Lesezeit ca. 7 Min.

Diese Outsourcing-Trends verändern die IT-Landschaft


Logo von Computerwoche
Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 27/2022 vom 01.07.2022
Artikelbild für den Artikel "Diese Outsourcing-Trends verändern die IT-Landschaft" aus der Ausgabe 27/2022 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

In den vergangenen zwei Jahren haben sich Strategien zur digitalen Transformation als grundlegend für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erwiesen. Nach den jüngsten Prognosen des Marktforschungsunternehmens IDC werden Firmen weltweit zwischen 2022 und 2024 voraussichtlich 6,3 Billionen Dollar direkt in die digitale Transformation ihres Geschäftsbetriebs investieren. Weil IT-Organisationen ihre digitalen Initiativen in großem Umfang vorantreiben, haben auch ihre Beziehungen zu IT-Dienstleistern an Bedeutung gewonnen.

Eine Folge: IT-Outsourcing ist nicht mehr nur ein Hebel für schnellere und günstigere Technologie-Services, sondern ein wichtiges Instrument, um mehr Wachstum, verbesserte Kundenerfahrungen und Wettbewerbsvorteile zu erreichen. In einer Zeit, in der Unternehmen Schwierigkeiten haben, digitale Talente zu finden und zu halten, werden Drittanbieter zudem immer wichtiger, weil sie alle ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 10,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Computerwoche. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 27/2022 von Mitarbeiter kündigen wegen Führungskräften. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mitarbeiter kündigen wegen Führungskräften
Titelbild der Ausgabe 27/2022 von Börsenabsturz – Heulen und Zähneklappern bei Tech-Investoren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Börsenabsturz – Heulen und Zähneklappern bei Tech-Investoren
Titelbild der Ausgabe 27/2022 von Starke IaaS- und PaaS-Nachfrage treibt den weltweiten Cloud-Markt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Starke IaaS- und PaaS-Nachfrage treibt den weltweiten Cloud-Markt
Titelbild der Ausgabe 27/2022 von Atos will sich aufspalten – nach dem Vorbild von IBM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Atos will sich aufspalten – nach dem Vorbild von IBM
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Cisco nutzt Cloud Computing für vereinfachtes Netz-Management
Vorheriger Artikel
Cisco nutzt Cloud Computing für vereinfachtes Netz-Management
Warum der Umgang mit technischen Schulden erfolgskritisch sein kann
Nächster Artikel
Warum der Umgang mit technischen Schulden erfolgskritisch sein kann
Mehr Lesetipps

... notwendigen Kompetenzen für die Unternehmens-IT bereitstellen können.

„Die Geschichte des IT-Outsourcings war in den vergangenen zehn Jahren eng mit der digitalen Transformation verknüpft. Diese ist nicht länger Science-Fiction, die erst in einigen Jahren Realität werden wird, sondern schon heute schlichtweg überlebenswichtig“, sagt Saurabh Gupta, President of Research and Advisory Services bei HFS Research. „Doch die kommende Phase der IT-Services muss ein Gleichgewicht zwischen Menschen, Prozessen, Technologie, Daten und Changemanagement herstellen, um die Innovationsagenda der Unternehmen wirklich umzusetzen.“ Daher blicken wir an dieser Stelle auf „heiße“ Technologien und Strategien, die das IT-Outsourcing tiefgreifend verändern, und auf Markttrends, die sich allmählich abkühlen.

Heiß: Gainsharing

Auch im Jahr 2022 werden noch traditionelle IT-Outsourcing-Verträge abgeschlossen. Aber Kunden und moderne Outsourcing-Provider erproben eine neue Art von Partnerschaft. Der Fokus in den Beziehungen richte sich stärker auf wertschöpfende Konstrukte aus, berichtet Craig Wright, Senior-Partner in der Beratungsund Transformationsgruppe bei West Monroe. Bei derartigen Vereinbarungen gehen die Dienstleister mehr ins Risiko und investieren in die Entwicklung individueller Lösungen für kundenspezifische Anforderungen. Am Ende gibt es eine Gewinnbeteiligung statt Bezahlung nach Ressourcenverbrauch und Preistabelle.

Kalt: flexible Preisgestaltung

Die Pandemie hat viele Unternehmenskunden dazu veranlasst, ihre IT-Dienstleister um Preissenkungen zu bitten – und wie es sich für Partner gehört, haben viele dem Ansinnen wohl oder übel zugestimmt. Da aber die Inflation ihren Tribut fordert, haben Outsourcer nun Schwierigkeiten, diese niedrigeren Preise beizubehalten. „Ein Preisanstieg – wenn auch nicht generell, so doch für die Mehrheit der Workloads – ist absehbar“, sagt Yugal Joshi, Partner beim Research-Unternehmen Everest Group. „Firmen und Dienstleister müssen zusammenarbeiten, um ein für beide Seiten vorteilhaftes System zu entwickeln, was sehr schwierig erscheint.“

Heiß: Talentmanagement (und Kosten)

In Anbetracht der heutigen HR-Herausforderungen wollen Kunden sicherstellen, dass ihre Provider bezüglich der Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand der Dinge sind. „Angesichts der Risiken hinsichtlich Servicekontinuität und Skalierbarkeit, mit denen die Unternehmen im weltweiten Talentwettbewerb konfrontiert sind, ist es entscheidend, dass sich die operativen Metriken, die wichtigsten Leistungsindikatoren und die Governance-Agenda ihrer Outsourcer auf Talentindikatoren konzentrieren“, sagt Craig Wright von West Monroe. „Dazu gehören Business-asusual- beziehungsweise Standardressourcen, flexible Projektressourcen sowie Maßnahmen für Rekrutierung und Bindung, um die Fluktuation einzudämmen.“

IT-Führungskräfte sollten sich auch darüber im Klaren sein, dass ihre Provider mehr tun (und zahlen) müssen, um Top-Talente zu halten. „Wir befinden uns an einem interessanten Punkt: Die steigende Nachfrage nach Technologie-Services, um Innovationspläne nach der Covid-19-Pandemie zu beschleunigen, trifft auf zunehmende Angebotsbeschränkungen als Folge der ‚Great Resignation‘, der Lohninflation und der geopolitischen Unsicherheit“, sagt Gupta von HFS Research.

So plant die überwiegende Mehrheit der von HFS Research befragten Unternehmen, ihre IT-Budgets in den nächsten zwölf bis 18 Monaten zu steigern, obwohl die Fluktuation in den großen Offshore-Hubs historische Höchststände erreicht. „Dies bedeutet Preissteigerungen, die von IT-Dienstleistern in einer inflationären Wirtschaft an Kunden weitergegeben werden müssen“, sagt Gupta.

Kalt: Cloud-Migration als Wachstumsmotor

Der Einsatz von Cloud-Ressourcen steigt weiter, aber die Arbeit in Migrationsprojekten könnte sich verlangsamen, erwartet Joshi. „Auch die meisten Service-Provider bereiten sich auf eine Welt vor, in der die Migration weiterhin ein großes Geschäft, aber kein strategischer Wachstumstreiber sein wird“, so Joshi. Die nächste Phase der Cloud-Einführung in Unternehmen wird sich auf spezifische Funktionen, branchenspezifische Anwendungsfälle und neue Cloud-Services konzentrieren.

Seine Prognose: „Service-Partner, die in der Lage sind, die Vision eines Kunden zu gestalten und eng mit Cloud-Anbietern zusammenzuarbeiten, um plattformzentrierte Lösungen anzubieten, die sich rechnen, werden erfolgreich sein.“ Jedoch sei zu erwarten, dass Aufträge in Zukunft kürzer und kleiner ausfallen werden. Ein Problem für Kunden: Die Kosten für den Verkauf dieser Services werden für die Anbieter vermutlich steigen, weshalb sie versuchen werden, diese Kosten weiterzugeben.

Heiß: Auswirkungen der Ukraine-Krise

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich nicht nur zu einer humanitären Katastrophe entwickelt, sondern hält auch die IT-Outsourcing-Welt in Atem – die Auswirkungen sind sowohl für Unternehmen als auch für Provider erheblich. „Der Krieg wird aller Wahrscheinlichkeit nach einen lähmenden Effekt auf die Entwicklung der Ukraine als Technologiezentrum und einen Welleneffekt auf die globalen Technologie- und Unternehmensdienstleistungen haben“, sagt Gupta.

Mehr zum Thema Outsourcing

→ Ukraine-Krieg gefährdet IT-Outsourcing-Projekte Viele IT-Outsourcing-Vorhaben in Osteuropa stehen wegen des Ukraine-Kriegs auf dem Prüfstand. Auftraggeber müssen mit steigenden Preisen rechnen. www.cio.de/3683849

→ Nachfrage nach Cloud-Services boomt Im IT-Servicemarkt könnten Cloud-Verträge schon bald das umsatzstärkste Segment darstellen. Dagegen stehen dem klassischen Outsourcing-Geschäft turbulente Zeiten bevor. www.cio.de/3552485

Multinationale Unternehmen aus dem Westen würden zudem nervös, was andere osteuropäische Outsourcing-Regionen angeht, die an Russland und die Ukraine angrenzen, beispielsweise Rumänien, Ungarn, die Slowakei oder Polen. „Dies könnte zu einer Verlangsamung breit angelegter innovativer Initiativen führen, die als risikoreich angesehen werden. Als Folge könnte es zu einem Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen, bewährten – sprich: standardisierten – Dienstleistungen kommen“, fügt Gupta hinzu.

Kalt: One-Stop-Shopping

Für IT-Dienstleister wird es immer schwieriger, in einem sich schnell entwickelnden Technologiemarkt alle Services für alle Kunden anzubieten. Aus diesem Grund arbeiten die IT-Organisationen der Unternehmen zunehmend mit spezialisierten IT-Anbietern zusammen, die technologie- oder funktionsspezifisches Fachwissen mitbringen. „Obwohl Anbieter von Enterprise-Applikationen ständig neue Funktionen hinzufügen und Unternehmen aufkaufen, planen Kunden, in Zukunft mehr Best-of-Breed-Lösungen zu nutzen“, sagt Joshi.

Service-Provider, die ein effektives Ökosystem aus Software-Partnern, Hyperscalern, Startups, Domänenexperten und Wissenschaftlern aufbauen, würden Gupta zufolge mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreicher agieren als solche, die versuchen, alles selbst zu machen. Allerdings gebe es einen großen Vorbehalt: „Wenn die Welt in eine Rezession gerät und die Inflation weiter steigt, kann sich dieser Trend schnell umkehren“, argumentiert Joshi. „Die Einkaufs- und CIO-Organisationen könnten wieder zu den dominierenden Abnehmern werden – und diese bevorzugen breit angelegte Bündelangebote gegenüber Best-of-Breed-Lösungen.“

Kalt: Offshore-First-Ansätze

Offshoring wird weiterhin eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von IT-Dienstleistungen spielen. Allerdings wird es nicht mehr als die Antwort auf alle Fragen angesehen. „Erwarten Sie eine stärkere Lokalisierung von Talenten, da die agile Bereitstellung in den Mittelpunkt rückt“, sagt Gupta.

Heiß: Paradoxon der Cybersicherheit

Cyberrisiken stehen schon seit einiger Zeit ganz oben auf der Agenda der Führungsebene, doch nur wenige Unternehmen sind bereit, ihren Dienstleistern mehr für diese komplexe und kritische Aufgabe zu zahlen. „Viele von ihnen, vor allem in Europa, wollen eine regionale oder lokale Bereitstellung und sind nicht bereit, mehr als einen Aufschlag von zehn bis 20 Prozent zu zahlen, unabhängig von der erbrachten Dienstleistung“, sagt Joshi. „Dieses Dilemma verschärft sich durch die steigende Zahl der Fälle, in denen zuletzt selbst Sicherheitsanbieter gehackt wurden, durch Bedrohungen aus Staaten, die den Cyberkrieg als potenzielle Waffe einsetzen, sowie durch die zunehmende Cyberkomplexität von Unternehmen selbst.“

Kalt: Service-Erbringung aus dem Wohnzimmer

Auch wenn nicht alle Mitarbeitenden ins Office zurückkehren werden, um die Arbeitsplätze der globalen Top-Dienstleister zu besetzen, bewerten Firmen die richtige Mischung aus Präsenz- und Fernarbeit für ihre Zukunft neu. „Unternehmen haben die Vorteile der Heimarbeit durch ihre Servicepartner erkannt und gesehen, wie diese ihnen zu einem reibungslosen Betriebsablauf verholfen hat“, sagt Joshi. „Die Qualität und das Kundenerlebnis haben sich jedoch durchweg verschlechtert.“ Joshi zufolge fordern die Kunden von ihren Outsourcing-Partnern, dass sie ihre Beschäftigten in die De-livery-Center zurückbringen. Laut Gupta legen Untersuchungen nahe, dass 40 Prozent Home-Office der optimale Anteil sein könnten.

Heiß: Fortgeschrittene Automatisierung

Angesichts des Fachkräftemangels suchen vorausschauende Unternehmen nach mehr Automatisierungs-Optionen – nicht nur um die Effizienz zu steigern, sondern auch, um mit weniger Personal auszukommen. „Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Outsourcing-Beziehung, die nach wie vor personalbasiert funktioniert“, sagt Joshi. „IT-Dienstleister müssen Unternehmen helfen, die Anzahl der Vollzeitstellen sowohl intern als auch in ihren Beziehungen zu Dritten mittels Automatisierung zu reduzieren. Sie müssen proaktiv aus eigener Tasche investieren und die Automatisierungsgewinne mit ihren Kunden teilen.“

Kalt: IT-Service-Silos

In der Vergangenheit haben Unternehmen möglicherweise eine strategische Aufteilung der IT-Dienste in Erwägung gezogen. Einige haben die IT-Infrastruktur im Haus behalten und die Anwendungsentwicklung und -wartung auslagert, andere haben beides an verschiedene Anbieter abgegeben. Heutzutage macht die Trennung von IT-Infrastruktur und Applikationen für Kunden jedoch weniger Sinn, „da die cloudgetriebene Transformation in den Mittelpunkt rückt“, so Gupta.

Heiß: Das Metaversum

Trotz der Unklarheit darüber, was das Metaverse konkret in der Wirtschaft bedeuten wird, hat sich das Konzept bei Unternehmen und Anbietern gleichermaßen durchgesetzt. Prashant Kelker, Chief Strategy Officer und Leiter der Digital Advisory Services von ISG, schreibt, dass für Fortune-500-Unternehmen jetzt die Zeit gekommen sei, neue Metaverse-Erfahrungen zu schaffen. „Web3 bietet einen neuen Weg, der die besten Aspekte der vorherigen Epochen kombiniert“, schreibt Kelker. „Die Entwicklung ist noch in einem frühen Stadium, aber sie schreitet schnell voran.“ Capgemini hat das Metaverse zu einer der drei wichtigsten Technologien des nächsten Jahrzehnts erklärt. Auch für das IDEAS-Framework von Accenture ist es von entscheidender Bedeutung. Und Unternehmen wie TCS oder Tech Mahindra haben bereits Metaverse-Funktionen entwickelt.

„Trotz der Unschärfe des Konzepts arbeiten bereits viele Unternehmen mit ihren Service-Partnern zusammen, um potenzielle Anwendungsfälle zu bewerten, Proofs of Concept zu erstellen und die Zustimmung des Managements einzuholen“, berichtet Joshi. „Mit zunehmender Reife des Konzepts werden neue Nutzungsmodelle entstehen, die neue Geschäftsfelder öffnen, und sich auf den Kundenzuwachs und andere Metriken auf Grundlage spezifischer Use Cases konzentrieren.“

Kalt: Management nach SLA

Da IT-Führungskräfte von ihren Outsourcing-Anbietern mehr strategischen Nutzen erwarten, überdenken sie ihre Beziehungen, und die Art und Weise, wie sie Anreize für sie schaffen. „In den meisten Fällen geht es darum, den Dienstleister für mehr als nur die SLAs und KPIs verantwortlich zu machen“, sagt Joshi von der Everest Group. „Viele Unternehmen erkennen auch, dass ihre Verträge und die Struktur der Preisgestaltung Dienstleistern nicht viel Spielraum lassen, um einen Mehrwert zu schaffen.“ Nach wie vor bestehe eine Kluft zwischen den Anforderungen der Unternehmen an ihre IT-Provider und der Art und Weise, wie sie diese Verträge gestalten. „Viele Unternehmen sind sich dessen jedoch bewusst und wollen den Kurs korrigieren“, sagt Joshi.

(ba)

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation CIO.com