Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

DOCMA AKADEMIE:Der Modus Lab-Farbe


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.06.2019

In der Bildbearbeitung ist der Lab-Modus der Exot unter den Farbsystemen – aber auch ein Geheimtipp, denn in ihm können Sie sehr schnelle Bildoptimierungen durchführen, die auf anderem Wege nicht möglich oder deutlich aufwendiger wären. |Olaf Giermann


Artikelbild für den Artikel "DOCMA AKADEMIE:Der Modus Lab-Farbe" aus der Ausgabe 4/2019 von DOCMA. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Alle Fotos: Olaf Giermann

Falls Sie schon einmal in einem Raw-Konverter einen manuellen Weißabgleich durchgeführt haben, hatten Sie bereits Kontakt mit der Denkweise, die hinter dem Lab-Modus steht (gesprochen „L, A, B“): In der menschlichen Wahrnehmung schließen sich Rot und seine Gegenfarbe Grün gegenseitig genauso aus wie das Farbpaar Blau und Gelb. Die ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 13,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von DOCMA. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2019 von AUS DER REDAKTION: Eine Frage der Wahrheit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUS DER REDAKTION: Eine Frage der Wahrheit
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von UNSERE AUTOREN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNSERE AUTOREN
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von SCHNELLMONTAGE: Spiegelwelten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHNELLMONTAGE: Spiegelwelten
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Tipps & Tricks. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tipps & Tricks
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von KOSTENLOSE PHOTOSHOP-AKTION: Wasserfarben-Effekt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOSTENLOSE PHOTOSHOP-AKTION: Wasserfarben-Effekt
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von DIE UNIVERSAL-WAFFE DER BILDBEARBEITER: DODGE & BURN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE UNIVERSAL-WAFFE DER BILDBEARBEITER: DODGE & BURN
Vorheriger Artikel
LICHTREZEPTE: Spiegel als Lichtquelle einsetzen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel DANCERS AND K ILLERS: Sin City-Stilmittel
aus dieser Ausgabe

Falls Sie schon einmal in einem Raw-Konverter einen manuellen Weißabgleich durchgeführt haben, hatten Sie bereits Kontakt mit der Denkweise, die hinter dem Lab-Modus steht (gesprochen „L, A, B“): In der menschlichen Wahrnehmung schließen sich Rot und seine Gegenfarbe Grün gegenseitig genauso aus wie das Farbpaar Blau und Gelb. Die Weißabgleichsregler»Farbtemperatur « und»Farbton« entsprechen diesen Farbpaaren:

Im Lab-Modus finden Sie die gegensätzlichen Farben im a-Kanal (Grün/ Rot) und im b-Kanal (Blau/Gelb). Der dritte Kanal im Bunde ist der L-Kanal, der die Bildhelligkeit enthält. Diese strikte Trennung von Helligkeit und Farbe ermöglicht schnelle und präzise Korrekturen, für die in RGB aufwendige Luminanz- und Sättigungsmasken erforderlich wären.

Beim ersten Kontakt mit Lab wirkt dieser Modus ziemlich fremdartig und vieles funktioniert nicht so wie erwartet. Aber die Beschäftigung mit Lab lohnt sich.

WANN LAB EINSETZEN?

Nutzen Sie den Lab-Modus für schnelle Korrekturen einzelner Fotos, bei denen Sie Farben und Kontraste selektiv verändern, starkes Rauschen abmildern oder die Sie kräftig nachschärfen möchten.

Vorteile von Lab:
■ Genaue und schnelle Differenzierung von Farben mit Hilfe von Gradationskurven ohne aufwendige Masken
■ Einfaches Beschränken von Korrekturen auf bestimmte Farbbereiche per»Mischen, wenn«
■ Virtuelle Farben erlauben mildere Schärfungsergebnisse und die Retusche von Glanzstellen (siehe Schritt 4).
■ Stark rauschende Bilder sind leichter zu optimieren.
■ Umfärben ist auch ohne genaue Masken nur eine Frage von Sekunden.
s

Grundlegendes über Lab

01 Zum Vergleich:
RGB-Kanäle Im RGB-Modus setzt sich ein Bild aus den drei Kanälen Rot(a) , Grün(b) und Blau(c) zusammen. Da es sich hier um eine sogenannte additive Farbmischung handelt, bewirkt jede Helligkeitsänderung in einem der Kanäle immer auch eine Änderung der Farben. Deshalb müssen Sie im Umkehrschluss bei Farbkorrekturen, etwa mit Hilfe der»Gradationskurve« , auch immer alle drei Kanäle ändern, damit die Bildhelligkeit gleich bleibt.

02 Lab-Kanäle
Lab trennt die Farben konsequent von der Bildhelligkeit. Der L-Kanal(a) zeigt die verschiedenen Helligkeitsstufen des Bildes von Schwarz bis zu Weiß. Die Farbkanäle a(b) und b(c) zeigen das Vorhandensein von Farbe und deren Sättigung durch Tonwerte an, die von einem mittleren Grau abweichen. Würden Sie diese beiden Kanäle mit 50% Grau füllen, bekämen Sie ein Schwarzweißbild, das dem L-Kanal entspricht.

03 Funktion der Lab-Kanäle
Der L-Kanal(a) enthält die Luminanzinformation. Der a-Kanal(b) ist für Grün- und Rottöne verantwortlich. Je dunkler er ist, umso grüner und gesättigter ist die erzeugte Farbe – je heller er ist, umso roter und gesättigter wird sie. Der b-Kanal(c) folgt demselben Prinzip in Bezug auf die blauen und gelben Farbwerte. In a/b-Kombination ergeben sich Mischfarben, also zum Beispiel Orange aus Rot und Gelb oder Cyan aus Grün und Blau.

04 Virtuelle Farben
Lab deckt nicht nur alle möglichen Farben ab, sondern auch solche, die es gar nicht gibt. Während die Maximalwerte Schwarz und Weiß im RGB-Modus(a) keine Farbe haben können, ist das in Lab möglich, da die Information nicht im Helligkeitskanal, sondern in den Farbkanälen vorliegt. Für die Anzeige auf dem Monitor oder für den Druck werden diese virtuellen Farben in mögliche Farben „übersetzt“(b) (siehe Schritt 15 und 18).

Wie Sie den Lab-Modus aktivieren

05 Aus Camera Raw in Lab übergeben
Die beste Bildqualität ohne Tonwertabrisse erhalten Sie, wenn Sie Fotos direkt aus Camera Raw im Lab-Modus und in 16 Bit/Kanal an Photoshop übergeben. Klicken Sie dafür auf die Info-Zeile unten im Camera-Raw-Dialog, um die»Arbeitsablaufoptionen « zu öffnen. Wählen Sie als»Farbraum« »Lab Color« und als»Farbtiefe« »16 Bit/Kanal« .

06 In Lab konvertieren und zurück
Über»Bild > Modus > Lab-Farbe«(a) können Sie jedes beliebige Bild nondestruktiv in Lab konvertieren – und über»RGB-Farbe « auch zurück. Nutzen Sie hier nach Möglichkeit ebenfalls 16-Bit-Dateien, zum Beispiel aus Scans oder einer Stapelverarbeitung des Raw-Konverters Ihrer Wahl. Einstellungsebenen müssen aber beim Konvertieren angewendet werden, wenn das Erscheinungsbild nicht verändert werden soll(b>

07 Farbeinstellungen
8-Bit-Bilder können beim Konvertieren in Lab aufgrund des riesigen Lab-Farbraums zu Tonwertabrissen (Banding) in gleichmäßigen Verläufen, wie etwa bei blauem Himmel, führen. Unter»Bearbeiten > Farbeinstellungen« ist deshalb die Option»Dither verwenden« aktiv, die das Banding abmildert. In älteren Photoshop-Versionen müssen Sie hier noch manuell umschalten – in Photoshop CC wird das Dithern nur bei 8-Bit-Bildern angewandt.

08 Lab nur auf eine Ebene anwenden Für selektive Lab-Korrekturen müssen Sie nicht gleich die ganze Datei in Lab konvertieren. Duplizieren Sie die Bildebene, konvertieren Sie sie in ein Smartobjekt und öffnen Sie dieses mit einem Doppelklick auf die Ebenen-Miniatur. Ein Smartobjekt ist nichts anderes als eine Datei innerhalb einer Datei. Sie können hier den Farbmodus ändern, Änderungen durchführen, speichern und schließen – und sind dann wieder zurück in der Originaldatei.

Das A und O: Gradationskurven in Lab

09 Helligkeitsänderungen im L-Kanal Gradationskurven sind das Brot- und Butter-Werkzeug des Lab-Modus – erst und nur die»Gradationskurve« ermöglicht es, all die Vorteile von Lab zu nutzen. Im L-Kanal (»Helligkeit« ) bietet die Kurve aber eine Kontrastkorrektur ohne Änderung von Sättigung und Farbton. Kleiner Wermutstropfen: Die»Alt« -Taste liefert keine Tonwertbeschnitt-Vorschau wie in RGB, wenn Sie den Schwarz- oder Weiß-Regler unterhalb der Kurve bewegen.

10 Farbänderungen im a- und b-Kanal Der
vielleicht spannendste Aspekt des Lab-Modus steckt in der Änderung der a- und b-Kurven. Das Grundprinzip ist einfach: Denken Sie diagonal! Denn jeder Punkt der Kurve, den Sie schräg nach oben oder unten ziehen, führt zu einer Farbänderung. Im a-Kanal(a) stimmen Sie so die Rot- und Grün-Töne ab, im b-Kanal(b) die Gelb- und Blau-Töne. Je weiter Sie sich horizontal von der Mitte entfernen, umso gesättigtere Farben ändern Sie.

11 Der Mittelpunkt im a- und b-Kanal Der Mittelpunkt der»Gradationskurve« im a- und b-Kanal steht für farbliche Neutralität. Durch das Bewegen dieses Punktes nach oben oder unten können Sie vorhandene Farbstiche ausgleichen oder eine Farbtonung hinzufügen. Im a-Kanal führt das Absenken(a) zu einer Grün-Tonung, das Nach-oben-Ziehen(b) zu einer Rotfärbung. Soll keine allgemeine Farbveränderung erfolgen, belassen Sie ihn in der Kurve in der Mitte des Koordinatensystems.

12 Schneller Farbkick
Eine Tonwertspreizung im a- und/oder b-Kanal, während der Mittelpunkt an seiner ursprünglichen Stelle bleibt, führt zu einer Verstärkung und Differenzierung der Farben, die so im RGB-Modus nicht möglich ist. Ziehen Sie dafür den Schwarzpunkt nach rechts, den Weißpunkt nach links und achten Sie darauf, dass der Mittelpunkt der»Gradationskurve« in der Mitte des Koordinatensystems bleibt, um die originale Farbigkeit zu erhalten.

Farbänderungen in Lab

13 Farben individuell ändern
Mit Hilfe der a/b-Kurven können Sie Farben in Abhängigkeit von ihrem Farbton und ihrer Sättigung sehr fein abstimmen, ohne aufwendige Auswahlen erzeugen zu müssen. Hier lässt sich einfach das vorhandene Blau der Baumstämme im Hintergrund verstärken und das Grün des Vordergrund-Baumstamms zu Braun verschieben

14 „Mischen, wenn“-Optionen
Erzeugen Sie eine Einstellungsebene vom Typ»Farbton/ Sättigung« und reduzieren Sie die»Sättigung«(a) . Öffnen Sie mit einem Doppelklick auf die Ebene den»Ebenenstil« -Dialog. Im Lab-Modus sind die»Mischen, wenn« -Regler deutlich praktischer als in RGB, da Sie hier Ebenen anhand der Bildfarben ausblenden können, ohne sich um die Bildhelligkeit kümmern zu müssen

15 Glanzlichter färben
Überstrahlte, rein weiße Bereiche wie hier bei der goldenen Statue können Sie in Lab auf einer Ebene im Modus»Farbe« einfach übermalen. Da Weiß eigentlich keine Farbe hat, erzeugen Sie auf diese Weise technisch gesehen eine unmögliche, virtuelle Farbe, die Photoshop so umrechnet, dass sie darstellbar ist – das Weiß wird daher abgedunkelt. Perfekt für das schnelle Abmildern von Glanzstellen aller Art.

16 Schnelles Umfärben
Das Umfärben von Bildelementen, ohne genaue Auswahlen treffen zu müssen, fällt in Lab besonders leicht, da Sie vom Aussparen von Farbbereichen mit Hilfe von»Mischen, wenn« profitieren. Im Beispiel erzeugen Sie eine Einstellungsebene vom Typ»Gradationskurve« und kehren deren a-Kanal um(a) . Sparen Sie mit»Mischen, wenn« alle Farben außer dem Rot der Karosserie aus(b) . Eine Maske(c) ist dann meist gar nicht mehr nötig.

Weitere Lab-Anwendungen

17 Natürliches Schwarzweiß
Möchten Sie in Ihrem Foto eine Schwarzweiß-Umsetzung erzielen, die dem natürlichen Helligkeitseindruck der Farben entspricht, so erreichen Sie das in Lab mit zwei Klicks: Aktivieren Sie in der»Kanäle« -Palette den Kanal»Helligkeit«(a) und wählen Sie anschließend»Bild > Modus > Graustufen«(b) . Diese Vorgehensweise eignet sich für Motive aller Art. Passen Sie bei Bedarf den Kontrast des Bildes an.

18 Schärfen Sowohl im RGB -
(a) als auch im Lab-Modus(b) sollten Sie ein Ebenenduplikat immer im Ebenenmodus»Luminanz« schärfen, um Farbsäume zu vermeiden. Helligkeitssäume erhalten Sie aber in beiden Fällen – jedoch führt selbst diese übertriebene Schärfung in Lab zu einem ausgewogeneren Ergebnis. Den Unterschied sehen Sie hier vor allem bei dem Bundesadler-Aufnäher. Andere Konturen fallen mitunter aber wie im Beispiel auch auffälliger als in RGB aus.

19 Rauschen reduzieren:
RGB In RGB ist das Luminanzrauschen und das Farbrauschen in allen drei Kanälen vermischt, so dass eine Rauschreduzierung leicht zu einem Detailverlust führen kann. Außerdem ist das Rauschen und die Detailzeichnung ungleichmäßig auf die Kanäle Rot(a) , Grün(b) und Blau(c) verteilt. Um den stark rauschenden Blau-Kanal zu glätten, müssten Sie sehr hohe Werte bei»Rauschen reduzieren « anwenden, mit wiederum hohem Detailverlust.

20 Rauschen reduzieren:
Lab Nach dem Umwandeln der Datei in Lab sieht der L-Kanal(a) meist schon sehr ansprechend aus und benötigt oft nur eine sanfte Rauschreduzierung. Das Farbrauschen befindet sich nun jedoch ausschließlich im a-(b) und b-Kanal(c) . Diese können Sie mit dem Filter»Matter machen« ziemlich kräftig weichzeichnen, ohne dass Sie wertvolle Bilddetails verlieren(d) . Mit einem geringen»Schwellenwert« vermeiden Sie Farbsäume an Kanten.