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Diskurslinguistik in Anwendung.


Zeitschrift für Diskursforschung - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 15.02.2020

Ein transdisziplinäres Forschungsdesign für korpuszentrierte Analysen zu öffentlicher Kommunikation1


Philipp Dreesen / Peter Stücheli-Herlach

Zusammenfassung: Nachdem die Diskurslinguistik zu einer eigenständigen Teildisziplin geworden ist, steht die Frage an, welches deren Beitrag für die Lösung gesellschaftlicher Problemstellungen sein kann. Ausgehend von bisherigen Leistungen der Angewandten Linguistik und Diskursforschung schlagen wir ein transdisziplinäres Forschungsdesign vor, das theoretische, methodische und forschungspraktische Fragen gleichermaßen berücksichtigt und die Möglichkeiten der ...

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Zusammenfassung: Nachdem die Diskurslinguistik zu einer eigenständigen Teildisziplin geworden ist, steht die Frage an, welches deren Beitrag für die Lösung gesellschaftlicher Problemstellungen sein kann. Ausgehend von bisherigen Leistungen der Angewandten Linguistik und Diskursforschung schlagen wir ein transdisziplinäres Forschungsdesign vor, das theoretische, methodische und forschungspraktische Fragen gleichermaßen berücksichtigt und die Möglichkeiten der Analyse großer Mengen an digitalen Sprachdaten konsequent für Anwendungen nutzt. Es umfasst vier Forschungsmodule, deren korpuszentrierte Umsetzung und szenarienbasierte Nutzung wir exemplarisch vorstellen. Die transdisziplinäre Ausrichtung dieses Forschungsdesigns bringt dabei eigene Herausforderungen in der Forschungskommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis mit sich, wofür wir erste Erfahrungen zur Diskussion stellen.

Schlagwörter: Diskurslinguistik, Angewandte Linguistik, Korpuslinguistik, Simulation, Mapping, Transdisziplinarität, Triangulation, Transformativität

Abstract: Since linguistic discourse analysis has also become an independent sub-discipline within discourse research, the question arises as to what contribution it can make to solving current social and political problems. For this reason, we propose a transdisciplinary research design that considers theoretical, methodological and practical research issues: It comprises four research modules, which are implemented corpus-centered and used scenario-based. We show this with the help of tangible case studies. The transdisciplinary orientation of this research design raises its own challenges in research communication.

Keywords: discourse linguistics, applied linguistics, corpus linguistics, simulation, mapping, transdisciplinarity, triangulation, transformativity

1 Diskurslinguistik in Anwendung: Ein Desiderat

Nachdem die Diskurslinguistik zu einer eigenständigen Teildisziplin geworden ist, steht die Frage an, welches deren Beitrag an der Lösung gesellschaftlicher Probleme sein kann (1.1). Wir vertreten den Standpunkt, dass die Anwendung auf Aufgaben der professionellen Kommunikationspraxis nötig und möglich ist und sich auf vielfältige Vorarbeiten stützen kann (1.2) – eine ›Diskurslinguistik in Anwendung‹ ist allerdings vorerst ein Desiderat (1.3).

1.1 Disziplinäre Verortung

Unsere Alltagswelt sowie die Prozesse in Organisationen gründen auf »symbolischen Sinnwelten«, die sich durch wechselseitige »Zeichengebung« entwickeln und durch diese auch gefestigt und verändert werden (Berger/Luckmann 2009, besonders S. 38). Die zeichengebundenen Sinnwelten unserer Gesellschaft sind dabei immer auch Wissenswelten, indem sie »jedes Ding« – im jeweiligen Zeichensystem – »an seinen Platz« »rücken« (ebd., S. 105); so wird es fassbar und gestaltbar – sowie verhandelbar und veränderbar.

Der Gebrauch von Sprache ist die wichtigste Praxis dieser Sinnproduktion (ebd., S. 39): Durch ihre bereits bestehenden kommunikativen und grammatischen Regeln (eine Art »Vorfabrikation«, ebd., S. 40) erhalten die Sinnwelten nicht nur einen jeweils objektiven Status zugesprochen, sodass sie für soziale Akteure zugänglich und bearbeitbar sind. Sie sind gleichzeitig subjektiv verständlich, vielfach anschlussfähig und bilden gerade dadurch das Band, das Gesellschaften zusammenhält.2

Als multidisziplinärer Forschungszweig konzentriert sich die ›Diskursforschung‹ (Angermuller et al. 2014) auf diese sprachliche Konstruktion sozialer Sinnwelten. Sie fasst sprachliche Praktiken – und durch sie erzeugte Sinnwelten – als gesellschaftliche Wissensordnungen auf und subsummiert diese unter den Begriff des Diskurses (vgl. Foucault 1981; Keller 2011). Das spezifische Verhältnis des Diskurses/der Diskurse zur Sprache (d. h. zu ihrem Gebrauch und zu ihren Funktionen) beschreibt und erklärt dabei die Diskurslinguistik (vgl. Warnke 2013a, S. 98 u. 101–114; zu den Bezügen zwischen wissenssoziologischer und linguistischer Diskursforschung vgl. Keller 2013). Sie analysiert in einer jeweils definierten Menge von Äußerungen die sprachlichen Bedingungen, unter denen soziale Sinnwelten kommunikativ konstruiert werden; dabei fokussiert sie insbesondere auf »Sprachgebrauchsmuster« (Bubenhofer 2009; s. a. Larsen-Freeman/Cameron 2008, S. 161–195), welche diese Bedingungen jeweils text-, medien-und akteursübergreifend (bzw. sogar die Einzelsprachen übergreifend) schaffen (vgl. Spitzmüller/ Warnke 2011). Damit kann die Diskurslinguistik als die Disziplin gelten, die Anschluss-fähigkeit, Vermittelbarkeit und Legimitierbarkeit des Sprachgebrauchs als eine soziale Denk-und Handlungsfunktion untersucht.

1.2 Dimension der Anwendung

Die Diskurslinguistik, so die zentrale Forderung dieses Beitrags, sollte sich den dynamischen Wechselwirkungen zwischen sozialen Kommunikationspraktiken einerseits und diskursiv geformten Mustern des Sprachgebrauchs anderseits noch vermehrt stellen, um ihren Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu leisten. Unter dem Titel »Angewandte Diskurslinguistik« ist diese Forderung bereits diskutiert worden (Roth/Spiegel 2013). Einen damals noch wenig ausgeloteten Weg zur »Anwendung« linguistischer Forschungserkenntnisse stellt die transdisziplinäre Ausrichtung der Forschung dar. Darunter verstehen wir nicht nur die theoretische und methodische Befruchtung linguistischer Forschung durch andere wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch deren Auseinandersetzung mit Problem-und Fragestellungen sowie Interpretationsweisen und Handlungsperspektiven der Praxis professioneller Kommunikation. Dieser weite, ambitionierte Begriff von Transdisziplinarität – als Forschung ›über, für und mit Praktizierenden‹ (Perrin/Kramsch 2018, S. 3, nach einem Zitat von Cameron et al.) – findet in der Angewandten Linguistik inzwischen breite Beachtung (vgl. auch Perrin 2012; Perrin/ Kleinberger 2017; Knapp/Antos 2008).

Dieser Begriff von Transdisziplinarität entspringt keineswegs einer opportunistischen, politischen Forderung nach »mehr Anwendungsbezug« einer vermeintlich nur mit sich selber beschäftigten Forschung. Vielmehr ist er durch die Einsicht begründet, dass die Sprache als zentraler Forschungsgegenstand grundsätzlich nicht unabhängig von den vielfältigen Rahmen (Voraussetzungen, Kontexten, Konsequenzen) ihrer Verwendung erforscht werden kann (vgl. Perrin/Kramsch 2018, S. 1 f.). Die Ko-Kreation wissenschaftlichen Wissens durch Forschung und Praxis (ebd., S. 6) ist also eine theoretische und methodologische Notwendigkeit für die Angewandte Linguistik, die sich mit Problemstellungen und Lösungsperspektiven des realen Sprachgebrauchs in sozialen Kontexten auseinandersetzt.

Parallel zur und im Austausch mit der Entwicklung der Angewandten Linguistik hat auch die sprachwissenschaftlich orientierte Diskursforschung die Spielräume der Anwendung auf Fragestellungen der Kommunikationspraxis systematisch ausgelotet – wenn auch nicht durchwegs durch explizite Bezugnahme auf den hier vorgestellten Begriff der Transdisziplinarität. Daraus entwickelte sich ein »heterogenes Gebiet praktisch orientierter Anwendungen von diskursbezogenem Wissen« insbesondere der funktional-pragmatischen und der Kritischen Diskursanalyse sowie der Kritischen Soziolinguistik (Del Percio/Reisigl 2014, S. 317). Dieses Gebiet umfasst Aufgabestellungen der interkulturellen, der medizinischen, der wirtschaftlichen, der politischen, administrativen und didaktischen Kommunikation (ebd.). Ein innerer Zusammenhang ergibt sich aus der Tatsache, dass bei diesen Forschungssträngen »die wissenschaftliche Arbeit nicht nur auf den Entdeckungs-und Begründungszusammenhang beschränkt bleibt, sondern zu-dem auch die praktische gesellschaftsbezogene Verwertung von Bedeutung ist« (ebd., S. 317 f.) Für diese »Verwertung« hat die Diskursforschung vielfältige Formen der gemeinsamen Reflexion wissenschaftlichen Wissens mit der professionellen Kommunikationspraxis entwickelt; diese gehen weit über herkömmliche Praktiken der akademischen Aus-und Weiterbildung hinaus. Das Spektrum reicht von massgeschneiderten Trainingsangeboten (etwa für die Spitalkommunikation) über Coachings, Medien-und Organisationsberatungen (etwa für die demokratische Politikkommunikation) und Konzepte intralingualer Translation zwischen Behörden-und Publikumssprache (etwa für die Förderung der Verständlichkeit) bis zur Entwicklung von Sprach-und Gesprächsleitfäden (etwa für den nichtdiskriminierenden Sprachgebrauch) und zum Einsatz diskurswissenschaftlicher Modelle und Konzepte für die Verbesserung von Governance-Praktiken (etwa in der niederländischen Umweltpolitik) (ebd.).

Der vorliegende Vorschlag eines Forschungsdesigns für eine »Diskurslinguistik in Anwendung« setzt diese Tradition der »Angewandten Diskursforschung« wie auch die Anfänge zur methodologischen Profilierung einer »Angewandten Diskurslinguistik« fort. Der Vorschlag entstammt der Forschungserfahrung in transdisziplinären Projekten für die demokratische Behörden-und Politikkommunikation in der Schweiz, wovon deren zwei näher vorgestellt werden. Es handelt sich um ein Projekt im Bereich der mehrsprachigen Energiediskurse (vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018) und um eines im Bereich der öffentlichen Gesundheits-und Präventionspolitik (vgl. Stücheli-Herlach et al. 2019), beide mit Fokus auf der Schweiz.

Sowohl für die Erforschung der Energie-wie der Gesundheitsdiskurse stellten die Behörden Mittel zur Verfügung, dies aus jeweils ähnlichen Gründen: Die energiepolitische Transformation wie die Prävention von Antibiotika-Resistenzen können nur dann erfolgreich sein, wenn zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren kommunikative Beziehungen etabliert werden und ein öffentlicher Wissensaustausch stattfinden kann (vgl. Stirling 2016; Stücheli-Herlach et al. 2015). Entsprechend erhalten emergente Sprachspiele der strategischen Kommunikation interessierter Akteure eine unmittelbare Relevanz für den Politikerfolg im demokratischen Umfeld.3 Entsprechende sprach-und diskursbezogene Handlungsaufgaben der professionellen Praxis rücken für Beteiligte damit in den Fokus (vgl. Rosenberger/Kleinberger 2017; Stücheli-Herlach/Etter-Gick/ Schneider Stingelin 2017).

Die damit in den Fokus der Diskurslinguistik rückenden Handlungsaufgaben der Kommunikationspraxis beziehen sich auf die Frage, wie Praxisakteure das diskursiv geprägte Umfeld ihrer organisierten Aktivitäten modellieren, wie sie Sprachdaten aus diesem Umfeld analysieren, wie sie entsprechende Ergebnisse interpretieren und inwiefern sie diese in ihren Kommunikationsstrategien berücksichtigen können (vgl. Stücheli-Herlach/ Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 17–21). Zur Lösung dieser Aufgaben, so die These, kann die »Diskurslinguistik in Anwendung« mit genuin wissenschaftlichen Mitteln Beiträge leisten – und damit einen transdisziplinären Erkenntnisgewinn erzielen: Die Sprachwissenschaft lernt mehr über die Kommunikationspraxis, und diese beginnt jene konsequenter zu nutzen, um ihre Handlungsbedingungen und -perspektiven zu reflektieren.

Der hier vorgeschlagene Schritt zu einer transdisziplinären Diskurslinguistik ist also kleiner, als es vielleicht scheinen mag. Die die Diskurslinguistik prägende Spannung zwischen zwei Selbstverständnissen wird für einen pragmatischen, dritten Weg produktiv gemacht: Für einen Weg nämlich, der sich sowohl am Foucaultschen Verständnis einer kritisch-intervenierenden Wissenschaft orientiert wie auch die Herausforderungen einer empirischen, methodisch verfahrenden Reflexion von Sprachgebrauch in realweltlichen Kontexten annimmt. Diskurslinguistische Arbeiten zu dezidiert politischen Gegenständen wie ›brisanten Wörtern‹, Menschenrechten, dem demografischen Wandel und der Klimakrise haben ebenfalls schon diesen Weg gewiesen.4

1.3 Vierfaches Desideratum

Die diskurslinguistische Forschung auf diese Weise transdisziplinär auszurichten, heißt, wichtige Desiderata aktueller Diskursforschung aufzugreifen.

Erstens ist es offensichtlich, dass von der Komplexitätssteigerung in der strategischen Kommunikation (vgl. Jarren 2007) kommerzielle wie auch nichtkommerzielle Anbieter profitieren, die Analysen großer massenmedialer Textmengen und von Social-Media-Debatten oder auch wirkungsvolle Strategiekonzepte versprechen. Sie positionieren sich mit dem Versprechen auf einen zielführenden und effizienten Umgang mit großen Datenmengen und der Dynamik vernetzter Kommunikation. Zum Einsatz gelangen einerseits herkömmliche Methoden der Inhaltsanalyse (foeg/commslab 2017a, 2017b) wie auch neuere Methoden der computergestützten Sprachdaten-Auswertung (gfs.bern/ Longchamp 2014). Insgesamt scheint allerdings die Analyse von großen Mengen an Sprachdaten derzeit ohne die Sprachwissenschaft stattzufinden, gleichsam »alinguistisch « (Bubenhofer/Dreesen 2018, S. 63) gelöst zu werden und »die Linguistik scheint für die quantitative Analyse von Text weitgehend bedeutungslos zu werden« (Bubenhofer 2018a, auch weitere Beispiele).

Zweitens ist das Potenzial der »Angewandten Diskurslinguistik« bisher zu wenig ausgeschöpft worden. Probleme der alltäglichen oder professionellen Sprachanalyse und des Sprachhandelns können nur gelöst werden, wenn die »Besonderheiten der jeweiligen Äußerungsbedingungen« (Roth/Spiegel 2013, S. 11) in der Disziplin systematisch berücksichtigt werden. Nur so kann die Wissenschaft die jeweiligen Handlungszwänge und -spielräume der Akteure zufriedenstellend aufzeigen: »Ein pauschaler Verweis auf die übergeordneten Diskursstrukturen und die Beschränkungen, die sie für den einzelnen in der Situation darstellen, mag diskurstheoretisch naheliegend sein, widerspricht aber dem Anspruch der Angewandten Linguistik« (Roth/Spiegel 2013, S. 11). Für die Entwicklung diskurslinguistischer Forschungsfragen aus Situationen gesellschaftlichen Kommunika-tionsbedarfs müssten entsprechende Erfahrungen in der Disziplin allerdings noch systematischer gesammelt und reflektiert werden.

Drittens: Im Nachgang zu einer ›schwachen‹ Konzeption des Subjekts im Anschluss an ausgewählte Foucault-Schriften (vgl. Maingueneau 2012, S. 171) haben spätere Arbeiten handlungsbezogene Aspekte wieder mehr in den Vordergrund gestellt (z.B. Roth 2015; Spieß 2011, 2018). Die Konzeption nicht nur von Diskurshandeln, sondern auch eines kompetenten, verantwortlichen und reflektierten Diskursakteurs, der nicht nur Objekt der Diskurslinguistik, sondern auch ihr Adressat – oder gar ihr Forschungspartner – sein kann, ist eine noch zu vertiefende Forschungsfrage. Bleibt diese Aufgabe ungelöst, droht die Diskurslinguistik weiterhin mit zwei Akteurskonzepten zu operieren (ähnlich argumentiert Latour für die Soziologie, vgl. 2004, S. 237–241): Einerseits wird ein tendenziell ›schwacher‹ Akteur als Untersuchungsobjekt angenommen, der bisweilen wie eine Marionette von unsichtbaren diskursiven Fäden bewegt wird; andererseits werden die Forschenden als wissend (und dadurch geschützt) vorgestellt, da sie die diskursiven Mechanismen zu erkennen in der Lage sind. Diese Spaltung bremst die Anwendung relevanter diskursanalytischer Befunde und Erklärungen durch Akteure der Diskurspraxis, die ihre Professionalität reflektieren und weiterentwickeln wollen. Versuche zur Lösung dieser Bremse (z.B. Mikfeld/Turowski 2014) sind hilfreich, aber weder besonders zahlreich noch sehr bekannt. Eine vertiefende linguistische ›Aufklärung‹ für Diskursakteure mit Ziel eines »mündigen und vernünftigen« Sprachgebrauchs ist deshalb weiterhin ein lohnendes Ziel (abgesehen von der Referenz auf Immanuel Kant könnte man sie ›diskurslinguistische Transformativität‹ nennen, vgl. Schneidewind/Singer-Brodowski 2014, S. 123).

Viertens ist im Zuge der Erörterung von Gütekriterien (vgl. Busch 2007, S. 150) und »methodische[r] Allgemeingültigkeiten« (Warnke/Spitzmüller 2008, S. 3) der Diskurslinguistik vermehrt auf die Triangulation als eine Qualitätsanforderung hingewiesen worden (vgl. Czachur 2011, S. 207; Spitzmüller/Warnke 2011, S. 40, 135; Warnke 2013b, S. 88–91). Nicht näher eingegangen wurde dabei aber auf die bereits frühe Anwendung von Triangulation in der Soziolinguistik (vgl. Stubbs 1983, S. 235–239) und auf die progressive Methodenentwicklung im ›Wiener Ansatz der Kritischen Diskursanalyse‹ mit »Triangulation und Methodenpluralismus« seit Mitte der 80er Jahre (zum Überblick vgl. Reisigl 2007). Um an aktuelle Entwicklungen in der empirischen Sozialforschung anzuschließen, ist es erforderlich, dass Diskurslinguistik nun neben dem Erfordernis der Selbstreflexion (vgl. Meyen et al. 2011, S. 32), jenem von Mixed-Methods (Kuckartz 2014) und Grounded Theory (Strauss 1994; Breuer 2010) auch jene der Triangulation (Flick 2011) aufgreift. Dies gilt umso mehr, als sie verstärkt korpuslinguistische Methoden integriert und adaptiert (vgl. Bubenhofer 2018b), was die Frage nach der Integration quantitativer und qualitativer Methoden und Erkenntnisse umso dringender werden lässt.

Diese vier genannten Desiderata betonen Aspekte sowohl der wissenschaftlichen Anwendungsperspektive wie auch der Grundlagenforschung. Es ist anspruchsvoll, diese Desiderata schließen zu wollen; wir plädieren dafür, es zu versuchen, indem wir das Forschungsdesign einer ›Diskurslinguistik in Anwendung‹ (DIA) zur Diskussion stellen.

2 Grundlagen einer Diskurslinguistik in Anwendung: Ein forschungs-und praxisbezogenes Profil

Das Forschungsdesign ›DIA‹ ist maßgeblich durch die Erfahrung aus der Zusammenarbeit von Praxisakteuren und Forschungsteams entstanden; entsprechend setzt DIA bei den Praxisaufgaben von Akteuren an (2.1.), wodurch die Grundlage zur transdisziplinären Forschung gelegt ist (2.2). Diese kann Perspektiven und Relationen der Akteure von komplexen kommunikativen Vernetzungsprozessen durch Modellierung und Simulation verstehen und vermitteln (2.3). Qualitätsmaßstäbe der Triangulation sichern die Ergebnisse des Forschungsprozesses ab (2.4).

2.1 Rekonstitution des Akteurs im Diskurs

Im Fokus von DIA steht der Akteur der sozialen, besonders auch der professionellen Praxis (zur Professionalität vgl. u. a. Mieg 2003). In der Theorie sprachlicher Interaktion ist dieser Akteur die zentrale Referenz für sinnhafte Begegnung und Beziehung (vgl. Goffman 1982, S. 23–53); die Organisationstheorie hat daraus die Vorstellung entwickelt, dass die Akteure auf der »Landkarte« (map) der Organisation die verschiedenen Positionen bzw. Rollen markieren, welche die Handlung der Organisation in jeweils verschiedenen Graden der Verbindlichkeit »autorisieren«, also auf reguläre Grundlagen stellt (Taylor/ van Every 2011, S. 38–64).

Setzt die Diskurslinguistik bei den Praxisaufgaben interessierter Akteure an und versucht, diese Praxisaufgaben zusammen mit den Akteuren zu bearbeiten, dann gilt es nun, solche Vorstellungen hinsichtlich der emergenten Muster sprachlicher Kommunikation zu konkretisieren. Dabei muss diesen Akteuren nicht nur die Kompetenz unterstellt werden, die Praxisaufgaben reflektieren und deren Problemstellungen in bearbeitbare Fragestellungen hinsichtlich diskursiver Muster (und ihrer Rekursivität) transformieren zu können (etwa mithilfe des Konzepts der Explikation von »tacit knowledge«, vgl. Perrin 2012, S. 10 f., mit weiteren Verweisen). Ebenso gilt es, mit der Veränderbarkeit von Diskursen durch diese Akteure zu rechnen und diese Perspektive bei der Herstellung, Deutung und Diskussion von Forschungsergebnissen mit einzubeziehen – etwa, indem Handlungsrahmen, »Diskurshandeln« und »Sprachstrategien« von Akteuren zum Forschungsgegenstand gemacht werden (Spieß 2011; Klein 2014).

Durch diesen dreifachen Ansatz der Co-Konstruktion, der Handlungskompetenz und der Strategie rekonstituiert das DIA-Forschungsdesign den Akteur sowohl als Subjekt wie als Objekt diskurslinguistischer Forschung. Dabei differenziert sich der Begriff entlang verschiedener sozialer Ebenen und sprachlicher Formen der Bezeichnung und Benennung aus. Auf einer Mikroebene können es individuelle Akteure sprachlichen Handelns sein wie AutorInnen oder formelle FunktionsträgerInnen (bspw. PR-RedakteurInnen oder behördliche Managementverantwortliche). Auf einer Makroebene können es Kollektivakteure sein wie Gruppen oder Organisationen (bspw. BürgerInnen, einzelne Verbände oder Behörden). Die Bedeutung dieser Akteure als Forschungsobjekt operationalisiert DIA mit einer integrierten Staffelung: Relevante Akteure des Diskurses werden als Quellen ins Korpus aufgenommen und dort als untersuchte Akteure aufgefasst; Referenzen auf weitere Akteure in Texten werden hiervon getrennt als repräsentierte Akteure erfasst. Diese näherungsweise Differenzierung in Handlung und Repräsentation lässt sich im Theorierahmen des Footings und der diskursiven Polyphonie begründen und verfeinern (vgl. Dreesen 2013a). Die Bedeutung dieser Akteure als Forschungssubjekt berücksichtigt DIA durch die Transdisziplinarität und Transformativität ihres methodischen Vorgehens (vgl. Kap. 2.2 und Kap. 3).

Damit beruft sich DIA auf Max Webers Diktum von der Soziologie als einer Wissenschaft, die »soziales [Sprach-]Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will« (Weber 1964, S. 1).5 Das Postulat gilt uneingeschränkt auch in einer Zeit, in der Sprachgebrauch häufig digitalisiert oder gar durch KI mitgesteuert ist. Es wäre dabei ein Kurzschluss zu meinen, nun ebenfalls digitalisierbare und standardisierte Methoden könnten diese Form des Sprachgebrauchs schon erschöpfend erklären. Analog zu Weber (vgl. ebd., S. 5–9) gehen wir bei der Integration qualitativer und quantitativer Verfahren zur Analyse von Sprachgebrauch von folgender Überlegung aus: Nach Weber können wir sinnfremde Vorgänge und Gegenstände (z.B. Anlässe, Ergebnisse, Förderungen und Hemmungen, die aus Naturereignissen resultieren) nicht in deutbare Handlungszusammenhänge rücken. Entsprechend können statistische Verfahren uns nur unvollkommen verstehbare Regelmäßigkeiten aufzeigen (z.B. die Korrelation zwischen Wortfrequenzen und Erscheinungsdaten von Texten); sie liefern als solche keine Erklärungen für das Handeln der Diskursakteure. Denn diese ergeben sich nicht allein durch das Beschreiben von Mustern des Sprachgebrauchs, vielmehr bedarf es dazu der Interpretation dieser Muster in jeweiligen Handlungsrahmen (vgl. ebd., S. 1, 4 f.). Für die immer situationsgebundene Interpretation sind nun allerdings wiederum die Praxisakteure unverzichtbar. Weber hoffte, »daß künftige Forschung auch unverstehbare Regelmäßigkeiten für sinnhaft besondertes Verhalten auffindet« (ebd.). Um solch »unverstehbare[n] Regelmäßigkeiten« könnte es sich bei den Sprachgebrauchsmustern im Diskurs handeln, die das sinnhafte Sprachhandeln möglicherweise strukturieren und die wir mit digitalen Methoden heute bestimmter und auf weitaus breiterer Datenbasis identifizieren können.

Anthony Giddens’ Theorie der Strukturation verbindet die erwähnten beiden ersten Prämissen (Akteursgebundenheit und situative Deutungsbedürftigkeit von Sprachhandeln) mit einer dritten: Die dem kompetenten Akteur in der Regel nicht bekannte diskursive Prägung seines Handelns wird als Problem erkannt und gelöst.6 Interpretative Theorien »sind gerade deshalb von großer Bedeutung, weil sie uns als das thematisieren, was wir sind: Vernunftbegabte, zweckgerichtet oder intentional handelnde Subjekte, die prin-zipiell wissen, was sie tun.« (Giddens 1988, S. 288) Akteure im Diskurs können ihr Handeln in der Regel nämlich begründen, wenn sie dazu befragt werden:

»Als soziale Akteure sind alle menschlichen Wesen hoch-›gebildet‹ im Hinblick auf jenes Wissen, das sie für die Produktion und Reproduktion alltäglicher sozialer Begegnungen in Anschlag bringen; die große Masse dieses Wissens ist eher praktisch als theoretisch« (Giddens 1997, S. 73; vgl. auch S. 36, 57)7.

Im Gegensatz zum »praktischen«, alltags-und umgangssprachlichen Wissen fehlt auch interessierten Akteuren in der Regel das theoretisch systematisierte und empirisch fundierte Wissen, um diskursive Bedingungen und damit um relevante Handlungsbedingungen und mögliche Handlungsfolgen, da dies über ihre »reflexive Steuerung […] des Alltagshandelns« (ebd., S. 55; 1988, S. 288) hinausgeht.8

Zentrales Ziel von DIA ist es deshalb, die diskursiven Bedingungen und Folgen des Handelns von Akteuren bewusst zu machen, indem das Akteurswissen korpuszentriert um die theoretisch gestützte und empirisch fundierte Erkenntnis der diskursiven Strukturierung des Sprachhandelns ergänzt wird: Indem »die Handelnden (kognitiv) erkennen, dass Strukturen ihre eigenen Produkte sind«, erhalten sie ansatzweise die »Möglichkeit […], die Kontrolle über sie (praktisch) zurückzugewinnen« (Giddens 1984, S. 153). Weil Struktur und Handeln in der Praxis keine Gegensätze sind, sondern lediglich analytische Konzepte, können diese auch nicht einseitig wirksam sein – sei es nun einseitig repressiv oder einseitig nur ermöglichend.9 Das theoretische Wissen über Strukturen (hier: über Strukturen des Sprachgebrauchs) ermöglicht es hingegen erst, in der empirischen Wirklichkeit praktisch wirksam zu handeln.

2.2 Transdisziplinarität als Zugang zu relevanten diskursiven Problemen

Formen der Kooperation für Reflexion und Wissensgewinn jenseits etablierter hierarchischer und institutioneller Ordnungen werden in einer sich modern verstehenden Gesellschaft wichtiger: Die »posttraditionale« Gesellschaft kann sich nur durch ein reflexives Verhältnis (»reflexive Moderne«) zu sich selbst stabilisieren und weiterentwickeln; dadurch wächst die Nachfrage nach Expertise in wissenschaftlicher Forschung (vgl. Giddens 1997, S. 38).10 Solche für die »reflexive Moderne« typischen epistemischen Koope-rationen werden u. a. in den Konzeptionen des Mode 2 (vgl. Gibbons et al. 1994) und des »Rhizom« beschrieben (vgl. Deleuze/Guattari 1977); es sind allesamt Ausformungen einer »Wissensgesellschaft« (vgl. Bell 1973).

Auch die Diskursforschung ist ein Produkt dieser Veränderungen: Aufgrund der sprachlich-kommunikativen Konstitution moderner Organisationen, ihrer professionellen Praktiken und Strategien erstreckt sich die permanente Selbstbeobachtung der Akteure zwangsläufig auch auf ihren Sprachgebrauch (kritisch zu diesem Vorgang Foucault 1977; Kauppinen 2012) – und die entsprechende verstehende Selbstreflexion wird gerade für die Bewältigung von Praxisaufgaben immer wichtiger. So ergeben sich in der Diskurslinguistik neue Chancen für die transdisziplinäre Forschung. In diesem Sinne denkt, wer »Diskurslinguistik nach Foucault« (vgl. Warnke 2007) betreibt, immer schon ›out of the box‹ – dies gemessen an den Routinen bestehender akademischer Disziplinen. Hierzu gehört auch, Dichotomien wie Strukturalismus und Pragmatik (vgl. Bubenhofer 2009, S. 16; Dreesen 2015, S. 58) oder Deskription und Kritik (vgl. Reisigl/Warnke 2013; Dreesen 2013b) infrage zu stellen, um so zu neuen, z. T. noch vagen, ephemeren Analysekategorien (z.B. Aussage, Subjekt) zu gelangen (vgl. dazu Dreesen 2018). Warnke urteilt (2015, S. 230): »Diskurslinguistik ist als sprachtheoretisches Programm zunächst antikategorial, sie arbeitet mit Aussagen und Aussageformationen, die nicht als linguistisch distinkte Kategorien gelten können.«

In dieser, sich der reflexiven Moderne stellenden und reflektierenden intellektuellen Offenheit verstehen wir Diskurslinguistik in Anwendung.11 Insofern bewerten wir Zuordnungsversuche zu Diskurslinguistik oder linguistischer Diskursanalyse (vgl. Römer 2017, S. 5) und zu linguistics applied oder applied linguistics (vgl. Davies/Elder 2004, S. 1–11)12 aus drei Gründen als wenig hilfreich:

Erstens sind linguistische Diskursanalysen per se interdisziplinär (vgl. ähnlich Warnke/Spitzmüller 2008, S. 9), weil im Sinne einer methoden-und theorieentwickelnden Zusammenarbeit mehrere Disziplinen (u.a. Linguistiken, Sozialwissenschaften) zusammengeführt werden. Sie sind angesichts der digitalen Revolution am besten gerüstet, wenn sie disziplinäre Abgrenzungsversuche reflektieren und methodisch wie theoretisch zu überwinden versuchen (vgl. Bubenhofer/Dreesen 2018, S. 69–72).

Zweitens verschiebt sich durch die Transdisziplinarität linguistischen Forschens ohnehin der Rahmen: ›Transdisziplinär‹ ist eine »Forschung, bei der wissenschaftliche Disziplinen mit außerwissenschaftlichen Fächern gemeinsam Wissen erzeugen, um gesellschaftlich relevante Probleme zu lösen« (Perrin 2015, S. 31; vgl. grundlegend Mittelstraß 2003, S. 9 f.).13 Im Fokus von DIA stehen also nicht disziplinär bedingte Fragestellungen, sondern diskursiv bedingte gesellschaftliche Probleme, sofern sie über gesellschaftliche und politische Relevanz verfügen; die Forschung übernimmt die Aufgabe, diese Probleme zu ermitteln, sie diskursanalytisch zu erfassen und in bearbeitbare Fragestellungen zu überführen, um dann die Praxisakteure bei deren Bewältigung zu unterstützen (sog. »real world problems«, Brumfit 1997, S. 93).

Diese Probleme stellen sich den Akteuren zunächst immer als komplexe und umfangreiche Praxisaufgaben dar, im hier diskutierten Praxisfeld z.B. als »Politikanalyse«, als Notwendigkeit des »Agenda Setting«, als Erfordernis des »Issues Monitoring« oder der »Stakeholder-Analyse« (vgl. dazu Stücheli-Herlach et al. 2015); dies lässt sich übergreifend in Bereichen wie der Bildung, der Wirtschaft sowie beispielsweise der Umwelt-, Gesundheits-oder Kulturpolitik beobachten.

Der Begriff der Praxis (wie in unserem Konzept der Praxisaufgabe verwendet) bezeichnet ein Bündel sozialer – und damit immer auch sprachlicher – Aktivitäten, deren Sinn sich kommunikativ etabliert hat und auf Hervorbringung, Bewahrung oder Veränderung sozialer, organisationaler und damit immer auch materialer Arrangements in spezifischen Situationen bezogen ist (vgl. Deppermann/Feilke/Linke 2016; Hillebrandt 2014; Schatzki 2001). Bei Praxisproblemen handelt es sich entsprechend um Situationen, in denen solche Arrangements nicht oder nicht wie erforderlich (re-)produzierbar bzw. transformierbar sind. Eine Praxisaufgabe ist dann ein auf das Praxisproblem bezogenes Handlungserfordernis, aus dem konkrete und präzise Fragen für die Forschung und Entwicklung abgeleitet werden können, deren Beantwortung unabdingbar ist, um das Handlungserfordernis zu erfüllen und professionalisierte Praktiken zu etablieren.

Diskurslinguistische Forschung in ihrer transdisziplinären Ausrichtung verstehen wir als einen wissenschaftlich anschlussfähigen, damit transparenten und begründbaren Beitrag zu der Bearbeitung solcher Praxisaufgaben und der Reflexion professioneller Praktiken, sofern sie sich auf Muster des Sprachgebrauchs (heuristisch verstanden als Struktur und Produkt des Handelns) beziehen. Durch die gemeinsame Ermittlung von Situation, kommunikativen Aufgaben bzw. Problemen sowie grundsätzlichen Möglichkeiten diskurslinguistischer Analyse verändert sich das Verhältnis von Untersuchendem und Untersuchtem in einer Weise, welche die Angewandte Linguistik allerdings längst vorweggenommen hat (vgl. Sarangi/van Leeuwen 2003, S. 3).

Drittens: Gegen eine fixe Einordnung von DIA in herkömmliche disziplinäre Kategorien spricht zudem, dass dieses Forschungsdesign zwei heterogene Zwecke gleichwertig integriert: Der praxisbezogene Zweck liegt darin, mittels empirischer Sprachdatenerhebungen und -analysen Wissen über Diskurse zu vermitteln, um die Handlungs-und Entscheidungsfähigkeit von Akteuren der Kommunikationspraxis zu erhalten und zu verbessern. Der forschungsbezogene Zweck ist es, Erkenntnisse über thematische und funk-tionale, auch strategische Aspekte des Diskurses für die Grundlagenforschung zu produzieren, dies hinsichtlich theoretischer wie methodischer Aspekte, aber auch hinsichtlich der Frage der Korpora und der Prozesse der Vermittlung und Anwendung unter den Bedingungen der reflexiv sich modernisierenden Wissensgesellschaft. Fundamentale Einsichten in gesellschaftliche Prozesse des Zeichengebrauchs werden vor allem in konkreten Untersuchungen erarbeitet und anschließend in ihrer Erklärungskraft getestet, wodurch neue bzw. erweiterte Theoriemodelle mit jeweils näher zu bestimmender ›mittlerer Reichweite‹ generiert werden können.

Bei den Projekten der ›Diskurslinguistik in Anwendung‹ handelt es sich also um kontextualisierte Fallstudien mit jeweils transformativem Erkenntnisinteresse und einer konstitutiven Verschränkung von wissenschaftlicher und praktischer Fragestellung (vgl. Schneidewind/Singer-Brodowski 2014, S. 123). Mithilfe diskurslinguistischer Analyse werden Produktions-und Rezeptionsmuster des sprachlichen Handelns konkreter Akteure bewusst. PraktikerInnen erhalten so die Möglichkeit, ihr »implizites Wissen« explizit zu machen und auf diese Weise »tief verankert in der Tätigkeit und der Erfahrung des Einzelnen« gewachsene subjektive Einsichten und Intuitionen (Nonaka/Takeuchi 2012, S. 23) zu teilen, zu überprüfen und zu erweitern. Geht man davon aus, »dass menschliches Wissen durch soziale Interaktion zwischen implizitem und explizitem Wissen geschaffen und erweitert wird« (ebd., S. 281), wird deutlich, dass es nicht allein um die Akkumulation diskurslinguistischen Wissens geht. Der mehr oder weniger intuitive Gebrauch eines Sprachmusters in der Praxis erfährt durch die Möglichkeit der Bezugnahme auf explizites Wissen um Diskurse eine wesentliche Veränderung: Das Wissen der PraktikerInnen wird valider, dessen Berücksichtigung lässt Wirkungen von Handlungen wahrscheinlicher werden, die Evaluation der Aussagenproduktion wird systematisiert (Stücheli-Herlach 2012), und die Investitionen in die Aktualisierung und Erweiterung des Wissens können frühzeitig in systemische, ›nichttriviale‹ Entwicklungen von Organisationsstrategien (vgl. Nagel/Wimmer 2015) einbezogen werden.

2.3 Simulation als Erkenntnis-und Vermittlungsstrategie von Diskursanalyse

Wir fassen den Untersuchungsgegenstand ›Diskurs‹ konstruktivistisch als ein Modell gesellschaftlicher Zeichenprozesse auf. Ausgangspunkt ist das Simulakrum im Sinne Barthes’ (1966, S.192):

»Das Ziel jeder strukturalistischen Tätigkeit, sei sie nun reflexiv oder poetisch, besteht darin, ein ›Objekt‹ derart zu rekonstituieren, daß in dieser Rekonstitution zutage tritt, nach welchen Regeln es funktioniert (welches seine ›Funktionen‹ sind). Die Struktur ist in Wahrheit also nur ein Simulacrum des Objekts, aber ein gezieltes, ›interessiertes‹ Simulacrum, da das imitierte Objekt etwas zum Vorschein bringt, das im natürlichen Objekt unsichtbar oder, wenn man lieber will, unverständlich blieb. Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen; das ist scheinbar wenig (und veranlaßt manche Leute zu der Behauptung, die strukturalistische Arbeit sei ›unbedeutend, uninteressant, unnütz‹ usw.). Und doch ist dieses Wenige, von einem anderen Standpunkt aus gesehen, entscheidend; denn zwischen den beiden Objekten, oder zwischen den beiden Momenten strukturalistischer Tätigkeit bildet sich etwas Neues, und dieses Neue ist nichts Geringeres als das allgemein Intelligible: das Simulacrum, das ist der dem Objekt hinzugefügte Intellekt, und dieser Zusatz hat insofern einen anthropologischen Wert, als er der Mensch selbst ist, seine Geschichte, seine Situation, seine Freiheit und der Widerstand, den die Natur seinem Geist entgegensetzt.«14

Das Simulakrum als der durch Dekonstruktion entstandene Untersuchungsgegenstand ›Diskurs‹ ermöglicht einen eigenen epistemologischen Zugang zur Welt, weil es nicht ›repräsentiert‹ bzw. ›repräsentativ ist‹: »Telle est la simulation, en ce qu’elle s’oppose à la représentation« (vgl. Baudrillard 1981, S. 16).15 Der ›Diskurs‹ als theoretische Größe und das Korpus als sein Substrat modellieren und simulieren gesellschaftliche Zeichenprozesse, indem sie öffentlichen Sprachgebrauch als Texte und transtextuelle empirische Phänomene erfassen, analysieren und evaluieren.

Eine unabdingbare Voraussetzung für die Simulation ist dabei die Modellierung: Sie sichert deren Voraussetzungen und macht diese transparent und kritisierbar. Die Simulation ihrerseits führt immer auch zu einer Evaluation des Modells und damit zur Identifikation von Kriterien und Desideraten für dessen Optimierung. Modellierung und Simulation im Wechselspiel ermöglichen den Zugang zu komplexen Objekten sowohl aus epistemischen wie auch praktischen Interessen heraus. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess wie auch dessen Vermittlung entwickeln sich in genau diesem Wechselspiel: »(i) Zunächst wird etwas über das Modell gelernt. (ii) Dieses Wissen wird anschließend in Wissen über das Zielobjekt umgewandelt« (Saam/Gautschi 2016, S. 23). Diese Auffassung vom Diskurs als einem Modell und von dessen Nutzung durch gesellschaftliche Akteure als Simulation und damit als Entwicklung von Zielobjekten ist an die sozialwissenschaftliche Modellbildung anschließbar und hilft, diskurslinguistische Theoriebildung an praktische Interessen der Akteure – also an deren Erwartungen und Vorstellungen über Handlungsvollzüge – anzuschließen. Denn es gilt, »dass sozialwissenschaftliche Modelle uns einladen [sic] uns etwas vorzustellen. Und innerhalb des Vorgestellten finden die Regeln der Logik Anwendung« (Saam/Gautschi 2016, S. 28).

Das Wechselspiel zwischen Modellierung und Simulation als Kernprozess einer diskurslinguistischen Forschung zu verstehen, zieht dabei einige Konsequenzen nach sich. Die Modellierung hat sich an folgender Leitfrage zu orientieren:

LF I: Wie muss ein Modell für den Diskurs beschaffen sein, dass es die Beantwortung von theoretisch wie praktisch anschlussfähigen Forschungsfragen ermöglicht?

Entsprechend müssen Akteure als Textquellen und Texte als Äußerungen in bestimmten Formen nach sozialwissenschaftlichen, diskursanalytischen und korpuslinguistischen Kriterien zusammengestellt werden. Dazu dienen bspw. einschlägige Klassifizierungen von Akteuren, die Rekonstruktion von Ereignissen als spezifische Situationen des Diskurses oder auch die Bestimmung relevanter Einzelsprachen und deren Berücksichtigung in der Korpusbildung.

Die anschließende Simulation wiederum folgt zwei Leitfragen. Zunächst geht es um die Frage:

LF II: Was sind die sprachlich-kommunikativen Bedingungen, unter denen sich Akteure im untersuchten Diskurs äußern?

Der modellierte Diskurs wird also korpuszentriert vermessen. Diese strukturorientierte Simulation erfolgt mittels quantitativer/standardisierter und qualitativer/nicht-standardisierter Methoden von der Mikroperspektive (morphosyntaktisch) bis zur Makroperspektive (textuell, vgl. Abb. 2). Die so gefundenen Sprachgebrauchsmuster und Regeln werden in ihren Funktionen im Gesamtdiskurs interpretiert (vgl. ausführlich 3 b) u. c)). Im Weiteren geht es bei der Simulation aber auch um die Frage:

LF III: Mit welchen Grenzen und welchen Möglichkeiten der Handlung bzw. der Veränderung untersuchter diskursiver Strukturen muss bzw. kann gerechnet werden?

Wird diese Frage auch aus Praxisinteressen heraus gestellt, erfolgt die daran anschließende Forschung im Rahmen bestimmter Szenarien: Normative Setzungen und Annahmen (z.B. über verständigungsorientierten Sprachgebrauch, Habermas 1981, Kap. III), pragmatische Erwägungen (z.B. über wünschenswerte Diskurskoalitionen, Hajer 2009, S. 60) und allgemeine Hypothesen (z.B. über grundsätzlich viable Sprachstrategien, Klein 2014) dienen als Ausgangspunkt für die Entwicklung weiterer Teilfragen an das Korpus. Insgesamt bilden solche Setzungen, Erwägungen und Hypothesen die Basis für die Entwicklung von Szenarien der Veränderung von Sprachgebrauchsmustern und möglicher Konsequenzen. Sie können aus Sicht der Praxisinteressen als kommunikative und/oder kommunikationsstrategische Entscheidungs-und Handlungsmöglichkeiten verstanden werden. Es handelt sich also nicht um eine prognostizierende Simulation durch Berechnung, was mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Es handelt sich vielmehr um das Aufzeigen von möglichen, praktisch nicht nur wünschbaren, sondern auch realisierbaren Veränderungen aus der Sicht reflektierter praktischer Problemlösung (»possible worlds«, Simon 1996, S. 117).

2.4 Epistemologische Reflexion als Qualitätsmaßstab

DIA baut auf die Foucaultsche »methodologische Position« (Diaz-Bone 2006, S. 75–79) als einem vermittelnden Prinzip zwischen Theorieansatz und Methodenanwendung. Trotz grundsätzlicher Differenzen findet sich dadurch auch eine Nähe zu den Forschungsprämissen des amerikanischen Pragmatismus, insbesondere der Grounded Theory (vgl. Strübing 2014, S. 38): Im Anschluss an das Kriterium der methodologischen Passung von Methode und Untersuchungsobjekt kann zudem auch von einer postmodernen Erkenntnisstrategie gesprochen werden (vgl. besonders Clarke 2011). Das birgt indes die Gefahr, das Forschende Unhinterfragtes reproduzieren – wovon schon Foucaults Vorgänger gewarnt hat: »Ein Messinstrument ist letztlich immer eine Theorie, und man muss begreifen, dass das Mikroskop mehr eine Verlängerung des Geistes ist als des Auges« (Bachelard 1978, S. 348; ähnlich bereits Fleck 2011 (1938), S. 298; vgl. dazu Andersen et al. 2018).16

Um eine permanente kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Prämissen zu gewährleisten, ist DIA explizit als perspektivisch simulierendes Design entworfen, das Teilfragestellungen an explizite normative und pragmatische Szenarien anbindet. Zudem versteht es die Reflexion über den Forschungsprozess als Teil von dessen Methodologie – ganz im Sinne des postmodernen Pragmatizismus (vgl. Charmaz 2011, S. 195 f.). Widersprüchlichkeit, Zweifel, Ambiguität und Vorläufigkeit von Ergebnissen geben Hinweise auf neue Teilfragen oder nötige methodische Korrekturen (vgl. Clarke 2011, S. 225).17 Um diese Perspektivierung und Reflexion ständig zu explizieren, folgt DIA zudem der Methode der Triangulation (vgl. grundlegend Denzin 2009; zum Folgenden vgl. Flick 2011).

Triangulation als Qualitätskriterium erschöpft sich dabei keineswegs in der Anwendung unterschiedlicher Forschungspraktiken (z.B. Mixed-Methods, Kuckartz 2014). Sie umfasst zwingend auch die Reflexion und Evaluation dieser Praktiken (vgl. Hammersley/ Atkinson 1983, S. 16–22). Die jeweilige Forschungsfrage wird bspw. immer aus mehr als einer theoretischen Perspektive beleuchtet, mit mehr als einer Methode bearbeitet, unter Berücksichtigung von mehr als einer Datensorte und durch mehr als nur eine forschende Person. Mithilfe der Triangulation können damit Einseitigkeiten ausgeglichen werden. Allerdings ist zu berücksichtigen,

»dass jede Methode ihren Gegenstand konstituiert. Entsprechend sind simple Übereinstimmungen bei der Triangulation verschiedener Methoden bei der Untersuchung des ›selben‹ Gegenstandes nicht zu erwarten. Vielmehr kann die Triangulation verschiedener methodischer Zugänge unterschiedliche Formen der Gegenstandskonsti-tution verdeutlichen, die einander ergänzen oder widersprechen können« (Flick 2011, S. 25).

Die vielfachen Konstruktionen des zu Untersuchenden führen zu besseren Forschungsergebnissen: Je mehr untereinander vernetzte Angebote zum Verständnis des Untersuchungsgegenstands unterbreitet werden, desto größer ist die Chance zur Vermittlung an einzelne Akteure und zur intersubjektiven Verständigung über den analysierten Diskurs. Dies ist allerdings nicht unproblematisch:

»Schließlich ist es vor allem dann legitim, von Triangulation zu sprechen, wenn den verschiedenen [sic] Zugänge[n] in der Planung der Untersuchung, bei der Erhebung und Analyse der Daten eine weitgehende Gleichberechtigung in ihrer Behandlung und ihrem Stellenwert eingeräumt wird und sie jeweils in sich konsequent angewendet werden« (Flick 2011, S. 26).

Im Zuge der Triangulation wird ein Spannungsfeld eröffnet zwischen naheliegender bis möglicher Kombinierbarkeit von v.a. Datensorten und Methoden auf der einen Seite und der Unvereinbarkeit von v.a. unterschiedlichen theoretischen Prämissen auf der anderen Seite. So wird man in einem Projekt problemlos die Schlagwort-und Metaphernanalyse kombinieren oder die corpus-driven gewonnenen Hypothesen corpus-based integrieren können (vgl. Tognini-Bonelli 2001). Hingegen ist es z.B. bei grundverschiedenen wissenschaftstheoretischen Prämissen (z.B. Konstruktivismus, Realismus) oder semiotischen Prämissen (z.B. dyadisches, triadisches Zeichen) kaum sinnvoll, von der Konstruktion eines gemeinsamen Untersuchungsgegenstands auszugehen. Denn so notwendig gegenseitige Ergänzungen und Überprüfungen von (wissenschafts-)theoretischen Prämissen und deren jeweiligen Erkenntnisleistungen sind, so zentral ist zugleich zu vergegenwärtigen, dass die Beurteilung der Methoden letztlich einem disziplinär erworbenen spezifischen »Denkstil« der jeweiligen ForscherInnen/»Denkkollektive« unterworfen ist (vgl. Fleck 1980) bzw. einem »Forschungs-Paradigma« folgt (vgl. u.a. Phakiti/Paltridge 2015, S. 21).18

In der Triangulation werden vier Dimensionen unterschieden (vgl. zum Folgenden Flick 2011, S. 12–17). Mit DIA können alle Dimensionen (›multiple Triangulation‹) berücksichtigt werden, wenngleich angesichts von Sachzwängen in unterschiedlicher Intensität und Umfang.

Forscher-Triangulation: Durch die transdisziplinäre Forschung von Akteuren der Praxis und der Wissenschaft ist von Beginn an ein bestimmtes Maß an Heterogenität, Diversität und Agonalität gegeben. Die Analyse verschiedener Daten und die Anwendung verschiedener Theorien und Methoden erfordert Forschergruppen mit mehreren SpezialistInnen. Triangulierendes Forschen bedeutet, dass es dabei nicht zur Arbeitsteilung zwischen SpezialistInnen kommt, sondern im Gegenteil zur Zusammenarbeit: Diese ent-steht dann, wenn Auswertungen von mehreren Personen und in der Folge mit mehreren Deutungsangeboten durchgeführt, erörtert und interpretiert werden. Qualitätsmaßstab ist das Integrieren von differenten Standpunkten in den Forschungsprozess; unabdingbar sind L1-Kompetenzen bei kontrastiven Analysen.

Daten-Triangulation: Differente Datensorten können mögliche relevante Aspekte des zu untersuchenden Diskurses umfangreich und adäquat erfassen. Ziel von Daten-Triangulation ist es zu verhindern, dass (unbewusste) Annahmen über den Diskurs kontinuierlich bestimmte Manifestationen, Effekte etc. aus der Analyse ausschließen. Um im Foucaultschen Sinne positivistisch die verstreuten sprachlichen Zeichen als Elemente des Diskurses zu relationieren, ist es erforderlich, mediale, zeitliche, lokale und akteursspezifische Einheiten und Ordnungen (vorübergehend) aufzuheben (vgl. Foucault 1976, S. 32; 1981, S. 43; vgl. oben Barthes 1966). Dadurch werden Zusammenstellungen z.B. massenmedialer Quellen, verschiedener Textsorten und Akteursgruppen möglich, wie sie im Korpus zu finden sind, das den beiden genannten Projekten zu Grunde liegt (vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 28–43). Deswegen ist Daten-Triangulation in DIA auch für Fragen der Korpuskompilierung von zentraler Bedeutung (vgl. Kapitel 3.2). Qualitätsmaßstab und ethischer Grundsatz sind Transparenz der Datenerhebung und Bewusstsein für Erhebung, Speicherung und Analyse von (Meta-)Daten (vgl. Forschungs-und Arbeitsbereich Digital Linguistics 2018a).

Theorien-Triangulation: Wie erklärt, ist die Triangulation von epistemologischen Theorien fundamental unterschiedlicher Denkstile bzw. Paradigmen kaum sinnvoll, weil dadurch die Forschungsfragen und damit auch der Untersuchungsgegenstand sich grundlegend ändern. Gleichwohl dienen empirische Analysen mit DIA nicht primär dazu, Theorien zu verifizieren, sondern der Simulation unterschiedlicher Perspektiven. Es ist deshalb prinzipiell möglich, abweichende Theorien zur Anleitung von Methoden und zur Interpretation von Ergebnissen hinzuzuziehen. Mit der Anwendung der Theorien des Diskurses und solchen der Strukturierung zur Ermittlung von Handlungsoptionen wird ein Spannungsfeld von eher systemisch-und eher handlungsbezogenen Theorien eröffnet, sofern sie mit der reziproken Hervorbringung von Handlung und Struktur übereinstimmen (vgl. 2.1).

Methoden-Triangulation: Es geht im Triangulieren von Methoden nicht lediglich um die Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden. Erstens sind Quantität und Qualität zwei Kategorien des gleichen Paradigmas: Quantität ist eine Komponente von Qualität und vice versa. Zweitens ist es der Zweck, Methoden nicht allein zur Ergänzung, sondern durchaus auch in Konkurrenz zu anderen Methoden einzusetzen. Die Chance liegt in der erkenntnisfördernden (weil perspektivenerweiternden) Kraft dieses Spannungsfelds. Qualitätsmaßstäbe sind Intersubjektivität bei nicht-standardisierten Methoden (z.B. Mehrfachkodierung) und Reliabilität bei standardisierten Methoden (z.B. Mehrfachberechnung von Frequenzanalysen).

3 Forschungsmodule einer Diskurslinguistik in Anwendung

Einzelne Arbeitsmodule einer Diskurslinguistik in Anwendung erlauben die Planung, Organisation und Kontrolle des Forschungsprozesses in unterschiedlichen Graden der Skalierung (3.1). Auf die Modellierung (3.2) baut die Messung ebenso auf (3.3) wie die Interpretation (3.4). Beides mündet in Simulationen perspektivischer Befunde, die gemeinsam mit Praxisakteuren reflektiert und weiter bearbeitet werden können (3.5).

3.1 Modularisierung des Forschungsprozesses

Auf der Basis des unter 2.1 bis 2.4 dargestellten methodologischen Profils haben wir ein Forschungsdesign entwickelt, das sich aus einzelnen Arbeitsmodulen zusammensetzt. Die Modularisierung ist dabei ein Instrument, das es erlaubt, sowohl die nötige methodische Transparenz und Kontrollierbarkeit zu gewährleisten wie auch den transdisziplinären Forschungsprozess, an dem sich Praxisakteure beteiligen, zu strukturieren und zu organisieren (vgl. Hanschnitz/ Schmidt/Schwarz 2009). Entlang der Module definieren wir die jeweils zu bearbeitenden Forschungsteilfragen und die grundlegenden methodischen Arbeitsschritte sowie die dazu gehörenden Qualitätskriterien der Forschung. Entsprechend sagen sie weder etwas aus über den jeweiligen Umfang der Forschung, noch über die inhaltliche Ausrichtung der Forschungsfragen, noch über die Reichweite der Erkenntnisse. Vielmehr wird die Forschungsarbeit dadurch skalierbar hinsichtlich ihres inhaltlichen, datenbezogenen, methodischen, personellen und zeitlichen Um-fangs. Für die grundsätzlich anwendbaren diskurslinguistischen Analysekategorien verweisen wir auf die maßgebliche Methodensammlung bei Spitzmüller/Warnke 2011 sowie die für Diskursanalysen wichtigen korpuslinguistischen Arbeiten etwa von Sinclair 2004 oder Bubenhofer 2009.

Transdisziplinäre und triangulierende Forschungsprozesse sind nicht linear, sondern folgen interaktiven, iterativen Schritten; entsprechend dienen die Module nicht der Planung eines linearen Arbeitsprozesses, sondern der Integration von Arbeitsschritten, die auch zirkulär und parallel verlaufen können. Gleichwohl ist DIA einer zielorientierten Forschungsarbeit verpflichtet, weil es den Anfangspunkt (die Modellierung) und den Endpunkt (die perspektivenabhängige, nach Szenarien gewichtende Simulation) je verbindlich festlegt, um den Forschungsrahmen kontrollierbar zu machen und überprüfbar zu halten (vgl. Abb. 1).

Statt der Schichtung in abstrakt-analytische Ebenen wie bei DIMEAN (Spitzmüller Warnke 2011, S. 135–200) stellt das DIA-Design den korpuszentrierten (d.h. corpus-driven und corpus-based) Forschungsprozess selbst ins Zentrum: Er symbolisiert also wissenschaftliche Forschungspraktiken (vgl. Abb. 2). Ausgehend von spezifischen Erkenntnisinteressen am Diskurs werden in den Modulen ›Messen‹ und ›Interpretieren‹ Verfahren der Datenanalyse (Methoden und Techniken) systematisch so miteinander verbunden, wie es die Fragestellungen und die wissenschaftlichen Qualitätskriterien verlangen, um zu triangulierten Resultaten zu kommen. Dem liegt die Vorstellung eines stufenlosen ›zooming in‹ und ›zooming out‹ im Analyseprozess zugrunde (vgl. Kalwa 2013, S. 5 u. 26; Hermanns 1995, S. 89): Diskursiv relevante Aspekte werden in kleineren Einheiten (z.B. Anführungszeichen, Morphem, Wort) bis größeren Einheiten (z.B. Mehrworteinheit, Zitat, Textstruktur) fokussiert, wobei die Bezugsgröße der ›Text‹ in seinen inter-und transtextuellen Bezügen ist; sämtliche Analysen zu diesen Aspekten werden unter Berücksichtigung der Metadaten (z.B. Akteur, Akteursklasse, Datum) korpuszentriert durchgeführt, Bezugsgröße ist hier also das Korpus.20 Alle Nachweise von Zooming auf textuelle Aspekte werden triangulierend und unter Kombination von quantitativen/ standardisierten und qualitativen/nicht-standardisierten Verfahren durchgeführt. Dadurch ergeben sich 2x2 Kombinationen, die als Vier-Felder-Matrix dargestellt werden. Die Achsen sind als Kontinua aufzufassen. Exemplarisch kann dies am Analysefokus auf diskursive Thematizität gezeigt werden: Deren Nachweis in größeren textuellen Einheiten mit einem quantitativen/standardisierten Verfahren kann mittels Topic Modeling erfolgen (Feld 1), wenn komplementär dazu in eher kleineren textuellen Einheiten mithilfe offenen Kodierens semantische Konventionalität im Korpusrahmen zur Thematizitätsbestimmung eingesetzt wird (Feld 3); entsprechend sind das qualitative/nicht-standardisierte Verfahren zum Nachweis von textuellen Narrationsstrukturen (Feld 2) und das quantitative/standardisierte Verfahren der Kookkurrenzanalyse (Feld 4) aufgestellt.

Als Anschauungsbeispiele für den Forschungsprozess mit DIA dienen nachfolgend zwei Projekte: Die dreijährige Analyse der ›Energiediskurse in der Schweiz‹, welche vom schweizerischen Bundesamt für Energie maßgeblich unterstützt wird, analysiert die Konzeption und Umsetzung der so genannten ›Energiestrategie 2050‹, bei der es sich um die schweizerische Variante der bundesdeutschen ›Energiewende‹ handelt (vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 13–16). Im zweiten Projekt sind über zwei Jahre die ›Antibiotikadiskurse‹ in der Schweiz im Auftrag des schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG) analysiert worden. Dieses Projekt dient der Reflexion und Weiterentwicklung einer ›Strategie Antibiotika-Resistenzen‹ (StAR), welche die Gefahren zunehmender Wirkungslosigkeit antibiotischer Medikamente in der Human-und Tiermedizin mindern und präventive Behandlungspraktiken fördern will (vgl. Stücheli-Stücheli-Herlach et al. 2019). Da die Gesamtkonzeption des Forschungsdesigns im Vordergrund steht, werden die eingesetzten, v.a. wortorientierten Methoden und Techniken nur kurz und exemplarisch erwähnt.

Grundlage beider Projekte ist eines der größten Textkorpora in Europa, das Swiss-Applied Linguistics-Corpus (›Swiss-AL-C‹, vgl. Forschungs-und Arbeitsbereich Digital Linguistics 2018b). Das Korpus besteht aus 1,52 Mrd. Tokens von Webseiten mit .ch-Domain in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch (vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 29–43).

Um die erste Leitfrage (LF I, vgl. 2.3) wissenschaftlich zu bearbeiten, ist eine Modellierung von Diskursen unabdingbar. Diese Aufgabe ist nicht trivial, weil hierbei auch gemeinsam mit Praxisakteuren eine erste Orientierung in einer nicht überschaubaren Zahl sprachlicher Äußerungen geleistet wird. Die Modellierung schafft mit zu bestimmenden Parametern überhaupt erst die Grundlage für die Simulation diskursiver Formationen und Dynamiken. Sie selektiert, abstrahiert und symbolisiert den Forschungsgegenstand auf eine Weise, die es erlaubt, praktische Perspektiven und objektive Realität im Sinne eines »artifiziellen Interfaces« zueinander in Bezug zu setzen: Modellierung bildet damit die unerlässliche Grundlage professioneller Problemlösung hier genauso wie in anderen Domänen (vgl. für modernes Management Rüegg-Stürm/Grand 2015, S. 44 ff.; für Anwendungswissenschaften – »sciences of the artificial« – im Allgemeinen vgl. Simon 1996, S. 3–24).

Die Modellierung vollzieht sich in den sinnproduzierenden Dimensionen von Bedeutung, Handlung und Situation zugleich (für das Projektbeispiel der Energiediskurse vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 44–49). Entsprechend werden mithilfe von Gegenstands-wie Ereignisbezügen semantisch relevante Diskursbereiche (vgl. Jäger/Jäger 2007, S. 27), relevante Einzelsprachen des Diskurses (vgl. Czachur/ Dreesen 2019), relevante Diskursakteure und ihre Stimmen/Texte (vgl. Spitzmüller/ Warnke 2011, S. 172–187) auf Basis situativ relevanter Medien und Textsorten des Diskurses identifiziert (vgl. Clarke 2011, S. 215). Ziel ist es dabei nicht, ein Modell bestimmender und bestimmter Variablen zu erzeugen, sondern eine Momentaufnahme von Diskursprozessen, auf die gegenstands-, handlungs-und situationsadäquate Management-Entscheide von Diskursakteuren abgestützt werden können (vgl. Rüegg-Stürm/Grand 2015, S. 46). Insgesamt vollzieht sich das Forschungsmodul also durch eine Rekonstruktion von Äußerungen in Kontexten (vgl. Busse 2007) als einer Genealogie öffentlicher Diskurse.

Am Beispiel der ›Energiediskurse in der Schweiz‹ lässt sich das erläutern: Dem Projektpartner stellt sich die Aufgabe, Orientierung zu ermöglichen für das Diskurshandeln von Vollzugspartnern im Rahmen der ›Energiestrategie 2050‹. Semantisch ist der Diskursausschnitt also zu bestimmen als Sammlung öffentlicher sprachlicher Äußerungen über die ›Exploration, Produktion, Distribution und Konsumption‹ von ›physikalischer Energie‹ (angelehnt an Pollak/Schubert/Slominski 2010, S. 11), die im zeitlichen Umfeld der ›Energiestrategie 2050‹ getätigt wurden, also im zweiten Dezennium des neuen Jahrtausends. Das zeitliche Umfeld konnte durch Ereignisse bestimmt werden, die im Diskursverlauf selbst repräsentiert sind (mittels einfacher Recherchen in Geschäftsdatenbanken der Behörden und in öffentlich zugänglichen Mediendatenbanken wie Factiva). Handlungsbezogen sind Akteure zu identifizieren, die sich auf dem dadurch eröffneten Politikfeld (vgl. Knoepfel et al. 2011, S. 60–85) geäußert haben. Dies hat zur Folge, dass eine Liste von über 700 Internetquellen erstellt wurde, die als Grundgesamtheit für die Diskursanalyse gilt.

Die Abstraktion aus dieser Fülle von Akteuren gelingt mit den Kategorien der Politikfeldanalyse (vgl. ebd.): Diese lässt es zu, Akteure der Politikformulierung und -umset-zung, Akteure als Politikadressaten und -betroffene, Akteure der Politikentwicklung und -beratung und solche der Politikbeobachtung und -vermittlung zu unterscheiden. Situativ ist die Wahl – aufgrund des demokratisch-deliberativen Erkenntnisinteresses – auf öffentliche und kostenlos im Web veröffentlichte Texte gefallen (vgl. Stücheli-Herlach/Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 31 f.).

Diese Orientierungsgrößen stecken das Bezugsfeld ab für die Entwicklung eines Textkorpus, das nun nach Maßgabe der technischen, zeitlichen und finanziellen Forschungsressourcen aufgebaut wird. Als Richtlinie dienen fortan die korpuslinguistischen Kriterien. Swiss-AL-C beruht auf Annahmen über externe und interne Bestimmungsfaktoren des Kommunikationsfelds der Energiekommunikation in der Schweiz, wie beispielsweise jene über die Funktionsrollen von Akteuren auf dem Politikfeld (konkreter also Behörden, VernehmlassungsteilnehmerInnen, Verbände usw.) oder jene über vermutlich relevante sprachliche Merkmale (programmatische Suchwörter wie energiestrategie, energiewende, erneuerbar). Weiter spielen themenunabhängige Kriterien (Ausgewogenheit und größtmögliche Zahl von Quellen und Texten) sowie themenspezifische Kriterien (sprachlich-geografische, thematische und situative Merkmale schweizer Energiediskurse) eine Rolle in der Korpusbildung (vgl. Lemnitzer/Zinsmeister 2015, Kap. 3) (vgl. Abb. 3 u. 4). Mithilfe des triangulierten Einsatzes statistischer und Grounded Theory-Verfahren wird die Qualität des gegenstandsbezogenen ›Energie-Korpus‹ gesichert (bspw. unter Einsatz von Topic Modeling nach Blei/Ng/Jordan 2003, durch offene Kodierung der Topics anhand explorativer semantischer Prototypen (nach Glaser/Strauss 2008, vgl. Stücheli-Herlach/ Ehrensberger-Dow/Dreesen 2018, S. 50–53). Ein Zwischenresultat bildet die Berechnung von korpuslinguistischen Keywords, welche die explorierten semantischen Prototypen annäherungsweise reproduzieren.

Die Skalierbarkeit dieses Moduls ergibt sich aus der Möglichkeit unterschiedlicher Selektion von Zeiträumen, thematischen Eingrenzungen, Akteurskategorien und Samplingmethoden (bspw. Zufallsauswahl aus einer Grundgesamtheit in Frage kommender Quellen und Texte).

3.3 Öffentlichen Diskurs messen

Um die zweite Leitfrage zur Erfassung diskursiver Bedingungen (LF II, vgl. 2.3) wissenschaftlich zu bearbeiten, ist die Vermessung der »sprachlichen Oberfläche« des öffentlichen Diskurses, also seiner »Äußerlichkeit«/»Positivität« (Foucault 1981, S. 68 f., 182; Warnke 2007, S. 15) notwendig. Diese zielt auf rekurrente Muster des Sprachgebrauchs, die in der öffentlichen Kommunikation als Verständigungsbasis fungieren können (Bubenhofer 2009, S. 30).

Den Ausgangspunkt bilden robuste Prämissen der Korpus-und Diskurslinguistik, wonach insbesondere rekurrente Wort-und Mehrworteinheiten und Wort-Kookkurrenzen als syntagmatische Manifestationen paradigmatischer Aussagen in Diskursen fungieren können (vgl. z.B. Bubenhofer 2009, S. 105–110). Die Messungen werden korpuszentriert nach theoriebasierten Prämissen induktiv hypothesenbildend (corpus-driven) wie auch deduktiv hypothesentestend (corpus-based) (vgl. Tognini-Bonelli 2001; Bubenhofer 2009, S. 321) und/oder abduktiv (vgl. Reisigl 2017, S. 25) analysiert. Möglich ist auch der Einsatz »alinguistischer« Techniken und Methoden der maschinellen Textverarbeitung für linguistische Zwecke (vgl. dazu Bubenhofer/Dreesen 2018, S. 70 f.). Hier wie insgesamt ist das Messen jedoch immer in den Forschungsprozess zwischen Modellierung und Simulation eingebunden; Resultate stehen also nicht für sich, sondern werden zu solchen erst durch triangulierende Erklärung und Deutung im Vollzug auch der anderen Module. Die Zirkularität und Parallelführung von Forschungspraktiken im DIA-Design hat hier ihren wesentlichen Ursprung.

Am Beispiel ›Energiediskurse in der Schweiz‹ können entsprechende Analyseweisen illustriert werden. So sind für ›Energiediskurse in der Schweiz‹ auf hypothesenbildende Weise die Kookkurrenzen zu den Termini ermittelt worden, die das Konzept ›physikalische Energie‹ in verschiedenen Sprachen des Korpus bezeichnen (vgl. Abb. 5). Überraschenderweise zeigten die verschiedensprachlichen Diskurse auch unterschiedliche quantitative Ausmaße des Gebrauchs vergleichbarer Kookkurrenzen.

Auf hypothesentestende Weise sind im gleichen Projekt die Suchwörter erneuerbare Energien und Fukushima in der Annahme selektiert worden, ihr Gebrauch könnte für die diskursive Formation der ›Energiestrategie 2050‹ im Nachgang zur Reaktorkatastrophe von Fukushima stehen: Die Rekonstruktion der Diskursgenealogie bestätigt Inferenzen zwischen Diskursereignissen (wie der Atomkatastrophe von 2011 und Volksabstimmungen zu Energiefragen) und Wortfrequenzen (lemmatisiert) (vgl. Abb. 6). Detailanalysen auf der Ebene einzelner Texte konnten dann zeigen, dass ›Fukushima‹ als metonymischer Marker für wichtige Narrationen und Argumentationen des schweizerischen Energiediskurses steht (vgl. Stücheli-Herlach/Tanner/Batz 2017, S. 28–33).

Die Skalierbarkeit dieses Moduls ergibt sich aus der Möglichkeit, Vermessungen des Diskurses gezielt nur deduktiv fokussiert oder völlig ›offen‹, d.h., induktiv und/oder abduktiv zu gestalten; zudem aus der Wahl des Komplexitätsgrades von Arbeitshypothesen (bspw. einzelne oder mehrere Suchwörter bzw. Suchwörter ohne/mit Kookkurrenzen).

3.4 Öffentlichen Diskurs interpretieren

Um LF II wissenschaftlich weiter zu bearbeiten, ist die Interpretation überzufälliger Muster des Sprachgebrauchs, die sich an der Diskursoberfläche vermessen lassen, notwendig. Insgesamt leistet dieses Forschungsmodul eine Qualifizierung funktionaler Bedeutungen von Sprachgebrauchsmustern im Diskursmodell. Ziel ist es, solche Muster nicht nur vor dem Hintergrund der Kontexte und der Genealogie, sondern nun auch hinsichtlich der Formation im Diskurs, hinsichtlich der Transformation in einzelnen oder mehreren familienähnlichen Diskursbeiträgen und hinsichtlich der Komposition in einzelnen Texten oder Sätzen zu verstehen und zu erklären – Diskursanalyse also im Sinne einer ›Diskursnetzwerkanalyse‹ auf mehreren Ebenen zu betreiben (vgl. Stücheli-Herlach/Tanner/Batz 2017, S. 28, mit entsprechenden Verweisen u.a. auf Warnke/Spitzmüller 2011), die interessierende Phänomene des Sprachgebrauchs jeweils in Relation zu anderen Phänomenen des Sprachgebrauchs erklärt und deutet.

Als Beispiel dazu: Die Bedeutung thematischer Strukturen und der Beiträge von Einzeltexten dazu lässt sich ausgehend von der Vermessung der Wahrscheinlichkeit der Kookkurrenz von Wörtern (mittels der Methode des Topic Modeling) erschließen. Die quantitativ probabilistischen Ergebnisse dieser Methode müssen dafür in einem interpretativen Auswertungsschritt durch Relationierung hinsichtlich der situativen Diskursgenealogie und einzelner Befunde gedeutet und gewichtet werden. Dessen Grundlage bildet jeweils die Rekonstruktion von semantischen Prototypen des thematischen Diskursbereichs (z.B. im Energiediskurs ›elektrischer Strom‹) und die Kodierung des Grades der Familienähnlichkeit der Topics mit diesen Prototypen. Am Beispiel der ›Energiediskurse in der Schweiz‹ lässt sich die Gestalt solcher Prototypen und das darauf gestützte Ergebnis qualitativer Kodierung veranschaulichen (vgl. Abb. 7 und 8).

Die Bedeutung thematischer Strukturen kann handlungsbezogen erschlossen werden in dem Sinne, dass der Mustergebrauch in einzelnen Quellen als ein rollenspezifisches, systemisch-strategisches Handeln von Diskursakteuren gedeutet wird (vgl. Müller 2015); im Anschluss daran könnte dann bspw. nach legitimierenden Transformationen des Diskurses durch diese Akteure gesucht werden (vgl. Spitzmüller/Warnke 2011, S. 46).

Im Projektbeispiel ›Antibiotikadiskurs‹ fördert die interpretative Bildung von Clustern aus einzelnen Topics und die Auszählung des Vorkommens von Topics einzelner Cluster in den verschiedenen Quellen des Korpus eindeutige thematische Präferenzen von Akteursquellen und -gruppen zu Tage. Diese Präferenzen können als Zentralität in einem Diskursnetzwerk abgebildet werden (ausgehend von Überlegungen bei Hösl 2015, S. 8 f.). Gedeutet werden kann ein solches Ergebnis dahingehend, dass themenstrategische »Hubs« (ebd.) als bevorzugte diskursive Handlungsstrukturen einzelner Akteure oder Akteursgruppen fungieren (›wichtige Themen‹ für die Akteure bzw. akteursrelevante ›Issues‹).

Im Projektbeispiel des ›Antibiotikadiskurses‹ erweist sich ein Cluster von Topics (vgl. Abb. 9), der sich als thematischer Hub ›Krankheit und Behandlung‹ deuten lässt, als zentral sowohl für Politikadressaten und -betroffene wie auch für politikbeobachtende und -vermittelnde Akteursquellen. Um diesen Hub scheinen sich diskurskoalitionäre Struk-turen gebildet zu haben (Hajer 2009). Ein anderes Cluster, das sich als »Umwelt und Landwirtschaft« deuten lässt, wird hingegen vor allem von beobachtenden und vermittelnden Akteuren präferiert (daneben auch von behördlichen und forschenden Akteuren). Der konventionalisierte Hub, der sich als ›Antibiotika‹-zentriert verstehen lässt, erscheint wiederum eher exklusiv für eine Akteurskategorie von Adressaten und Betroffenen im Vordergrund zu stehen. Dies lässt vermuten, dass Akteure wie die Behörden, welche das Thema ›Antibiotika‹ auf die Agenda bringen wollen, dies nur mit strukturbildenden Strategien und Investitionen und nur mittels diskursiver Kontroversen (vgl. Dascal 2006) zu ihrem Ziel werden kommen können.

Die Skalierbarkeit des Moduls ergibt sich einerseits aus der Möglichkeit der Selektion analysierter Muster des Sprachgebrauchs (bspw. nur Topics oder zusätzlich auch Keywords und Kookkurrenzen). Anderseits besteht die Möglichkeit der Standardisierung mittels Schwellenwerten, die entscheiden, ob Muster des Sprachgebrauchs überhaupt zur Untersuchung bzw. zur Darstellung gelangen (bspw. Schwelle der Häufigkeit der Verwendung bestimmter Topics in Texten bestimmter Akteure; Schwelle der Zahl der Texte einer Akteursquelle; Schwelle der Zahl von Topics, die überhaupt ermittelt bzw. berücksichtigt werden).

3.5 Öffentlichen Diskurs simulieren

Um die dritte Fragestellung (LF II, vgl. 2.3) zu bearbeiten, ist es notwendig, einzelne diskurslinguistische Erkenntnisse der bisherigen Module vor dem Hintergrund der Triangulation noch einmal zu bewerten, die entsprechenden Ergebnisse verdichtend darzustellen und unter Verschränkung von Praxis-und Wissenschaftsperspektive hinsichtlich spezifischer Fragestellungen (also ausdrücklich perspektivisch) zu deuten.

Die Darstellung von Ergebnissen solch triangulierender Forschungsarbeit kann mittels »joint displays« (Kuckartz 2014, S. 136–148) erfolgen. Es handelt sich dabei um verdichtende, diagrammatische Darstellungen von Forschungsergebnissen, die mittels unterschiedlicher Methoden ermittelt worden sind, nun aber in einer spezifischen Frageperspektive aufeinander bezogen werden. In den Visualisierungen (z.B. in Form von Netzwerken, Diagrammen, Tabellen) werden disziplinäre Denkstile ausgedrückt (vgl. Bubenhofer 2018c, S. 41–44), die ihrerseits nur intermedial transkriptiv (im Sinne von Jäger 2002, S. 29) erschlossen werden können: Mit den Visualisierungen wird also operiert, indem sie von Rezipienten aktiv zur eigenen diskursiven Orientierung gedreht, gezoomt, assoziativ betrachtet (vgl. Krämer 2009) und intersubjektiv gedeutet werden, wobei der ›Diskursanalyse in Anwendung‹ hierbei eine wichtige evaluative Rolle zukommt (»forschende Beratung« bzw. »beratende Forschung«, vgl. Stücheli-Herlach 2013). In diesem Prozess gilt es, Diskurs-Rekonstruktionen wissenschaftlicher Forschung und professioneller Praxis so aufeinander zu beziehen, dass sie sich wenigstens wechselseitig »produktiv zu irritieren« vermögen (wenngleich kritisch vgl. Kieser/Leiner 2013, S. 303). Durch die Nutzung der Simulation als Verfahren des Erkenntnisgewinns und der Vermittlung zielt DIA darauf, jeweils unterschiedliche Möglichkeiten bzw. Perspektiven der Deutung und Anwendung der Ergebnisse auf praktische Fragestellungen zu eröffnen. Im Gegenzug verpflichtet das Design die Forschenden, die Voraussetzungen transparent zu machen, unter denen die Erkenntnisse überhaupt entstanden sind und jetzt angemessen gedeutet und angewendet werden können. Etabliert werden muss also ein Diskurs über Diskursanalysen, der wissenschaftliche Konzepte in situativen Zusammenhängen erhellt und unterschiedliche Perspektiven zu integrieren in der Lage ist.

Die Erfahrungen in den erwähnten und weiteren ähnlichen Projekten zu politiknahen Diskursen bestätigen, dass Praxisakteure diskursive Phänomene – nicht überraschend – vor allem nach den Kriterien der eigenen organisationalen, routinisierten und ideologischen Perspektive wahrnehmen und bewerten. Diese Introspektion ist der zu respektierende Ausgangspunkt für eine transformative Wirkung der ›Diskurslinguistik in Anwendung‹ in politisch-gesellschaftlichen Kontexten (vgl. Stirling 2016, S. 254–260). Der Introspektion stellt die Forschung die Möglichkeit der Extrospektion entgegen: Mit der Simulation wird es für die Praxisakteure möglich, diskursive Perspektiven außerhalb der zur Routine gewordenen eigenen Wahrnehmungsweisen einzunehmen. Um die Simulation für perspektive Deutungen auf diese Weise reflektiert zu nutzen, unterscheiden wir zwei heuristische Zugänge:

Makroskopisch gehen wir mit dem kommunikativen Konstruktivismus davon aus, dass Akteursperspektiven aus Sinnkonstrukten entstehen, mit denen Organisationen ihre Umwelt und ihre Position darin auf symbolische Weise verfertigen. Mit Gees (2014, S. 97–100) frame-semantischem Verständnis von »Discourse model« und »simulation« kann die Akteursperspektive damit als eigene, diskursiv formierte Imagination verstanden werden, die die Wahrnehmung und Handlung dieser Akteure strukturiert. DIA ist nun weder dazu in der Lage noch dazu legitimiert, diese Imaginationen zu ›widerlegen‹ oder zu ›bestätigen‹ noch ›Wirkungen‹ entsprechender Diskursstrategien präzise zu bestimmen. Vielmehr simuliert die Imagination die Umwelt der Akteure als eine, die durch konventionelle, reziproke Aussagen sinnhaft wird (vgl. Feilke 1994, S. 67 ff.; Bubenhofer 2009, S. 51 f.). Sie ermöglicht damit eine Reflexion der sprachlich-diskursiven Prägung jeglicher Weltsicht, erlaubt die Entwicklung alternativer Versprachlichungen (vgl. Dreesen 2015, S. 78) und führt dadurch zu einer Diskussion über Handlungsoptionen: Was würde es für unsere strategische Kommunikation bedeuten, wenn der Diskurs so bleibt, wie er ist? Was müsste sich ändern, damit eine bestimmte kommunikative Präferenz eines Akteurs anschlussfähiger werden kann – oder damit ein bisher nicht repräsentiertes Thema öffentlich besser akzeptiert wird?

Am Projektbeispiel erläutert: Die schweizerischen Gesundheitsbehörden mussten durch die Diskursanalyse feststellen, dass sich weder einer ihrer strategischen Schlüsselbegriffe (OneHealth) noch das dadurch bezeichnete ganzheitliche Gesundheitskonzept im Diskurs etablieren konnten (vgl. Stücheli-Herlach et al. 2019). Deren Strategie konnte dadurch aber weder als ›falsch‹ noch als ›hoffnungslos‹ taxiert werden. Vielmehr führte DIA dazu, dass das Bewusstsein strategischer Erfolgsvoraussetzungen und nötiger Kompetenzen und Ressourcen geschärft werden konnte.

Mit einem mikroskopischen Zugang reflektiert DIA mit Knorr Cetina (2009) die Tatsache, dass Praxisakteure ihre Umwelt mittels spezifischer Artefakte aller Art, massgeb-lich mittels Produktion und Rezeption von Texten verfertigen. Die Situationen, die sie mit Handlungsproblemen konfrontieren, sind deshalb »synthetische« Situationen, sehr häufig und beispielsweise mittels Computer-Dispositiven erzeugte interaktive Konstellationen, in denen Texte eine zentrale Rolle spielen (beispielsweise in den zunehmend verbreiteten »Corporate Newsrooms«, vgl. Moss 2016). Über diese situative Rezeption und Produktion von Texten werden selbstverständlich auch diskursive Formationen produziert, reproduziert und transformiert.

DIA eröffnet die Möglichkeit, die synthetische Form der Situationswahrnehmung zu reflektieren und führt damit zu einer Diskussion über verschiedene Möglichkeiten der Umweltbeobachtung und -analyse: Durch welche Methoden haben wir bisher ermittelt, woran unsere Anspruchsgruppen interessiert waren? Wie lassen sich die riesigen Datenmengen, die durch Beobachtungsroutinen wie die klassische Medieninhaltsanalyse oder das Erfassen und evtl. sogar Aggregieren von Aussagen wichtiger Bezugsgruppen in Listen, besser nutzen oder gar ersetzen? Wie lässt sich das häufig als angemessen empfundene ›Bauchgefühl‹ betreffend das Meinungsklima oder öffentliche Stereotypen evaluieren, validieren und so möglicherweise rascher und gezielter nutzen? Wie lässt sich begründen, dass es notwendig ist, in der Kommunikation auch Neues zu wagen, tabuisierte Themen zu benennen oder in Übersetzungsleistungen zu investieren?

Am Projektbeispiel erläutert: Für die zuständigen Gesundheitsbehörden entwickelte die Forschergruppe Diskurs-Maps, also diagrammatisch verdichtende joint-displays komplexer diskursanalytischer Erkenntnisse (vgl. Abb. 10). Diese sind interaktiv ausgestaltet, d.h., situativ können interessierte Praxisakteure die Maps jeweils spezifisch und immer wieder anders befragen, um sich schrittweise, in der Interaktion verschiedener Situationen, mit dem relevanten Diskurs vertraut zu machen und sprachstrategische Handlungsmöglichkeiten (vgl. bspw. Klein 2014) durchzuspielen. So konnten die Diskurs-Maps daraufhin abgefragt werden, welche untersuchten Akteure einen zentralen Stellenwert im Diskursnetzwerk einnehmen – gemessen an der Zahl der Nennungen und des Nennens anderer Akteure – und welche thematischen Strukturen durch einzelne Akteure vorzugsweise reproduziert werden.

Die Skalierbarkeit dieses Moduls ergibt sich aus der Möglichkeit der Selektion einzelner Analyseergebnisse für die Visualisierungen und aus dem Ausmaß des Engagements Forschender bei der Perspektivierung der Ergebnisse in interaktiven Visualisierungen.

4 Ausblick

Im Rahmen einer an DIA orientierten Forschung etablieren Wissenschaft und Praxis eine Community of Practice, ohne ihre eigenen Standards aufzugeben (4.1). Voraussetzung dafür ist die Entwicklung von Kommunikationsplattformen, die über den formalisierten Forschungsprozess hinaus funktionieren (4.2). Diese Plattformen sind eine Voraussetzung für die transdisziplinäre und transformative Generalisierung von Forschungserkenntnissen (4.3).

4.1 Wissenschaftliche Forschung in Communities of Practice

DIA ist ein Vorschlag, wie wissenschaftliche und praktische Expertise gleichermaßen für die Lösung diskursiv vorstrukturierter Handlungs-und Entscheidungsprobleme in der Gesellschaft genutzt werden kann – dies auf eine Weise, die wechselseitige Lernprozesse ermöglicht (Transdisziplinarität) und Handlungsperspektiven eröffnet (Transformativität). In der gemeinsamen, sowohl formellen wie auch informellen Aufgabenbewältigung durch Wissenschaft und Berufspraxis entsteht eine ephemere Community of Practice (vgl. Wenger 1998), in welcher Entscheidungen aufeinander bezogen und abgestimmt werden (vgl. Sarangi/van Leeuwen 2003, S. 4). Eine solche transdisziplinäre Community muss dabei wesentlich mehr in die Vermittlung von Grundlagen und Arbeitsprozessen investieren als eine auf herkömmliche Weise institutionalisierte Forschungsgruppe (vgl. Fleck 1980, S. 138 f., 148). Dass dabei jeweils auch unterschiedliche Erkenntnis-und Verwertungsinteressen verhandelt werden müssen, steht dabei ebenso außer Frage, wie der Grundsatz, dass die wissenschaftlichen Standards in ihrem Wesensgehalt für die seitens der Forschung geleisteten Beiträge nicht zur Disposition stehen (vgl. 2.1.4). Mithin ist DIA ungeeignet für reine Auftrags-und Dienstleistungsforschungen, wenn darunter die zielgerichtete Analyse vorhandener Sprachdaten oder die Entwicklung nicht nur prototypischer, sondern auch ›gebrauchsfertiger‹ Lösungen für die strategische Kommunikation verstanden werden.

4.2 Die Notwendigkeit einer Kommunikationsplattform

Voraussetzung für das Gelingen eines Forschungsvorhabens nach dem DIA-Design ist deshalb, dass es Forschungs-und Praxisakteuren gelingt, gemeinsame Formen, Verfahren, Regeln, Themen und Routinen des Austauschs, also eine Kommunikationsplattform zu entwickeln, auf der ein kontinuierlicher Erfahrungs-und Wissensaustausch und wechselseitige ›produktive Irritationen‹ (Kieser/Leiner 2013, S. 303) möglich sind; beides sowohl während wie auch vor und nach einem formalisierten Forschungsprozess. Ohne Kommunikationsplattform wäre es nicht möglich, Kriterien der zielführenden Diskursmodellierung oder der zielführenden Reflexion und Verwertung diskursanalytischer Erkenntnisse durch die Praxisakteure zu entwickeln (bspw.: An welche Themen knüpft ein Akteur an? Welche Schlagworte und Argumentationsweisen werden in seiner öffentlichen Narration künftig eine wichtige Rolle spielen?).

Eine Kommunikationsplattform umfasst verschiedene Formate der Vermittlung und der sequenzierten Interaktion (vgl. Hanschnitz/Schmidt/Schwarz 2009, S. 188 f.), ebenso wie Sets von beispielhaften Problemstellungen, Lösungsmöglichkeiten und Regeln für die Zugänglichkeit von Forschungsdaten und methodischen Tools. Dadurch kann ein gemeinsamer Wissensrahmen entwickelt und Vertrauen aufgebaut werden. Die schraffierte Fläche in Abb. 1 symbolisiert diese Kommunikationsplattform. Das mediale Substrat einer solchen Plattform kann eine Webseite mit sowohl öffentlich zugänglichen wie ausschließlich für die Forschungspartner zugänglichen Informationsbereichen sein.

4.3 Vom Einzelfall zur Generalisierung

Die Besonderheit und Wichtigkeit einer Plattform besteht darin, dass auf ihr das Verständnis des Diskurses als sprachlich wirkende Strukturierung sozialen und politischen Handelns verstetigt und damit für die Reflexion verschiedener Praxisaufgaben verfügbar gemacht wird. Im Erfolgsfall kann eine DIA-Kommunikationsplattform zur Diskursplattform für weitere Communities of Practice werden: Sie bildet dann strukturell ein Produkt von Diskurslinguistik in Anwendung und ist – durch das situationsübergreifende Funktionieren mit stabilisierten Themen, Regeln und Interaktionsformen – somit selbst eine diskursive Formation. Inhaltlich ist sie bestimmt durch den ergebnisorientier-ten Austausch über Diskurse und ihre Analysen, wobei der Rahmen von Anfang an einzelfallübergreifend gesetzt sein sollte, um die Auseinandersetzung über Möglichkeiten, Grenzen und Regeln der Generalisierung zu stärken. Im Idealfall werden diese Plattformen also selbst für Akteure geöffnet, die noch nicht an diskursanalytischen Communities of Practice partizipiert haben, und werden somit wirksam bei der Nutzung diskurslinguistischen Wissens jenseits von Forschungs-»Aufträgen« in demokratisch-deliberativer Weise.

In den Projektbeispielen der Energiediskurse-und der Antibiotikadiskurse-Analysen entwickelten sich noch während der Projektlaufzeiten (bis Ende des Jahres 2019) solche Plattformen dadurch, dass die Forschenden Methoden und Ergebnisse nicht nur an wissenschaftlichen Konferenzen, sondern auch auf einer Vielzahl von Netzwerk-und Branchentreffen präsentierten und diskutierten. Zudem wurden im zweitgenannten Fall interaktive Datenvisualisierungen den Praxisakteuren zur Verfügung gestellt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, schrittweise und auch eigenständig Diskurs-Simulationen durchzuführen. Dadurch war eine laufende Auseinandersetzung mit dadurch entstehenden neuen Fragestellungen und die Entwicklung einer transformativen Forschungskommunikation zur Diskurslinguistik möglich. Im Fall der Energiediskurse entstand eine internationale Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zu den Diskursen rund um die Weltausstellung »Expo2017: Future Energy: Action for Global Sustainability« (durchgeführt in Astana, Kasachstan): Deren Erkenntnisse können mit Ergebnissen des ursprünglichen Projekts trianguliert werden. Im Fall der Antibiotika-Diskurse wurden unter anderem schriftliche, diskurslinguistische Begutachtungen und Handlungsempfehlungen für eine Präventionskampagne entwickelt.

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Anschriften:
Dr. Philipp Dreesen
ZHAW Angewandte Linguistik
Theaterstrasse 15
8400 Winterthur (Schweiz)
dree@zhaw.ch

Prof. Dr. Peter Stücheli-Herlach
ZHAW Angewandte Linguistik
Theaterstrasse 15
8400 Winterthur (Schweiz)
stue@zhaw.ch

1 Die Autoren bedanken sich bei allen Mitwirkenden in den Forschungsteams der Projekte ›Energiediskurse in der Schweiz‹ und ›Antibiotikadiskurs‹ sowie besonders auch bei Birgitta Borghoff, Noah Bubenhofer, Maureen Ehrensberger-Dow und Maren Runte für die leitende Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Swiss-AL-Korpus und in den erwähnten Beispielprojekten; empirische und methodologische Gemeinschaftsarbeiten dieser Teams liegen dem Beitrag zu Grunde. Die Namen aller Mitwirkenden sind in den zitierten Forschungsberichten erwähnt. Besonderer Dank geht zudem an Dominik Batz für die Entwicklung der interaktiven Visualisierungen von Diskursnetzwerken (vgl. Kap. 3). Zudem sei für die relevanten Hinweise der ReviewerInnen herzlich gedankt.

2 Deswegen ist zuletzt von »kommunikativen Konstruktivismus« (Knoblauch 2017; Keller/Knoblauch/ Reichertz 2012) gesprochen und damit betont worden, wie wichtig die theoretische Auseinandersetzung mit Diskursen und Kommunikationsprozessen gleichzeitig ist.

3 Vgl. Hallahan et al. 2007; Mantere 2013; Holtzhausen/Zerfass 2015; Winkler/Etter 2018.

4 Vgl. z.B. Strauss/Hass/Harras, 1989; Warnke 2004; Krüger 2016; Tereik 2016.

5 In diesem Sinne ist Roth/Spiegel (2013, S. 11) zuzustimmen: »Ein interpretierender, qualitativer Zugriff auf die Realisationen des Diskurses ist von daher letztlich unumgänglich.«

6 In der sprachbezogenen Diskursanalyse ist Giddens bisher nur punktuell rezipiert worden (vgl. Fraas/Meier/Pentzold/Sommer 2014, S. 125 f.).

7 Theoretisches und praktisches Wissen sind nicht gleichzusetzen mit explizitem und implizitem Wissen, gleichwohl gibt es Zusammenhänge (vgl. 2.2).

8 Für die pragmatische Diskussion um Intention, Zweck, Ziel, In-kauf-nehmen vgl. grundlegend Austin 1975, S. 327–342, vgl. auch Giddens 1997, S. 58–56.

9 Vgl. Foucault 1977, S. 101, 280; 1978, S. 35; Giddens 1984, S. 198; 1988, S. 77, 290.

10 »In the social world, where institutional reflexivity has become a central constituent, the complexity of ›scenarios‹ is even more marked.« (Giddens 1994, S. 59, vgl. auch 71): »Dieser institutionalisierte Reflexionsprozess ist das vielleicht bedeutsamste Merkmal gesellschaftlicher Modernität« (Keller 2012, S. 16).

11 Die Vermittlung diskurslinguistischen Wissens an gesellschaftliche Akteure erfordert einen Austausch vor allem zwischen Grundlagenforschung und Angewandter Linguistik (z.B. über Ethik-Kodizes vgl. Forschungs-und Arbeitsbereich Digital Linguistics 2018a). Der Beitrag bietet hier gerne einen Anlass.

12 Kritisch dazu allerdings Davies (2007, S. ix): »In particular I have accepted that the strong distinction I argued for in the first edition, between linguistics-applied and applied-linguistics, is not as necessary as it may once have been, and in this second edition I return to the more traditional distinction between (theoretical or general) linguistics and applied linguistics.«

13 Wir beschränken Transdisziplinärität auf diesen für uns zentralen Aspekt. Auf zu diskutierende weitere Auswirkungen auf die innerwissenschaftlichen Ordnungsprinzipien einer transdisziplinären Forschungs-und Arbeitsform hat Jürgen Mittelstraß hingewiesen (vgl. 2003. S. 9–13). Mit dem Fokus auf Wissenstransfer ist Transdisziplinarität in der (Diskurs-)Linguistik diskutiert worden (vgl. z.B. Antos/Wichter 2001; Stenschke/Wichter 2009).

14 Ähnlich Foucault (1981, S. 41): »Gesamtheiten […] akzeptieren […]; um sie zu entknüpfen und um zu erfahren, ob man sie legitimierweise rekomponieren kann«.

15 Wir halten den Unterschied zwischen ›Repräsentation‹ und ›Simulation‹ im Sinne einer »Neuschöpfung von Wirklichkeit« (Strehle 2012, S. 99) für äußerst relevant, wenngleich wir Baudrillards Unterscheidungen von Simulation, Dissimulation, Simulakrum (1981) hier nicht folgen.

16 »Die Welt ist kein Komplize unserer Erkenntnis.« (Foucault 1992, S. 34)

17 Es ist offensichtlich, dass dies in methodologischer Opposition zu angewandten politikfeld-oder inhaltsanalytischen Vorgehen mit ähnlichen Erklärungsansprüchen steht: Diese auferlegen die Methode der Kategorisierung von Inhalten als Prototyp der Erlangung von Wissen über die Wirklichkeit.

18 Löst man sich von den metaphorischen Ebenen, wird deutlich, dass diese Theoriereflexion keine Meta-Ebene ist, sondern ihrerseits einen theoretischen Standpunkt bildet.

19 Die schraffierte Fläche steht für die Plattform transdisziplinären Austauschs zwischen Praxis und Forschung mit ihren vielfältigen Themen und Interaktionen (vgl. Kap. 4), die immer über ein konkretes Forschungsvorhaben hinausragen, weil dieses die Sachverhalte notwendigerweise abstrahiert. Die Spitzen des Diamanten (der für das konkrete Projekt steht) ragen über die Plattform hinaus, weil relevante Sachverhalte durch die Forschung nicht nur abstrahiert, sondern auch mit übergreifenden theoretischen Konzepten verknüpft werden (»Apperzeption«) (in Anlehnung an Bühler 1965, S. 28). Der unter dem Druck transdisziplinären Forschens entstandene DIAmant kann, wenn er mit Forschungsfragen geschliffen wird, wie ein Prisma gegen das Licht gehalten werden: Das weiße Licht symbolisiert die erhobenen Korpusdaten, das gebrochene farbige Licht ist das Ergebnis von Messungen und Interpretationen im Modell. Der Wechsel der Farben je nach Standpunkt steht für die perspektivische Simulation der Ergebnisse in bestimmten Szenarien.

20 Auch corpus-driven-Analysen zeigen letztlich textuelle Aspekte auf, in einem pragmatischen Textverständnis ist dies auch bei Metadaten-Analyse der Fall.

21 Hier das Beispiel von (standardisiert erfassten) Nennungen einer Akteursquelle bzw. von dieser genannter Akteursquellen (bag: Bundesamt für Gesundheit); andere datengestützte Auswertungen wie der Gebrauch verschiedener Topics in den Quellen (Rechtecke) bleiben im Hintergrund, können durch andere Abfragen aber rasch befragt werden.