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Doing Nothing


bewusster leben - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 03.11.2021

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Bildquelle: bewusster leben, Ausgabe 6/2021

»Durch das einfache, absichtslose Da-Sein, in Verbindung mit dem Aufgeben der Suche selbst, wurde mir schließlich gezeigt, dass die grundlegende Natur des Universums reine Bewusstheit und Liebe ist, die alles auf höchst wundersame Weise durchatmet.«

Rani Kaluza studierte freie Malerei und lebt als Autorin, Schneiderin und spirituelle Wegbegleiterin in Köln.

Sie erforscht seit über dreißig Jahren das Präsent-Sein im Hier und Jetzt, im Alltag und intensiv in Retreats.

Der Weg des Nichttuns ist die Quintessenz ihrer langen spirituellen Reise.

Es kann herrlich sein, nährend und erfüllend, einfach nur nichts zu tun. Gleichzeitig scheint kaum etwas komplexer, tiefgründiger und schwieriger zu ...

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... sein. Nichtstun ist offenbar immer beides: einfach und schwierig, schön und schrecklich, leicht und beinahe unmöglich.

Der stille Raum zwischen dir und den Gedanken

Das Nichttun hält tiefgründige Erfahrungen für uns bereit und hat das Potenzial, uns zu verwandeln. Alles, was es braucht, ist ein Quäntchen heilige Sturheit, denn – soviel ist sicher – die Gewohnheitsmuster unseres Verstandes werden dabei herausgefordert. Vor allem am Anfang können Gedanken wie „Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll“ eine mulmige Stimmung verbreiten. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt und entspannt bleibt ist schon mal auf dem besten Weg ins Nichttun. Hierbleiben, sorglos, präsent sein und die Gedanken einfach nur ziehen lassen, ist der erste Schritt ins Offene. Es bedeutet, dem Geist die Erlaubnis zu geben, sich sanft zu weiten und neu zu ordnen.

Du schaust also in die Luft, horchst, nimmst wahr – ohne etwas zu beabsichtigen. Das Ticken einer Uhr, die leisen Geräusche des Hundes, der träumend daliegt und schläft, ein Gefühl von zeitloser Einfachheit. Wenn dein Verstand wieder fragt, was er jetzt machen soll, fällt die Antwort leicht: nämlich nichts. Falls weitere Gedanken folgen, die dieses Nichts infrage stellen wollen, lässt du dich nicht beeindrucken. Weder lässt du dich antreiben, etwas zu tun, noch dazu verleiten, darüber nachzudenken, was zum Teufel du tun könntest.

Und auf einmal rührt sich dein Verstand: „Du verschwendest nur deine Zeit“, sagt er vorwurfsvoll. „Willst du nicht lieber ein Buch lesen oder wenigstens vernünftig meditieren?“ Aber du bemerkst diese Gedanken einfach nur. Und wenn du spürst, mit welchem Gefühl sie „geladen“ sind, erkennst du oft eine Spur von Angst. Doch Moment mal, so fällt es dir dann auf, du sitzt ja einfach nur hier. Es ist absolut ungefährlich. Weder fällt dir der Himmel auf den Kopf, noch fangen die Wände an zu wackeln.

Kann ich so viel Leere überhaupt aushalten?

Wie fühlt es sich an, wenn ungewohnt viel Zeit zur Verfügung steht und man sich entschlossen hat, nichts mehr zu tun, um die Leere zu vermeiden? Abgesehen davon, dass es jedes Mal anders und neu ist, kann das Nichts schon mal wie ein obskurer Feind erscheinen, der irgendwo unsichtbar im Raum lauert. Ein ängstlicher Gedanke könnte flüstern: „Kann ich so viel Leere überhaupt aushalten?“

Es ist, als ob du in einen neuen Erlebnisbereich eingetreten bist und nicht weißt, ob du hier noch richtig bist. Eigentlich fühlt es sich leicht an, zu leicht womöglich. Tatsächlich trägt uns die Absichtslosigkeit öfter mal über die Grenzen des Verstandes hinaus: „Wo bin ich hier?“ Schaust du der Angst jedoch ins Auge, blickst du genau dorthin, wo sie ist: im offenen Raum der Gegenwart. Und du stellst fest, dass es weit und breit nichts gibt, das bedrohlich sein könnte.

Freundschaft mit der Langeweile

Wer sich wirklich auf das Nichttun einlassen möchte, braucht wohl etwas mehr als ein Quäntchen heilige Sturheit. Zeit, Mut, Geduld, Demut und Entschlossenheit sind gefragt. Auch ein freudiger Pioniergeist kann hilfreich sein, denn für diese Erfahrung gibt es keine ausgetretenen Wege altbewährter Traditionen. Sie ähnelt eher einer Reise in ein unbekanntes Land. Neuland.

Sich dem absichtslosen Hier-Sein vertrauensvoll zu überlassen, für Stunden, manchmal auch Tage, ist mutig, geradezu kühn. Neben Phasen berührender Glückseligkeit und stiller Verbundenheit, erlebt man auch große Herausforderungen, wie all die Gefühle zu fühlen, die man normalerweise vermeidet, indem man sich ablenkt. Und man lernt sich anzufreunden mit den Tälern der Langeweile, mit den banalen, belanglos erscheinenden Momenten, mit dem Nicht-Wissen und mit sich selbst. Ganz zu schweigen von den endlosen Sabotageversuchen des Verstandes, für den das Nichttun, offen gesagt, schlichtweg zu hoch zu sein scheint.

Rani Kaluza

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