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Diese WM ist sportlich nicht vernünftig!


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 46/2022 vom 16.11.2022

WM 2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 46/2022

Deschamps küsst den WM-Pokal. 2018 führte er Frankreich als Trainer zum zweiten Titelgewinn

SPORT BILD: Monsieur Deschamps, es gab dubiose Umstände bei der WM-Vergabe, tote Arbeiter beim Bau der Stadien, hinzu kommen die eingeschränkten Menschenrechte: Das Turnier in Katar sorgt für heftige Diskussionen. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen dennoch?

DIDIER DESCHAMPS (54): Wenn ich mich äußere, mache ich das nicht als französischer Staatsbürger Didier Deschamps, sondern als Nationaltrainer. Meine Freude ist groß, es gibt nichts Schöneres, nichts Größeres als eine WM – ohne dabei das spezielle Umfeld in Katar zu vergessen. Schon vor vier Jahren in Russland war das Umfeld sehr speziell, auch das darf man nicht vergessen. Genauso wenig, dass die Entscheidung für Katar nicht in den vergangenen Wochen und Monaten gefällt wurde, sondern vor über zehn Jahren.

Das Turnier findet erstmals mitten in einer Saison im europäischen Spätherbst statt, die Mannschaften haben nur eine ...

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... Mini-Vorbereitung. Ist das vernünftig?

Aus sportlicher Sicht? Nein! Wir haben nur acht Tage Vorbereitung, vor der WM in Brasilien 2014 waren es 28 Tage, vor dem Turnier in Russland 21 Tage. Aber die WM im Sommer auszutragen, das ist aufgrund der hohen Temperaturen un möglich. Sicher hat man jetzt den Vorteil, dass die Spieler nach drei Monaten Liga- und Europapokal-Wettbewerb weniger müde sind als nach einer langen Saison. Aber das hatte zur Folge, dass das Programm für sie mit drei Partien pro Woche bis in den November hinein extrem war. Aufgrund dieser Belastung ist die Verletzungsgefahr größer. Es fallen viele Spieler für die WM aus. Das kann nicht gut sein.

„Es gibt bis zu zehn Mannschaften, die Weltmeister werden können“

Sie müssen auf die Weltstars Paul Pogba und N’Golo Kanté verzichten. Beide fallen verletzt aus ...

Sie werden uns natürlich sehr fehlen, keine Frage. Sie waren als fester Bestandteil eingeplant. Trotzdem sind wir zuversichtlich. Denn was die Qualität und Quantität angeht, habe ich das Glück, hochkarätige Spieler zu haben. Dazu gehören auch die, die in Deutschland spielen wie Benjamin Pavard, Lucas Hernández, Dayot Upamecano, Kingsley Coman von Bayern und Christopher Nkunku aus Leipzig.

Letztmals gelang es Brasilien 1962, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Werden Sie mit Frankreich diesen Fluch beenden?

Den Titel zu gewinnen ist sehr schwierig. Das Niveau dann zu halten und ihn erfolgreich zu verteidigen, was wir natürlich wollen, das ist noch schwieriger. Man sagt: Frankreich ist Weltmeister. Aber das sichert uns nicht ab. Die Konkurrenz ist riesig. Es gibt bis zu zehn Mannschaften, die Weltmeister werden können: Dazu zählen Brasilien, Argentinien, Spanien, Deutschland, England, auch die Niederlande. Außerdem: Bis auf Brasilien, das bei der WM 2006 in Deutschland bis ins Viertelfinale kam, sind amtierende Weltmeister in den vergangenen 20 Jahren nie weit gekommen, oft sogar in der Vorrunde ausgeschieden. Uns traf es bei der WM in Japan und Südkorea vor zwanzig Jahren.

Deutschland scheiterte 2018 in der Vorrunde. Was trauen Sie der DFB-Auswahl unter Hansi Flick zu?

Hansi Flick ist da, um Deutschland zum Titel zu führen. Und ja, er kann es schaffen. Ich habe seine sehr gute Arbeit bei Bayern München verfolgt, zur Krönung gewann er die Cham-pions League. Außerdem hat er als ehemaliger Co-Trainer von Joachim Löw (von 2006 bis 2021 Bundestrainer; d. Red.) den Vorteil, schon wichtige Erfahrungen mit der Nationalmannschaft gesammelt zu haben. Darüber hinaus verfügt Deutschland nach wie vor über eine Mannschaft, die zu den besten in der Welt zählt.

Woran machen Sie das fest? In der Fifa-Weltrangliste ist Deutschland nur Elfter.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Spieler wie Musiala oder Havertz mit kreativen Fertigkeiten hervorgebracht, mit denen Deutschland seit der WM in Russland wieder stärker geworden ist. Außerdem sind noch einige wichtige und erfahrene Spieler wie Manuel Neuer oder Thomas Müller dabei, die vor acht Jahren in Brasilien Weltmeister wurden und nach wie vor über viel Qualität verfügen. Dazu kommt die unglaubliche körperli-che Präsenz, das gehört zur DNA des deutschen Fußballs.

Doch Deutschland fehlt ein richtiger Mittelstürmer nach dem Rücktritt von Miroslav Klose 2014 …

Natürlich findet man nicht so leicht einen gleichwertigen Mittelstürmer wie Miroslav Klose mit all seiner Erfahrung und seiner Effektivität. Aber man kann sich die Probleme auch einreden. Italien hatte 2021

„Die unglaubliche körperliche Präsenz gehört zur DNA des deutschen Fußballs“

laut der Öffentlichkeit ein Mittelstürmer-Problem – und ist Europameister geworden. Entscheidend ist am Ende das Spiel-System.

Wie wichtig ist Karim Benzema, der 2018 nicht im Kader stand und im Oktober zum Weltfußballer 2022 gekürt wurde, für Frankreich?

Der Titel Weltfußballer zeigt, wozu Karim Benzema auf dem Platz fähig ist. Er ist ein wichtiger Trumpf für die Offensive. Das hat er in der Nationalmannschaft seit seiner Rückkehr (Deschamps begnadigte den Stürmer 2021; d. Red.) eindrucksvoll gezeigt – wie auch in all den vergangenen Jahren bei Real Madrid. Er kann enorm wichtig für uns sein. Der Ballon d’Or lässt ihn pers önlich zu Recht ins Rampenlicht rücken. Es wird ihn aber nicht mehr und nicht weniger spielentscheidend für uns machen. Das weiß Karim – auch, dass nur die Leistung zählt.

Weltfußballer will auch Kylian Mbappé werden, um einen Platz in der Fußball-Geschichte einzunehmen …

Kylian Mbappé hat schon Geschichte geschrieben – vor vier Jahren, als er mit Frankreich Weltmeister wurde. Aber klar, er will immer der Beste sein, das treibt ihn an. Dadurch hat er schon sehr viel geleistet und erreicht. Der Erwartungsdruck auf ihn wurde deshalb aber größer. Wenn er zum Beispiel in einem Spiel ein Tor erzielt, dann reicht das nicht, dann heißt es: Er hätte drei machen können. Aber Kylian ist noch jung, seine Ziele sind Erfolge, da gibt es für ihn keine Grenzen.

Bei der EM vor einem Jahr schied Ihre Mannschaft im Achtelfinale gegen die Schweiz aus. Sie wurden erstmals kritisiert ...

Eine Niederlage kann passieren, man muss sie akzeptieren und analysieren. Denn das ist Fußball, das ist das hohe Niveau bei einem Turnier – und es ist gnadenlos. Bis zur 80. Minute haben wir damals alles richtig gemacht, dann sind wir in den letzten zehn Minuten auseinandergefallen (Frankreich verspielte eine 3:1-Führung und flog im Elfmeterschießen raus; d. Red.). Doch ist das ein Grund, alles infrage zu stellen? Nein! Glauben Sie, dass 2018 alles perfekt war?

Geben Sie die Antwort.

Nein. Doch ein Erfolg wie der Titelgewinn in Russland radiert alles aus. Gewinnt man nicht, nehmen die Details, was schlecht lief, unglaubliche Ausmaße an. Nach der letzten EM habe ich mich deshalb isoliert. Alles, was von außen kam, hatte keinen Einfluss mehr auf mich.

Sie sind seit 2012 Nationaltrainer Frankreichs. Was treibt Sie an?

Mein Kopf braucht Wettkämpfe auf sehr hohem Niveau – und das Adrenalin.

Sie haben die WM 1998 als Spieler gewonnen, könnten nach Vittorio Pozzo der zweite Trainer werden, der zweimal Weltmeister wurde. Ist das ein zusätzlicher Antrieb?

Nein, denn ich bin nicht da, um Geschichte zu schreiben. Ich bin da, um zu gewinnen.

Ende des Jahres endet Ihr Vertrag, Ihre Zukunft ist unklar. Hinzu kommen seit Jahren die Spekulationen, dass Ihr ehemaliger Mitspieler und Weltmeister Zinédine Zidane eines Tages Ihr Nachfolger werden soll. Wie gehen Sie damit um?

Ehrlich gesagt stört mich das nicht. Mir geht es um die französische Nationalmannschaft, die steht über allem. Und wenn ich schon seit über zehn Jahren Nationaltrainer bin, dann bedeutet das, dass es so schlecht mit mir nicht gelaufen ist.