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DIESES WINDRAD IST SMART: MENSCHEN: SMART-CHEFIN KATRIN ADT


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 21.02.2019

Die ersten 100 Tage im Amt hat sie hinter sich. Da kann man schon mal was riskieren. AUTO BILD-Chef Tom Drechsler trifftKatrin Adt (46), die neue Smart-Chefin , an der A 9 bei Münchberg. In 138 Meter Höhe bei minus 5 Grad. Auf der Turbine eines Windrads. Wir stehen oben, bibbern und reden. Ist das smart oder einfach nur verrückt? Und was hat das mit Autos zu tun? Fragen wir doch einfach mal los


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FOTOS: TOM DRECHSLER (2), HERSTELLER

Sieben Minuten im wackeligen Fahrstuhl, zwölf Meter Steigleiter, dann Luke auf und raus: SmartChefin Katrin Adt und AUTO BILDChef Tom Drechsler in 138 Meter Höhe auf dem ...

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... Windrad bei Münchberg/Hof in Bayern

Was hat dieses Windrad mit Ihrem Job zu tun? Katrin Adt: „Smart ist vor 20 Jahren
schon als elektrische Marke gedacht und konzipiert worden. Jetzt gehen wir den Weg in die Elektromobilität konsequent weiter: Smart wird es von 2020 an nur noch elektrisch geben. Der Strom muss aber irgendwoher kommen. Am besten emissionsfrei. Dieses Windrad macht 2300 Kilowatt und versorgt rund 2500 ESmart mit einer Laufleistung von 12 000 Kilometern im Jahr mit Strom. Dieses Windrad gehört uns schon seit 2012.“
Wann läuft bei Ihnen der letzte Verbrenner vom Band?
„Mitte des Jahres wird das sein. Dann sind Emissionen bei unseren Autos Geschichte. Wer sich einen konventionellen Smart konfigurieren möchte, muss sich beeilen. Ende März ist es mit den Bestellungen vorbei.“
Katrin Adt (verheiratet, zwei Kinder) fuhr übrigens schon einen Smart, bevor sie zur Marke stieß. Sie wurde in Bad Godesberg bei Bonn geboren, ihr Vater war Diplomat, bis Kalkutta kam sie als Kind herum.

Sie merkte erst nach dem Jurastudium, dass sie nicht in der reinen Juristerei bleiben wollte. Als ihr in Brüssel bei Mercedes ein Assistenzjob angeboten wurde, griff sie zu. Ihre erste Chefin damals: Annette Winkler, deren Nachfolgerin sie nun 20 Jahre später als SmartChefin wurde.
Ihre Autos sind nicht günstig. Der Zweisitzer-Benziner kostet ab 11 165 Euro, die E-Variante ab 21 940 Euro. Wird elektrisch nicht alles sehr viel teurer – und befürchten Sie nicht, dass sich die Kunden jetzt noch schnell mit ‚alten‘ Smart bedienen und den Wechsel zum E gar nicht mitmachen?
„Wir laden ja mit dem Slogan ‚Bevor man nichts mehr von uns hört‘ dazu ein, sich noch einen Verbrenner zu kaufen. 2018 war das beste Jahr für Smart seit zwölf Jahren in Deutschland mit sehr guten Absatzzahlen (Anm. d. Red.: 2018 weltweit: 128 802). Und ja, im Moment sind die Elektroautos noch teurer. Die Kunden müssen sich darauf einstellen, dass die Anschaffung eines solchen Autos zunächst teurer ist. Aber die Preise werden fallen, je mehr Autos auf den Markt kommen, davon bin ich überzeugt. Und in der aktuellen Phase hilft ja auch die staatliche Förderprämie von 4000 Euro.“
Es werden weitere kleine E-Autos kommen. Sehen Sie die als Gefahr für Ihre Marke?
„Nein. Wir sind die Ersten im Markt, wir haben am meisten Erfahrungen und die besten Autos für die Stadt.“
Emissionsfreier Verkehr ist, wenn wir uns die deutsche Fahrverbotsdiskussion ansehen, die Zukunft?
„Sauberer als elektrisch geht in der Stadt jedenfalls nicht. Ich bin stolz drauf, dass Smart jetzt der Pionier ist, der von den deutschen Herstellern am konsequentesten diesen Weg geht. Und mein Team, in dem noch viele aus der Gründungscrew arbeiten, ist ebenso stolz darauf.“
Woher kommen die Akkus? Wird es Lieferprobleme geben? Wartezeiten?
„Wir wollen keine Lieferengpässe. Jeder, der ein Auto bestellt, soll es auch schnell bekommen. Wir setzen deshalb weiterhin auf langfristige Lieferantenbeziehungen mit Zellenherstellern. Die kompletten Batterien kommen dann von uns, die E-Motoren von Renault. Natürlich muss die Produktion jetzt hochfahren, aber auch bisher gibt es alle Smart schon als E-Varianten, insofern müssen wir nicht bei null anfangen und auch nicht groß umstellen.“
Wir müssen jetzt absteigen, das Interview am Boden fortsetzen. Die Männer von der Höhenrettung, Industriekletterer, holen uns wieder vom Windrad runter. Ist eh zu kalt. Und die Drohne, die uns filmt und fotografiert, hat auch nur noch 27 Prozent Akkuladung (okay, die sind auch kleiner als im Smart). Vor dem Abstieg noch schnell ein paar Fakten zum Windrad: Das Fundament hat 22 Meter Durchmesser, hinter der Tür ist es also erst mal ziemlich geräumig. Es gibt eine Leiter innen an der Turmwand bis nach oben. Nichts für Ungeübte. Ein Rettungsseil von ganz oben nach ganz unten, wenn’s mal schnell gehen muss. Und einen Fahrstuhl, der an vier Stahlseilen hängt und 1 x 1 Meter misst, für Besucher wie uns. Er braucht sieben Minuten bis nach fast ganz oben, die letzten 12 Meter muss man klettern. Dann oben aus der Luke aufs Dach der Turbine. Ohne Geländer. Beruhigend oder nicht: Die meisten Unfälle passieren mit Strom, nicht weil jemand abstürzt. Wir reden am Boden und im Warmen weiter.

Was Smart mit Windrädern zu tun hat? Ab Ende März ist kein Smart mit Verbrennungsmotor mehr bestellbar, im Sommer läuft der letzte Verbrenner vom Band. Dann wird es die Kleinwagen nur noch mit E-Antrieb geben


MENSCHEN

Frau Adt, verkaufen Sie den Kunden Wallboxen gleich mit? Das ist doch die größte Angst, keinen Strom zu haben.
„Wir kooperieren mit Infrastrukturanbietern, helfen bei Fragen wie: Wie kriege ich eine Wallbox aufgebaut, welcher Elektriker macht das, geht das auch bei mir? Es ist eine Umgewöhnung, am Ende werden wir es als einfach empfinden, an so vielen Stellen unser Auto laden zu können – und nie mehr an einer Tankstelle halten zu müssen.“
Die Branche sagt, Smart habe noch nie Geld verdient. Was sagen Sie zu diesem Satz?
„Ich weiß nicht, woher Sie das haben. Gehen Sie davon aus, dass Smart positiv zum DaimlerErgebnis beiträgt. Unsere Rolle bei Daimler geht weit darüber hinaus, nur ein Profitbringer zu sein. Wir haben Innovationskraft, wir können neue Wege gehen, wir können, sollen und dürfen Dinge ausprobieren.“
Prangt auf dem Smart in Zukunft ein Mercedes-Logo?
„Nein, daran glaube ich nicht, warum auch?“
Wie ist das, die Verantwortung für eine ganze Marke zu tragen?
„Wir arbeiten sehr stark mit der MercedesOrganisation zusammen, in allen Bereichen, mit den Mercedesund SmartHändlern natürlich auch. Zwei große Felder sind es, um die ich mich gerade kümmere: Natürlich ist es die Umstellung auf Elektro. Die ganze Wertschöpfungskette muss sich verändern, es ist eine große Transformation. Auch der Launch des Facelifts in diesem Jahr muss vorbereitet werden. Das zweite Feld ist: Wo liegt die Zukunft im Konzern für Smart? Was bedeutet urbane Mobilität wirklich? Es findet ein Umdenken in der Gesellschaft statt, das spüren wir alle. Die Frage ist: Welche Geschäftsmodelle, welche Produkte brauchen wir von Smart in der Zukunft? Wie entwickeln wir unsere Modelle weiter?“
Stichwort Zukunft: Was halten Sie vom autonomen Fahren?
„Es wird kommen, es ist nur eine Frage der Zeit. In der Stadt ist autonomes Fahren eine große Herausforderung, der wir uns bereits jetzt mit viel Energie stellen. Wir haben ja schon auf der letzten IAA einen Smart für die Zukunft gezeigt, der sich in einer autonomen Welt komplett selbstständig bewegt. Aber noch gibt es diese Welt nicht, noch sind weder wir Menschen noch die Technik so weit.“
Sie waren Personalentwicklerin. Sie haben vorhin Ihr Team gelobt. Was macht heute eine gute Führungskraft aus?
„Sie braucht Leidenschaft. Sie braucht die Kraft, andere zu überzeugen, mitzureißen. Sie braucht Engagement und Empathie. Ich will es so sagen: Als ich in Luxemburg meinen Job als Chefin von rund 500 Menschen in vier großen Autohäusern antreten musste, ersetzte ich einen langjährigen, sehr beliebten Chef. Eine Frau, dann noch aus der Zentrale, das löste nicht gerade Freude aus. Ich habe dann erst mal in der Werkstatt ganze Wochenschichten mitgearbeitet, was nicht leicht war. Ich habe den LkwFührerschein gemacht, Autos selbst ausgeliefert. Das alles verschaffte mir die Chance, respektiert zu werden.“

Die Steigleiter geht steil aufwärts und ist eiskalt


Der Fahrstuhl misst 1 x 1 Meter und hängt an dünnen Stahlseilen


Treffen an der A 9: Smart-Chefin Adt und AUTO BILD-Chef Drechsler


FOTOS: TOM DRECHSLER (3), HERSTELLER

TECHNISCHE DATEN

Das Windrad Enercon E-82 ist an der Nabe 138 Meter hoch, hat einen Rotordurchmesser von 82 Metern. Zum Vergleich: Ein Airbus A380 hat eine Spannweite von 79,2 Metern. Es erzeugt 2,3 Megawatt im Jahr, versorgt 2500 E-Smart mit Strom (bei einer Jahreslaufleistung von 12 000 Kilometern). Seit 2012 gehört es den Autobauern.