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Digitalisierung bei Randstad: Wenn der Chatbot Bewerber interviewt


CIO - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 07.02.2020

Der Personaldienstleister Randstad bekommt den Fachkräftemangel zu spüren. CIO und CDO Carsten Priebs hält mit einer konsequenten Kundenorientierung und technischen Innovationen dagegen. Startups aus der HR-Szene helfen dabei.


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Bildquelle: CIO, Ausgabe 4/2020

„Zeitarbeit bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung ein People Business“, sagt Carsten Priebs, seit Juli 2018 CIO und CDO von Randstad Deutschland. Die Unternehmensstrategie des Personaldienstleisters heißt folgerichtig „Tech & Touch“. Der Kunstbegriff steht für Technologie und Human Touch. Randstad will demnach zwar konsequent moderne Technologie nutzen. Allerdings nur dann, ...

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„Zeitarbeit bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung ein People Business“, sagt Carsten Priebs, seit Juli 2018 CIO und CDO von Randstad Deutschland. Die Unternehmensstrategie des Personaldienstleisters heißt folgerichtig „Tech & Touch“. Der Kunstbegriff steht für Technologie und Human Touch. Randstad will demnach zwar konsequent moderne Technologie nutzen. Allerdings nur dann, wenn sie helfe, „Kunden und Kandidaten besser zu verstehen und mehr Freiraum für den persönlichen Kontakt zu Kunden, Bewerbern und Mitarbeitern zu schaffen.“

„Zeitarbeit bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung ein People Business“, sagt Carsten Priebs, seit Juli 2018 CIO und CDO von Randstad Deutschland. Die Unternehmensstrategie des Personaldienstleisters heißt folgerichtig „Tech & Touch“. Der Kunstbegriff steht für Technologie und Human Touch. Randstad will demnach zwar konsequent moderne Technologie nutzen. Allerdings nur dann, wenn sie helfe, „Kunden und Kandidaten besser zu verstehen und mehr Freiraum für den persönlichen Kontakt zu Kunden, Bewerbern und Mitarbeitern zu schaffen.“

lesewert

Wie Randstad auf grundlegende Veränderungen in der Personalbranche reagiert

Was hinter der Strategie „Tech & Touch“ steckt

Welche Anforderungen sich daraus für den CIO ergeben

Wo Software-Roboter künftig zum Einsatz kommen könnten

„Wir haben uns gefragt: Wo wollen wir in drei bis fünf Jahren stehen?“, berichtet der gelernte Wirtschaftsingenieur. Die Antwort lautete zunächst: „Wir wollen Kandidaten und Kunden begeistern.“ Das klingt nach den üblichen MarketingSlogans, doch Priebs beschreibt auch den Weg dorthin: „Wir brauchen dazu eine nahtlose Integration der ITSysteme und eine einheitliche Nutzererfahrung über alle Kanäle. Wir wollen aus Daten entscheidungsrelevante Informationen generieren und in fast allen Bereichen künstliche Intelligenz einsetzen.“

Langfristig wolle sich Randstad zu einem lebenslangen „Trusted Advisor“ für Bewerber aller Altersklassen und Qualifikationen entwickeln. Eines nicht allzu fernen Tages könnte sich etwa der „RandstadBot“ unaufgefordert auf dem mobilen Endgerät eines Kandidaten melden: „In Ihrer neuen Lebensphase und aufgrund Ihrer Qualifikationen schlage ich Ihnen folgende Stelle vor…“.

Ein wichtiges Ziel der „Tech&Touch“Strategie ist, den Arbeitsaufwand der Consultants zu reduzieren, die im Kerngeschäft von Randstad eine zentrale Rolle spielen. „Die Arbeit unserer Kollegen in den Niederlassungen ändert sich rapide“, so Priebs. Es gebe komplexere Aufgaben, neue Prozesse und Tools müssten eingeführt werden, und auch der Kontakt zu Kunden und Kandidaten laufe anders. Die Consultants rekrutierten neue Mitarbeiter, akquirierten Kunden und müssten gerade in Zeiten des Fachkräftemangels in einen permanenten Dialog mit Bewerbern treten. Zugleich nähmen sie auch die Rolle von Führungskräften ein.

ITseitig unterstützt der Personaldienstleister seine Berater unter anderem mit dem CRMSystem Salesforce.com und mit Chromebooks für den mobilen Einsatz. Für eine Entlastung der ITOrganisation sorgt die konsequente CloudStrategie, die das Unternehmen mit Hauptsitz im holländischen Diemen schon seit längerem verfolgt. Weltweit wurden inzwischen mehr als 600 ITAnwendungen in die Cloud von Amazon Web Services (AWS) migriert. Die letzten eigenen RZKapazitäten werden laut Carsten Priebs gerade aufgelöst. Nur SAP-Anwendungen lässt Randstad noch bei einem Hosting-Dienstleister betreiben. Auf der TodoListe des CIO steht unter anderem eine mögliche Migration auf SAP S/4 HANA, die derzeit evaluiert werde.

Bewerber plaudern mit dem Chatbot

Große Hoffnungen setzt Carsten Priebs in künstliche Intelligenz: „KI kann uns helfen, Menschen und Jobs zusammenzubringen.“ Dabei gehe es auch um die Frage, wie Randstad künftig mit Bewerbern kommuniziere, und was diese im Bereich der KI akzeptierten. Der ITChef kann sich beispielsweise automatisierte Konversationen mit Kandidaten vorstellen, die ein Chatbot führt. Nicht alle Bewerber könnten einen aussagefähigen Lebenslauf vorweisen. Intelligente SoftwareRoboter wären in der Lage, im Dialog Qualifikationen eines Kandidaten zu identifizieren und diese mit Stellenprofilen abzugleichen.

Große Hoffnungen setzt Carsten Priebs in künstliche Intelligenz: „KI kann uns helfen, Menschen und Jobs zusammenzubringen.“ Dabei gehe es auch um die Frage, wie Randstad künftig mit Bewerbern kommuniziere, und was diese im Bereich der KI akzeptierten. Der ITChef kann sich beispielsweise automatisierte Konversationen mit Kandidaten vorstellen, die ein Chatbot führt. Nicht alle Bewerber könnten einen aussagefähigen Lebenslauf vorweisen. Intelligente SoftwareRoboter wären in der Lage, im Dialog Qualifikationen eines Kandidaten zu identifizieren und diese mit Stellenprofilen abzugleichen.

Das gelte für die Website und die App ebenso wie für das Stellenportal und die gut 550 Niederlassungen, die Randstad allein in Deutschland unterhält. Als Beispiel nennt er die „globale App“, die es etwa Kundenunternehmen erlaube, individuelle Schichtpläne für ihre Mitarbeiter zu erstellen. Diese wiederum können aus der App heraus Urlaubsanträge erstellen oder Abschlagszahlungen anfordern.

Carsten Priebs CIO, Randstad Deutschland


„Wir wollen aus Daten entscheidungsrelevante Informationen generieren und in fast allen Bereichen künstliche Intelligenz einsetzen.“


Komplex sind die Aufgaben aus Sicht des CIO auch deshalb, weil er mit der IT gleich drei Stakeholder-Gruppen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen zufriedenstellen muss: Kandidaten, interne Consultants und die Kundenunternehmen. Randstad agiert dabei zunehmend auch als Softwareanbieter. Erst kürzlich hat der Konzern ein Vendor-Management-System für Kunden entwickelt, die mit mehreren Personaldienstleistern zusammenarbeiten. Interessant sei das Angebot insbesondere für größere Unternehmen, die damit ihre diversen „Lieferanten“ steuern könnten.

Customer-Centricity neu verstanden

Erfolgsentscheidend im Transformationsprozess ist für Priebs das Thema Customer-Centricity. Er hat dabei nicht nur klassische Firmenkunden im Visier, die ihre Belegschaft mithilfe eines Dienstleisters flexibilisieren wollen. Vielmehr müssten auch die Randstad-Consultants die vermittelten (IT-)Talente als Kunden betrachten und entsprechend mit ihnen umgehen: „Wenn wir in einem Bewerbermarkt erfolgreich bleiben wollen, müssen wir um diese Menschen werben, im Dialog bleiben und ihnen ein gutes Angebot machen.“ Dazu sei eine Weiterentwicklung der Randstad-Kultur nötig

Erfolgsentscheidend im Transformationsprozess ist für Priebs das Thema Customer-Centricity. Er hat dabei nicht nur klassische Firmenkunden im Visier, die ihre Belegschaft mithilfe eines Dienstleisters flexibilisieren wollen. Vielmehr müssten auch die Randstad-Consultants die vermittelten (IT-)Talente als Kunden betrachten und entsprechend mit ihnen umgehen: „Wenn wir in einem Bewerbermarkt erfolgreich bleiben wollen, müssen wir um diese Menschen werben, im Dialog bleiben und ihnen ein gutes Angebot machen.“ Dazu sei eine Weiterentwicklung der Randstad-Kultur nötig

Innovationen von innen und außen

Letzteres wirke sich auch positiv auf die Innovationsfähigkeit von Randstad aus, die Carsten Priebs besonders am Herzen liegt. Dabei verfolgt das Unternehmen zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Zum einen diskutiert das Management „top-down“ etwa neue Geschäftsmodelle, Chancen der Plattformökonomie oder strategische Partnerschaften. Zum anderen gibt es einen Bottom-up-Prozess, an dem alle Niederlassungen und die rund 2.000 Consultants beteiligt sind.

„Neue Ideen entstehen häufig vor Ort“, begründet Priebs das Vorgehen. Für die rund 550 Niederlassungen gelte die Devise „Freedom in the Frame“. Sie könnten Innovationen etwa in Sachen Prozesse oder Software-Features selbst ausprobieren, ohne jedes Mal die Erlaubnis der Zentrale einholen zu müssen. Dazu gehöre auch eine professionelle Neugier: „Wir schauen uns um im Markt: Wie machen´s die anderen? Welche Ideen haben Startups?“

Enwork hat Randstad Deutschland in der Eschborner Zentrale ein Startup aus der HR-Szene im Haus, dem Räume und Equipment zur Verfügung gestellt werden. Über den Randstad Innovation Fund fördert der Konzern aussichtsreiche „HR-Techs“.


Recruiting für die Netflix-Generation

Die Newcomer spielen für Priebs eine besondere Rolle. In seiner Freizeit engagiert er sich als Mentor für Startups aus der HRSzene. Mit Enwork hat Randstad Deutschland ein Startup aus der HRSzene im Haus, dem Räume und Equipment zur Verfügung gestellt werden. Unter dem Motto „Recruiting für die Netflix-Generation“ offeriert Enwork eine digitale Plattform, die den gesamten Bewerbungsprozess für Kandidaten und Unternehmen verbessern soll.

Jobsuchende können sich mit einem Klick bei mehreren Arbeitgebern bewerben, der Prozess von der Bewerbung bis zur Unterschrift sei dabei jederzeit transparent, verspricht der Anbieter. Unternehmen erhielten über die Plattform unter anderem personalisierte Empfehlungen von wechselwilligen „High Potentials“ und könnten ihre Bewerbungsprozesse verschlanken. „Randstad ist jetzt 60 Jahre im Markt“, resümiert Priebs. „Wir lernen viel von solchen Startups.“ Man gebe aber auch etwas zurück. Über den Randstad Innovation Fund habe der Konzern bislang mehr als 15 vielversprechende „HRTechs“ gefördert, darunter etwa Allyo, Brazen oder gr8people.

Darüber hinaus entwickelt Randstad eigene ITFachkräfte. In der YouGrowAcademy der RandstadTochter TempoTeam werden akademische Quereinsteiger zu SoftwareEntwicklern ausgebildet. Nach einer kurzen und intensiven Ausbildung absolvieren sie einen Praxiseinsatz mit dem Ziel der Übernahme durch den Arbeitgeber. Priebs hat auf diesem Weg schon neue Talente für den Bereich DataAnalytics gefunden.

Was ein CDO können muss

Die Doppelrolle als CIO und CDO hilft ihm, Innovationen ins Unternehmen zu tragen. Priebs berichtet direkt an den CEO von Randstad Deutschland, Richard Jager, sowie an den CDO der Randstad Holding. Erst kürzlich hat der Konzern auch regionale CDOs eingesetzt. Zu Carsten Priebs Aufgaben gehört es, die Digitalchefs in den Regionen Deutschland, Österreich und Schweiz zu koordinieren. Digitale Initiativen sollen so konzernweit ausgerollt werden können. Zur RandstadGruppe zählen beispielsweise auch der Personaldienstleister Gulp und die Jobbörse Monster.

Die Komfortzone verlassen

Die wichtigsten Eigenschaften eines Digitalchefs sieht Carsten Priebs denn auch weniger in technischem Knowhow: „Ein Chief Digital Officer muss am Puls der Zeit sein, nach draußen gehen und dauernd die Komfortzone verlassen.“ Dazu gehöre auch, unbequeme Fragen zu stellen und einen Kulturwandel im Unternehmen zu gestalten, der sich an Werten orientiere: „Kundenbegeisterung, radikale Innovationen und die Potenziale der Mitarbeiter erkennen.“

Wolfgang Herrmann [redaktion@cio.de]


Foto: Alexander Limbach/Shutterstock

Fotos: Randstad; ricochet64/Shutterstock