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DIGITALISIERUNG SELBST IN DIE HAND NEHMEN


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Myfactory - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

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Bildquelle: Myfactory, Ausgabe 3/2022

Herr Lapp, viele Unternehmen geben die digitale Transformation an externe Spezialisten ab. Sie wählten einen anderen Weg und haben diesen Prozess mit Ihren Mitarbeitern selbst in Angriff genommen. Was hat Sie dazu bewegt?

Die Gründe für diese Entscheidung sind so vielschichtig wie das Unterfangen selbst. Sie beginnen mit der Erkenntnis, dass Digitalisierung alle etwas angeht. Die Veränderung im Denken und Handeln, ohne die Digitalisierung nicht funktioniert, muss jeden einzelnen Mitarbeitenden und das ganze Unternehmen von innen her durchdringen. Das geht umso besser, je stärker jeder aktiv an der Entwicklung beteiligt ist, statt von außen mit neuen Ideen und Impulsen konfrontiert zu werden.

Das heißt, jede Länderorganisation, jede Führungskraft, jede Abteilung, kurz: jeder Mitarbeitende unseres Unternehmens hat die Aufgabe und damit auch die Verantwortung, im Rahmen seiner Möglichkeiten ...

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... seinen Teil zur Digitalisierung beizutragen. Keiner kann und soll sich abwartend zurücklehnen und sagen: „Das machen die digitalen Kollegen für uns“.

In vielen Betrieben ist die Digitalisierung ein klares Führungsthema. Wie bringen Sie diese komplexe Aufgabenstellung zu Ihren Mitarbeitern und damit in ein Gesamtkonzept, das über alle Abteilungsstrukturen und Standorte hinweg passt?

Hier sind wir bei dem zweiten wichtigen Aspekt, der uns darin bestärkt hat, das Thema selbst und aus eigener Kraft anzugehen. Nämlich die Überzeugung, dass unsere Mitarbeitenden und Unternehmensstrukturen dafür besonders gute Voraussetzungen mitbringen: Wir sind ein mittelständisches Familienunternehmen, das prägt unsere Unternehmenskultur seit jeher.

Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiheit und Kreativität sind unter unseren Mitarbeitenden stärker ausgeprägt als hierarchisches Denken. Damit lässt sich die „Last“ neuer Ideen und sich ändernder Denkstrukturen auf alle verteilen, denn das ist ohnehin bei uns schon immer geübte Praxis.

Und was die Unternehmensstrukturen angeht: Lapp ist relativ dezentral organisiert. Das bringt große Vorteile für unsere Kunden, denn wir kennen sie, sind vor Ort und wissen sehr genau, welche Art von Lösungen sie suchen. Es hat aber auch einen direkten Vorteil für uns – und der kommt uns jetzt bei der digitalen Transformation zugute: Wir arbeiten ohne zentralistische Konzernstrukturen, bei denen alle Fäden in der Zentrale zusammenlaufen; das würde schnelles und kundennahes Handeln behindern. Vielmehr sind wir es gewohnt, in lokalen Projekten zu denken und zu handeln, die unsere Teams vor Ort in weitgehender Eigenverantwortung umsetzen. Das heißt, wir haben kurze, unbürokratische Entscheidungswege und agieren schon jetzt über weite Strecken wie ein Start-Up. Dennoch ist Digitalisierung ein klares Führungsthema. Es gilt, eine Vision und Ziele vorzugeben, sodass die Projekte entsprechend priorisiert werden.

Die digitale Transformation versetzt Ihr Unternehmen in die Lage, noch besser zu werden. Worin genau sehen Sie den Benefit und was heißt das in der Praxis? Nennen Sie uns ein paar Beispiele.

Prinzipiell wirkt sich Digitalisierung in zwei Richtungen aus: nach außen, also in der Außenwirkung des Unternehmens auf seine Kunden, und nach innen, also in der IT-getriebenen Automatisierung und Optimierung von Unternehmensprozessen, aber auch in der Optimierung von Entscheidungsprozessen. Nach außen geht es zum Beispiel um E-Commerce und Online- Marktplätze, es geht darum, Produkte und Dienstleistungen für den Kunden zu verbessern – und solche zu entwickeln, die durch die Digitalisierung erst möglich werden.

Nach innen spielen die bereits erwähnte Prozessoptimierung und das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle eine zentrale Rolle. Dabei gibt es sehr viele Aspekte, die den Kunden berühren, also im Grunde beiden Seiten Nutzen bringen: Logistikservices wie Track & Trace-Angebote etwa oder automatisierte Nachbestellsysteme – Angebote, mit denen ein Unternehmen seinen Service-Raum erweitern kann. Nicht zu vergessen jede Art von digitalen Absatz-, Informations-und Kommunikationskanälen, die den direkten ortsunabhängigen Rund-um-die-Uhr-Kontakt zwischen Kunden und Unternehmen unterstützen – und das Erschließen neuer Kundengruppen vereinfachen.

Ein Schlagwort, das in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Digitalisierung gern und häufig genutzt wurde, ist „Customer Experience“. Wie leben Sie diesen Begriff bei Lapp und was ist darunter zu verstehen?

„Customer Experience“ bezeichnet die Gesamtheit aller Erlebnisse, die ein Kunde mit einem Unternehmen hat – über alle so genannten Touchpoints hinweg: Ob das ein Berater im Außendienst ist oder ein Mitarbeitender im Vertriebsbüro, ob es ein Werbespot ist, ein Plakat oder eine Broschüre, die Aufmachung einer Verpackung, der Facebook-Auftritt, der Online-Support oder die Benutzerführung auf der Firmenwebsite… Die Digitalisierung hat die Zahl der potenziellen Touchpoints fast ins Unendliche gesteigert.

Spätestens hier wird klar: Digitalisierung geht in der Tat alle etwas an. Denn jeder Mitarbeitende repräsentiert durch seine Arbeit das Unternehmen, ist – direkt und persönlich oder indirekt durch das Ergebnis seiner Arbeit – ein Touchpoint zum Kunden. Damit liegt auf der Hand: Wenn wir alle Mitarbeitenden einbinden, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass die Customer Experience an allen Touchpoints stimmt. Tun wir das nicht, laufen wir Gefahr, dass unser Unternehmensauftritt inkonsistent ist und unser Markenversprechen verwässert wird.

Ganz klar ist mir dennoch nicht, wie Sie all Ihre Mitarbeiter, Informationen und Daten zu einem digitalen Transformationsprozess verbinden. Wie und wo laufen die Fäden zusammen und wie bringen Sie den Prozess voran?

Das ist eine gute Frage: Wie setzen wir die Digitalisierung um? Zunächst: Auch wenn es die Aufgabe aller ist, haben wir ein Kernteam geschaffen, das die Digitalisierung federführend vorantreibt, begleitet und immer wieder neue Impulse setzt. Eine wichtige Aufgabe dieses Teams ist es, so konkret wie möglich aufzuzeigen, wie uns eine gute Analyse und stimmige Interpretation von Daten helfen können, besser zu werden und wie Daten ungeahnte Einblicke eröffnen, bisweilen erstaunliche Erkenntnisse bringen und zu neuen Ideen führen. Wir verstehen uns ein Stück weit als Übersetzer, die deutlich machen, was uns Daten über unsere Prozesse sagen – und wie sie sich verbessern lassen, wenn man den Daten als unbestechliche Informationsquelle vertraut. Damit lösen wir manchen Aha-Effekt aus und stärken ganz nebenbei die Lust unserer Mitarbeitenden an der digitalen Transformation.

Natürlich muss der gesamte Prozess der Transformation in vielen Einzelprojekten stattfinden. Dazu haben wir unter anderem das Instrument der „crossfunctional purpose teams“ entwickelt. Dabei lassen wir international zusammengesetzte Teams aus den unterschiedlichsten Bereichen gemeinsam Projekte umsetzen. Wir bringen dort auch ganz gezielt langgediente und junge Mitarbeitende zusammen. Erstere kennen unsere Kunden und wissen, was diese erwarten, und die jungen sprühen vor neuen, digitalen Ideen… Das ist eine höchst kreative Mischung.

Das hört sich alles sehr positiv und durchgängig an. Doch knirscht es nicht auch einmal, wenn Sie in den Abteilungen und bei Mitarbeitern bekannte und gewohnte Strukturen aufbrechen?

Natürlich ist es oft auch anstrengend, wenn etwa Mitarbeitende aus dem Produktmanagement mit IT-Experten, Marketingleuten und Kollegen aus dem Finanzbereich ein gemeinsames Projekt umsetzen – schließlich treffen da mitunter sehr unterschiedliche Zielsetzungen und Kulturen aufeinander. Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen ist der Nutzen deutlich gewichtiger als die Steine, die aus dem Weg zu räumen sind.

Denn durch unsere interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen viele neue Ideen und die Mitglieder der Projektteams lernen sehr viel voneinander.

Sie kommen aus solchen Projekten meist hoch motiviert heraus, und ihre Identifikation mit dem Unternehmen sowie mit dem Projekt Digitalisierung steigt immens. Im Übrigen kommt es durchaus vor, dass dabei Kollegen aus kleineren Bereichen zu globalen Projektleitern werden. Auch damit brechen wir herkömmliche Strukturen auf.

Im Grunde entwickeln wir so – und eben nicht von oben herab – neue Tools, Produkte und Services. Es entstehen neue Strukturen und Prozesse, und unsere Mitarbeitenden eignen sich zusätzliche Kompetenzen an. Sie erhalten zum Beispiel viel tiefere Einblicke in die Aufgaben ihrer Kollegen und verbessern ganz nebenbei ihr Englisch, weil unsere Projektsprache grundsätzlich Englisch ist.

Bilder: Lapp

DIE FRAGEN STELLTE DIPL.-ING. (FH) NICOLE STEINICKE, CHEFREDAKTEURIN MY FACTORY.

www.lappkabel.de

MIT E-LEARNING ZUR INDUSTRIE 4.0

Um seine Mitarbeitenden optimal mitzunehmen, hat Lapp ein E-Learning-Programm zum Themenkomplex Industrie 4.0 und Digitalisierung entwickelt.

Hier werden alle mit den wichtigsten Fakten vertraut gemacht, es werden Begrifflichkeiten erklärt und die wichtigsten Kunden, Player und Entwicklungen auf diesem Gebiet vorgestellt. Auch werden die Mitarbeitenden beispielhaft über die Lösungen von Lapp informiert und sie erhalten einen Ausblick in die digitale Zukunft. Ziel ist es, dass alle Mitarbeitenden ein Gefühl dafür entwickeln, wo die Reise hin geht und dass sie erfahren, ihr Unternehmen ist ganz vorne mit dabei.