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DISRUPTIVE INNOVATION FÜHRT ZUM UMDENKEN IM AUTOBAU


creditshelf - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 23.08.2019

834.000 Menschen arbeiten in der deutschen Automobilindustrie. Viele von ihnen in der Motorenentwicklung und -produktion – noch. Denn innovative Unternehmen drängen teils aggressiv in den Markt und zerstören mit neuen Ansätzen und Lösungen die bisherige „heile Welt“ der Autoindustrie.


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Bildquelle: creditshelf , Ausgabe 3/2019

Vor gut einem Jahrzehnt war sich die deutsche Autoindustrie weitestgehend einig: Reine Elektroautos werden keinen großen Markt finden – und an autonomes Fahren war nicht zu denken. Bestenfalls Brennstoffzellen und Hybridantriebe, bei denen der Verbrennungsmotor die Hauptarbeit leistet, waren denkbar. Andere sahen das „denkbar“ anders und dachten – mit völlig neuen Ansätzen. Dafür mussten viele von ihnen nicht mal „Out of the Box“ gehen, weil sie nicht Teil der Autofamilie waren. Sie kommen aus der Informationstechnologie und der Telekommunikation. Sie hatten das Telefonieren, den Einzelhandel und die Büroarbeit mit völlig neuen Denkansätzen revolutioniert. Das Suchmaschinen-Unternehmen Google beschäftigte sich auf einmal mit autonomen Fahren, der PayPal-Entwickler Elon Musk produzierte Oberklasse-Elektroautos oder der Computerhersteller Apple entwickelte Lösungen für vernetzte Kommunikation auf der Straße.

Zerstören der evolutionären Entwicklung

Was machen die drei Genannten anders als die traditionellen Autohersteller wie VW, Mercedes oder BMW? Sie denken Technologie einfach neu – und zwar zumeist von der Kundenseite aus. Was will der Nutzer, was braucht die Fahrerin, wie wird Mobilität umweltfreundlicher, sicherer und komfortabler? Mit dieser Herangehensweise forcieren sie eine disruptive Wandlung in der Automotive-Branche: Sie zerstören mit ihren Ansätzen die herkömmliche evolutionäre Entwicklung. Apple hatte es mit Computern, Software und zuletzt mit dem Telefon vorgemacht: Während sich Nokia 2007 mit besserer Sprach-und Musikqualität beschäftigte, brachten die Amerikaner das iPhone auf den Markt. Es hatte in der Basisversion weniger Arbeitsspeicher, kostete mehr, hatte aber den „Finger-Wisch-Effekt“ zur Steuerung. Der Erfolg ist Legende. Der frühere Weltmarktführer Nokia hingegen gab 2014 seine Mobilfunksparte auf.

Die Automobilindustrie war also gewarnt – nicht zuletzt, als Elon Musk bei seinem Tesla mit einem kompletten Mobilitätssystem antrat. Seitdem hat sich viel getan. Allein, der deutschen Automotive-Branche wird immer noch nachgesagt, sie habe die E-Mobilität und das autonome Fahren verschlafen. Aber sowohl Hersteller als auch Zulieferer beschäftigen sich intensiv mit der Zukunftsfähigkeit der eigenen Produkte und Geschäftsmodelle, wie Branchenexperte Michael Hahn von der Unternehmensberatung Staufen betont. Sein Unternehmen hatte die vielbeachtete Studie „Erfolg im Wandel“ veröffentlicht. Demnach sehen 75 Prozent der Unternehmen aus der Automobilindustrie für einzelne Produkte ihres Hauses durchaus eine große bis sehr große Disruptionsgefahr. Jede zweite Firma hält sogar das gesamte Unternehmen für bedroht. Bei der wirtschaftlichen Bedeutung der Automobilindustrie hat diese Angst gesamtgesellschaftliche Relevanz: Schließlich ist diese deutsche Schlüsselindustrie die Nummer eins bei Wertschöpfung, Beschäftigung, Investitionen, Außenhandel sowie Forschung und Innovation.

Deutsche Autobauer haben aufgeholt, müssen aber umdenken

Zumindest bei den Elektroantrieben haben die deutschen Hersteller aufgeholt. Von den 59 bei efahrer.com gelisteten reinen E-Modellen stammen immerhin 16 von deutschen Herstellern. Bei den vom ADAC aufgestellten fünf Stufen des autonomen Fahrens haben die Deutschen in der Serienreife inzwischen mit dem hochautomatisierten Fahren die Stufe drei erreicht. Mercedes, Audi und VW verfügen sogar über Prototypen autonomer Fahrzeuge. Das Prognos-Forschungsinstitut rechnet damit, dass ab 2030 erste Autos mit City-Pilot in den Städten auftauchen werden. „Mit dem Thema autonomes Fahren werden wir zum neuen Player in einer ganz anderen Industrie, der Computerindustrie”, betont Thomas Bachmann, Leiter der Pilotflotte für vollautomatisiertes Fahren bei BMW.
Für die deutsche Automotive-Branche war es also noch nicht zu spät für den Wandel. Das Schicksal von Nokia wird ihnen wohl erspart bleiben. Den deutschen Autokonzernen muss es aber gelingen, in der Innovation und bei Markteinführung der entwickelten Technologie vorne dabei zu bleiben und parallel auch neue Produktionskonzepte zu entwerfen: die Ökonomie des Teilens oder Sharing Economy. Gegenstände, Dienstleistungen und Fertigkeiten werden hierbei digital vernetzt und gemeinsam genutzt. Über das Internet und seine Vermittlungsplattformen werden Ressourcen, die ihr Eigentümer nicht dauerhaft selbst nutzt, temporär anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Wenn die Automotive-Branche zukünftig, wie von Thomas Bachmann postuliert, in der Computerindustrie mitmischen muss, sollte sie auch deren Spielregeln beherrschen. Diese Transformationsprozesse zu durchlaufen, ohne sich aber von der bestehenden Infrastruktur zu lösen, wird die größte Herausforderung für die Branche sein-so auch die Ansicht von Fachexperten der Unternehmensberatung Roland Berger.


„75 Prozent der Unternehmen aus der Automobilindustrie sehen für einzelne Produkte ihres Hauses durchaus eine große bis sehr große Disruptionsgefahr.”
Dr. Daniel Bartsch, Gründungspartner und Vorstand, creditshelf Aktiengesellschaft


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Bildquelle: creditshelf , Ausgabe 3/2019

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