mannes gewesen sei. „Meine Ehe hat mich aus meiner Welt hinausgezogen, mich so verändert, dass ich nicht mehr zurückkann“, schrieb sie. Im Schreiben fand sie Erlösung. 1955 veröffentlichte sie „Muscheln in meiner Hand“, das als feministisches Manifest gefeiert wurde und an die Spitze der Bestsellerlisten schoss. 1979, fünf Jahre nach Charles’ Tod, wurde Anne in die National Aviation Hall of Fame aufgenommen.

DICKEY CHAPELLE

1919-1965

Fotojournalistin für NATIONAL GEOGRAPHIC; dokumentierte weltweit Konflikte - vom Zweiten Weltkrieg bis zum Vietnamkrieg; erste im Einsatz getötete US-Kriegskorrespondentin

Keine noch so große Feuerkraft hielt Dickey Chapelle vom Krieg fern. Auf ihrem Foto aus dem Vietnamkrieg (u.) treibt eine Feuersbrunst Vietcong-Soldaten aus einer Hütte im Mekongdelta. Chapelle berichtete über Dutzende von Konflikten. Sie starb an einer Verwundung auf einer Patrouille mit Elitesoldaten in Vietnam.


FOTOS: GEORGEF. MOBLEY (O.); DICKEY CHAPELLE

Im Jahr 1959 machte Dickey Chapelle sich bereit, von einem Turm zu springen. Die wegweisende Kriegskorrespondentin begleitete die 101. Division der Luftlandetruppen der US-Armee und hatte mit 41 Jahren ihren ersten Fallschirmsprung vor sich. Sie hatte entsetzliche Angst. Hinterher erklärte sie das Fallschirmspringen zu einer der „großartigsten Erfahrungen, die man machen kann“.

Bis dahin hatte Chapelle über viele Konflikte berichtet, darunter den Zweiten Weltkrieg. Während des ungarischen Volksaufstands hatte sie in Einzelhaft gesessen und war als erste Journalistin von den algerischen Rebellen akkreditiert worden. Fidel Castro nannte sie „die höfliche kleine Amerikanerin mit viel Tigerblut in den Adern“.

Chapelle wurde als Georgette Meyer geboren und übernahm den Spitznamen Dickey von ihrem Helden, dem Polarforscher Admiral Richard Byrd. Sie träumte von einer Karriere als Pilotin oder Luftfahrtingenieurin. Mit 14 Jahren verkaufte sie ihren ersten Artikel an die Zeitschrift U.S. Air Services, mit 16 schrieb sie sich am MIT ein, dem renommierten Massachusetts Institute of Technology. 1940 heiratete sie Tony Chapelle.

Das Paar begann in den Fünfzigerjahren, für NATIONAL GEOGRAPHIC zu schreiben und zu fotografieren; nach der Trennung übernahm Dickey beide Rollen. Mit Abzeichen der vietnamesischen Fallschirmjäger und der Fallschirmspringer der US-Armee drang sie an Orte vor, an die andere Reporter sich nicht wagten. Obwohl ihre Anwesenheit etwas Neues war, garantierte ihr das keine Sonderbehandlung. Sie nannte ihre Autobiografie „What’s a Woman Doing Here?“ („Was macht die Frau hier?“) nach einem Kehrvers, den sie auf dem Schlachtfeld häufig zu hören bekam. Es stehe außer Frage, dass der Krieg kein Ort für eine Frau sei, sagte Chapelle einmal in einem Interview. „Es gibt nur noch eine andere Spezies auf der Welt, für die ein Kriegsgebiet auch kein Ort ist, und das ist der Mann.“

1962 erhielt Chapelle als zweite Frau überhaupt den George Polk Memorial Award, die höchste Tapferkeitsmedaille des Overseas Press Club of America. Sie hatte in Vietnam mehr Kämpfe erlebt als jeder andere Amerikaner. Am 4. November 1965 begleitete Chapelle einen Einsatz der US Marines in der Nähe der Küstenstadt Chu Lai. Um etwa acht Uhr morgens trat die Patrouille auf einen Stolperdraht, der eine mit einem Mörser verkabelte Granate auslöste. Chapelle wurde von einem Schrapnell am Hals getroffen. Sie starb am Boden eines Hubschraubers, als erste amerikanische Kriegsberichterstatterin.

I m ersten Jahrhundert des Bestehens von NATIONAL GEOGRAPHIC waren die wenigen Entdeckerinnen, Fotografinnen und Wissenschaftlerinnen auf seinen Seiten fast immer weiße Amerikanerinnen oder Europäerinnen. Die heutigen Mitarbeiter sind so divers wie die Orte, Menschen und Arten, die sie untersuchen. Doch immer noch sind viele von ihnen - Asha de Vos aus Sri Lanka etwa - eine Ausnahme in ihrem Beruf. Auf dieser Doppelseite stellen wir einige Forscherinnen vor, die die National Geographic Society vertreten und den Weg für eine neue Generation abenteuerlustiger Frauen ebnen.

JESS CRAMP

Geboren 1979

Meeresbiologin und Mitinitiatorin eines bedeutenden Haischutzgebiets

Auf den Cookinseln, wo sie lebt, ist Jess Cramp oft die einzige Frau an Bord, wenn sie von kommerziellen Fischerbooten aus Forschung betreibt. Als Meeresbiologin mit dem Schwerpunkt Haie ist es für ihren wissenschaftlichen Erfolg wichtig, sich bei Besatzungen Respekt zu verschaffen. Lange bevor Cramp das erste Mal ein Schiff betrat, hatte sie Mühe, eine Mentorin in ihrem Bereich zu finden. Mit anderen zusammen richtete sie im Südpazifik eines der größten Haischutzgebiete der Welt ein. Doch die Worte „Sie sehen gar nicht aus wie ein Wissenschaftler“ höre sie noch immer viel zu oft, findet Jess Cramp.

ASHA DE VOS

Bevor sie die erste Meeressäugerbiologin Sri Lankas mit einem Doktortitel wurde, träumte Asha de Vos davon, einmal „Dinge zu sehen, die sonst niemand sah, und an Orte zu gehen, an die sonst niemand ging“. Jahre später führte der

Geboren 1978

Pionierin der Walforschung im Indischen Ozean

Traum sie auf ein Schiff im Indischen Ozean, wo sie Blauwale studierte. „Als Frauen müssen wir härter arbeiten als Männer“, sagt sie. „So hart, dass die Leute nicht mehr nur Geschlecht oder Herkunft wahrnehmen, sondern unsere Fähigkeiten.“

RAE WYNN-GRANT

Geboren 1985

Ökologin mit Schwerpunkt Konflikte zwischen Menschen und großen Raubtieren

„Oft komme ich irgendwo an, und die Leute glauben mir nicht, wenn ich sage: Ich bin Dr. Wynn-Grant“, sagt die Ökologin. Sie ist die einzige Raubtierspezialistin in den USA mit afroamerikanischen Wurzeln und einem Doktortitel. Naturdokus im Fernsehen öffneten ihr die Tür zum Umweltschutz, doch die Moderatoren waren „ganz anders als ich - oft ältere weiße Briten oder Australier, die in der Wildnis aufgewachsen zu sein schienen“. Sie dagegen unternahm ihre erste Wandertour erst mit 20.

Ihre Überlebenskünste in der Wildnis hat sie längst perfektioniert. Heute untersucht sie Mensch-Raubtier- Konflikte am Beispiel von Grizzlys im Yellowstone-Nationalpark, Löwen in Kenia und Tansania sowie Schwarzbären im Großen Becken der USA.

ELLA AL-SHAMAHI

Geboren 1983

Die Anthropologin erforscht Neandertaler in unsicheren Gebieten

Ella Al-Shamahi gräbt im Irak, im Jemen und anderswo nach Neandertalerfossilien. Die Paläoanthropologin und Stand-up- Comedienne macht sich Sorgen, dass das Geschlechterungleichgewicht in ihrem Fachgebiet junge Frauen daran hindere, sich damit zu beschäftigen. Daher hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, erfolgreiche Frauen sichtbar zu machen. „Mir ist bewusst, dass ich zu einer Minderheit gehöre. Mir ist bewusst, dass ich andere repräsentieren muss“, sagt sie. „Manchmal ist das eine Last, manchmal eine Ehre.“

EVGENIA ARBUGAEVA

Ein Rollfilm in einem Kurs an der Oberschule infizierte Evgenia Arbugaeva mit dem Fotofieber. Heute ist sie eine gefeierte Dokumentarin der russischen Arktis. „In der Fotografie sah ich sofort ein unendliches Potenzial, Geschichten einzufangen und zu erzählen, die Schönheit des

Geboren 1985

Erkundet als Fotografin das Leben in der russischen Arktis

vollkommenen Eintauchens in den Augenblick und gleichzeitig die kreative Kontrolle über ihn“, sagt sie. Um ihre isoliert lebenden Protagonisten zu verstehen, lebt Arbugaeva Monate oder gar Jahre in der Tundra. Zu ihren Projekten gehört auch ein Blick auf ihre arktische Heimatstadt.

MUNAZZA ALAM

Geboren 1994

Astrophysikerin auf der Suche nach erdähnlichen Planeten

Munazza Alam sucht nach einer zweiten Erde. Der Planet müsste kühl genug sein, um flüssiges Wasser zu besitzen. Bisher gibt es ihn nur in der Theorie. Aber Alam, Doktorandin am Harvard- Smithsonian Center for Astrophysics, sucht in den Teleskopdaten unermüdlich danach.

Sie interessierte sich zunächst nicht für den Weltraum. Als Teenager sah sie auf einem Ausflug zu einem Observatorium zum ersten Mal die Milchstraße. Heute konzentriert sich ihre akademische Leidenschaft auf die Atmosphäre von Exoplaneten.

Es war nicht einfach, sich in der Astronomie zu behaupten. „In einem Raum voller Astronomen bin ich meist die Einzige, die so aussieht wie ich“, sagt sie. „Manchmal bin ich meine schlimmste Kritikerin. Daher muss ich besonders hart arbeiten, um zu zeigen, dass ich hierher gehöre.“

LILIANA GUTIERREZ MARISCAL

Geboren 1976

Biologin, die Frauen in Mexikos Küstenregionen stärkt

Wenn eine von uns es schafft, schaffen wir es alle. - Das hört man häufig unter den Frauen in El Manglito, einem mexikanischen Fischerdorf, in dem die Biologin Liliana Gutiérrez arbeitet. Sie war Mitgründerin einer Organisation, die in die Erneuerung der Fischerei in Mexiko investiert, und arbeitet mit weiblichen Führungskräften zusammen, um das Meer zu schützen: „Sie haben ein echtes Verständnis für den Zusammenhang zwischen Kindern, Bildung und der Gesundheit der Meere.“


FOTOS (IM UHRZEIGERSINN V. L. O.) DIESE SEITE: ANDY MANN, TSALANI LASSITER, SPENCER LOWELL; GEGENÜBER: ELIZABETH DALZIEL, JACKIE FAHERTY, IAN BALAM, THEODORAA RICHTER