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Dioramen leicht gebaut – Teil 2 I Maßstab 1:35 I Diorama Spezial: In kleinen Schritten zum Ziel – Götterdämmerung Gleis IV: Dioramenbau- Schule 2


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 14.10.2019

Dioramen gibt es schon, seit Modelle existieren, jedoch liegt das Thema vielen noch immer schwer im Magen und wirft viele Fragen auf. Dieser kleine Leitfaden gibt Tipps, Anregungen und Inspiration für eigene Projekte


B ereits als Kind kam ich mit dem Thema Eisenbahn in Berührung und konnte seither nicht mehr ganz davon loskommen. In Kombination mit dem Militärmodellbau können damit aber interessente Dioramenkonzepte entstehen – so wie auch dieses Projekt. Angesiedelt im fiktiven 1946er-Szenario, bietet die Thematik viel Luft für Fantasie und schafft Handlungsfreiraum bei der Umsetzung. Dieser kleine ...

Artikelbild für den Artikel "Dioramen leicht gebaut – Teil 2 I Maßstab 1:35 I Diorama Spezial: In kleinen Schritten zum Ziel – Götterdämmerung Gleis IV: Dioramenbau- Schule 2" aus der Ausgabe 11/2019 von ModellFan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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B ereits als Kind kam ich mit dem Thema Eisenbahn in Berührung und konnte seither nicht mehr ganz davon loskommen. In Kombination mit dem Militärmodellbau können damit aber interessente Dioramenkonzepte entstehen – so wie auch dieses Projekt. Angesiedelt im fiktiven 1946er-Szenario, bietet die Thematik viel Luft für Fantasie und schafft Handlungsfreiraum bei der Umsetzung. Dieser kleine Beitrag will Sie mitnehmen und hier und da etwas Hilfestellung beim Bau eines eigenen Projektes geben.

Michael Mandau , 31 Jahre jung, wohnt im badischen Efringen-Kirchen. Seit seiner Kindheit betreibt er hobbymäßig Modellbau. Was in jungen Jahren als simples Anpinseln von einfach zusammengeklebten Fliegern begann, entwickelte sich hin zum leidenschaftlichen Bau von Dioramen. Michaels Interessengebiet beschränkt sich neben der Modelleisenbahn fast ausschließlich auf den Militärmodellbau im Maßstab 1:35.

Sandsäcke aus 2K-Epoxyd

1 Das vermischte Milliput mit der Hand zu einem drei bis vier Millimeter dicken Strang ausrollen und in etwa gleichlange Stückchen schneiden


2 Diese Grundkörper mit den Fingern in Form drücken, mit Frischhaltefolie als Klebeschutz, um die Säcke zum Lackieren wieder entfernen zu können


Zwei-Komponenten-Milliput eignet sich nicht nur, um dünne Planen zu modellieren oder gar als Spachtel verwendet zu werden – sogar Sandsäcke lassen sich damit recht einfach selbst erstellen. Von verschiedenen Herstellern gibt es bereits Sandsäcke aus Kunststoff. Diese sind jedoch unflexibel und lassen sich nur bedingt realistisch in einem Diorama einbringen. Anders ist dies mit selbst geformten Säcken. Diese kann man vorbildgerecht stapeln und sie passen sich ideal allen Unebenheiten an. Das Produkt mischt man in kleinen Mengen 1:1 und knetet es gut durch. Den so entstandenen „Ball“ kann man auf einer glatten Fläche, die mit etwas Babypuder bestreut ist, zu einem dünnen Strang ausrollen. Diese „Schnur“ schneidet man anschließend mit dem Skalpell in die gewünschte Länge, drückt sie kurz mit dem Finger ein und legt sie anschließend in der späteren Position auf und modelliert den Sack. Nach einem Tag ist die Masse getrocknet und die Sandsackwand lässt sich bei Bedarf zum Lackieren sogar abnehmen.

3 Die trockene Sandsackstellung kann man wie gewohnt mit Acryl-, Email- oder Ölfarben bemalen und altern


Prototyping: Diorama mit Holz

Im Dioramenbau sind handwerkliches Geschick und Geduld nicht verkehrt, doch Fantasie macht alles wesentlich einfacher. Wer wie ich oft Probleme in diesem Bereich hat, dem sei folgender Tipp ans Herz gelegt: „Brainstorming“. Im Beispiel mit dem Eisenbahndiorama fange ich an und schreibe mir alle Dinge auf, die mir grob zum Thema „Eisenbahn“ einfallen, etwa: Schienen, Bahnhof, Lokomotiven, Wagen, Signale und so weiter. Von dort aus gehe ich weiter und verfeinere immer mehr die einzelnen Themen und komme auf einzelne Unterpunkte. Hieraus schreibe ich mir dann heraus, was ich im späteren Diorama gerne eingebunden haben möchte – je feiner, umso besser. Das hilft mir, im Bauprozess an die vielen wichtigen Details wie Einschusslöcher, Stromleitungen oder Schilder zu denken.

Mit diesen Ideen geht es dann an die Designphase. Hierzu nehme ich mir eine Styrodur-Grundplatte in den Abmaßen des Dioramas (hier 35,5 x 33 Zentimeter) und fange mit den Fahrzeugen und verschieden großen Styropor-Resten an, ein Layout zu erstellen, um die Proportionen anzugleichen und das spätere Diorama mit seinem Layout zu veranschaulichen. Um den geplanten zwei Ebenen genügend Stabilität zu bieten, ist hier alles massiv aus Holz gefertigt. Die Grundplatte ist eine 15-mm-Spanplatte mit seitlichem Blendenholz, welche, mit Eckhölzern versehen, eingeleimt ist.

1 Hier findet eine Styroporplatte Verwendung. Diese passt ideal in eine Vitrine aus einem schwedischen Möbelhaus


2 Mit Styropor-Resten und Fahrzeugen (oder Hüllenstücken) verschiedene Positionen ausprobieren, bis das Ergebnis gefällt


3 Eine 15-mm-Spanplatte, Rahmenholzstücke und 20 x 20 Millimeter großes Kantholz als Eckenversteifung bilden das „Fundament“


4 Nachdem die Eckhölzer mit Schrauben befestigt sind, kann man das seitliche Sperrholz dauerhaft mit Holzleim einkleben


5 Nach einem Tag den leeren Bereich mit Styropor auffüllen und eine Rückwand aus Holz für die zweite Ebene einpassen


6 Dann das Gebäude und die Schienen einpassen – die Ähnlichkeit zum ersten Layout mit Styropor ist unverkennbar


Stahlstrukturen aus Kunststoff

Ein Diorama zum Stöbern! Bereits nur um das Gebäude herum gilt es zahlreiche Details zu entdecken – so soll Dioramenbau für den Betrachter sein


Die Unterkonstruktion des Stellwerks besteht aus einer großen Stahlträgerstruktur, die man aus diversen Kunststoffprofilen, etwa aus dem Evergreen-Programm, erstellen kann. Da die Profile jedoch nicht gerade preiswert sind, schuf ich nur die sichtbaren Streben im Vordergrund mit H-Profilen, weiter hinten reichten einfache Kunststoffstreifen. Die großen seitlichen Träger sind ebenfalls zurechtgeschnittene Kunststoffplatten. Als Aufbau passte ich hier wieder eine Deckschicht aus Polystyrol ein, auf welche ich die tragende Unterkonstruktion aus einfachen Vierkantprofilen errichtete.
Das Arbeiten mit Plastiksheet ist nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick scheint. Üblicherweise gibt es diese Materialien als große Platten und in verschiedenen Stärken.

1 Die Plastiksheet-Platten in der gewünschten Leistenbreite anzeichnen und mit einem Skalpell oder Cutter zuschneiden


2 Etwas dünnere Platten Sheetmaterial lassen sich auch wunderbar mit der Hebelschere


(wenn vorhanden) zurechtschneiden 3 Für die geplante Unterkonstruktion drei T-Balken aus je zwei Sheetstücken vorbereiten, mit Kunststoffkleber rechtwinklig verbinden


4 Mit dünneren Streifen Sheetmaterial, hier 0,2 Millimeter, die Träger weiter ausschmücken und somit optisch aufwerten


5 Die drei Hauptträger mit Evergreen-Profilen verbinden. Kostengünstig: im nicht sichtbaren Bereich Sheetreste verwenden


Den Grundträger mit einer 3-mm-Sheetplatte abdecken. Diese bildet die Grundlage für das spätere Gebäude


Gebäudebau aus Holz & Sheet

Für das Stellwerk-Gebäude holte ich mir Inspiration aus dem Internet. Eine schnelle Googlesuche lieferte unzählige Ergebnisse. Auf Basis einiger älterer Gebäude entstand in meinem Kopf eine grobe Idee: Auf einer Trägerkonstruktion aus Stahl sollte ein einfacher Holzbau als Hauptgebäude der Szenerie entstehen. Solche speziellen Gebäude sind natürlich so gut wie nie im Zubehörhandel erhältlich, lassen sich jedoch recht günstig mit einfachen Materialien selbst herstellen. Hier verwende ich meist Baumaterial wie Kaffee-Rührstäbchen, Kunststoffprofilleisten und Plastiksheet. Die recht glatten Rührstäbchen lassen sich zudem mit einer Messing- oder Feilenbürste nachbearbeiten und erhalten so eine sichtbare Holzmaserung. Hier in diesem Beispiel entsteht ein Gebäude, dessen Dach abnehmbar bleibt, um das Innenleben leichter lackieren zu können. Der hintere Raum bleibt jedoch ohne Inneneinrichtung und beherbergt eine Batteriebox samt Schalter für die Beleuchtung des Dioramas. tück für Stück entsteht die Grundkonstruktion aus Plastiksheet mit einfachem Trägerrahmen plus einem Boden aus mit Drahtbürste aufgerauten Kaffee-Rührstäbchen

Stück für Stück entsteht die Grundkonstruktion aus Plastiksheet mit einfachem Trägerrahmen plus einem Boden aus mit Drahtbürste aufgerauten Kaffee-Rührstäbchen


2 Für das Interieur lassen sich aus Balsaholz einfache Möbel und aus Plastiksheet eine Tür für dieses Gebäude erstellen


3 Das Dach besteht aus einer Hartschaumplatte mit einem Holzständerwerk, welches als Einheit dauerhaft abnehmbar bleibt


4 Die seitlichen Beplankungen bestehen aus Kaffeestäbchen, die Fenster aus durchsichtiger Verpackungsfolie und Sheetrahmen


5 Die Übergänge von Brett zu Brett sind mit dünnen Holzleisten aus Balsaholz beklebt. Das gibt optisch mehr Tiefe


6 „Dachlatten“ zuschneiden und aufkleben. Die einzelnen Dachziegel entstehen aus ein Millimeter starkem Pappkarton


7 Die Leiter und das Außengeländer lassen sich leicht mit etwas starrem Draht, Lötzinn und dem Lötkolben selbst herstellen


Neben weiteren Details Beschussschäden mit einem Bohrer und der Kleinbohrmaschine in die Holzelemente einbringen


Gardinen aus Stoffresten verdecken im hinteren Raum eine Batterie, die Verkabelung und einen Lichtschalter für die Beleuchtung


Wichtig ist, im Diorama darauf zu achten, dass alle eingeplanten und letztlich eingebauten Figuren miteinander agieren. Hier scheint eine nicht sichtbare Bedrohung von der linken Seite zu kommen (Panther-II-Baubericht inModellFan 4/2017)


Alterung von Stahl und Eisen

Als Hauptträger für das Stellwerkhaus entschied ich mich aufgrund der unüblichen Form wieder für einen Eigenbau. Ähnlich wie bei der tragenden Unterkonstruktion, fanden auch für das Stahl-Ständerwerk Evergreen-Profile Verwendung. Da dieses natürlich im Hauptsichtbereich liegt, ist hier ausschließlich „teures“ Material verbaut. Lediglich der Kabelkanal im Hintergrund entstand wieder aus Sheetmaterial. Die Alterung von diesen Stahlelementen ist nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick scheint.

1 In dunkelgrauen und braunen Rosttönen das Stahlträgergerüst mit dem AK „Rust Effect Color Set“ und dem Airbrush wolkig grundieren


2 Um die einzelnen Träger optisch voneinander zu trennen, an den Übergangsstellen Ölfarben als Farbkontrast auftragen


3 Pigmente nach dem Durchtrocknen der Ölfarbe mit dem Pinsel tupfend auftragen, mit wenig „Pigment-Fixer“ sichern


4 Die Kanten der Träger mit einem Grafitoder Bleistift bemalen. Dies ergibt einen schönen metallischen Glanz


Abblätternde Farbe an Holzwänden

Ältere und vernachlässigte Holzlackierung von Außenwänden, Wandpanelen oder Zierelementen findet man oft im echten Leben. Um diese modellbauerisch nachzubilden und zu kolorieren, bedarf es dem Griff in die Trickkiste. Hier kommt gerne die sogenannte Haarspray-Methode zum Einsatz. In diesem Beispiel verwendete ich zwar „Worn-Effects“ von AK, die Anwendung ist aber ähnlich: Die zu bearbeitende Fläche erst grundieren, anschließend mit Haarspray oder „Worn-Effects“ einsprühen, kurz trocknen lassen, mit Acrylfarbe überlackieren und etwas später mit warmem Wasser und einem Borstenpinsel teils wieder entfernen. Allerdings empfehle ich immer ein vorheriges Ausprobieren mit einem Teststück, denn jedes Haarspray reagiert eventuell anders in Kombination mit verschiedenen Acrylfarben bei unterschiedlichen Trocknungszeiten. Ich empfehle zudem, möglichst in einem Stück ohne lange Pausen durchzuarbeiten.

1 Nach dem Abkleben der Fenster das Holz mit dem AK „Old & weathered Wood“-Farbset in Nuancen grob lackieren


2 Danach AK „Worn Effects“-Chipping-Flüssigkeit unverdünnt mit dem Airbrush auf das gesamte Model aufsprühen


3 Nach kurzer Trocknung: Tamiya XF-2 „Flat Green“ mit ein paar Tropfen „Khaki“ XF-49, verdünnt mit Mr. Color „Thinner 250“ aufsprühen


4 Nach ein paar Minuten lässt sich die Schicht mit etwas warmem Wasser und einem Borstenpinsel wieder teils abreiben


5 Nach einem Tag dann grüne, braune und ockerfarbene Acrylfarben verwenden, um andere Bauteile farblich abzusetzen


6 Ein Washing aus grauer und schwarzer Emailfarbe, verdünnt mit „White Spirit“, auf dem gesamten Gebäude dünn auftragen


7 Verschiedene Ölfarben in anderen Farbtönen unverdünnt und transparent an den Holzelementen auftragen (Farbvariationen)


8 Diese mit einem trockenen Pinsel verblenden. Wichtig: Nur mit wenig Farbe arbeiten, Überschuss mit Verdünner entfernen


9 Mit Pigmenten die Holzwand vorsichtig einstauben, Bruchkanten sowie Einschusslöcher mit Acrylfarbe nachzeichnen


Verwittern von Ziegeldächern

Hunderte selbst ausgeschnittene Dachziegel aus Pappkarton klebte ich auf ein Trägergerüst aus Holz auf. Die mussten natürlich im Diorama entsprechend zur Geltung kommen. Ein monoton in Ziegelrot lackiertes Dach lässt sich in wenigen Schritten ansprechend altern und hervorheben. Das gilt natürlich nicht nur für Einzelziegeldächer, sondern auch für „fertige“ Dächer aus allen möglichen Bausätzen in diversen Maßstäben.

1 Aus dünnem 1-mm-Pappkarton einzelne Dachziegel ausschneiden und auf die Grundkonstruktion aufkleben


2 Das Dach per Airbrush in rotbrauner Acrylfarbe – echten Ziegelsteinen entsprechend – flächig deckend grundieren


3 Ölfarbe „Vandycke Braun“ unverdünnt mit dem Pinsel auf dem Dach verteilen. Wichtig: jede „Ritze“ und „Vertiefung“ mit bemalen!


4 Die Ölfarbe danach gleich trocken mit einem Papiertuch und Wattestäbchen entfernen. Zurück bleibt eine dunkle „Schmutzschicht“


5 Hellbeige Ölfarbe mit dem Pinsel aufnehmen, auf einem Papiertuch ausstreichen, über die Kanten als „Drybrushing“ (Trockenmalen) aufbringen


6 Nach ein paar Tagen Trocknungszeit mit diversen Emailfarben Schattierungen und Regenverlaufsspuren setzen


Beton im Modellbau

In vielen Fällen, etwa beim Bau eines Gebäudes oder einer Stadtlandschaft benötigt man einfache Formstücke aus Gips. Diese gieße ich auf drei verschiedene Arten ab: entweder in einer Form aus Legoteilen, in bereits bestehende Formen (etwa Sortierkastenfächer) oder in speziell hergestellten Abgussformen aus Resten von Plastiksheet. Auch der Haushalt dient als Fundgrube. Zum Gießen verwende ich je nach Bedarf hochwertigen Dentalgips (dieser eignet sich sehr gut für feine Abgüsse, die höheren Belastungen standhalten müssen) oder mit preiswertem Gips aus dem Baumarkt (dieser neigt zum Brechen und eignet sich so ideal zum Darstellen von beschädigten Elementen).

1 Abgießen in einer eigens erstellten Guss- form für das Ständerwerk, Sortierkastenfächer für die Betonplatten der zweiten Ebene


2 Diese Betonstücke muss man vor dem Verkleben einpassen und mit Werkzeug vorsichtig an den Rändern beschädigen


3 Die einzelnen Stücke mit dem Airbrush und einer einfachen Maske aus Plastikresten in verschiedenen Grautönen lackieren


4 Mit Schleifpapier die aufgebrachte Lackierung partiell entfernen, mit dunklen Acrylfarben Farbschatten auftragen (Airbrush)


5 Danach Ölfarben streifig als Verschmutzung mit dem Pinsel aufmalen und sorgfältig mit etwas Verdünnung verblenden


6 Am Betonfundament für das Gebäude diesen Prozess auch in verschiedenen Grau- und Brauntönen wiederholen


7 Um Boden und Beton „wie aus einem Guss“ wirken zu lassen, identische Pigmente in Brauntönen vorsichtig auftupfen


8 An vertikalen Betonflächen kann man zudem noch Moos- und Algenbewuchs mit AK „Slimy Grime“-Farben nachbilden


9 Die mit einem Bohrer erstellten Einschussspuren als letzten Schritt in hellgrauer Acrylfarbe mit einem feinen Pinsel hervorheben


Scratchbau von Möbeln

Trotz genauer Vorplanung ergeben sich beim Bau im Kopf oft neue Detailszenarien, hier gekappte Leitungen und Löcher in den brüchigen Rohren


1 Aus dem Balsaholz lassen sich mit Lineal und Skalpell „Bretter“ ausschneiden und mit Sekundenkleber zu Möbeln verbauen


2 Ölfarbe mit Verdünnung anrühren und das Holz in verschiedenen Farbtönen transparent bis deckend mit dem Pinsel bemalen


3 In Kombination mit Klarsicht-Kunststoff und Plastikstücken lassen sich (zerstörte) Fenster, Türen und Beschläge erstellen


4 Mit einfachsten Mitteln kann man aus Polystyrol-Streifen wirkungsvolle Zubehörstücke für jedes eigene Diorama erstellen


Egal ob im Stadthaus, Kiosk oder in diesem Fall dem Stellwerk – Möbel gehören einfach dazu. Leider findet man hierzu im Zubehörhandel nur meist unbefriedigende Produkte oder falls gut, sind diese recht teuer. Bereits mit wenigen Cent und etwas Eigenarbeit lassen sich Einrichtungsgegenstände auch selbst herstellen. Man benötigt lediglich etwa ein bis zwei Millimeter dünnes Balsaholz, Polystyrol-Plastiksheet, durchsichtiges Verpackungsplastik (das Material von Verpackungen, die sonst nur mit der Schere zu öffnen sind) und ein paar Tropfen Sekundenkleber.

Ziegelsteinwände

Es gibt viele unterschiedliche Methoden, um Ziegelsteinwände im Diorama darzustellen. Eine meiner liebsten ist das Arbeiten mit Einzelsteinen. Dies hat den Vorteil, dass man seine eigenen Wände den im Diorama bestehenden Verhältnissen anpassen kann. Nachteilig sind die hohen Kosten von einzelnen Ziegelsteinen im Zubehörhandel. Die günstige Alternative dazu sind Korkmatten. Diese kann man leicht in Streifen schneiden und in einzelne Ziegelsteine zerteilen. Das Aufkleben auf einen Untergrund erfordert dann zwar Geduld und handwerkliches Geschick, jedoch lassen sich so auch Beschädigungen oder gewollte Unregelmäßigkeiten mit einarbeiten.

1 Ziegelsteine lassen sich einfach, aber zeitaufwendig aus einer Korkmatte mit einem scharfen Messer ausschneiden


2 Einzelne Steine mit einem kleinen Spalt für die spätere Verfugung Stück für Stück an der vorbereiteten Holzwand aufkleben


3 Optisches Auflockern der rotbraun grundierten Ziegel gelingt etwa mit Revell-Aquacolor-Farben in verschiedenen Rottönen


4 Nach Trocknung Fugenweiß aus dem Baumarkt sehr flüssig anrühren und anschließend mit dem Pinsel in die Mauerfugen verfüllen


5 Nach kurzer Antrocknungszeit die oberste Schicht der Fugenmasse mit einem Schwamm und reichlich Wasser wieder entfernen


6 Schmutzspuren zweistufig mit Ölfarbe „Vandyckbraun“ und AK „Dark Streaking Grime“ aufmalen, mit Verdünner verblenden


Schottern von Gleisen

Fast so wichtig wie die Gleise ist der dafür benötigte Schotter – im Modellbau oft durch ein von diversen Herstellern mit einem fertig in Kunststoff gegossenen Bett aus Steinchen realisiert. Dies bietet natürlich viel Spielraum für Verbesserungen. Es braucht dafür nicht mehr als die Gleise selbst, kleinere Steinchen in verschiedenen Größen, Weißleim, Wasser und (Holz)Spachtelmasse.

1 Auf der zu beschotternden Fläche Schienen grob auflegen, ausrichten, auf Maß zuschneiden und einpassen


2 Verkleben vereinfachen: zuerst die exakt ermittelten Positionen der Gleise mit einem wasserfesten Stift markieren


3 Die Gleise mit Kleber auf dem Untergrund fixieren und den Dioramenrand einen Zentimeter hoch überstehend abkleben


4 Gröberes Steinmaterial bildet den Untergrund des Schotters. Diesen lose einstreuen und mit einem alten Pinsel verteilen


5 Feinen Kies aus dem Garten als oberste Deckschicht aufstreuen. Hier schon auf eine gleichmäßige Verteilung achten


6 Mit einem alten Pinsel lassen sich die Steinchen in die Zwischenräume der Schwellen und Gleise verteilen


7 In die nasse Spachtelmasse feine Steinchen und gesiebte Gartenerde einstreuen, andrücken, mit Sprühkleber fixieren


8 Nach dem Trocknen Steinreste entfernen, den Zwischenraum mit Holzreparatur-Spachtel von Molto auffüllen und modellieren


In die nasse Spachtelmasse feine Steinchen und gesiebte Gartenerde einstreuen, andrücken, mit Sprühkleber fixieren


Farben im Gleisbett

Nach dem Gestalten des individuellen Gleisbetts mit Schotter gehört im Anschluß natürlich auch ein „fachgerechtes“ Bemalen dazu. Zu Beginn einer jeden Lackierung steht natürlich die Grundierung. Diese vermittelt eine ausreichend starke Untergrundbasis für kommende Schritte und bietet auch Halt für die darauffolgende Alterung. Hierfür spritzte ich das gesamte „Stellwerk“-Diorama mit dem AK Interactive „Primer Black“. Schwarz hat den Vorteil, dass, wenn bei späteren Farbschichten einige Spalten oder Vertiefungen nicht voll deckend lackiert sind, eben dieses Schwarz durchschimmert und als „Schatten“ wirken kann.
Erst auf dem durchgetrockneten Primer aufbauend kam hier die eigentliche Grundfarbe, daher lackierte ich zuerst alles in einer groben Grundfarbe: Grau für die Schienen, Braun für die Erde dazwischen und Rot für das Mauerwerk dahinter. Hier ist es von Vorteil, die Töne wolkig aufzutragen, damit nicht alles zu 100 Prozent einen gleichmäßigen Farbton aufweist. Für diese Farbumsetzungen helfen auch Studien in der Natur, etwa an Rangierbahnhöfen.

1 Die grau grundierten Steine in rötlichem Braun dünn entlang der Gleise einnebeln, ein bräunlicher Schimmer bleibt


2 Die Gleise mit Kreppband abkleben, mit Tamiya-Farben in den üblichen braun-roten Farbtönen der Originalschienen lackieren


3 In der Gleismitte befindet sich meist ein charakteristischer Farbstich ins Rostrote. Diesen per Airbrush auftragen


4 Die zuvor grundierten Steine mit hellgrauen Acrylfarben per „Drybrushing“ mit einem alten Pinsel hervorheben


5 Das Gleisbett mit einer Farbmischung aus zehn Teilen „White Spirit“ und einem Teil dunkelbrauner Ölfarbe „lasieren“


6 Nach Trocknung dezent erdfarbene Pigmente mit einem alten Pinsel vorsichtig auftupfen und verblenden (nicht übertreiben)


7 c Die Oberkante der Schienen sind durch Räder glänzend poliert. Das erreicht man mit Stahlpigmenten oder Bleistiftpulver


8 Im Gleisbett und im Bereich dazwischen Gräser, hier im herbstlichen Farbton, einzeln mit etwas Weißleim aufkleben


9 Den Bereich um die Gleise und den „Mittelstreifen“ noch etwas mit rostfarbenen Pigmenten optisch auf alt trimmen


Eher unüblich im Diorama ist eine Beleuchtung. Hier wirkt sie genau richtig eingesetzt, die Szene erscheint noch realistischer


Holzbeplankung von Waggons

Neben dem Panther II als Hauptprotagonist aus einem früheren Artikel (ModellFan 4/2017) sollten noch ein paar andere Objekte auf dem Diorama Platz finden. Was eignet sich da bei einem Eisenbahndiorama besser als ein Eisenbahnwaggon samt Ladung? Dafür entstand zuerst einmal das Laufwerk eines Trumpeter-Hochbordwagens laut Anleitung. Da der als Flachguttransporter Verwendung finden sollte, musste ich die Holzstruktur an den Ladungsbrettern nachdetaillieren. Diese mit einer Drahtbürste nachbearbeiteten Kunststoffleisten kann man entsprechend lackieren und optisch schön altern.

Ladefläche dunkelbraun grundieren, mit dem Airbrush und einem Stück Plastik als Maske unterschiedliche Holztöne aufspritzen


2 Mit Ölfarben und Pinsel nun weiter die Planken in verschiedenen Brauntönen farblich voneinander absetzen


3 Filter: AK „Wash for Wood“ und „Wash Dark Brown“ nach dem Trocknen der Ölfarbe als deckende Filter verwenden


4 Nach Trocknung mit beiger Emailfarbe verschiedene Kratz- und Schleifspuren mit dem Pinsel auf dem Holz aufmalen


5 Eine staubige Schicht auf den Planken mit beigefarbener Acrylfarbe aufnebeln und dann mit AK „Dust Effects“ erweitern


Ölige Rückstände von Ölfässern und „fettigem“ Ladegut etwa mit den entsprechenden AK-Produkten mit dem Pinsel auftragen


Alterung des Wasserkrans

Laub wie das am Panzer und unterschiedliche Gräser gibt es etwa von MiniNatur (Fredericus- Rex). Die fiktive Szene spielt 1946


Zu einem Diorama gehören nicht nur Fahrzeuge und Figuren, sondern auch eine ansprechende Szenerie- und Geländegestaltung. Diese Details rücken das Diorama erst in das richtige Licht und stimmen auf die gewünschte Thematik ein. So auch in diesem Beispiel: Beim Stichwort „Eisenbahn“ gehören Schienen und Bahngebäude zu den Dingen, an die man zuerst denkt. Um diese Szenerie weiter zu bereichern, ist auch ein Wasserkran von plusmodel (Eisenbahn-Wasserpumpe PL398) zwischen den Gleisen eingeplant. Dieser Bausatz aus Resin ist recht einfach zusammengesetzt und ergänzt das Feld zwischen den beiden Gleisen ideal. Auch MiniArt offeriert Eisenbahnzubehör in 1:35.

1 Der Resinbausatz von plusmodel kommt schon ab Werk reichlich detailliert und gut ausgestattet mit PE-Teilen zum Kunden


2 In diesem Beispiel für die Haarspray-Technik zum Erzeugen von Kratzern zuerst den gesamten Kran in Dunkelbraun grundieren


3 15 Minuten nach dem Einsprühen mit Haarspray den Wasserkran mit Tamiya XF-2 „Flat White“ dünn mit dem Airbrush lackieren


Wenige Minuten später die weiße Farbe vorsichtig mit einem Pinsel und warmem Wasser partiell wieder entfernen


5 Nach einem Tag das gleiche noch mal mit den blauen Zierelementen wiederholen. Beim Abkleben ist aber Vorsicht geboten


Braune Ölfarbe als Filter und AK „Slimy Grime“ an den Flanschverbindern auftragen, Bodenstück mit Pigmenten behandeln


Finishing & Details

Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Details, die ein gutes Diorama von einem großartigen unterscheiden. Gerade solche Besonderheiten, die erst auf den zweiten Blick auffallen, helfen, die Szene lebendig erscheinen zu lassen. Die hier gezeigten Punkte sollen Anregung für eigene Ideen und Realisierungen sein.

Pfützen um den Wasserkran: Als Grund- lage für das Wasser eignet sich AK „Wet Effects“, mit Pinsel aufgetragen


2 „Modellwasser“ von Noch mit brauner Farbe per Pipette im gewünschten Bereich aufträufeln (zwei bis drei Schichten)


3 Gehäckseltes Laub und Blätter (Zubehörhandel) einzeln verteilen und mit jeweils einem Tropfen Klebstoff befestigen


4 Ausgedruckte Propagandaplakate etwas zerknüllen, mit leichtem Washing versehen und an die Ziegelwände kleben


5 Zerkleinerte Mikroskop-Deckgläser zusammen mit kaputten Brettern im vorderen Bereich als Kampfschäden verteilen


6 Zubehör sollte man bewusst farblich abgesetzt bemalen, um so weitere Highlights auf den „zweiten“ Blick zu bilden


7 Selbst gebaute Holzkisten finden zusammen mit Resten aus der „Grabbelkiste“ einen Platz auf dem fast fertigen Diorama


8 Die „Gleissperre“ ist mit verschiedenen Verpackungs- und Kartonstücken aus dem Zubehörhandel optisch aufgehübscht


9 Eine dünne Kunststoffstange, mit AK460 „Brass“ bemalt, klein schneiden und als Patronenhülsen platzieren; daneben liegen Trichter, Munitionstaschen, eine Zeitschrift und anderes


Fotos: Michael Mandau